{"id":547,"date":"2022-02-21T18:08:08","date_gmt":"2022-02-21T17:08:08","guid":{"rendered":"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/frieden\/?page_id=547"},"modified":"2022-02-21T18:49:52","modified_gmt":"2022-02-21T17:49:52","slug":"fuer-konsequent-friedenslogisches-handeln-im-ukraine-konflikt-2","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/frieden\/fuer-konsequent-friedenslogisches-handeln-im-ukraine-konflikt-2\/","title":{"rendered":"F\u00fcr konsequent friedenslogisches Handeln im Ukraine-Konflikt"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Die AG Friedenslogik der Plattform Zivile Konfliktbearbeitung sieht M\u00f6glichkeiten zur L\u00f6sung des Ukraine-Konflikts in einem konsequenten Abr\u00fccken aller Beteiligten weg von sicherheitslogischen Strategien hin zur friedenslogischen Konflikttransformation. Das w\u00fcrde von der NATO unter anderem verlangen, ihre Ordnungspolitik in Gesamteuropa nach 1990, die die Sowjetunion beziehungsweise Russland nicht als gleichberechtigten Akteur anerkennen wollte, als Teil der Problemlage zu begreifen. Analog m\u00fcsste Russland insbesondere seine seit dem Georgienkrieg 2008 \u00fcber die eigenen Grenzen ausgreifende milit\u00e4rische Ordnungspolitik als Beitrag zur gegenw\u00e4rtigen Lage anerkennen.<\/em><\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\"\/>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"413\" src=\"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/frieden\/wp-content\/uploads\/sites\/16\/2022\/02\/NU-220221-friedenslogik.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-542\" title=\"Grafik: Nata Uchava, Michael Wildberger\"><\/figure>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\"\/>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>(Berlin, 17. Februar 2022)<\/strong> Die <a href=\"https:\/\/pzkb.de\/friedenslogik\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">AG Friedenslogik der Plattform Zivile Konfliktbearbeitung<\/a> hat heute eine Stellungnahme zum Ukraine-Konflikt vorgelegt. Das Risiko eines milit\u00e4rischen Zusammensto\u00dfes zwischen der NATO und ihrem Konkurrenten war in Europa seit der zweiten Berlin-Krise (1961) nie so gro\u00df wie zurzeit, ruft die AG in Erinnerung: \u201eErkl\u00e4rterma\u00dfen wollen beide Seiten keinen Krieg um die Ukraine. Derzeit finden zwar pausenlos Gespr\u00e4che zwischen westlichen Politikern und dem russischen wie auch dem ukrainischen Pr\u00e4sidenten statt. Trotz erster Entspannungssignale ist die Kriegsgefahr aber noch nicht gebannt. Eine gewaltsame Eskalation bleibt weiterhin m\u00f6glich \u2013 sei es aus strategischem Kalk\u00fcl oder aus Versehen. Notwendig ist ein konsequentes Abr\u00fccken aller Beteiligten weg von sicherheitslogischen Strategien hin zur friedenslogischen Konflikttransformation.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die friedenslogische Antwort etwa auf die Frage nach der Ursache des Problems verlange von den involvierten Akteuren, die Komplexit\u00e4t des zugrundeliegenden Konflikts anzunehmen und auch anzugehen. Das schlie\u00dfe die Anerkennung des eigenen Anteils an der Problemgenese mit ein \u2013 zumindest die Bereitschaft, die Perzeption des eigenen Handelns durch den jeweils anderen Akteur ernst zu nehmen.<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\"><li>Das w\u00fcrde von der NATO verlangen, ihre Ordnungspolitik in Gesamteuropa nach 1990, die die Sowjetunion beziehungsweise Russland nicht als gleichberechtigten Akteur anerkennen wollte, als Teil der Problemlage zu begreifen.<\/li><li>Analog m\u00fcsste Russland insbesondere seine seit dem Georgienkrieg 2008 \u00fcber die eigenen Grenzen ausgreifende milit\u00e4rische Ordnungspolitik als Beitrag zur gegenw\u00e4rtigen Lage anerkennen.<\/li><\/ul>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Zur Komplexit\u00e4t des Geschehens geh\u00f6re auch, der Verwobenheit der Sicherheitsbed\u00fcrfnisse aller anderen europ\u00e4ischen Staaten Rechnung zu tragen und diese in die Problembearbeitung einzubeziehen. Das gelte nicht zuletzt f\u00fcr die sich bedroht f\u00fchlenden Nachbarn Russlands.