{"id":880,"date":"2021-11-04T17:14:28","date_gmt":"2021-11-04T16:14:28","guid":{"rendered":"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/finanz\/?page_id=880"},"modified":"2021-11-04T17:14:29","modified_gmt":"2021-11-04T16:14:29","slug":"dax-konzerne-schuetten-aus-anstatt-in-klimaschutz-zu-investieren","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/finanz\/dax-konzerne-schuetten-aus-anstatt-in-klimaschutz-zu-investieren\/","title":{"rendered":"DAX-Konzerne sch\u00fctten aus, anstatt in Klimaschutz zu investieren"},"content":{"rendered":"\n<p><em>Oxfam und Finanzwende haben pro Sektor berechnen lassen, welche Investitionen 30 DAX-Konzerne j\u00e4hrlich t\u00e4tigen m\u00fcssten, um ihre Gesch\u00e4ftsmodelle bis 2050 klimaneutral zu gestalten. W\u00fcrden beispielsweise BMW, Daimler, Volkswagen und Lufthansa allein aus ihren Gewinnen die erforderlichen Klimainvestitionen t\u00e4tigen, k\u00f6nnten sie im Schnitt immer noch auf dem Niveau der Jahre 2009 und 2010 an ihre Aktion\u00e4rinnen aussch\u00fctten. Die Verg\u00fctung der Top-Managerinnen mittels Bonuszahlungen oder Aktienpaketen setzt starke Anreize f\u00fcr Gesch\u00e4ftsentscheidungen in Richtung der Interessen von Aktion\u00e4r*innen an steigenden Aussch\u00fcttungen.<\/em><\/p>\n\n\n\n<hr>\n<img decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-313\" title=\"Foto: Nata Uchava, Freiburg.\" src=\"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/finanz\/wp-content\/uploads\/sites\/13\/2021\/11\/NU-211104-DAX-Konzerne.jpg\" alt=\"\" width=\"1024\">\n<hr>\n&nbsp;\n\n\n\n<p><strong>(Berlin, 4. November 2021)<\/strong> Statt ausreichend in den Klimaschutz zu investieren, sch\u00fctten 30 DAX-Konzerne insgesamt einen zunehmenden Teil ihrer Gewinne an Aktion\u00e4r*innen aus oder bauen damit Finanzreserven auf. Dabei h\u00e4tten viele den finanziellen Spielraum f\u00fcr die Investitionen, die laut EU erforderlich sind, um bis 2050 klimaneutral zu werden. Das zeigt ein neuer Bericht von Oxfam Deutschland und Finanzwende. Die Organisationen fordern einen unternehmensrechtlichen Rahmen, der sicherstellt, dass Konzerne Aktion\u00e4rsinteressen nicht l\u00e4nger \u00fcber das Gemeinwohl stellen.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Bericht analysiert, wie 30 DAX-Konzerne in den vergangenen Jahren ihre Gewinne verwendet haben:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\"><li>Die Aussch\u00fcttungen legten zwischen 2009 und 2020 mit 85 Prozent fast doppelt so stark zu wie die Gewinne, die um 48 Prozent stiegen.<\/li><li>Einzelne Unternehmen (RWE, E.On und ThyssenKrupp) \u00fcberwiesen sogar in Verlustjahren ihren Anteilseigner*innen Geld.<\/li><li>Zudem wuchsen die Finanzreserven von 122 Milliarden Euro im Jahr 2014 auf fast 200 Milliarden Ende 2020. Hiervon profitieren ebenfalls in erster Linie Aktion\u00e4r*innen, da gr\u00f6\u00dfere R\u00fccklagen den Unternehmenswert steigern.<\/li><\/ul>\n\n\n\n<p>Gleichzeitig hapert es beim Klimaschutz: Oxfam und Finanzwende haben pro Sektor berechnen lassen, welche Investitionen die Konzerne j\u00e4hrlich t\u00e4tigen m\u00fcssten, um ihre Gesch\u00e4ftsmodelle bis 2050 klimaneutral zu gestalten. Das Ergebnis: Alle Unternehmen investieren zu wenig, dabei w\u00e4ren viele dazu problemlos in der Lage \u2013 und zwar ohne staatliche Subventionen oder Steuererleichterungen. Im Transportsektor etwa bel\u00e4uft sich die Investitionsl\u00fccke von BMW, Daimler, Volkswagen und Lufthansa auf 13,8 Milliarden Euro pro Jahr, ihre Gewinne betrugen zuletzt im Schnitt mehr als das Doppelte. W\u00fcrden die Konzerne daraus die erforderlichen Klimainvestitionen t\u00e4tigen, k\u00f6nnten sie im Schnitt immer noch auf dem Niveau der Jahre 2009 und 2010 aussch\u00fctten.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Gemeinwohl braucht Gestaltung<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Doch in den Konzernetagen dominieren die Interessen der Aktion\u00e4r*innen an steigenden Aussch\u00fcttungen. Ein Grund hierf\u00fcr ist die Verg\u00fctung der Top-Manager*innen mittels Bonuszahlungen oder Aktienpaketen, was starke Anreize f\u00fcr Gesch\u00e4ftsentscheidungen setzt. \u201eDie Fokussierung auf die Interessen der Anteilseigner f\u00fchrt zu Sch\u00e4den an vielen Stellen. Immer wieder werden Gewinne privatisiert und Sch\u00e4den an Mensch und Umwelt sozialisiert\u201c, erkl\u00e4rt Michael Peters, Finanzmarktexperte von Finanzwende. Dabei hat die Gemeinwohlverpflichtung von Eigentum in Deutschland Verfassungsrang: \u201eEigentum verpflichtet\u201c, hei\u00dft es in Artikel 14 des Grundgesetzes.