{"id":106,"date":"2018-06-19T13:24:30","date_gmt":"2018-06-19T11:24:30","guid":{"rendered":"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/hans-jochen-luhmann\/?page_id=106"},"modified":"2020-09-12T16:26:03","modified_gmt":"2020-09-12T14:26:03","slug":"end-of-oil-und-die-formen-von-staatlicher-herrschaft","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/hans-jochen-luhmann\/end-of-oil-und-die-formen-von-staatlicher-herrschaft\/","title":{"rendered":"\u201eend of oil\u201c und die Formen von staatlicher Herrschaft"},"content":{"rendered":"<p><em>Die Kolumne von Hans-Jochen Luhmann<\/em><\/p>\n<p>Herrschaft ist immer prek\u00e4r. Sie gleicht einem Ritt auf dem Tiger, der mit Zuckerbrot und Peitsche davon abgehalten werden muss, einen abzuwerfen und zu verschlingen. <a href=\"https:\/\/www.friedensgutachten.de\/archiv\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Ausgabe 2016 des allj\u00e4hrlichen Friedensgutachtens<\/a>, dort die \u201eStellungnahme der Herausgeber\u201c, stellt knapp und pointiert dar, wie in Syrien der \u201eReiter\u201c abgeworfen\u201d wurde, was einen B\u00fcrger- beziehungsweise sp\u00e4ter Stellvertreter-Krieg ausl\u00f6ste. Der erste Teil der Diagnose:<\/p>\n<p><em>\u201eIn Syrien bescherte die Teil\u00f6ffnung der Wirtschaft den Privilegierten Millionengewinne, lie\u00df aber viele Bewohner l\u00e4ndlicher Gebiete verarmen. Das Regime und die mit ihm verbandelten Wirtschaftseliten opferten die Entwicklung des Landes der eigenen Bereicherung, was sie gem\u00e4\u00df dem neoliberalen Credo in der industrialisierten Welt sogar als Reform verkaufen konnten.\u201c (S. 6)<\/em><\/p>\n<p>Ein geringer Schritt in Richtung \u201eMarkt\u00f6ffnung\u201c, in Richtung \u201eGlobalisierung\u201c also, reichte bereits, den Ritt der syrischen Eliten mit einem Absturz enden zu lassen. Der zweite Teil der Diagnose benennt den entscheidenden Unterschied daf\u00fcr, dass es in Syrien zum B\u00fcrgerkrieg kam, in anderen Staaten des Nahen Ostens, die ebenfalls Schritte hin zu einer liberalisierten Wirtschaftsverfassung unternahmen, hingegen nicht:<\/p>\n<p><em>\u201e&#8230; <strong>anders als die erd\u00f6l- und erdgasf\u00f6rdernden Staaten<\/strong> in der Region<strong> konnte das syrische Regime die Bev\u00f6lkerung nicht mit einem Geldregen ruhigstellen<\/strong>. Es reagierte auf Proteste mit blanker Repression, was direkt in den B\u00fcrgerkrieg f\u00fchrte.\u201c (S. 6)<\/em><\/p>\n<p>Erd\u00f6l-Erl\u00f6se sind also regime-stablisierend. Von Interesse ist diese These insbesondere mit Blick auf die Zukunft: Wir haben uns, pionierhaft in den Industriestaaten, vom \u00d6l zu verabschieden. Der Zusammenhang von \u201e\u00d6l und Herrschaft\u201c steht deswegen auf der Tagesordnung.<\/p>\n<p><strong>Sicherheit am Persischen Golf im Umbruch: UK, USA, China <\/strong><\/p>\n<p>Beginnend in den USA, wo es eine heimische Energiequelle ist, wurde das \u00d6l zum Treibstoff der Massenmotorisierung. Der Stra\u00dfenverkehr entwickelte sich zur Basis des regional differenzierten G\u00fcteraustausches, auch au\u00dferhalb der USA. Damit wurde \u00fcberall entschieden: Wir machen uns existentiell abh\u00e4ngig vom Zufluss von \u00d6l aus Drittl\u00e4ndern. Ohne \u00d6l bricht die Wirtschaft in den Industriestaaten zusammen. Sicherheit der \u00d6lversorgung wird kollektiv lebenswichtig, erfordert dann auch milit\u00e4rischen Schutz.