{"id":425,"date":"2020-12-01T17:07:49","date_gmt":"2020-12-01T16:07:49","guid":{"rendered":"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/frieden\/?page_id=425"},"modified":"2020-12-01T17:13:38","modified_gmt":"2020-12-01T16:13:38","slug":"vereinigung-deutscher-wissenschaftler-zur-eskalation-im-mittleren-osten-kluge-europaeische-diplomatie-ist-nun-noetig","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/frieden\/vereinigung-deutscher-wissenschaftler-zur-eskalation-im-mittleren-osten-kluge-europaeische-diplomatie-ist-nun-noetig\/","title":{"rendered":"Vereinigung Deutscher Wissenschaftler zur Eskalation im Mittleren Osten: Kluge europ\u00e4ische Diplomatie ist nun n\u00f6tig!"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>(Berlin, 27. November 2020)<\/strong> Die Lage im Mittleren Osten eskaliert zusehends. Pr\u00e4sident Trump hatte bereits einen Milit\u00e4rschlag gegen den Iran favorisiert, wurde aber zun\u00e4chst von seinen Beratern davon abgebracht. Angesichts von zunehmenden milit\u00e4rischen Vorbereitungen und der Ermordung eines iranischen Nuklearwissenschaftlers steigt die Gefahr einer milit\u00e4rischen Auseinandersetzung in der Region weiter. Die Au\u00dfenminister Deutschlands, Frankreichs und Gro\u00dfbritanniens m\u00fcssen sich bei ihrem Treffen am Montag f\u00fcr deeskalierende Schritte einsetzen und einen milit\u00e4rischen Konflikt verhindern, wie die Studiengruppe der Vereinigung Deutscher Wissenschaftler in einem Brief an den Au\u00dfenminister und Vorsitzenden des Ausw\u00e4rtigen Ausschusses betonten. Die \u00dcbergangszeit in Washington D.C. bis zur Amtseinf\u00fchrung am 20. Januar 2021 ist f\u00fcr den Konflikt mit dem Iran brandgef\u00e4hrlich. Das Attentat auf Mosen Fakhrizadeh erschwert die R\u00fcckkehr der USA unter Pr\u00e4sident Biden und des Iran in die Mechanismen des Iran-Abkommens von 2015.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die gezielte T\u00f6tung eines Wissenschaftlers ist der H\u00f6hepunkt von \u00e4hnlichen Geheimaktionen, bei denen vier Wissenschaftler und Ingenieure, die mit dem Nuklearprogramm des Iran in Verbindung gebracht werden, zwischen 2007 und 2012 ermordet wurden. Kein Staat hat sich bisher offen dazu bekannt. Sie sind auch nicht geeignet, den Bau von Atomwaffen zu verhindern. Die Fachgemeinschaft ist sich einig, dass ein milit\u00e4risches Atomprogramm dadurch h\u00f6chstens verz\u00f6gert, nicht gestoppt werden kann. Die jetzt erfolgte T\u00f6tung k\u00f6nnte einen anderen Zweck verfolgen, n\u00e4mlich Pr\u00e4sident Biden die R\u00fcckkehr zur Diplomatie so schwer wie m\u00f6glich zu machen. Die VDW, die sich der Verantwortung von Wissenschaft verschrieben hat, ruft dazu auf, dass Wissenschaftler ihr Wissen nicht f\u00fcr zerst\u00f6rerische Zwecke verwenden. Sie verurteilt aber auch die T\u00f6tung von Wissenschaftlern durch v\u00f6lkerrechtswidrige Aktionen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In einem Brief vom 27. November 2020 an Au\u00dfenminister H. Maas und den Vorsitzenden des Ausw\u00e4rtigen Ausschusses N. R\u00f6ttgen, der von der deutschen Pugwash-Gruppe und der Studiengruppe \u201eEurop\u00e4ische Sicherheit und