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eUnsere Untersuchung zeigt deutlich: Gemeinwohl braucht Gestaltung. Die Unternehmen k\u00f6nnten andere Priorit\u00e4ten setzen, wenn sie wollten. Doch die Politik l\u00e4sst es zu, dass sie sich aus der Verantwortung stehlen. Das muss sich \u00e4ndern\u201c, fordert Barbara Sennholz-Weinhardt, Wirtschaftsexpertin von Oxfam Deutschland. Der kommenden Bundesregierung schlagen Oxfam und Finanzwende gesetzliche Regeln vor, die Unternehmen dem Gemeinwohl konkreter verpflichten w\u00fcrden, unter anderem:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\"><li>Das Unternehmensinteresse, dem Aufsichtsr\u00e4te und Vorst\u00e4nde verpflichtet sind, muss die Einhaltung der Menschenrechte und der planetaren Grenzen einschlie\u00dfen \u2013 inklusive einer Klagem\u00f6glichkeit negativ Betroffener.<\/li><li>Unternehmen m\u00fcssen verpflichtet werden, Strategien zur Umsetzung ihrer Gemeinwohlpflichten zu entwickeln und zu ver\u00f6ffentlichen. Aussch\u00fcttungen an Aktion\u00e4r*innen sollten an Voraussetzungen gebunden und beim \u00dcberschuss eines Gesch\u00e4ftsjahres gedeckelt werden.<\/li><li>Unternehmen m\u00fcssen sicherstellen, dass betroffene Interessengruppen wirksam auf die Gesch\u00e4ftspolitik von Unternehmen einwirken k\u00f6nnen, insbesondere Arbeiter*innen, Lieferanten und lokale Gemeinschaften in den Lieferketten.<\/li><\/ul>\n\n\n\n<p><strong>Einzelheiten zum Bericht<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Der Bericht von Oxfam und Finanzwende basiert auf Recherchen und Berechnungen des beauftragten Wirtschaftsforschungsinstituts BASIC. Neben den Vers\u00e4umnissen der Unternehmen beim Klimaschutz untersucht der Bericht auch deren Aktivit\u00e4ten im Bereich menschenrechtlicher Sorgfaltsplichten. Doch die meisten Konzerne schweigen sich \u00fcber Investitionen, Lieferketten und Produktionsnetzwerke aus. Dabei geh\u00f6rt Transparenz zu den bereits 2011 von den Vereinten Nationen beschlossenen Prinzipien f\u00fcr Wirtschaft und Menschenrechte. Einzige Ausnahme ist Adidas, das sich nach \u00f6ffentlichem Druck gezwungen sah, seine Lieferketten offenzulegen: W\u00fcrde das Unternehmen entlang seiner Lieferkette die Zahlung existenzsichernder L\u00f6hne sicherstellen, entst\u00fcnde ein Mehraufwand von rund 567 Millionen Euro. Dies w\u00e4re aus den Gewinnen von durchschnittlich 1,22 Milliarden Euro pro Jahr finanzierbar. W\u00fcrde Adidas seine Dividenden hierf\u00fcr um 50 Prozent k\u00fcrzen, l\u00e4gen die Aussch\u00fcttungen immer noch auf dem Niveau von 2013, als sie zu den h\u00f6chsten in der Textilbranche geh\u00f6rten.<\/p>\n\n\n\n<p>Vorst\u00e4nde der betrachte\u00adten DAX 30-Unternehmen verdienen mit im Schnitt 3,4 Millionen Euro das 48-fache ihrer Belegschaft. Mit umgerechnet etwa 18,5 Millionen US-Dollar Jahresgehalt ist Linde-CEO Steve Angel Spitzenverdiener und verdient das 245-fache des durchschnittlichen Gehalts der Linde Mitarbeiter*innen.<\/p>\n\n\n\n<p>Derzeit arbeitet die Europ\u00e4ische Union an einer Regulierung nachhaltiger Unternehmensf\u00fchrung, die zusammen mit einem europ\u00e4ischen Lieferkettengesetz entwickelt wird. Unter dem Stichwort \u201eDirectors\u2018 Duties\u201c beziehungsweise \u201eSustainable Corporate Governance Initiative\u201d will die EU-Kommission bis Ende des Jahres 2021 eine entsprechende Richtlinie vorlegen. Das Europaparlament hat sich bereits daf\u00fcr ausgesprochen. Wie sich der Rat dazu positioniert, wird entscheidend von der Haltung der neuen Bundesregierung abh\u00e4ngen.<\/p>\n\n\n\n<p>Der DAX wurde vor Kurzem von 30 auf 40 Unternehmen aufgestockt. Bei den untersuchten Unternehmen handelt es sich um Firmen, die im Berichtszeitraum mindestens f\u00fcnf Jahre zum DAX30 geh\u00f6rt haben.