{"id":10,"date":"2018-05-22T16:05:46","date_gmt":"2018-05-22T14:05:46","guid":{"rendered":"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/hans-jochen-luhmann\/?page_id=10"},"modified":"2020-09-12T16:20:42","modified_gmt":"2020-09-12T14:20:42","slug":"finanzierungs-anreize-und-interessen-im-buerger-krieg","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/hans-jochen-luhmann\/finanzierungs-anreize-und-interessen-im-buerger-krieg\/","title":{"rendered":"Finanzierungs-Anreize und -Interessen im (B\u00fcrger-) Krieg"},"content":{"rendered":"<p><em>Die Kolumne von Hans-Jochen Luhmann<\/em><\/p>\n<p>Unsere Entscheidung f\u00fcr einen Blickwinkel bestimmt hernach unsere Wahrnehmung. Wahrnehmung ist etwas Aktives. Heute lenke ich den Blick auf die Finanzierung von Gewaltstrukturen, die aktuell (B\u00fcrger-)Kriege f\u00fchren lassen, diese erm\u00f6glichen bis intensivieren. Als Beispiel greife ich den in Syrien heraus. Was sich da zeigt, ist jedoch nicht spezifisch f\u00fcr die dortige Region.<\/p>\n<p>Aufmerksam gemacht wurde ich auf dieses Ph\u00e4nomen mehrfach. Einmal bei einem Seminar mit Vertretern der OSZE, lauter Mediatoren mit Einsatzerfahrungen in den Grenzkonflikten im Kaukasus. Deren Blick war zu meiner \u00dcberraschung nicht auf die Motive der Sponsoren, in Moskau, Washington beziehungsweise den Hauptst\u00e4dten im Kaukasus gerichtet \u2013 die hielten sie f\u00fcr unerheblich. Ihr Blick war vielmehr beinahe allein auf relative Eskalationen vor Ort gerichtet. Sie wussten um die Interessen auf beiden Seiten dieser Ebene am Kleinkrieg, an dessen Fortdauer \u2013 Interessen regionaler \u201eKrimineller\u201c, w\u00fcrden wir ver\u00e4chtlich sagen. Aber die leben, und leben gut, von Wirtschaftst\u00e4tigkeiten schwarzer Form, die nur unter Kriegsbedingungen m\u00f6glich sind.<\/p>\n<p>Im Donbass etwa scheint Schmuggel die gro\u00dfe Geldquelle zu sein, betrieben von Milizen, die Blockaden gegen den G\u00fcteraustausch errichten und ihn zugleich zulassen, nun aber unter ihrer Kontrolle. Das ist ein Gesch\u00e4ft mit zwei Seiten: Die Milizen, die das Gewaltmonopol des Staates ausgehebelt haben, schaffen zun\u00e4chst, in patriotischer Attit\u00fcde, das Verbot, welches sie dann via Schwarzmarkt monopolistisch ausbeuten. Wie immer bei Monopolen k\u00f6nnen extrem hohe Gewinnmargen realisiert werden.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/fedweb.com\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/Armed-Conflict-in-Syria_-Overview-and-U.S.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright wp-image-13 size-medium\" src=\"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/hans-jochen-luhmann\/wp-content\/uploads\/sites\/12\/2018\/05\/Armed-Conflict-in-Syria_-Overview-and-U-T-232x300.jpg\" alt=\"\" width=\"232\" height=\"300\"><\/a>Der \u00fcbliche Blick, von politischen Journalisten und sicherheitspolitischen Think Tanks, schneidet das in der Regel ab \u2013 weil es bei ihrem Verst\u00e4ndnis von Politik, als eine Interaktion von Top- beziehungsweise Gro\u00df-Akteuren, nicht relevant ist. Sie berichten vom Krieg auch nur das milit\u00e4risch Intendierte. Ich berichte hier von einer Episode, die es auch in die Medien geschafft hat, erg\u00e4nze das aber um eine Beleuchtung deren Tiefenstruktur.