{"id":962,"date":"2022-03-09T16:46:11","date_gmt":"2022-03-09T15:46:11","guid":{"rendered":"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/finanz\/?page_id=962"},"modified":"2022-03-09T16:47:24","modified_gmt":"2022-03-09T15:47:24","slug":"russlands-fossile-macht-und-deutschlands-finanzindustrie","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/finanz\/russlands-fossile-macht-und-deutschlands-finanzindustrie\/","title":{"rendered":"Russlands fossile Macht und Deutschlands Finanzindustrie"},"content":{"rendered":"\n<p><em>Deutsche Finanzinstitute haben \u00fcber Jahre geholfen, Putins Macht und die russische fossile Wirtschaft, auf die sie gr\u00fcndet, zu st\u00e4rken. Keine einzige der katastrophalen Entwicklungen der letzten Jahre waren gravierend genug, um Gesch\u00e4fte mit dem russischen Staat und seiner fossilen Industrie konsequent zu beenden: von der verheerenden au\u00dfenpolitischen Rolle Russlands bei der Annexion der Krim, in Georgien und im Syrien-Krieg \u00fcber die immer st\u00e4rkere Unterdr\u00fcckung der russischen Zivilgesellschaft bis hin zu den katastrophalen \u00f6kologischen und sozialen Bedingungen bei den russischen Kohleminen. Die Umwelt- und Menschenrechtsorganisation urgewald fordert von deutschen Finanzinstituten mit all ihren Tochtergesellschaften, die Unterst\u00fctzung von russischen \u00d6l-, Gas- und Kohleunternehmen, seien es staatliche oder private Akteure, sofort zu stoppen und entsprechende Aktien- und Anleihen-Best\u00e4nde sofort zu divestieren \u2013 dies gelte erst recht f\u00fcr russische Staatsanleihen.<\/em><\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\"\/>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"413\" src=\"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/finanz\/wp-content\/uploads\/sites\/13\/2022\/03\/NU220309-urgewald.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-960\" title=\"Grafik: Nata Uchava, Michael Wildberger\"\/><\/figure>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\"\/>\n\n\n\n<p><strong>(Berlin, 9. M\u00e4rz 2022)<\/strong> W\u00e4hrend immer mehr Industriesektoren ihre Verbindungen zu Russland seit dem \u00dcberfall auf die Ukraine kappen, sind die Ank\u00fcndigungen aus der internationalen Finanzindustrie, so auch der deutschen, verhalten. Dabei hat gerade die Finanzindustrie in den letzten Jahren den Machtapparat Putins durch die Unterst\u00fctzung der russischen fossilen Industrie und den Kauf russischer Staatsanleihen gest\u00e4rkt.<\/p>\n\n\n\n<p>Zwar betonen insbesondere Deutsche Bank sowie Commerzbank, dass sie ihr Engagement in Russland in den letzten Jahren, speziell seit der Krim-Annexion, zur\u00fcckgefahren haben. Dennoch kommt die Deutsche Bank <a href=\"https:\/\/www.profundo.nl\/en\/projects\/expert-view-what-the-war-in-ukraine-teaches-us-lessons-for-european-governments-companies-and-financiers\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">in einer Analyse von Profundo<\/a> basierend auf urgewald-Daten auf Platz 4 der europ\u00e4ischen Banken, die in den letzten f\u00fcnf Jahren die vier f\u00fchrenden russischen \u00d6l- und Gasfirmen Gazprom, Lukoil, Rosneft und Novatek durch Konsortialkredite und Underwriting unterst\u00fctzt haben. Die DZ Bank kommt auf Platz 11, die Helaba auf Platz 13, die Commerzbank auf Platz 15 und die BayernLB kommt auf Platz 17 der europ\u00e4ischen Banken mit dem gr\u00f6\u00dften Exposure zum russischen \u00d6l- und Gas-Sektor. Besonders beliebt als Kunde deutscher Banken war hierbei Gazprom: nach urgewald-Berechnungen belief sich die Beteiligung deutscher Banken an Konsortialkrediten f\u00fcr den Erdgasriesen in den letzten f\u00fcnf Jahren auf insgesamt knapp \u00fcber eine Milliarde US-Dollar (DZ Bank: 378 Millionen US-Dollar, Helaba: 320 Millionen US-Dollar, Commerzbank 220 Millionen US-Dollar, Deutsche Bank: Millionen US-Dollar, BayernLB 48 Millionen US-Dollar Beteiligung an Gazprom-Konsortialkrediten zwischen 2016 und 2021).<\/p>\n\n\n\n<p>Auch andere russische \u00d6l- und Gasfirmen konnten bis zuletzt auf deutsche Kreditinstitute z\u00e4hlen: Noch am 30. Dezember 2021 \u2013 als russische Truppen bereits an der ukrainischen Grenze standen \u2013 <a href=\"https:\/\/country.db.com\/news\/detail\/20211230-deutsche-bank-ag-supports-USD-871-million-credit-facility-to-irkutsk-oil-company?language_id=1\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">gab die Deutsche Bank die Beteiligung an einem Konsortialkredit f\u00fcr das russische \u00d6l-Unternehmen Irkutsk Oil bekannt<\/a>.