{"id":98,"date":"2018-07-05T20:18:29","date_gmt":"2018-07-05T18:18:29","guid":{"rendered":"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/finanz\/?page_id=98"},"modified":"2020-09-05T00:17:13","modified_gmt":"2020-09-04T22:17:13","slug":"investmentfonds-und-pensionskassen-zerstoeren-die-existenz-laendlicher-gemeinden-in-brasilien","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/finanz\/investmentfonds-und-pensionskassen-zerstoeren-die-existenz-laendlicher-gemeinden-in-brasilien\/","title":{"rendered":"FIAN: Investmentfonds und Pensionskassen zerst\u00f6ren die Existenz l\u00e4ndlicher Gemeinden in Brasilien"},"content":{"rendered":"<p><em>Pensionsfonds aus den USA und Europa haben Hunderte von Millionen Dollar in brasilianisches Ackerland investiert. Eine von FIAN und rund 30 Partnergruppen aus Europa, den USA, Kanada und Brasilien ver\u00f6ffentlichte Studie zeigt, dass dadurch ganze Gemeinden vertrieben werden. B\u00f6den und Gew\u00e4sser werden durch Agrarchemikalien kontaminiert, viele Betroffene verlieren ihre Existenz.<\/em><\/p>\n<p><strong>(K\u00f6ln, 4. Juli 2018)<\/strong> Eine Studie der Menschenrechtsorganisation FIAN (Food First Information and Action Network) belegt, wie internationale Investmentfonds und Pensionskassen die Existenz l\u00e4ndlicher Gemeinden im Nordosten Brasiliens zerst\u00f6ren. Die massive Ausweitung der Agrarwirtschaft in der Region Matopiba \u2013 einer Fl\u00e4che von rund 73 Millionen Hektar in den Bundesstaaten Maranh\u00e3o, Tocantins, Piau\u00ed und Bah\u00eda \u2013 sch\u00e4digt lokale \u00d6kosysteme und bedroht die Lebensgrundlagen der Bev\u00f6lkerung. Auch f\u00fchrt der Ausbau der industriellen Landwirtschaft, vor allem von Soja, zu extremer Entwaldung. Die Matopiba-Region beherbergt rund f\u00fcnf Prozent der weltweiten Biodiversit\u00e4t und ist somit \u00f6kologisch ebenso wichtig wie das Amazonasgebiet.<\/p>\n<p><strong>Europ\u00e4ische Pensionskassen mitverantwortlich<\/strong><\/p>\n<p>Pensionsfonds aus den USA und Europa haben Hunderte von Millionen Dollar in brasilianisches Ackerland investiert. Allein der US-amerikanische Investor TIAA, in den unter anderem die \u00c4rzteversorgung Westfalen-Lippe, der Pensionsfonds AP2 der schwedischen Regierung sowie der niederl\u00e4ndische Pensionsfonds ABP investiert haben, hat in Brasilien fast 300.000 Hektar Agrarfl\u00e4chen gekauft. \u201eDie Fonds sind zwar nicht selbst an der Vertreibung der \u00f6rtlichen Bev\u00f6lkerung beteiligt, aber sie sind ein wesentlicher Bestandteil dieser destruktiven Entwicklung. Denn die Pensionskassen profitieren unmittelbar von Bodenspekulation und steigenden Grundst\u00fcckspreisen\u201c, so Philip Seufert von FIAN International.<\/p>\n<p>Die Heimatstaaten der Fonds \u2013 darunter Deutschland \u2013 haben es vers\u00e4umt, eine wirksame Regulierung zum Schutz von Umwelt und Menschenrechten einzuf\u00fchren; stattdessen setzen sie auf freiwilliges Engagement der Investoren. \u201eEin solcher Ansatz \u00fcberl\u00e4sst die Rolle des Schiedsrichters ausgerechnet denjenigen Akteuren, die in schwere Menschenrechtsverletzungen verwickelt sind. Hierdurch verletzen die beteiligten Staaten ihre menschenrechtlichen Pflichten. Die Renten in den USA und Europa d\u00fcrfen nicht auf dem R\u00fccken l\u00e4ndlicher Gemeinden in Brasilien gesichert werden!\u201c, so Seufert weiter.<\/p>\n<p>Roman Herre von FIAN Deutschland fordert eine staatliche Regulierung von Auslandsinvestitionen, speziell von Pensionsfonds: \u201eDeutsche Aufsichtsbeh\u00f6rden d\u00fcrfen nicht nur \u2013 wie bisher \u2013 den Werterhalt solcher Anlagen pr\u00fcfen, sondern m\u00fcssen sie auch auf die Einhaltung von Menschenrechten abklopfen und notfalls haftbar machen.