<\/p>\n<p><strong>Das Massaker in der Schlacht bei Khusham<\/strong><\/p>\n<p>Am 7. Februar 2018 wurden in der \u00f6stlichen syrischen Provinz Deir ez-Zour eine erhebliche Anzahl, vermutlich mehr als 200, K\u00e4mpfer von US-Truppen get\u00f6tet. Die waren zwar russische Staatsb\u00fcrger, aber keine russischen Soldaten. Es muss ein f\u00fcrchterliches Blutbad gewesen sein. Ursache des Gemetzels war ein massiver milit\u00e4rischer Schlag, den die US-Amerikaner, rechtlich die Anti-IS-Koalition, der auch Deutschland angeh\u00f6rt, gef\u00fchrt haben. Man hielt den Atem an \u2013 doch es gab keinen Vergeltungsschlag.<\/p>\n<p>Warum hat dieser blutige Vorgang keinen Vergeltungsschlag provoziert? Nach dem 30. September 2015, dem direkten milit\u00e4rischen Engagement Russlands in Syrien, wurde zwischen den USA und Russland zun\u00e4chst ein \u201eAir Safety Protocol\u201c verabredet, Teil des sogenannten \u201e<em>de-confliction system<\/em>\u201c. Erg\u00e4nzt wurde das sp\u00e4ter durch ein ensprechendes System f\u00fcr die Kriegsf\u00fchrung auf dem Boden. Angesiedelt ist das, personell, im Hauptquartier der Anti-IS-Koalition (CJTF-OIR), in Kuwait. Seitdem gibt es Grenzen innerhalb Syriens. Das macht es m\u00f6glich, dass \u201egrenz\u00fcberschreitende\u201c Schl\u00e4ge zwischen den Milit\u00e4rs beider Gro\u00dfm\u00e4chte in der Zielplanung vorab mitgeteilt und \u201eabgestimmt\u201c werden \u2013 wobei die Wortwahl \u201eabstimmen\u201c von US-Milit\u00e4r-Seite immer dementiert wird. Sinn der Verabredung ist, zu verhindern, dass es zu einem (ungewollten) Clash zwischen den Milit\u00e4rs beider Seiten kommt.<\/p>\n<p>Bew\u00e4hrt hat sich dieses System bei dem Schlag der drei westlichen F\u00fchrungsnationen am 13. April 2018 auf Chemiewaffenanlagen in Syrien. Da ein solches Vorgehen absehbar war, hatte Russlands Generalstabschef Gerassimow in einer Video-Konferenz russischen Kommandeuren bereits am 13.\u200aM\u00e4rz (!) \u00f6ffentlich angek\u00fcndigt: im Falle eines US-Angriffs w\u00fcrde sich ein <strong>russischer Gegenschlag<\/strong> \u201e<em>sowohl gegen die Raketen als auch gegen die Objekte richten, von denen sie abgefeuert werden\u201c \u2013 <strong>sofern nur die geringste Gefahr f\u00fcr russische Soldaten bestehe<\/strong><\/em>.\u201c Diese Einschr\u00e4nkung, auf \u201erussische <strong>Soldaten<\/strong>\u201c, ist entscheidend \u2013 also auf Personen, die Uniformen tragen.<\/p>\n<figure class=\"wp-block-table\">\n<table class=\"has-subtle-light-gray-background-color has-background\">\n<tbody>\n<tr>\n<td width=\"25%\"><a rel=\"noopener noreferrer\" href=\"http:\/\/wupperinst.org\/home\/\" target=\"_blank\"><img decoding=\"async\" title=\" \" class=\"aligncenter wp-image-313\" src=\"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/hans-jochen-luhmann\/wp-content\/uploads\/sites\/12\/2018\/05\/Luhmann-g11-270x300.jpg\" alt=\"\" width=\"180\"><\/a><\/td>\n<td width=\"75%\">Dr. Hans-Jochen Luhmann ist Senior Expert am <a href=\"http:\/\/wupperinst.org\/home\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Wuppertal Institut f\u00fcr Klima, Umwelt, Energie GmbH<\/a>.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/figure>\n<p>Man hat zu schlie\u00dfen, dass es f\u00fcr den 13. April 2018 vorab eine Kommunikation mit Russland gegeben hat, um wirklich felsenfest sicherzustellen, dass keinem russischen <strong>Soldaten<\/strong> ein Haar gekr\u00fcmmt wird. Und tats\u00e4chlich: 105 Cruise Missile trafen nachts um 0400 Uhr ins Ziel, vollst\u00e4ndig, kein Fehlschuss dabei; keine Chemikalienwolke als Kollateralschaden \u2013 47 Tonnen TNT eingesetzt, ohne dass jemand zu Schaden kam. Das war eine Meisterleistung in Pr\u00e4zision, zugleich in Konflikt-Vermeidung.