{"id":874,"date":"2021-11-02T17:03:36","date_gmt":"2021-11-02T16:03:36","guid":{"rendered":"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/finanz\/?page_id=874"},"modified":"2021-11-02T17:03:37","modified_gmt":"2021-11-02T16:03:37","slug":"suedwind-studie-zeigt-menschenrechtsverstoesse-in-tuerkischen-kleinbetrieben-des-ledersektors-auf","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/finanz\/suedwind-studie-zeigt-menschenrechtsverstoesse-in-tuerkischen-kleinbetrieben-des-ledersektors-auf\/","title":{"rendered":"S\u00dcDWIND-Studie zeigt Menschenrechtsverst\u00f6\u00dfe in t\u00fcrkischen Kleinbetrieben des Ledersektors auf"},"content":{"rendered":"\n<p><em>Der Lohn von Arbeiterinnen in t\u00fcrkischen Kleinbetrieben des Ledersektors reicht kaum zum \u00dcberleben. Viele der Arbeitenden sind derzeit Gefl\u00fcchtete aus Syrien; ihre finanzielle Situation ist so prek\u00e4r, dass sie bereit sind, auch f\u00fcr ein ungen\u00fcgendes Gehalt und zu miserablen Bedingungen zu arbeiten. Die Studie zeigt auch, dass allein an die unmittelbaren Arbeitgeberinnen in der T\u00fcrkei gerichtete Forderungen zu kurz greifen: In der EU muss menschenrechtliche Sorgfalt auch f\u00fcr kleine Unternehmen am Anfang ihrer Wertsch\u00f6pfungsketten verpflichtend werden.<\/em><\/p>\n\n\n\n<hr>\n<img decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-313\" title=\"Grafik: Nata Uchava, Michael Wildberger.\" src=\"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/finanz\/wp-content\/uploads\/sites\/13\/2021\/11\/NU-211102-suedwind.jpg\" alt=\"\" width=\"1024\">\n<hr>\n&nbsp;\n\n\n\n<p><strong>(Bonn, 5. Oktober 2021)<\/strong> In seiner neuen Studie belegt das S\u00dcDWIND-Institut inakzeptable Probleme in t\u00fcrkischen Kleinbetrieben des Ledersektors. Im Sommer 2021 wurden Arbeiter*innen und Arbeitgeber*innen befragt, die in der T\u00fcrkei Leder, Schuhe, G\u00fcrtel oder Taschen herstellen. Auch Expert*innen sowie Eltern von Kindern, die im Sektor arbeiten, kamen bei der Erhebung zu Wort. Die t\u00fcrkische Organisation Support to Life unterst\u00fctzte die Durchf\u00fchrung der Studie, die von der Expertin Sinem Sefa Akay mit finanzieller Unterst\u00fctzung der Heinrich B\u00f6ll Stiftung T\u00fcrkei im Auftrag des S\u00dcDWIND-Instituts durchgef\u00fchrt wurde.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Ergebnisse: Der Lohn der Arbeiter*innen reicht kaum zum \u00dcberleben. Viele der Arbeitenden sind derzeit Gefl\u00fcchtete aus Syrien. Ihre finanzielle Situation ist so prek\u00e4r, dass sie bereit sind, auch f\u00fcr ein ungen\u00fcgendes Gehalt und zu miserablen Bedingungen zu arbeiten. Fast keine*r der Befragten hat einen Arbeitsvertrag. Die Arbeitszeit betr\u00e4gt f\u00fcr Erwachsene oft zehn Stunden t\u00e4glich mit nur einer Pause.<\/p>\n\n\n\n<p>Es gibt kaum Sicherheitsvorkehrungen, obwohl die Menschen mit Maschinen, Chemikalien und stinkendem Kleber arbeiten. Die Arbeitspl\u00e4tze sind oft laut; es gibt keine Heizungs- oder L\u00fcftungssysteme. Schutzausr\u00fcstung und Trainings zu sicherem Arbeiten fehlen. Auch gewerkschaftliche Organisation gibt es in diesem informellen Sektor kaum. Den meisten Befragten sind wichtige Normen und internationale Arbeitsrechte unbekannt, zum Beispiel in Bezug auf \u00dcberstunden, Feiertage und Lohnfortzahlung im Krankheitsfall. Einige syrische, wie t\u00fcrkische Eltern berichten, dass ihre Kinder arbeiten, um etwas zum Haushaltseinkommen beizutragen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Studie zeigt auch, dass allein an die unmittelbaren Arbeitgeber*innen in der T\u00fcrkei gerichtete Forderungen zu kurz greifen. Diese verdienen mit ihrer Arbeit kaum mehr als das, was sie als Gehalt auszahlen und arbeiten oft Seite an Seite mit ihren Angestellten. F\u00fcr alle Beteiligten ist die Situation belastend. Gleichzeitig sind die Missst\u00e4nde so weit verbreitet, dass sie bei den Betroffenen als normal gelten.