{"id":110,"date":"2018-12-14T15:12:20","date_gmt":"2018-12-14T14:12:20","guid":{"rendered":"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/frieden\/?page_id=110"},"modified":"2020-09-07T16:30:43","modified_gmt":"2020-09-07T14:30:43","slug":"brot-fuer-die-welt-kritisiert-eu-beschluss-zur-subventionierung-der-ruestungsindustrie","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/frieden\/brot-fuer-die-welt-kritisiert-eu-beschluss-zur-subventionierung-der-ruestungsindustrie\/","title":{"rendered":"Brot f\u00fcr die Welt kritisiert EU-Beschluss zur Subventionierung der R\u00fcstungsindustrie"},"content":{"rendered":"<p><em>EU-Parlament und EU-Kommission planen die Einrichtung eines Europ\u00e4ischen Verteidigungsfonds und dessen Ausstattung mit 13 Milliarden Euro im n\u00e4chsten Mehrj\u00e4hrigen Finanzrahmen 2021 bis 2027, zus\u00e4tzlich zu den nationalen Verteidigungsbudgets. Brot f\u00fcr die Welt sieht ein umfangreiches Programm zur Subventionierung der europ\u00e4ischen R\u00fcstungsindustrie. Deren Wettbewerbsf\u00e4higkeit solle erh\u00f6ht werden, so stehe es wortw\u00f6rtlich im Vorschlag der EU-Kommission.<\/em><\/p>\n<p><strong>(Berlin, 12. Dezember 2018)<\/strong> EU-Parlament und EU-Kommission planen laut heutigem Beschluss die Einrichtung eines Europ\u00e4ischen Verteidigungsfonds und dessen Ausstattung mit 13 Milliarden Euro im n\u00e4chsten Mehrj\u00e4hrigen Finanzrahmen 2021 bis 2027. Zusammen mit den 6,5 Milliarden Euro, die die Kommission f\u00fcr \u201eMilit\u00e4rische Mobilit\u00e4t\u201c veranschlagen m\u00f6chte, w\u00fcrden dann fast 20 Milliarden Euro aus dem Gemeinschaftshaushalt f\u00fcr milit\u00e4rische Zwecke ausgegeben \u2013 zus\u00e4tzlich zu den nationalen Verteidigungsbudgets. Gleichzeitig sollen nach einem parallelen Gesetzentwurf Aufgaben im Bereich der zivilen Krisenpr\u00e4vention und Friedensf\u00f6rderung um etwa zwei Drittel zum laufenden Finanzrahmen gek\u00fcrzt werden. \u201eDie Mittel f\u00fcr zivile Krisenpr\u00e4vention und Friedensf\u00f6rderung zu einem Zeitpunkt zu verringern, wo Gewaltkonflikte als einer der gr\u00f6\u00dften Armutstreiber und eine zentrale Fluchtursache erkennbar werden, ist eine falsche politische Weichenstellung. Dieser Beschluss spricht der EU als zivilem Friedensprojekt Hohn. Angesichts des Entgleitens von immer mehr Konflikten in offene Kriege h\u00e4tten wir stattdessen mindestens eine Verdoppelung der Mittel f\u00fcr friedliche Konfliktbearbeitung erwartet\u201c, kommentiert Cornelia F\u00fcllkrug-Weitzel, Pr\u00e4sidentin von Brot f\u00fcr die Welt.<\/p>\n<figure id=\"attachment_106\" aria-describedby=\"caption-attachment-106\" style=\"width: 320px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/frieden\/wp-content\/uploads\/sites\/16\/2018\/12\/181115_ENAAT_JointStatement-DefFund_FINAL-with-signatures.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-106\" src=\"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/frieden\/wp-content\/uploads\/sites\/16\/2018\/12\/181115_ENAAT_JointStatement-DefFund_FINAL-with-signatures-3T.jpg\" alt=\"\" width=\"320\" height=\"452\" title=\"\"><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-106\" class=\"wp-caption-text\">\u00dcber die Konsequenzen des EU-Verteidigungsfonds informiert eine Stellungnahme des &#8222;European Network against Arms Trade&#8220;.