<\/p>\n<p>Demgegen\u00fcber ist ein vernichtendes Feuer auf 250 russische Mitglieder einer Privatarmee, von denen 215 in einem vierst\u00fcndigen Gefecht get\u00f6tet werden, der Rest verletzt wird, von einer ganz anderen Gr\u00f6\u00dfenordnung. Die US-Seite hat berichtet, dass von ihrer Seite die folgende Armada von Luftstreitkr\u00e4ften eingesetzt worden ist:<\/p>\n<ul>\n<li>\u201e<em>F-22A Raptors,<\/em><\/li>\n<li><em>MQ-9B Reapers,<\/em><\/li>\n<li><em>F-15E Strike Eagles,<\/em><\/li>\n<li><em>AC-130 gunships,<\/em><\/li>\n<li><em>S. Army Apache helicopters<\/em>\u201c und zudem<\/li>\n<li>Artillerie von U.S. Marines Bodentruppen.<\/li>\n<\/ul>\n<p>35 Personen haben \u00fcberlebt und werden in russischen Krankenh\u00e4usern behandelt. Deren Traumata kann man sich angesichts einer solchen Schilderung lebhaft vorstellen. Da w\u00fcrde man eine Vergeltung russischerseits schon erwarten. Was war geschehen? Hier die Schilderung in einem <a href=\"https:\/\/fedweb.com\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/Armed-Conflict-in-Syria_-Overview-and-U.S.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Papier f\u00fcr den US Congress<\/a>:<\/p>\n<p><em>\u201eOn February 7, 2018, U.S. forces launched air strikes on pro-Syrian government forces near the town of Khusham, east of the provincial capital of Deir ez Zor and on the largely SDF-controlled northeast bank of the Euphrates River. [&#8230;] Khusham is located near one of Deir ez Zor\u2019s largest oilfields, which have been contested by various forces throughout the conflict. [&#8230;] <strong>Defense Secretary Mattis<\/strong> stated that during the Khusham operation, <strong>U.S. officials<\/strong> were <strong>informed<\/strong> by their Russian counterparts that there were <strong>no Russian forces in the are<\/strong><\/em><strong>a<\/strong>.\u201c<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/thedefensepost.com\/2018\/02\/08\/coalition-sdf-pro-regime-forces-attack-khusham-deir-ezzor\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Die offizielle Schilderung des Vorsto\u00dfes seitens des CJTF-OIR (dem Hauptquartier der Anti-IS-Koalition)<\/a> geht so:<\/p>\n<p>\u201e<em>Pro-regime forces initiated hostilities with <strong>artillery pieces<\/strong> (D-30\/M-30 type). Additionally, Syrian pro-regime forces maneuvered <strong>T-55 and T-72 main battle tanks<\/strong> with supporting <strong>mortar fire<\/strong> in what appears to be a coordinated attack on Syrian Democratic Forces approximately <strong>8 kilometers east of the<\/strong> Euphrates River <strong>de-confliction line<\/strong> in Khusham, Syria,<\/em>\u201d<\/p>\n<p>Da wurde also ein gro\u00dfangelegter Angriff einer gut ausger\u00fcsteten Einheit in Bataillons-St\u00e4rke mit Artillerie und Panzern gef\u00fchrt. Und das jenseits der zwischen Russland und den USA in den Sand gezogenen Linie der jeweiligen Einflusszonen. Aufgehalten wurde der Angriff 500 Meter entfernt von einer Kommandozentrale der sogenannten SDF \u2013 da sitzen die SDF-Kommandeure nicht alleine, sondern auch deren Berater, zumeist aus den USA. Hinter \u201eSDF\u201c verbergen sich hier kurdische Truppen. Sie waren zuvor erfolgreich gewesen im Vertreiben des IS \u2013 und hatten dabei \u00d6l- und Gasfelder in der Region unter ihre Kontrolle gebracht. Sie sa\u00dfen auf einem Geldsack \u2013 das gilt solange, wie die Klimapolitik noch nicht erfolgreich war, die fossilen Brennstoffe g\u00e4nzlich zu entwerten. Man erkennt, ansatzweise, welche \u201eFriedensdividende\u201c eine erfolgreich und vollst\u00e4ndig durchgesetzte Klimapolitik mit sich zu bringen verspricht.