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eDas darf nicht so bleiben\u201c, erkl\u00e4rt Dr. Jiska Gojowczyk, Co-Autorin des Berichts. \u201eWir gehen zwar davon aus, dass die Situation in vielen gro\u00dfen Betrieben in der T\u00fcrkei besser ist, aber wir k\u00f6nnen nicht ausschlie\u00dfen, dass diese Betriebe Auftr\u00e4ge an die kleinen vergeben. Aber wir brauchen auch Perspektiven f\u00fcr die Besch\u00e4ftigten des informellen Sektors. Nicht die Informalit\u00e4t, sondern menschenrechtliche Sorgfalt muss im Ledersektor Standard werden.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Klar ist, so Gojowczyk, dass auch Unternehmen des Sektors in Deutschland in der Verantwortung sind: \u201eDeutschland ist eines der wichtigsten Abnahmel\u00e4nder t\u00fcrkischer Leder- und Lederwarenexporte. Unternehmen in Deutschland m\u00fcssen folglich ihre Lieferketten auf menschenrechtliche Risiken pr\u00fcfen. Und sie m\u00fcssen Gesch\u00e4ftsbeziehungen und Preispolitiken verfolgen, die zu nachhaltiger Entwicklung beitragen.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Das S\u00dcDWIND-Institut stellt au\u00dferdem Forderungen an die aktuell verhandelnden Parteispitzen in der Bundespolitik: Der neue Koalitionsvertrag muss beinhalten, dass menschenrechtliche Sorgfalt auch f\u00fcr kleine Unternehmen am Anfang ihrer Wertsch\u00f6pfungsketten verpflichtend wird. Dies gilt insbesondere f\u00fcr Risikobranchen wie den Ledersektor. Wir erwarten einen Koalitionsvertrag, der gro\u00dfes Engagement der Regierung f\u00fcr strenge Regeln in der Europ\u00e4ischen Union und in den Vereinten Nationen vorsieht.<\/p>\n\n\n\n<p>S\u00dcDWIND ist ein gemeinn\u00fctziger Verein, der unabh\u00e4ngig von Regierungen, Parteien, Wirtschaft und Kirchen arbeitet. Finanziert wird S\u00dcDWIND aus Zusch\u00fcssen, Einnahmen aus Auftragst\u00e4tigkeiten sowie Mitgliedsbeitr\u00e4gen und Spenden.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-table is-style-regular\"><table><tbody><tr><td><a rel=\"noopener noreferrer\" href=\"https:\/\/www.suedwind-institut.de\/team.html\" target=\"_blank\"><img decoding=\"async\" class=\"aligncenter wp-image-313\" title=\"Foto: S\u00dcDWIND.\" src=\"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/finanz\/wp-content\/uploads\/sites\/13\/2021\/11\/Jiska_Gojowczyk.jpg\" alt=\"\" width=\"180\"><\/a><\/td><td>Dr. Jiska Gojowczyk ist wissenschaftliche Mitarbeiterin bei <a href=\"https:\/\/www.suedwind-institut.de\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">S\u00dcDWIND<\/a>.<\/td><\/tr><tr><td><\/td><td><a href=\"https:\/\/www.suedwind-institut.de\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\"><img decoding=\"async\" class=\"aligncenter wp-image-313\" title=\" \" src=\"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/finanz\/wp-content\/uploads\/sites\/13\/2018\/09\/S\u00fcdwind.png\" width=\"180\"><\/a><\/td><\/tr><\/tbody><\/table><\/figure>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-table\"><table class=\"has-subtle-light-gray-background-color has-background\"><tbody><tr><td width=\"25%\"><a href=\"https:\/\/www.suedwind-institut.de\/files\/Suedwind\/Publikationen\/2021\/2021-21%20Valuable%20as%20leather_Being%20a%20leather%20industry%20worker%20and%20producer%20in%20Turkey.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\"><img decoding=\"async\" class=\"aligncenter wp-image-313\" title=\" \" src=\"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/finanz\/wp-content\/uploads\/sites\/13\/2021\/11\/2021-21-Valuable-as-leather-T.jpg\" alt=\"\" width=\"180\"><\/a><\/td><td width=\"75%\">Der Bericht &#8222;Valuable As Leather? Being a leather industry worker and producer in Turkey&#8220;, steht <a href=\"https:\/\/www.suedwind-institut.de\/files\/Suedwind\/Publikationen\/2021\/2021-21%20Valuable%20as%20leather_Being%20a%20leather%20industry%20worker%20and%20producer%20in%20Turkey.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">\u00fcber diesen Link zum Download als PDF<\/a> bereit.<\/td><\/tr><\/tbody><\/table><\/figure>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Lohn von Arbeiterinnen in t\u00fcrkischen Kleinbetrieben des Ledersektors reicht kaum zum \u00dcberleben. Viele der Arbeitenden sind derzeit Gefl\u00fcchtete aus Syrien; ihre finanzielle Situation ist so prek\u00e4r, dass sie bereit sind, auch f\u00fcr ein ungen\u00fcgendes Gehalt und zu miserablen Bedingungen zu arbeiten. 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