Frieden\u201c der Vereinigung Deutscher Wissenschaftler (VDW) verfasst wurde, warnten die Mitglieder der Studiengruppe vor den unabsehbaren Konsequenzen eines Milit\u00e4rschlages gegen die Nuklearanlagen, da sie den Konflikt nicht l\u00f6sen, allenfalls eskalieren w\u00fcrden. Das Nuklearabkommen mit dem Iran w\u00e4re irreversibel besch\u00e4digt und die Sicherheit und Stabilit\u00e4t des Nahen und Mittleren Ostens w\u00e4ren insgesamt in Frage gestellt. Ein Ausstieg des Iran aus dem Nichtverbreitungsvertrag, ein aggressiver Regimewechsel in Teheran vor dem Hintergrund der Pr\u00e4sidentschaftswahlen im Juni und unabsehbare Konsequenzen in der Region w\u00e4ren weitere Folgen, ganz zu schweigen von einer innenpolitischen Polarisierung. Ein solcher Milit\u00e4rschlag w\u00e4re, nicht zuletzt, v\u00f6lkerrechtswidrig.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die E3 stehen in der Verantwortung, eine durch einen m\u00f6glichen amerikanischen Milit\u00e4rschlag ausgel\u00f6ste Eskalation im Nahen Osten zu verhindern. Sie m\u00fcssen die Zeit bis zum 20. Januar klug nutzen, um eine weitere Eskalation zu verhindern. Hierzu bedarf es nicht nur der dringlichen wie auch nachhaltigen und sichtbaren diplomatischen Einwirkung auf die relevanten Kr\u00e4fte und Akteure in Washington und Teheran. Es gilt dazu flankierend auch entschiedene \u00dcberzeugungsarbeit bei den das Nuklearabkommen ablehnenden Staaten der Region, insbesondere Israel und Saudi-Arabien, zu leisten.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-table\"><table class=\"has-subtle-light-gray-background-color has-background\"><tbody><tr><td width=\"25%\"><a rel=\"noopener noreferrer\" href=\"https:\/\/vdw-ev.de\/ueber-uns\/gremien\/\" target=\"_blank\"><img decoding=\"async\" width=\"180\" class=\"aligncenter wp-image-313\" title=\"Foto: VDW.\" src=\"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/frieden\/wp-content\/uploads\/sites\/16\/2020\/12\/gremien_neuneck-K.jpg\" alt=\"\"><\/a><\/td><td width=\"75%\">Prof. Dr. G\u00f6tz Neuneck ist Mitglied im Council der &#8222;Pugwash Conferences on Science and World Affairs&#8220; und Pugwash-Beauftragter der <a href=\"https:\/\/vdw-ev.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Vereinigung Deutscher Wissenschaftler (VDW) e.V.<\/a><\/td><\/tr><\/tbody><\/table><\/figure>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-table\"><table class=\"has-subtle-light-gray-background-color has-background\"><tbody><tr><td width=\"25%\"><a rel=\"noopener noreferrer\" href=\"https:\/\/vdw-ev.de\/\" target=\"_blank\"><img decoding=\"async\" title=\" \" width=\"180\" class=\"aligncenter wp-image-313\" src=\"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/frieden\/wp-content\/uploads\/sites\/16\/2019\/08\/VDW-Logo.jpg\" alt=\"\"><\/a><\/td><td width=\"75%\"><h6><a rel=\"noopener noreferrer\" href=\"https:\/\/vdw-ev.de\/\" target=\"_blank\">Vereinigung Deutscher Wissenschaftler (VDW) e.V.