<\/figcaption><\/figure>\n<p>\u201eDie bisherigen St\u00e4rken der EU, n\u00e4mlich Diplomatie zur Konfliktbeilegung, Mediation, Aufbau von Institutionen und wirtschaftliche Anreize f\u00fcr die Friedensf\u00f6rderung, werden vernachl\u00e4ssigt. Stattdessen verfolgen Parlament und Kommission mit dem Verteidigungsfonds ein umfangreiches Programm zur Subventionierung der europ\u00e4ischen R\u00fcstungsindustrie. Deren Wettbewerbsf\u00e4higkeit soll erh\u00f6ht werden, so steht es wortw\u00f6rtlich im Vorschlag der EU-Kommission\u201c, so F\u00fcllkrug-Weitzel weiter. Brot f\u00fcr die Welt bef\u00fcrchtet, dass die Einrichtung des Fonds auch die Exportfreudigkeit der Branche erh\u00f6hen wird, da durch die Suventionierung unweigerlich zus\u00e4tzliche industrielle Kapazit\u00e4ten aufgebaut werden. \u201eWas die Welt sicher nicht braucht, sind mehr europ\u00e4ische Waffen\u201c, sagt F\u00fcllkrug-Weitzel.<\/p>\n<figure class=\"wp-block-table\">\n<table class=\"has-subtle-light-gray-background-color has-background\">\n<tbody>\n<tr>\n<td width=\"25%\"><a rel=\"noopener noreferrer\" href=\"https:\/\/www.brot-fuer-die-welt.de\/ueber-uns\/personen\/martina-fischer\/\" target=\"_blank\"><img decoding=\"async\" class=\"aligncenter wp-image-313\" title=\"Foto: Brot f\u00fcr die Welt.\" src=\"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/frieden\/wp-content\/uploads\/sites\/16\/2018\/12\/Martina-Fischer.jpg\" alt=\"\" width=\"180\"><\/a><\/td>\n<td width=\"75%\">Dr. Martina Fischer ist Referentin f\u00fcr Frieden und Konfliktbearbeitung bei <a href=\"https:\/\/www.brot-fuer-die-welt.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Brot f\u00fcr die Welt<\/a>.<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td><\/td>\n<td><a href=\"https:\/\/www.brot-fuer-die-welt.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\"><img decoding=\"async\" class=\"aligncenter wp-image-313\" title=\" \" src=\"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/frieden\/wp-content\/uploads\/sites\/16\/2018\/12\/BrotFuerDieWeltLogo.gif\" alt=\"\" width=\"180\"><\/a><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/figure>\n<p>Vor allem offenbaren die aktuellen Haushaltsplanungen laut Brot f\u00fcr die Welt eine massive Diskrepanz. \u201eDie Mittel f\u00fcr milit\u00e4rische Forschung und Entwicklung sind v\u00f6llig \u00fcberh\u00f6ht angesetzt, w\u00e4hrend die Ausgaben f\u00fcr zivile Krisenpr\u00e4vention und Friedensf\u00f6rderung zur\u00fcckgefahren werden. Wichtige Ma\u00dfnahmen \u2011 beispielsweise zur F\u00f6rderung von Zivilgesellschaft in der Vers\u00f6hnungsarbeit, zur Wiedereingliederung ehemaliger Kindersoldaten oder zur R\u00e4umung von Landminen \u2011 entfallen\u201c, sagt Martina Fischer, Referentin f\u00fcr Frieden und Konfliktbearbeitung bei Brot f\u00fcr die Welt. Ob und wie diese Aufgaben in Zukunft finanziert werden sollen, beantwortet der Kommissionsvorschlag nicht. Brot f\u00fcr die Welt bittet die Abgeordneten des Europ\u00e4ischen Parlaments und des Deutschen Bundestags, sich daf\u00fcr stark zu machen, dass die im \u201eInstrument f\u00fcr Stabilit\u00e4t und Frieden\u201c aufgef\u00fchrten Aufgaben auch im neuen EU-Finanzrahmen in vollem Umfang erhalten und verbindlich budgetiert werden.