{"id":949,"date":"2022-01-17T16:32:14","date_gmt":"2022-01-17T15:32:14","guid":{"rendered":"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/finanz\/?page_id=949"},"modified":"2022-01-17T16:36:40","modified_gmt":"2022-01-17T15:36:40","slug":"die-einen-verdienen-die-anderen-sterben-wie-die-covid-19-pandemie-ungleichheit-befeuert","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/finanz\/die-einen-verdienen-die-anderen-sterben-wie-die-covid-19-pandemie-ungleichheit-befeuert\/","title":{"rendered":"Die einen verdienen, die anderen sterben: Wie die Covid-19-Pandemie Ungleichheit befeuert"},"content":{"rendered":"\n<p><em>Das kumulierte Verm\u00f6gen aller Milliard\u00e4rinnen ist seit Beginn der Covid-19-Pandemie nach Berechnungen von Forbes um f\u00fcnf Billionen US-Dollar gestiegen \u2013 das ist ein gr\u00f6\u00dferer Zuwachs als in den 14 Jahren vor der Pandemie zusammen. Gleichzeitig lebte bereits 2019 fast die H\u00e4lfte der Menschheit \u2013 3,2 Milliarden Menschen \u2013 unterhalb der von der Weltbank definierten Armutsgrenze, heute sind es 163 Millionen Menschen mehr als vor der Pandemie angenommen. Als Ursache f\u00fcr die wachsende soziale Ungleichheit benennt der Oxfam-Bericht &#8222;Inequality kills&#8220; die Profitlogik unserer Wirtschaft: Gewinne f\u00fcr Konzerne und ihre Eigent\u00fcmerinnen z\u00e4hlen systematisch mehr als der Schutz der Menschenrechte und des Planeten; politische Entscheidungen der vergangenen Jahrzehnte haben diese Tendenz versch\u00e4rft.<\/em><\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\"\/>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"413\" src=\"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/finanz\/wp-content\/uploads\/sites\/13\/2022\/01\/NU-220117-oxfam.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-940\" title=\"Foto: Nata Uchava, Freiburg\"\/><\/figure>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\"\/>\n\n\n\n<p><strong>(Berlin\/Davos, 17. Januar 2022)<\/strong> W\u00e4hrend der Covid-19-Pandemie konnten die zehn reichsten Milliard\u00e4re ihr Gesamtverm\u00f6gen verdoppeln, auf insgesamt 1,5 Billionen US-Dollar. Gleichzeitig leben \u00fcber 160 Millionen Menschen zus\u00e4tzlich in Armut. Ungleichheit ist zudem eine Frage von Leben und Tod: Jedes Jahr sterben Millionen Menschen, etwa weil sie keine ad\u00e4quate medizinische Versorgung bekommen. Das zeigt der Bericht \u201eInequality kills\u201c, den die Nothilfe- und Entwicklungsorganisation Oxfam anl\u00e4sslich der virtuellen \u201eDavos Agenda\u201c des Weltwirtschaftsforums 2022 ver\u00f6ffentlicht. Oxfam fordert von den Regierungen weltweit, Konzerne und Superreiche zur Finanzierung sozialer Grunddienste st\u00e4rker zu besteuern, f\u00fcr globale Impfgerechtigkeit zu sorgen und die Wirtschaft am Gemeinwohl auszurichten.<\/p>\n\n\n\n<p>Als Ursache f\u00fcr die wachsende soziale Ungleichheit benennt der Bericht die Profitlogik unserer Wirtschaft: Gewinne f\u00fcr Konzerne und ihre Eigent\u00fcmer*innen z\u00e4hlen systematisch mehr als der Schutz der Menschenrechte und des Planeten. Politische Entscheidungen der vergangenen Jahrzehnte haben diese Tendenz versch\u00e4rft. Die Folge davon ist strukturelle wirtschaftliche Gewalt, mit zum Teil t\u00f6dlichen Konsequenzen:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\"><li>Das kumulierte Verm\u00f6gen aller Milliard\u00e4r*innen ist seit Beginn der Pandemie nach Berechnungen von Forbes um beispiellose f\u00fcnf Billionen US-Dollar gestiegen. Das ist ein gr\u00f6\u00dferer Zuwachs als in den 14 Jahren vor der Pandemie zusammen. Gleichzeitig lebte bereits 2019 fast die H\u00e4lfte der Menschheit \u2013 3,2 Milliarden Menschen \u2013 unterhalb der von der Weltbank definierten Armutsgrenze von 5,50 Dollar pro Tag. Heute sind es 163 Millionen Menschen mehr als vor der Pandemie angenommen.<\/li><li>Mindestens 13 Millionen Frauen haben im Zuge der Pandemie Arbeit und Einkommen verloren, allein im Jahr 2020 belaufen sich ihre Verluste auf mindestens 800 Milliarden US-Dollar. \u00dcber 20 Millionen M\u00e4dchen zus\u00e4tzlich werden nie wieder eine Schule besuchen. Jeden Tag sterben mindestens 15.000 Menschen, weil ihnen eine ad\u00e4quate medizinische Versorgung verwehrt ist. F\u00fcr Menschen, die von Rassismus betroffen sind, ist das Risiko an Covid-19 zu sterben, bis zu drei Mal gr\u00f6\u00dfer als f\u00fcr wei\u00dfe Menschen. Und Menschen mit geringem Einkommen haben eine geringere Lebenserwartung als wohlhabende Menschen.