\u201c Pensionsfonds halten derzeit weltweit \u00fcber 40 Billionen US Dollar und haben sich innerhalb weniger Jahre zu einem Schwergewicht der Finanzbranche entwickelt. \u201eEigentlich w\u00e4re es die Aufgabe deutscher Beh\u00f6rden, Untersuchungen zu den menschenrechtlichen Risiken solcher Auslands-Investitionen durchzuf\u00fchren\u201c, so Herre weiter.<\/p>\n<figure class=\"wp-block-table\">\n<table class=\"has-subtle-light-gray-background-color has-background\">\n<tbody>\n<tr>\n<td width=\"25%\"><a rel=\"noopener noreferrer\" href=\"https:\/\/www.fian.de\/wer-wir-sind\/fian-deutschland\/geschaeftsstelle\/\" target=\"_blank\"><img decoding=\"async\" class=\"aligncenter wp-image-313\" title=\" \" src=\"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/finanz\/wp-content\/uploads\/sites\/13\/2018\/07\/RomanHerre.jpg\" alt=\"\" width=\"180\"><\/a><\/td>\n<td width=\"75%\">Roman Herre ist Referent f\u00fcr Landwirtschaft, Landkonflikte, Agrarhandel bei <a href=\"https:\/\/www.fian.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">FIAN Deutschland (Food First Information and Action Network)<\/a>.<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td><\/td>\n<td><a href=\"https:\/\/www.fian.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\"><img decoding=\"async\" class=\"aligncenter wp-image-313\" title=\" \" src=\"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/finanz\/wp-content\/uploads\/sites\/13\/2018\/07\/FIAN.png\" alt=\"\" width=\"180\"><\/a><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/figure>\n<p>Bis Januar 2019 muss die Bundesregierung die EU-Richtlinie \u00fcber die \u201eT\u00e4tigkeiten und die Beaufsichtigung von Einrichtungen der betrieblichen Altersversorgung\u201c (EbAV II-Richtlinie) in nationales Recht \u00fcberf\u00fchren. FIAN Deutschland hat in der vergangenen Woche eine Stellungnahme beim Bundesfinanzministerium eingereicht, in der eine Einhaltung der Menschenrechte bei Investitionen von Pensionsfonds gefordert wird.<\/p>\n<p><strong>Brasilien: gravierende Folgen f\u00fcr Bev\u00f6lkerung<\/strong><\/p>\n<p>Die von FIAN und rund 30 Partnergruppen aus Europa, den USA, Kanada und Brasilien ver\u00f6ffentlichte Studie zeigt, dass in Brasilien ganze Gemeinden vertrieben werden. B\u00f6den und Gew\u00e4sser werden durch Agrarchemikalien kontaminiert. Viele Betroffene verlieren ihre Existenz und wandern in die St\u00e4dte ab, wo sie in Slums ihre Existenzen in prek\u00e4ren oder illegalen Verh\u00e4ltnissen zu sichern versuchen; als Alternative bleibt meist nur die Arbeit unter prek\u00e4ren, oft sklaven\u00e4hnlichen Bedingungen in den Agrarbetrieben, die nun ihr ehemaliges Land besetzen. Zugleich nimmt die Gewalt gegen kommunale Anf\u00fchrer zu \u2013 allein im vergangenen Jahr wurden in Brasilien 70 Menschenrechts-VerteidigerInnen ermordet.<\/p>\n<p>\u201eDie Landnahme selbst erfolgt meist durch lokale Akteure. Dahinter stehen jedoch in vielen F\u00e4llen internationale Investoren. Wesentlicher Bestandteil dieses Gesch\u00e4fts ist die F\u00e4lschung von Landtiteln zur Aneignung von illegal angeeignetem Land\u201c, so Isolete Wichinieski von der Comiss\u00e3o Pastoral da Terra (CPT), einer brasilianischen Organisation, die eng mit l\u00e4ndlichen Gemeinden zusammenarbeitet. \u201eDie Einheimischen besitzen selten formelle Landtitel, aber das brasilianische Recht erkennt die Rechte an, die sie durch die Nutzung ihres Landes \u00fcber Generationen hinweg erworben haben\u201c, so Wichinieski weiter.<\/p>\n<p>F\u00e1bio Pitta vom brasilianischen Network for Social Justice and Human Rights erg\u00e4nzt: \u201eDie Matopiba-Region ist Zeuge einer Umwandlung von Land in ein finanzielles Gut. Dieser Prozess ist eine direkte Folge des wachsenden Einflusses der globalen Finanzwirtschaft.