<\/p>\n<h1>Hintergrund<\/h1>\n<p>Im Juni 2018 empfahl die EU-Kommission, mehrere bislang eigenst\u00e4ndige Finanzierungsinstrumente, darunter<\/p>\n<ul>\n<li>den \u201eEuropean Development Fund\u201c,<\/li>\n<li>das \u201eInstrument f\u00fcr Stabilit\u00e4t und Frieden\u201c,<\/li>\n<li>das \u201eInstrument f\u00fcr Demokratie und Menschenrechte\u201c und<\/li>\n<li>das \u201eInstrument f\u00fcr Nachbarschaftshilfe\u201c<\/li>\n<\/ul>\n<p>in einem neuen Finanztopf zu verschmelzen: dem \u201eNeighbourhood, Development and International Cooperation Instrument\u201c (NDICI), das dem EU-Parlament ebenfalls zur Beratung vorliegt. Diese Zusammenlegung sieht Brot f\u00fcr die Welt \u00e4u\u00dferst problematisch, weil sie NGOs aus dem globalen S\u00fcden den Zugang zur EU-Finanzierung erschweren und Intransparenz in der Ausgabenpolitik T\u00fcr und Tor \u00f6ffnen wird. Schlie\u00dflich m\u00f6chte die Kommission das Budget des NDICI m\u00f6glichst flexibel verwenden und st\u00e4rker auf Migrationskontrolle, Grenzschutz, sowie milit\u00e4rische und polizeiliche \u201eErt\u00fcchtigung\u201c (Training und Ausr\u00fcstung) ausrichten.<\/p>\n<p>Au\u00dferdem hat das EU-Parlament laut Kommissionsvorschlag bei den endg\u00fcltigen Ausgabenfestlegungen keinerlei Mitbestimmungsrechte. Nach dem Vorschlag der Kommission sollen die bisher im \u201eInstrument f\u00fcr Stabilit\u00e4t und Frieden\u201c (IcSP) beschriebenen Aufgaben f\u00fcr zivile Krisenpr\u00e4vention und Friedensf\u00f6rderung im neuen Finanzrahmen nur noch mit einer Milliarde Euro im \u201ethematischen Programm\u201c des \u201eNDICI\u201c unterst\u00fctzt werden (inflationsbereinigt ergibt das nicht mehr als 880 Millionen Euro, gegen\u00fcber 2,3 Milliarden Euro, die aktuell f\u00fcr den Zeitraum 2014-20 bereitstehen). Ein Teil der Aufgaben entf\u00e4llt demnach oder f\u00e4llt der \u201eFlexibilisierung\u201c zum Opfer: Dazu geh\u00f6ren unter anderem Initiativen f\u00fcr die Wiedereingliederung ehemaliger K\u00e4mpferinnen und K\u00e4mpfer, f\u00fcr die Resozialisierung von Kindersoldaten, f\u00fcr die R\u00e4umung von Landminen, die Unterst\u00fctzung von Frauengruppen in der Friedensf\u00f6rderung sowie die F\u00f6rderung von Zivilgesellschaft in der Vers\u00f6hnungsarbeit. Der jetzige Kommissionsvorschlag enth\u00e4lt keine Aussagen dazu, ob und mit welchen Mittelans\u00e4tzen diese im thematischen Programm entfallenen Aufgaben in Zukunft noch finanziert werden k\u00f6nnten.<\/p>\n<figure class=\"wp-block-table\">\n<table class=\"has-subtle-light-gray-background-color has-background\">\n<tbody>\n<tr>\n<td width=\"25%\"><a rel=\"noopener noreferrer\" href=\"http:\/\/www.guengl.eu\/uploads\/publications-documents\/EVF_Gutachten_2018_November30.pdf\" target=\"_blank\"><img decoding=\"async\" title=\" \" class=\"aligncenter wp-image-313\" src=\"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/frieden\/wp-content\/uploads\/sites\/16\/2018\/12\/EVF_Gutachten_2018_November30-T.jpg\" alt=\"\" width=\"180\"><\/a><\/td>\n<td width=\"75%\">Zu den Rechtsfragen der Einrichtung des Europ\u00e4ischen Verteidigungsfonds (EVF) existiert ein Gutachten, das <a href=\"http:\/\/www.guengl.eu\/uploads\/publications-documents\/EVF_Gutachten_2018_November30.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">\u00fcber diesen Link als PDF-Datei zur Verf\u00fcgung<\/a> steht.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/figure>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>EU-Parlament und EU-Kommission planen die Einrichtung eines Europ\u00e4ischen Verteidigungsfonds und dessen Ausstattung mit 13 Milliarden Euro im n\u00e4chsten Mehrj\u00e4hrigen Finanzrahmen 2021 bis 2027, zus\u00e4tzlich zu den nationalen Verteidigungsbudgets. Brot f\u00fcr die Welt sieht ein umfangreiches Programm zur Subventionierung der europ\u00e4ischen R\u00fcstungsindustrie. Deren Wettbewerbsf\u00e4higkeit solle erh\u00f6ht werden, so stehe es wortw\u00f6rtlich im Vorschlag der EU-Kommission. 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