<\/li><li>Mittlerweile sind \u00fcber drei Milliarden Menschen zweifach gegen Covid-19 geimpft, doch nur rund neun Prozent der Menschen in L\u00e4ndern mit niedrigem Einkommen haben mindestens eine Impfdosis erhalten. Millionen Menschen, die h\u00e4tten gerettet werden k\u00f6nnen, sind wegen der ungerechten Impfstoffverteilung an der Pandemie und ihren Folgen gestorben. Die Impfstoffe m\u00fcssen als \u00f6ffentliches Gut behandelt werden, auch weil Regierungen ihre Entwicklung mit viel Steuergeld gef\u00f6rdert haben. Mindestens 120 Unternehmen weltweit k\u00f6nnten in die Produktion einsteigen und ausreichend Impfstoffe zu erschwinglichen Preisen herstellen, w\u00fcrde die Technologie global geteilt. Doch das verhindert der internationale Patentschutz.<\/li><\/ul>\n\n\n\n<p>Manuel Schmitt, Referent f\u00fcr soziale Ungleichheit bei Oxfam Deutschland, kommentiert: \u201eF\u00fcr Milliard\u00e4re gleicht die Pandemie einem Goldrausch. Regierungen haben Milliarden in die Wirtschaft gepumpt, doch ein Gro\u00dfteil ist bei Menschen h\u00e4ngengeblieben, die von steigenden Aktienkursen besonders profitieren. W\u00e4hrend ihr Verm\u00f6gen so schnell w\u00e4chst wie nie zuvor und einige Ausfl\u00fcge ins All unternehmen, hat die weltweite Armut drastisch zugenommen. Soziale Ungleichheit ist eine schreiende Ungerechtigkeit, und sie t\u00f6tet Menschen. Das ist ein Zustand, den wir nicht l\u00e4nger hinnehmen d\u00fcrfen! Die Politik muss die Weichen hin zu einem gerechten und demokratischen Wirtschaftssystem stellen. Im Zentrum wirtschaftlicher Entscheidungen darf nicht l\u00e4nger nur der Profit, sondern muss vor allem das Gemeinwohl stehen.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>In diesem Sinne fordert Oxfam Deutschland von der Bundesregierung:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\"><li>Konzerne und sehr Verm\u00f6gende st\u00e4rker in die Verantwortung nehmen und in soziale Grunddienste investieren: Die Verm\u00f6genssteuer muss wieder eingef\u00fchrt werden und es braucht eine einmalige Abgabe auf sehr hohe Verm\u00f6gen. Zudem muss die globale Mindeststeuer auf 20 bis 25 Prozent angehoben und Steueroasen m\u00fcssen geschlossen werden.<\/li><li>Patentschutz f\u00fcr Covid-19-Impfstoffe aussetzen und Marktmacht von Konzernen begrenzen: Die Bundesregierung muss den Antrag zur Aussetzung des Patentschutzes von Covid-19-Impfstoffen bei der WTO unterst\u00fctzen, um schnell eine fl\u00e4chendeckende Impfung aller Menschen zu erreichen. Nur so kann die Pandemie weltweit einged\u00e4mmt und das Risiko neuer, impfresistenter Virusvarianten beschr\u00e4nkt werden.<\/li><li>Unternehmen demokratisieren und gemeinwohlorientiert ausrichten: Unternehmen m\u00fcssen verpflichtet werden, Ziele innerhalb der planetaren Grenzen und unter Beachtung der menschenrechtlichen Sorgfaltspflicht festzulegen und umzusetzen. Zudem sollten Unternehmen Strategien ver\u00f6ffentlichen m\u00fcssen, in denen sie den Investitionsbedarf zur Erf\u00fcllung ihrer menschenrechtlichen und \u00f6kologischen Verpflichtungen benennen.<\/li><\/ul>\n\n\n\n<p>In Deutschland haben die zehn reichsten Personen ihr kumuliertes Verm\u00f6gen seit Beginn der Pandemie von rund 144 Milliarden auf etwa 256 Milliarden US-Dollar gesteigert \u2013 ein Anstieg um rund 78 Prozent. Allein dieser Gewinn entspricht ann\u00e4hernd dem Gesamtverm\u00f6gen der \u00e4rmsten 40 Prozent, also von 33 Millionen Deutschen. W\u00e4hrenddessen erreicht die Armutsquote in Deutschland mit 16,1 Prozent einen H\u00f6chststand. 13,4 Millionen Menschen leben hierzulande in Armut.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-9d6595d7 wp-block-columns-is-layout-flex\">\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\" style=\"flex-basis:33.33%\">\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><a href=\"https:\/\/www.oxfam.de\/blog\/autor_innen\/manuel-schmitt\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"455\" height=\"606\" src=\"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/finanz\/wp-content\/uploads\/sites\/13\/2022\/01\/Manuel-Schmitt-oxfam-K.