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-table\"><table class=\"has-subtle-light-gray-background-color has-background\"><tbody><tr><td width=\"25%\"><a rel=\"noopener noreferrer\" href=\"https:\/\/www.oxfam.de\/blog\/autor_innen\/barbara-sennholz-weinhardt\" target=\"_blank\"><img decoding=\"async\" class=\"aligncenter wp-image-313\" title=\"Foto: OXFAM.\" src=\"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/finanz\/wp-content\/uploads\/sites\/13\/2021\/04\/Barbara-Sennholz-Weinhardt.jpg\" alt=\"\" width=\"180\"><\/a><\/td><td width=\"75%\">Barbara Sennholz-Weinhardt ist Referentin f\u00fcr Wirtschaft und Globalisierung bei <a href=\"https:\/\/www.oxfam.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">OXFAM Deutschland<\/a>.<\/td><\/tr><tr><td><\/td><td><a href=\"https:\/\/www.oxfam.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\"><img decoding=\"async\" class=\"aligncenter wp-image-313\" title=\" \" src=\"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/finanz\/wp-content\/uploads\/sites\/13\/2018\/05\/OXFAM.png\" alt=\"\" width=\"150\"><\/a><\/td><\/tr><\/tbody><\/table><\/figure>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-table\"><table class=\"has-subtle-light-gray-background-color has-background\"><tbody><tr><td width=\"25%\"><a href=\"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/finanz\/wp-content\/uploads\/sites\/13\/2021\/11\/dax30_report_DE_final.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\"><img decoding=\"async\" class=\"aligncenter wp-image-313\" title=\" \" src=\"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/finanz\/wp-content\/uploads\/sites\/13\/2021\/11\/dax30_report_DE_final-T.jpg\" alt=\"\" width=\"180\"><\/a><\/td><td width=\"75%\">Der Bericht &#8222;Gewinne auf Kosten der Allgemeinheit. Wie Konzerne Aktion\u00e4rsinteressen bedienen, statt Klima und Menschenrechte zu sch\u00fctzen&#8220;, steht <a href=\"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/finanz\/wp-content\/uploads\/sites\/13\/2021\/11\/dax30_report_DE_final.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">\u00fcber diesen Link zum Download als PDF<\/a> bereit.<\/td><\/tr><\/tbody><\/table><\/figure>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Oxfam und Finanzwende haben pro Sektor berechnen lassen, welche Investitionen 30 DAX-Konzerne j\u00e4hrlich t\u00e4tigen m\u00fcssten, um ihre Gesch\u00e4ftsmodelle bis 2050 klimaneutral zu gestalten. W\u00fcrden beispielsweise BMW, Daimler, Volkswagen und Lufthansa allein aus ihren Gewinnen die erforderlichen Klimainvestitionen t\u00e4tigen, k\u00f6nnten sie im Schnitt immer noch auf dem Niveau der Jahre 2009 und 2010 an ihre Aktion\u00e4rinnen &hellip; <\/p>\n<p class=\"link-more\"><a href=\"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/finanz\/dax-konzerne-schuetten-aus-anstatt-in-klimaschutz-zu-investieren\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">\u201eDAX-Konzerne sch\u00fctten aus, anstatt in Klimaschutz zu investieren\u201c<\/span> weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"parent":0,"menu_order":82,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":{"footnotes":""},"class_list":["post-880","page","type-page","status-publish","hentry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/finanz\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/880","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/finanz\/wp-json\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/finanz\/wp-json\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/finanz\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/finanz\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=880"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/finanz\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/880\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":881,"href":"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/finanz\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/880\/revisions\/881"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/finanz\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=880"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}