<\/p>\n<p>Das Sich-abh\u00e4ngig-Machen muss Konsequenzen im geopolitischen Habitus haben, mit dem Fokus \u201ePersischer Golf\u201c. Es braucht einen Sicherheits-Garantierer dort. Diese Rolle nahm bis 1971 das Vereinigte K\u00f6nigreich ein, dessen Engagement bis 1820 zur\u00fcckreicht. Die USA traten zu Ende des Zweiten Weltkriegs, mit ihrem B\u00fcndnis mit Saudi-Arabien, hinzu und \u00fcbernahmen voll nach dem R\u00fcckzug der Briten. Komplement war, dass sie die nat\u00fcrlichen Wettbewerber um den Status der dominierenden Regionalmacht, Irak und Iran, zu \u201e<em>rogue states<\/em>\u201c abstempelten und ihrem bev\u00f6lkerungsarmen Proteg\u00e9 Saudi-Arabien die Aussicht vermittelten, sich l\u00e4ngerfristig als dominierende Mittelmacht etablieren zu k\u00f6nnen \u2013 ein objektiv aussichtsarmes Unterfangen.<\/p>\n<figure class=\"wp-block-table\">\n<table class=\"has-subtle-light-gray-background-color has-background\">\n<tbody>\n<tr>\n<td width=\"25%\"><a rel=\"noopener noreferrer\" href=\"http:\/\/wupperinst.org\/home\/\" target=\"_blank\"><img decoding=\"async\" title=\" \" class=\"aligncenter wp-image-313\" src=\"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/hans-jochen-luhmann\/wp-content\/uploads\/sites\/12\/2018\/05\/Luhmann-g11-270x300.jpg\" alt=\"\" width=\"180\"><\/a><\/td>\n<td width=\"75%\">Dr. Hans-Jochen Luhmann ist Senior Expert am <a href=\"http:\/\/wupperinst.org\/home\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Wuppertal Institut f\u00fcr Klima, Umwelt, Energie GmbH<\/a>.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/figure>\n<p>Diese Konstellation kam in der Folge vom 11. September 2001 ins Rutschen, seitdem suchen die Saudis und auch die Staaten des Golf Cooperation Council (GCC) einen Ausgleich im Osten, in Indien und China. Mit dem Positionsbezug der USA in den Ereignissen des \u201eArabischen Fr\u00fchlings\u201c hat die Entfremdung noch zugenommen. Gegenw\u00e4rtig wird die <a href=\"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/hans-jochen-luhmann\/das-nuklear-abkommen-mit-iran-perspektiven-fuer-den-nahen-osten\/\">\u00dcberdehnung der USA<\/a> deutlich, folglich graben die gro\u00dfen Regionalm\u00e4chte Startl\u00f6cher im Kampf um die Vormachtstellung in der Post-US-Dominanz-Phase. Dabei ist der Irak aufgrund des amateurhaften Eingriffs des US-Pr\u00e4sidenten George W. Bush aus dem Rennen ausgeschieden. Der Syrien-Konflikt ist, so gesehen, ein Kampf zwischen Iran einerseits und Saudi-Arabien, mit Unterst\u00fctzung von \u00c4gypten und der T\u00fcrkei, andererseits.<\/p>\n<p>Wenig beachtet ist das planvoll zunehmende Engagement Chinas in der Region seit September 2001, in Verfolgung seines Interesses an einer ungest\u00f6rten \u00d6lversorgung, aber auch zum Schutz sowohl seiner Staatsb\u00fcrger, die im Nahen Osten in der \u00d6lindustrie (Chinas) t\u00e4tig sind, als auch der chinesischen Unternehmen, die dort engagiert sind. Die Abh\u00e4ngigkeit Chinas vom \u00d6l ist j\u00fcngeren Datums, sie ist die Kehrseite der \u201eAutomobilisierung\u201c des Verkehrs in China, auf Basis von \u00fcberholten Technologien, welche China im Rahmen seines Aufbruchs von den westlichen Herstellern sich hat \u201everkaufen\u201c lassen.