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-941\" title=\"Foto: OXFAM\"\/><\/a><\/figure>\n<\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\" style=\"flex-basis:66.66%\">\n<p>Manuel Schmitt ist Referent f\u00fcr soziale Ungleichheit bei <a href=\"https:\/\/www.oxfam.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Oxfam Deutschland<\/a>.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full is-resized\"><a href=\"https:\/\/www.oxfam.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/finanz\/wp-content\/uploads\/sites\/13\/2018\/05\/OXFAM.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-79\" width=\"216\" height=\"80\"\/><\/a><\/figure>\n<\/div>\n<\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-9d6595d7 wp-block-columns-is-layout-flex\">\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\" style=\"flex-basis:33.33%\">\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><a href=\"https:\/\/www.oxfam.de\/system\/files\/documents\/inequality_kills_en_web.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"599\" height=\"846\" src=\"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/finanz\/wp-content\/uploads\/sites\/13\/2022\/01\/Inequality-Kills_designed-full-report-T.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-942\"\/><\/a><\/figure>\n<\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\" style=\"flex-basis:66.66%\">\n<p>Der Bericht &#8222;Inequality kills&#8220; in englischer Sprache <a href=\"https:\/\/www.oxfam.de\/system\/files\/documents\/inequality_kills_en_web.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">steht \u00fcber diesen Link zum Download als PDF bereit<\/a>.<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-9d6595d7 wp-block-columns-is-layout-flex\">\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\" style=\"flex-basis:33.33%\">\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><a href=\"https:\/\/www.oxfam.de\/system\/files\/documents\/oxfam_factsheet_gewaltige_ungleichheit.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"595\" height=\"842\" src=\"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/finanz\/wp-content\/uploads\/sites\/13\/2022\/01\/oxfam_factsheet_gewaltige_ungleichheit-T.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-944\"\/><\/a><\/figure>\n<\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\" style=\"flex-basis:66.66%\">\n<p>Eine deutsche Zusammenfassung des Berichts mit dem Titel &#8222;Gewaltige Ungleichheit&#8220; <a href=\"https:\/\/www.oxfam.de\/system\/files\/documents\/oxfam_factsheet_gewaltige_ungleichheit.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">steht \u00fcber diesen Link zum Download als PDF bereit<\/a>.<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-9d6595d7 wp-block-columns-is-layout-flex\">\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\" style=\"flex-basis:33.33%\">\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><a href=\"https:\/\/www.oxfam.de\/system\/files\/documents\/methodology_note_inequality_kills.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"599\" height=\"846\" src=\"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/finanz\/wp-content\/uploads\/sites\/13\/2022\/01\/tb-inequality-kills-methodology-note-T.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-946\"\/><\/a><\/figure>\n<\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\" style=\"flex-basis:66.66%\">\n<p>Methodische Erl\u00e4uterungen zu dem Bericht &#8222;Inequality kills&#8220; <a href=\"https:\/\/www.oxfam.de\/system\/files\/documents\/methodology_note_inequality_kills.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">stehen \u00fcber diesen Link zum Download als PDF bereit<\/a>.<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das kumulierte Verm\u00f6gen aller Milliard\u00e4rinnen ist seit Beginn der Covid-19-Pandemie nach Berechnungen von Forbes um f\u00fcnf Billionen US-Dollar gestiegen \u2013 das ist ein gr\u00f6\u00dferer Zuwachs als in den 14 Jahren vor der Pandemie zusammen. 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