<\/p>\n<p>Dieser Geldsack sollte erobert werden, das war die Aufgabe des bestens ausger\u00fcsteten Panzer-Bataillons. Es handelte sich, wie sp\u00e4ter berichtet wurde, um eine Einheit, welche von dem Privatarmeeunternehmen \u201eWagner\u201c, einem Unternehmen mit Sitz in Russland, aufgestellt und ausger\u00fcstet worden war \u2013 also ein PMC (\u201ePrivate Military Company\u201c), das \u00c4quivalent zu einstmals \u201eBlackwater\u201c in den USA. Die hatten offenbar, wie die russische Seite sp\u00e4ter verlautbarte, ihren Angriff auf das SDF-Kommando dem russischen Milit\u00e4r nicht vorher angek\u00fcndigt. Als die US-Seite \u00fcber das <em>de-confliction<\/em> System mitteilte: \u201eWir schlagen zu\u201c, hatte die russische Seite dagegen, absprachegem\u00e4\u00df, nichts einzuwenden. Die Wagner-Truppe war g\u00e4nzlich auf eigenes Risiko unterwegs.<\/p>\n<p><strong>Wie die Pr\u00e4mie in Khusham ausgesetzt wurde \u2013 irregul\u00e4re Kriegsf\u00fchrung qua Bonus-Gew\u00e4hrung<\/strong><\/p>\n<p>Wie kam es dazu? Die Antwort lautet: Es war in etwa so wie in D\u00fcrrenmatts \u201eDer Besuch der alten Dame\u201c \u2013 gegen Geld. Oder wie in den Pampas in Argentinien im ausgehenden 19. Jahrhundert: Man setzte einfach Geld aus f\u00fcr den Eintritt des spezifisch definierten \u201eErfolgs\u201c. Und voil\u00e1: Eines Tages war der, auf dessen Tod eine Pr\u00e4mie ausgesetzt worden war, wirklich tot \u2013 und die Pampa leer von Ureinwohnern, von l\u00e4stigen Tr\u00e4gern urspr\u00fcnglicher Rechte. An den H\u00e4nden der Pr\u00e4mien-Aussetzern war kein Blut, sie wussten nicht einmal irgendetwas \u2013 sie konnten weiter gut schlafen.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.bundesheer.at\/pdf_pool\/publikationen\/ifk_monitor_46_rupp_syrien_apr_18_web.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Der Hintergrund zum Gemetzel in Deir ez-Zour ist dem IFK Monitor, einem Newletter der \u00f6sterreichischen Sicherheitsforschung, zu entnehmen<\/a> \u2013 da ist er eingebettet in eine Schilderung der oben bereits erw\u00e4hnten Zusammenh\u00e4nge:<\/p>\n<p>\u201e<em>Die von den USA unterstu\u0308tzten kurdischen SDF-Kra\u0308fte hatten im Zuge der Befreiung von IS-Gebieten zahlreiche Gas- und O\u0308lfelder in Deir ez-Zour, die rund ein Drittel der syrischen O\u0308l-und Gasfo\u0308rderung ausmachen, besetzt. [&#8230;] Russischen Medienberichten zufolge sagte im Jahr 2017 das Assad-Regime einer <strong>russischen O\u0308lfirma<\/strong> eine <strong>Gewinnbeteiligung von 25%<\/strong> bei O\u0308l- und Gasverka\u0308ufen zu, wenn <strong>im Gegenzug russische So\u0308ldner das Regime bei der Ru\u0308ck- eroberung unterstu\u0308tzen<\/strong>.<\/em>\u201c<\/p>\n<p>Das ist das bekannte Verfahren der Bonus-Gew\u00e4hrung \u2013 in Deutschland im Leistungssport verbreitet; auch im politischen Lobbyismus. Das Verfahren: Die F\u00fchrung setzt Leistungsanforderungen \u2013 und schert sich nicht darum, wie und ob diese Leistung legalerweise zu erbringen ist. Insbesondere schlie\u00dft sie Augen sehr fest vor der M\u00f6glichkeit, dem naheliegenden Verdacht, dass die explizit nicht geforderte, sondern nur bei Erfolg verg\u00fctete Leistung nur mittels T\u00e4tigkeiten jenseits der Grenze des Legalen