\u201c Die brasilianischen Regierungen haben die Expansion des Agribusiness durch erhebliche Subventionen gef\u00f6rdert; die gro\u00dfen Sojamonokulturen erreichten die Matopiba-Region etwa seit dem Jahr 2000. \u201eInternationale Investoren finanzieren seit jeher die agroindustrielle Produktion Brasiliens. Neu ist, dass seit der Finanzkrise vor zehn Jahren das Land selbst zum Ziel von Finanzakteuren geworden ist \u2011 unabh\u00e4ngig von der agroindustriellen Produktion darauf\u201c, so Pitta weiter.<\/p>\n\n\n<figure class=\"wp-block-table\"><table class=\"has-subtle-light-gray-background-color has-background\"><tbody><tr><td width=\"25%\"><a rel=\"noopener noreferrer\" href=\"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/finanz\/wp-content\/uploads\/sites\/13\/2018\/07\/The-Human-and-Environmental-Cost-of-Land-Business-The-case-of-MATOPIBA-Brazil.pdf\" target=\"_blank\"><img decoding=\"async\" title=\" \" width=\"180\" class=\"aligncenter wp-image-313\" src=\"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/finanz\/wp-content\/uploads\/sites\/13\/2018\/07\/The-Human-and-Environmental-Cost-of-Land-Business-The-case-of-MATOPIBA-Brazil-T-1.jpg\" alt=\"\"><\/a><\/td><td width=\"75%\">Die Studie &#8222;The Human and Environmental Cost of Land Business&#8220; l\u00e4sst sich <a href=\"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/finanz\/wp-content\/uploads\/sites\/13\/2018\/07\/The-Human-and-Environmental-Cost-of-Land-Business-The-case-of-MATOPIBA-Brazil.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">\u00fcber diesen Lin<\/a>k als PDF laden.<\/td><\/tr><\/tbody><\/table><\/figure>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Pensionsfonds aus den USA und Europa haben Hunderte von Millionen Dollar in brasilianisches Ackerland investiert. Eine von FIAN und rund 30 Partnergruppen aus Europa, den USA, Kanada und Brasilien ver\u00f6ffentlichte Studie zeigt, dass dadurch ganze Gemeinden vertrieben werden. B\u00f6den und Gew\u00e4sser werden durch Agrarchemikalien kontaminiert, viele Betroffene verlieren ihre Existenz. (K\u00f6ln, 4. Juli 2018) Eine &hellip; <\/p>\n<p class=\"link-more\"><a href=\"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/finanz\/investmentfonds-und-pensionskassen-zerstoeren-die-existenz-laendlicher-gemeinden-in-brasilien\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">\u201eFIAN: Investmentfonds und Pensionskassen zerst\u00f6ren die Existenz l\u00e4ndlicher Gemeinden in Brasilien\u201c <\/span>weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"parent":0,"menu_order":159,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":{"footnotes":""},"class_list":["post-98","page","type-page","status-publish","hentry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/finanz\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/98","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/finanz\/wp-json\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/finanz\/wp-json\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/finanz\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/finanz\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=98"}],"version-history":[{"count":4,"href":"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/finanz\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/98\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":658,"href":"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/finanz\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/98\/revisions\/658"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/finanz\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=98"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}