<\/p>\n<p>Nun muss China einstweilen damit leben. Sein \u00d6lbedarf ist von 3 Megabarrel pro Tag (mb\/d) im Jahr 1993 auf zwischenzeitlich 11 mb\/d (in 2014) gestiegen, und der Zuwachs (8 mb\/d) war zu importieren. China ist mit 3 mbd der gr\u00f6\u00dfte Importeur aus Nah-Ost, gefolgt von den USA mit 2 mb\/d. Die H\u00e4lfte seines \u00d6ls aus Nah-Ost importiert China von Anrainern des Persischen Golfs. Und China importiert nicht nur, sondern nimmt mit eigenen Unternehmen (F\u00f6rderung; Raffinerien) Teil an der Wertsch\u00f6pfung rund ums \u00d6l in den F\u00f6rderregionen.<\/p>\n<p>Gegenw\u00e4rtig sind allein in der Golf-Region etwa 75.000 chinesische Arbeitskr\u00e4fte t\u00e4tig. Die brauchen im Ernst- beziehungsweise Krisenfall Schutz beziehungsweise sind zu evakuieren. Der Ernstfall war <a href=\"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/hans-jochen-luhmann\/bericht-des-britischen-foreign-affairs-committee-entscheidung-zum-regimewechsel-in-libyen\/\">der (herbeigebombte) Zerfall staatlicher Sicherheitsstrukturen in Libyen<\/a>, wo China seine in Anti-Piraterie-Aktionen eingesetzte Flotte vor Somalia eilig herbeiholte, um Tausende von Chinesen, die in Chinas \u00d6lindustrie in Libyen besch\u00e4ftigt waren, zu evakuieren \u2013 die Kapitalg\u00fcter waren nicht zu retten.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/hans-jochen-luhmann\/wp-content\/uploads\/sites\/12\/2018\/06\/ZBW-China-2017.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-108 alignleft\" src=\"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/hans-jochen-luhmann\/wp-content\/uploads\/sites\/12\/2018\/06\/ZBW-China-2017-T.jpg\" alt=\"\" width=\"310\" height=\"436\"><\/a>Aus dieser Erfahrung wurden, beispielhaft im Sudan\/S\u00fcd-Sudan, Konsequenzen gezogen. <a href=\"https:\/\/www.econstor.eu\/bitstream\/10419\/120400\/1\/818454962.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Hier eine Schilderung der weitreichenden Entwicklung bis heute<\/a>:<\/p>\n<p>\u201e<em>China also ensured that the US-sponsored new UN Security Council resolution contained measures to protect its own oil interests there. In May 2014 Beijing quietly secured a deal that will task the <strong>UN\u2019s peacekeeping mission to protect workers in South Sudan\u2019s oil installations, where China has invested billions of dollars<\/strong> over the years and holds a major financial stake \u2013 at least 40% \u2013 in South Sudan\u2019s largest oilfield.<\/em><\/p>\n<p><em>The decision to commit UN peacekeepers to the protection of the oil industry initially encountered <strong>resistance from within the UN Department of Peacekeeping Operations, or DPKO<\/strong>. DPKO warned that it risked undercutting the UN\u2019s neutrality, and that it would be unseemly to put the Nobel Prize-winning peacekeepers at the service of commercial enterprises. However, China received the <strong>backing of the US, UK, France, and other<\/strong> key powers, whose representatives argued that attacks on South Sudan\u2019s oil infrastructure threatened to further destabilise the country. For its part, <strong>China offered to provide as many as 850 additional Chinese peacekeepers to the mission<\/strong> to join their 350 non-combat Chinese troops \u2013 the first time China had contributed a full infantry battalion to a UN peacekeeping mission.