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Eingedenk der festgefahrenen Situation falle der erste Schritt in diesem chicken game extrem schwer, weil er den Eindruck nahelege, dem Druck des Gegen\u00fcbers nachgegeben, mithin das Kr\u00e4ftemessen verloren zu haben. Dennoch sieht die <a href=\"https:\/\/pzkb.de\/friedenslogik\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">AG Friedenslogik<\/a> dazu keine vern\u00fcnftige Alternative. Zur Wahrheit geh\u00f6re es auch festzustellen, dass diese Konstellation bereits das Versagen beim Aufbau einer belastbaren Friedensordnung seit 1990 widerspiegelt. Und hieran trage der Westen, der als Gewinner aus dem Kalten Krieg hervorgegangen sei, zwar nicht die Allein-, aber die Hauptverantwortung, indem er Russland die gleichberechtigte Mitwirkung an einer gesamteurop\u00e4ischen Neuordnung vorenthalten habe.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Und Moskau k\u00f6nne den Druck aus der Situation nehmen, indem es die milit\u00e4rische Schlinge um die Ukraine deutlich lockere. Darauf zu warten, w\u00e4re jedoch fatal. Dazu sei die Lage viel zu explosiv.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Schlie\u00dflich stellt die AG Friedenslogik fest:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u201eDeutschland tr\u00e4gt in dieser Gemengelage eine besondere Verantwortung. Es ist in seiner Verfassung auf den Frieden der Welt, die Menschenrechte und das V\u00f6lkerrecht verpflichtet. Es tut daher gut daran, gegen den Druck der NATO-Partner an seiner Weigerung zur Lieferung letaler Waffen an die Ukraine festzuhalten und auch an anderen Stellschrauben der Eskalationsspirale nicht mitzudrehen. Das allein reicht aber nicht aus, um eine Umkehr zur friedenslogischen Konflikttransformation einzul\u00e4uten. Deshalb ist es richtig, dass Bundeskanzler Olaf Scholz mittlerweile die OSZE ins Spiel bringt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nun gilt es f\u00fcr die Bundesregierung, die OSZE auch zum entscheidenden Ort zu machen, an dem ohne Vorbedingung \u00fcber die Grundarchitektur einer zur konstruktiven Konflikttransformation f\u00e4higen gesamteurop\u00e4ischen Friedensordnung verhandelt wird, die Fehler der Vergangenheit korrigiert. Denn nur dann, wenn Deutschland in diesem Sinne seiner Verantwortung f\u00fcr den Frieden in Europa nachkommt, kann es seiner aus dem Zweiten Weltkrieg resultierenden Verpflichtungen sowohl gegen\u00fcber Russland als auch der Ukraine entsprechen. Frieden \u2013 und eine aus ihm erwachsende Sicherheit \u2013 kann es niemals gegen, sondern nur mit den jeweils anderen geben!\u201c<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-8f761849 wp-block-columns-is-layout-flex\">\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\" style=\"flex-basis:33.33%\">\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><a href=\"https:\/\/pzkb.de\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/Stellungnahme_Fu%CC%88r-konsequent-friedenslogisches-Handeln_Ukraine.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"599\" height=\"846\" src=\"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/frieden\/wp-content\/uploads\/sites\/16\/2022\/02\/Stellungnahme_Fu\u0308r-konsequent-friedenslogisches-Handeln_Ukraine-T.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-543\" title=\"\"><\/a><\/figure>\n<\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\" style=\"flex-basis:66.66%\">\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die komplette Stellungnahme aus der AG Friedenslogik der Plattform Zivile Konfliktbearbeitung &#8222;F\u00fcr konsequent friedenslogisches Handeln im Ukraine-Konflikt&#8220; steht <a href=\"https:\/\/pzkb.de\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/Stellungnahme_Fu%CC%88r-konsequent-friedenslogisches-Handeln_Ukraine.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">\u00fcber diesen Link zum Download als PDF<\/a> bereit. Darin werden werden Sicherheitslogik und Friedenslogik in idealtypischer Weise gegen\u00fcbergestellt.<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-8f761849 wp-block-columns-is-layout-flex\"><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die AG Friedenslogik der Plattform Zivile Konfliktbearbeitung sieht M\u00f6glichkeiten zur L\u00f6sung des Ukraine-Konflikts in einem konsequenten Abr\u00fccken aller Beteiligten weg von sicherheitslogischen Strategien hin zur friedenslogischen Konflikttransformation. 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