zu erbringen seien. Die F\u00fchrung des Innenministeriums beim Doping, die Stromproduzenten bei der staatlichen Vergabe von freien Emissionsrechten, die Leitung per Bonus-Regeln gef\u00fchrter Banken bei Spekulationsgewinnen auf den Referenz-Zinsatz, der von wenigen Banken durch Abfrage festgestellt wird, oder eben hier die Regierung Syriens, wahrscheinlich auch die F\u00fchrung des Unternehmens \u201eWagner\u201c: Keiner von ihnen wird sich mit dieser indirekten Methode eines Unrechts schuldig gemacht haben \u2013 sich schuldig gemacht haben, den Rechtsbruch begangen, hier einen Vorsto\u00df jenseits der <em>de-confliction line<\/em> unternommen, ohne Absicherung durch das russische Milit\u00e4r, das haben nur die da unten, die regionalen Kommandeure \u2013 die vermutlich auch noch ihr Leben gelassen haben.<\/p>\n<p>Der Philosoph Robert Spaemann hat das D\u00fcrrenmattsche St\u00fcck, welches mir hier als Modell galt, einmal sehr hellsichtig in Kurzform dargestellt. Damit, mit diesem Zitat, schlie\u00dfe ich.<\/p>\n<p>\u201e,<strong><em>Der gefa\u0308hrlichste Angriff<\/em><\/strong><em> [&#8230;] <strong>geschieht in der Form einer scheinbar harmlosen<\/strong>, <strong>in Wirklichkeit jedoch heimt\u00fcckischen Frage<\/strong>, der Frage:,Was kostet uns &lt;ein rechtm\u00e4\u00dfiges bzw. sittliches Verhalten&gt;?&#8216; Dieser Angriff wirkt wie der Anschlag der alten Dame in Du\u0308rrenmatts St\u00fcck ,Der Besuch der alten Dame&#8216;. Die alte Dame setzt einfach einen exorbitant hohen Preis auf den Tod jenes Mannes, mit dem sie eine Rechnung zu begleichen hat. Die Mitb\u00fcrger des Mannes weisen den unsittlichen Antrag zuna\u0308chst entru\u0308stet zuru\u0308ck. Die Dame reist ab, aber das Angebot wirkt wie ein langsames Gift.<\/em><\/p>\n<p><strong><em>Gefallen sind die Wu\u0308rfel in dem Augenblick, wo die Mitbu\u0308rger sich zu fragen beginnen<\/em><\/strong><em>, <strong>was<\/strong> <strong>sie<\/strong> alle, was einen jeden von ihnen <strong>das Leben dieses Mannes kostet<\/strong>. Die Wahrheit ist nat\u00fcrlich, dass es sie gar nichts kostet, denn der Mann will ja nichts von ihnen. Aber der S\u00fcndenfall geschieht in dem Augenblick, wo sie die <strong>o\u0308konomische Denkweise<\/strong>, nach welcher <strong>entgangener Gewinn Verlust ist<\/strong>, auf das Leben eines Menschen ausdehnen. <strong>Sie haben ihn sozusagen gedanklich schon geto\u0308tet<\/strong>, das GeId dafu\u0308r kassiert und fu\u0308hlen sich nun so, als mu\u0308ssten sie es wieder hergeben, wenn sie <strong>den Mann lebenlassen<\/strong>. Und das <strong>ist ihnen zu teuer<\/strong>. Hundert Millionen f\u00fcr einen Menschen, ist das nicht ein bi\u00dfchen viel? Bei dieser Rechnung ist klar, dass der Mann verloren ist.<\/em>\u201c<\/p>\n<p>Das ist die Moral des Opportunit\u00e4tskostenprinzips \u2013 beziehungsweise deutlicher: Dieses \u00f6konomische Konzept, das will Spaemann sagen, kann eine todbringende Waffe sein. Ich erg\u00e4nze: Sie kann ein Massenvernichtungsmittel sein.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Kolumne von Hans-Jochen Luhmann Unsere Entscheidung f\u00fcr einen Blickwinkel bestimmt hernach unsere Wahrnehmung. Wahrnehmung ist etwas Aktives. Heute lenke ich den Blick auf die Finanzierung von Gewaltstrukturen, die aktuell (B\u00fcrger-)Kriege f\u00fchren lassen, diese erm\u00f6glichen bis intensivieren. Als Beispiel greife ich den in Syrien heraus. 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