<\/em>\u201c (p. 31)<\/p>\n<p><strong>Renten\u00f6konomie des Erd\u00f6ls <\/strong><\/p>\n<p>Die Besonderheit der \u00d6konomie von Rohstoffen, besonders ausgepr\u00e4gt bei fossilen Energietr\u00e4gern, besteht darin, dass ihr Wert in der Regel deutlich h\u00f6her ist als die Kosten ihrer Produktion. Ihr Wert ergibt sich, wie alle \u00f6konomischen Werte, aus der Relation von Angebot und Nachfrage. Ein physisches Gut kann nicht von sich aus einen Wert haben, auch wenn der Begriff \u201eBodenschatz\u201c das unterstellt.<\/p>\n<p>Der legitime Entlohnungsanspruch der F\u00f6rderunternehmen und der dort Besch\u00e4ftigten bemisst sich allein an den Herstellungskosten. Es bleibt eine Differenz, in der Fachsprache \u201eRente\u201c genannt, und die ist ein leistungsloser Erl\u00f6s; die f\u00e4llt in den Scho\u00df. Wem steht sie zu? Da es sich um ein leistungsloses Einkommen handelt, steht es weder den f\u00f6rdernden beziehungsweise herstellenden Unternehmen zu noch den Grundst\u00fcckseigent\u00fcmern, wie es in den USA Sitte ist. Legitim ist allein die Aneignung durch einen Vertreter der Allgemeinheit, also praktisch den Staat.<\/p>\n<p>Dazu aber muss der Staat in einer Weise verfasst sein und funktionieren, dass er im Umgang mit diesen meist enorm hohen Summen dieser Legitimit\u00e4tsforderung auch gerecht zu werden vermag. Daran mangelt es regelm\u00e4\u00dfig. Aufgrund vieler Beispiele haben wir inzwischen einiges an perverser Kollaboration begriffen:<\/p>\n<ol>\n<li>In aller Regel sind die Eliten in rohstoffreichen L\u00e4ndern nicht so \u201edrauf\u201c, dass sie mit den Verf\u00fchrungen eines leistungslosen Einkommens angemessen selbstlos beziehungsweise treuh\u00e4nderisch umzugehen bereit sind;<\/li>\n<li>die westlichen Staaten haben eine eigene \u201eIndustrie\u201c, wie die Angelsachsen sagen, aufgebaut, um solche von den Reichen der rohstoffreichen Staaten \u201eprivatisierten\u201c Einkommen wie mit einem Staubsauger zur\u00fcckzusaugen in die Tresore der Ersten Welt. Das finanzielle Volumen der staatlichen Entwicklungshilfe (ODA-Mittel) liegt bei etwa 125 Milliarden US-Dollar pro Jahr, das des R\u00fcckflusses aus Entwicklungsl\u00e4ndern liegt in der Gr\u00f6\u00dfenordnung von 500 bis 800 Milliarden US-Dollar pro Jahr. Die Schlie\u00dfung dieser hochspezialisierten Industrie w\u00fcrde die Entwicklungsl\u00e4nder somit um den Faktor Vier bis Sieben mehr beg\u00fcnstigen als die gesamte Entwicklungshilfe. W\u00fcrde man ernstlich in Richtung \u201eBek\u00e4mpfung der Fluchtursachen\u201c sich auf den Weg machen, dann w\u00fcrde der Erfolg daran zu ermessen sein, wie sich diese Schere schlie\u00dft.<\/li>\n<\/ol>\n<p>Das finanzielle Volumen der globalen Erd\u00f6l-Renten, allein produktionsseitig, liegt derzeit in der Gr\u00f6\u00dfenordnung von 1.200 Milliarden US-Dollar pro Jahr. Das ergibt sich aus den folgenden drei Daten:<\/p>\n<ol>\n<li>das globale Produktionsvolumen an \u00d6l liegt bei 80 Megabarrel pro Tag entsprechend 30 Milliarden Barrel pro Jahr;<\/li>\n<li>die tyischen Produktionskosten liegen bei 10 US-Dollar pro Barrel;<\/li>\n<li>den aktuellen Weltmarktpreis setze ich hier mit 50 US-Dollar pro Barrel an.<\/li>\n<\/ol>\n<p><a href=\"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/hans-jochen-luhmann\/wp-content\/uploads\/sites\/12\/2018\/06\/CSIS-Thew-OPec-Disease-20160718.