<\/p>\n\n\n\n<p>Bei Krediten und Underwriting-Mandaten f\u00fcr die russische Kohleindustrie schafft es die Commerzbank sogar auf Platz 2 der europ\u00e4ischen Banken, Deutsche Bank kommt auf Platz 9. Der gr\u00f6\u00dfte russische Kohlef\u00f6rderer SUEK ist ein beliebter Kunde beider deutscher Banken, die als einzige nationale Finanzinstitute in der Analyse auffielen. Allein die Commerzbank kommt nach urgewald-Berechnungen bei SUEK auf eine Milliarde US-Dollar in Form von Beteiligungen an Konsortialkrediten und dem Underwriting einer Anleihe. Letzteres wurde noch im September 2021 \u00fcbernommen, als die USA bereits die Verh\u00e4ngung von Sanktionen gegen Russland ank\u00fcndigten.<\/p>\n\n\n\n<p>Bei einem Vergleich europ\u00e4ischer Investoren in die vier f\u00fchrenden russischen \u00d6l- und Gasfirmen Gazprom, Lukoil, Rosneft und Novatek kommt die Deutsche Bank auf Platz 8, die Allianz auf Platz 12 und die DekaGroup auf Platz 17 (Stand Dezember 2021).<\/p>\n\n\n\n<p>Wenn es um russische Staatsanleihen geht, belegt die Allianz-Gruppe mit Investitionen von \u00fcber 2,6 Milliarden US-Dollar Platz 1 in Europa (Stand M\u00e4rz 2022). Die Erl\u00f6se aus diesen Staatsanleihen werden direkt zur Finanzierung aller Ausgaben der russischen Regierung verwendet, einschlie\u00dflich der enormen Ausgaben f\u00fcr die Armee, die Waffenproduktion und die Wartung von Atomwaffen.<\/p>\n\n\n\n<p>Im Gegensatz zu den zur\u00fcckhaltenden Reaktionen deutscher Investoren auf den Ukraine-Krieg haben unter anderem der norwegische Pensionsfonds, die Schweizer Pensionskasse Publica und der niederl\u00e4ndische Pensionsfonds ABP schon vor Tagen ein Divestment von russischen Titeln angek\u00fcndigt.<\/p>\n\n\n\n<p>Kathrin Petz, Banken-Campaignerin bei urgewald: \u201eDeutsche Finanzinstitute haben \u00fcber Jahre geholfen, Putins Macht und die russische fossile Wirtschaft, auf die sie gr\u00fcndet, zu st\u00e4rken. Damit muss Schluss sein. Wir fordern von deutschen Finanzinstituten mit all ihren Tochtergesellschaften, ihre Unterst\u00fctzung von russischen \u00d6l-, Gas- und Kohleunternehmen, seien es staatliche oder private Akteure, sofort zu stoppen. Entsprechende Aktien und Anleihen-Best\u00e4nde m\u00fcssen sofort divestiert werden. Dies gilt erst recht f\u00fcr russische Staatsanleihen. Auch f\u00fcr deutsche Energieunternehmen wie Wintershall Dea, Uniper and RWE muss die Finanzierung eingefroren werden, solange sie an ihren fossilen Beteiligungen und Projekten in Russland festhalten.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Wladimir Sliwjak von der russischen Umweltorganisation Ecodefense: \u201eFinanzinstitute aus Deutschland und anderen L\u00e4ndern haben sich sehenden Auges in diese Situation hineinman\u00f6vriert. Keine einzige der katastrophalen Entwicklungen der letzten Jahre waren f\u00fcr sie gravierend genug, um Gesch\u00e4fte mit dem russischen Staat und seiner fossilen Industrie konsequent zu beenden: von der verheerenden au\u00dfenpolitischen Rolle Russlands bei der Annexion der Krim, in Georgien und im Syrien-Krieg \u00fcber die immer st\u00e4rkere Unterdr\u00fcckung der russischen Zivilgesellschaft bis hin zu den katastrophalen \u00f6kologischen und sozialen Bedingungen bei den russischen Kohleminen. Nun klebt auch ukrainisches Blut an den H\u00e4nden der Finanzindustrie. Ich fordere Deutsche Bank, Commerzbank und Co. auf: Tun Sie endlich das Richtige und h\u00f6ren Sie auf, Klimakrise, Krieg und Menschenrechtsverletzungen mit Ihrem Geld und dem Ihrer Kund*innen zu bef\u00f6rdern.\u201c<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-9d6595d7 wp-block-columns-is-layout-flex\">\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\" style=\"flex-basis:33.33%\">\n<figure class=\"wp-block-image size-full is-resized\"><a href=\"https:\/\/www.urgewald.org\/team\/kathrin-petz\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/finanz\/wp-content\/uploads\/sites\/13\/2021\/06\/Kathrin-Petz-urgewald-klein.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-839\" width=\"266\" height=\"324\" title=\"Foto: urgewald\"\/><\/a><\/figure>\n<\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\" style=\"flex-basis:66.66%\">\n<p>Kathrin Petz ist Banken-Campaignerin bei <a href=\"https:\/\/www.urgewald.org\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">urgewald<\/a>.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full is-resized\"><a href=\"https:\/\/www.urgewald.org\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/finanz\/wp-content\/uploads\/sites\/13\/2018\/07\/urgewaldLogo.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-115\" width=\"176\" height=\"91\"\/><\/a><\/figure>\n<\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Deutsche Finanzinstitute haben \u00fcber Jahre geholfen, Putins Macht und die russische fossile Wirtschaft, auf die sie gr\u00fcndet, zu st\u00e4rken. 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