<\/a><\/h6> Seit ihrer Gr\u00fcndung 1959 durch Carl Friedrich von Weizs\u00e4cker und weitere prominente Atomwissenschaftler (&#8222;G\u00f6ttinger 18&#8220;) f\u00fchlt sich die Vereinigung Deutscher Wissenschaftler (VDW) der Tradition verantwortlicher Wissenschaft verpflichtet. Sie nimmt Stellung zu Fragen von Wissenschaftsorientierung und Technologieentwicklung einerseits und aktuellen gesellschaftlichen Fragen zu Themen wie Frieden &#038; Abr\u00fcstung, Klima &#038; Biodiversit\u00e4t, sozio-\u00f6kologische Transformation &#038; soziale Gerechtigkeit, Digitalisierung &#038; Gesellschaft sowie Whistleblowing andererseits. Mit den Ergebnissen ihrer Arbeit wendet sich die Vereinigung Deutscher Wissenschaftler an die interessierte \u00d6ffentlichkeit und an Entscheidungstr\u00e4ger auf allen Ebenen von Politik und Gesellschaft.<\/td><\/tr><\/tbody><\/table><\/figure>\n\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-table\"><table class=\"has-subtle-light-gray-background-color has-background\"><tbody><h6>Die VDW-Studiengruppe &#8222;Europ\u00e4ische Sicherheit und Frieden&#8220;<\/h6>Der VDW-Studiengruppe &#8222;Europ\u00e4ische Sicherheit und Frieden&#8220; geh\u00f6ren Politikwissenschaftler, Naturwissenschaftler und Experten aus Diplomatie und der Milit\u00e4rpolitik an. 12 Mitglieder haben die Stellungnahme erarbeitet und unterzeichnet. Die VDW hat sich stets zu zentralen Fragen der Europ\u00e4ischen Sicherheit ge\u00e4u\u00dfert, so 1957 in der G\u00f6ttinger Erkl\u00e4rung. Schon bei der Gr\u00fcndung der VDW 1959 standen Fragen der nuklearen Abr\u00fcstung und R\u00fcstungskontrolle im Vordergrund. VDWGr\u00fcndungsmitglieder wie Carl Friedrich von Weizs\u00e4cker oder Werner Heisenberg hatten sich intensiv mit diesen Fragen auseinandergesetzt. Im Jahr 1983 haben sich 12 namhafte Mitglieder in einem Memorandum zur Frage der Neustationierung landgest\u00fctzter Mittelstreckenraketen in der Bundesrepublik positioniert und den Mitgliedern des Bundestages ein Votum mit Nein empfohlen.<\/tbody><\/table><\/figure>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-table\"><table class=\"has-subtle-light-gray-background-color has-background\"><tbody><h6>Unterzeichner des Briefs an Au\u00dfenminister Maas und den Vorsitzenden des Ausw\u00e4rtigen Ausschusses<\/h6>Prof. Dr. Lothar Brock, Frankfurt; Prof. Dr. Michael Brzoska, Hamburg; Dr. Hans-Georg Ehrhart, Wedel; Ute Finck-Kr\u00e4mer, MdB a.D.; Prof. Dr. Hartmut Gra\u00dfl, Hamburg; Dr. rer. nat. Dirk-Michael Harmsen, Karlsruhe; Dr. Sabine Jaberg, Hamburg; Botschafter a.D. R\u00fcdiger L\u00fcdeking; Dr. rer. pol. Hans-Jochen Luhmann, Wuppertal; Parl. Staatssekret\u00e4r a.D. Dr. Hans Misselwitz, Berlin; Prof. Dr. rer. nat. G\u00f6tz Neuneck, Hamburg; Prof. Dr. Konrad Raiser, Berlin; Prof. Dr. Michael Staack, Hamburg; Prof. Dr. J\u00fcrgen Scheffran, Hamburg.<\/tbody><\/table><\/figure>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>(Berlin, 27. November 2020) Die Lage im Mittleren Osten eskaliert zusehends. Pr\u00e4sident Trump hatte bereits einen Milit\u00e4rschlag gegen den Iran favorisiert, wurde aber zun\u00e4chst von seinen Beratern davon abgebracht. Angesichts von zunehmenden milit\u00e4rischen Vorbereitungen und der Ermordung eines iranischen Nuklearwissenschaftlers steigt die Gefahr einer milit\u00e4rischen Auseinandersetzung in der Region weiter. 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