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright wp-image-110\" src=\"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/hans-jochen-luhmann\/wp-content\/uploads\/sites\/12\/2018\/06\/CSIS-Thew-OPec-Disease-20160718-T.jpg\" alt=\"\" width=\"310\" height=\"401\"><\/a>Hinzu k\u00e4men, rechnete man begrifflich genau, die in den Konsumenten-Staaten qua Mineral\u00f6lsteuern zugunsten der dortigen Fisci abgesch\u00f6pften Renten. Doch hier soll es lediglich um das Volumen des Renteneinkommens der Entwicklungsl\u00e4nder gehen \u2013 unter ihnen machen die Staaten, die in der OPEC organisiert sind, den gr\u00f6\u00dften Anteil aus. <a href=\"https:\/\/csis-prod.s3.amazonaws.com\/s3fs-public\/publication\/160718_Lower_OPEC_Oil_Export_Revenues.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Deren Einkommen aus \u00d6lexporten (, was nicht exakt ihrem \u00d6l-Renteneinkommen entspricht,) lag im Peak-Jahr 2012 bei 920 Milliarden US-Dollar und im Jahre 2015 bei 400 Milliarden US-Dollar (S. 16)<\/a>.<\/p>\n<p>Hinzuzurechnen hat man <a href=\"https:\/\/www.oxfordenergy.org\/wpcms\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/WPM-58.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">die Zahlen des Nicht-OPEC-Mitglieds Russland<\/a>. Russland f\u00f6rdert etwa ein Zehntel der Welt-Produktion, und davon gehen 40 Prozent in den Export (1,5 Milliarden Barrel pro Jahr). Das Export-Einkommen lag somit im Jahre 2012 sch\u00e4tzungsweise bei 140 Milliarden US-Dollar und im Jahre 2015 bei 60 Milliarden US-Dollar (Fig. 22). <a href=\"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/hans-jochen-luhmann\/wp-content\/uploads\/sites\/12\/2018\/06\/Oxford-WPM-58.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-112\" src=\"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/hans-jochen-luhmann\/wp-content\/uploads\/sites\/12\/2018\/06\/Oxford-WPM-58-T.jpg\" alt=\"\" width=\"310\" height=\"437\"><\/a>Zusammen sind das 1.000 beziehungsweise 500 Milliarden US-Dollar pro Jahr \u2013 also etwa dieselbe Gr\u00f6\u00dfenordnung wie das zur\u00fcckgeschleuste Privateinkommen der Eliten in Entwicklungsl\u00e4ndern.<\/p>\n<p><strong>Die prek\u00e4re staatliche Stabilit\u00e4t der Renten\u00f6konomien <\/strong><\/p>\n<p>Das Einkommen aus der \u00d6lf\u00f6rderung geht zu Ende. Das ist keine neue Einsicht \u2013 schlie\u00dflich handelt es sich bei \u00d6l um eine \u201eersch\u00f6pfbare\u201c Ressource. In den etablierten Erd\u00f6l-\u00d6konomien, insbesondere auf der arabischen Halbinsel, ist das eine Aussicht f\u00fcr ihre Zukunft, die dort seit langem debattiert wird, aus der auch Konsequenzen gezogen wurden und werden. Und doch erscheint die Bewusstseinslage seltsam gespalten. Viel diskutiert und untersucht sind zwei Risiken:<\/p>\n<ol>\n<li>Das Risiko aus der <a href=\"http:\/\/www.iai.it\/sites\/default\/files\/iaiwp1615.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Volitilit\u00e4t der Weltmarkt-\u00d6lpreise f\u00fcr die Tragf\u00e4higkeit der Haushalte von Staaten<\/a>, die f\u00fcr ihr Funktionieren von \u00d6leinnahmen massiv abh\u00e4ngig sind. Also f\u00fcr das, was wir gegenw\u00e4rtig erneut in zwei F\u00e4llen real erleben, in Venezuela, aber auch in Russland. Dort wird unter dem Ende der \u201esieben fetten Jahre\u201c zuvor massiv gelitten und folglich ist auch Herrschaft bedroht \u2013 in Venezuela bereits realisiert, in Russland gilt: im Mai 2018 l\u00e4uft die Amtszeit des Staatspr\u00e4sidenten aus, es steht die Neuwahl an.<\/li>\n<li>Das l\u00e4nderspezifische Risiko daraus, dass in einem Staat die dortigen Quellen sich eines Tages ersch\u00f6pfen, dieser Staat also absehbar gezwungen sein wird, seinen \u00dcbergang von einer stark ressourcen-\u00f6konomisch gef\u00fctterten Wirtschaft zu einer Normal-Wirtschaft vorzubereiten, zu einer Wirtschaft also, die im wesentlichen von den Ertr\u00e4gen aus der Kombination von Kapital, Arbeit und Wissen sich zu speisen hat. Beispiele sind Gro\u00dfbritannien und Norwegen.<\/li>\n<\/ol>\n<p><a href=\"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/hans-jochen-luhmann\/wp-content\/uploads\/sites\/12\/2018\/06\/IAI-Oelpreis-2017.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright wp-image-114\" src=\"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/hans-jochen-luhmann\/wp-content\/uploads\/sites\/12\/2018\/06\/IAI-Oelpreis-2017-T.jpg\" alt=\"\" width=\"310\" height=\"438\"><\/a>Diese beiden Risiken werden intensiv beobachtet vom Internationalen W\u00e4hrungsfonds. Wenn dieses Risiko sich n\u00e4mlich eines Tages materialisiert und der betroffene Staat den ihm aufgezwungenen Wandel nicht aus eigenen R\u00fccklagen zu bew\u00e4ltigen vermag, dann geht er in die Staatsverschuldung. Dann wird er m\u00f6glicherweise eines Tages \u201eKunde\u201c des Internationalen W\u00e4hrungsfonds. Das kennt man dort bestens. Deswegen wei\u00df man, wie damit umzugehen ist \u2013 und ist darauf vorbereitet.<\/p>\n<p>Nicht thematisiert ist, soweit ich sehe, jedoch die kollektive Situation, die sich als Fluchtpunkt erfolgreicher Klimapolitik ergibt, und das unausweichlich: Der endg\u00fcltige Abschied vom \u00d6l, auch und insbesondere im Verkehrssektor \u2013 und das weltweit, pionierhaft in den Konsumentenl\u00e4ndern. Ob Stra\u00dfenfahrzeuge, Flugzeuge und Schiffe dann mit Wasserstoff (H<sub>2<\/sub>)-Tanks oder mit Strom aus Batterien best\u00fcckt sein werden, ist unerheblich \u2013 wesentlich ist, dass Strom und H<sub>2<\/sub> aus erneuerbaren Quellen stammen werden, nicht mehr aus \u00d6lderivaten. Renten-\u00d6konomien, die auf dem \u00e4u\u00dferst werthalten \u00d6l basieren, geht dann ein Gutteil ihres Staats-Einkommens aus. Der Einkommenstransfer von den (meist westlichen Industrie-)Staaten entf\u00e4llt, die werden ihre Energietr\u00e4ger, auch f\u00fcr den Verkehr, dann \u00fcberwiegend auf eigenem Boden herstellen.<\/p>\n<p><strong>Die \u201cend of oil\u201d-Perspektive f\u00fcr die Herrschaftsform<\/strong><\/p>\n<p>Damit entf\u00e4llt in den renten-\u00f6konomisch \u201aspezialisierten\u2019 Staaten das Stabilisierungs-Potential f\u00fcr die \u00e4u\u00dferst rudiment\u00e4re Form von Herrschaft, die man sich in solchen Staaten bislang leisten kann. Herrschaft in der Form, dass eine Regierung allein dadurch zu den f\u00fcr Herrschaft ben\u00f6tigten Geldmitteln kommt, dass sie ausl\u00e4ndischen Unternehmen F\u00f6rderlizenzen vergibt, ist trivial. Deutlich wird das im Vergleich mit der Form der Faktor- und Umsatz-Besteuerung, die bei uns seit dem 19. Jahrhundert Schritt f\u00fcr Schritt etabliert worden ist. Da hat aber auch jedes Wirtschaftssubjekt sein Einkommen aus Produktionst\u00e4tigkeiten vollst\u00e4ndig zu erkl\u00e4ren, und s\u00e4mtliche Konsumakte beziehungsweise Konsumg\u00fcter-K\u00e4ufe sind zu objektivieren \u2013 eine so breit angelegte Steuer- und Abgaben-Basis ist recht resilient gegen\u00fcber wirtschaftlichen Schwankungen. Um sie zu etablieren und in Gebrauch zu halten, bedarf sie aber eines hohen Standes der Herrschaftskunst, \u00fcber die Lebens\u00e4u\u00dferungen der Beherrschten im Ganzen.<\/p>\n<p><strong>Conclusio<\/strong><\/p>\n<p>Syrien ist vom Tiger geworfen worden. Der Grund war: Es konnte ihm keinen \u201eZucker\u201c geben aus \u00d6lrenten-Einkommen. Andere Staaten in der Golf-Region konnten das und entgingen so dem Schicksal Syriens. Deswegen brach sich der Migranten<em>strom<\/em> nur von Syrien aus seinen Weg, nicht von anderen Staaten der arabischen Halbinsel aus (mit Ausnahme des Irak). Das war die Eingangs-Geschichte.<\/p>\n<p>Mit dem Erfolg der Klimapolitik wird diese Herrschaftsoption nicht mehr zur Verf\u00fcgung stehen. In dem Ma\u00dfe, wie die \u00f6l-importierenden Industriestaaten Klimapolitik als Industriepolitik entschieden betreiben, wird sich das \u2013 schrittweise \u2013 als R\u00fcckgang der \u00d6leinnahmen bemerkbar machen. Zus\u00e4tzliche Migrantenstr\u00f6me, so die Pointe dieser Erw\u00e4gung, sind nur zu vermeiden, wenn parallel zum R\u00fcckgang der Finanzstr\u00f6me aus den Industriestaaten, als Gegenstrom zu den Erd\u00f6lstr\u00f6men, die Herrschaftskunst in diesen Staaten proportional steigt. Das Ende des fossilen Zeitalters, eigentlich schon das Ende des \u00d6l-Zeitalters, erzwingt von uns eine \u00c4nderung der etablierten Konfliktaustragsformen.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\"><\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Kolumne von Hans-Jochen Luhmann Herrschaft ist immer prek\u00e4r. 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Ausgabe 2016 des allj\u00e4hrlichen Friedensgutachtens, dort die \u201eStellungnahme der Herausgeber\u201c, stellt knapp und pointiert dar, wie in Syrien der \u201eReiter\u201c abgeworfen\u201d wurde, was einen B\u00fcrger- &hellip; <\/p>\n<p class=\"link-more\"><a href=\"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/hans-jochen-luhmann\/end-of-oil-und-die-formen-von-staatlicher-herrschaft\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">\u201e\u201eend of oil\u201c und die Formen von staatlicher Herrschaft\u201c <\/span>weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"parent":0,"menu_order":100,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":{"footnotes":""},"class_list":["post-106","page","type-page","status-publish","hentry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/hans-jochen-luhmann\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/106","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/hans-jochen-luhmann\/wp-json\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/hans-jochen-luhmann\/wp-json\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/hans-jochen-luhmann\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/hans-jochen-luhmann\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=106"}],"version-history":[{"count":10,"href":"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/hans-jochen-luhmann\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/106\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":740,"href":"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/hans-jochen-luhmann\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/106\/revisions\/740"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/hans-jochen-luhmann\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=106"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}