{"id":1167,"date":"2023-08-21T15:59:35","date_gmt":"2023-08-21T13:59:35","guid":{"rendered":"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/hans-jochen-luhmann\/?page_id=1167"},"modified":"2023-08-21T16:03:00","modified_gmt":"2023-08-21T14:03:00","slug":"der-aderlass-der-ukraine","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/hans-jochen-luhmann\/der-aderlass-der-ukraine\/","title":{"rendered":"Der Aderlass der Ukraine"},"content":{"rendered":"\n<p><em>Ein Abn\u00fctzungskrieg ist eine Auseinandersetzung, bei derjenige gewinnt, der auf Dauer mehr an Ressourcen einzusetzen in der Lage ist. Der abstrakte Begriff &#8222;Ressourcen&#8220; meint gefallene Soldaten und zehnmal soviel Verletze mit dauernden k\u00f6rperlichen und seelischen Verwundungen und milit\u00e4risches &#8222;Material&#8220; f\u00fcr die F\u00fchrung des Kriegs selbst. Und er meint auch menschliche und finanzielle Ressourcen f\u00fcr das Aufrechterhalten des Staatswesens und zumutbarer Lebensbedingungen f\u00fcr die Bev\u00f6lkerung.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Der Krieg in der Ukraine ist, wie es milit\u00e4risch hei\u00dft, ein \u201eAbn\u00fctzungskrieg\u201c geworden. Ein Abn\u00fctzungskrieg ist ein Krieg, der milit\u00e4risch festgefahren ist. Bei ihm erleiden beide Seiten etwa gleich viel an Verlusten \u2013 es sei denn eine Seite traut sich zu, durch eine tempor\u00e4re regionale \u00dcberlegenheit von mindestens, so die Faustregel, drei zu eins, den Versuch eines Durchbruchs zu wagen und dabei auch noch Erfolg zu haben. Die milit\u00e4rische Erfolgsperspektive des gegenw\u00e4rtigen Abn\u00fctzungskrieges ist damit klar: Es wird sich auf dem milit\u00e4rischen Feld als solchem nichts \u00e4ndern. Was sich allein zu \u00e4ndern vermag, ist der Nachschub an die Front, an Menschen und an Material.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein Abn\u00fctzungskrieg ist eine Auseinandersetzung, bei derjenige gewinnt, der auf Dauer mehr an Ressourcen einzusetzen in der Lage ist \u2013 er ist somit ein Kampf ganzer \u00d6konomien, in diesem Sinne ein \u201etotaler\u201c Krieg. Schl\u00fcsselbegriff ist der abstrakte Begriff \u201eRessourcen\u201c. Der meint zuv\u00f6rderst Menschen- und milit\u00e4risches \u201eMaterial\u201c f\u00fcr die F\u00fchrung des Kriegs selbst \u2013 er meint dann gefallene Soldaten und zehnmal soviel Verletze mit dauernden k\u00f6rperlichen und seelischen Verwundungen. Er meint dann aber auch menschliche und finanzielle Ressourcen f\u00fcr das Aufrechterhalten des Staatswesens und zumutbarer Lebensbedingungen f\u00fcr die Bev\u00f6lkerung. Darauf m\u00f6chte ich hier den Blick lenken.<\/p>\n\n\n\n<p>Es gilt: Der Westen stellt Ressourcen zu einem erheblichen Teil zur Verf\u00fcgung \u2013 mit Ausnahme von Soldaten (\u201eMenschenmaterial\u201c). Die Solidarit\u00e4t des Westens ist allerdings auf Dauer erfahrungsgem\u00e4\u00df br\u00fcchig. Es gilt eben immer das Primat der Innenpolitik, das ist in Demokratien nun einmal so. \u201e<em>Forever-wars<\/em>\u201c zu f\u00fchren, ist in den USA ein Schimpfwort \u2013 das wird \u00fcber kurz oder lang auch f\u00fcr den gegenw\u00e4rtigen Kampf um die Ukraine gelten. Strategisch ist dieser Krieg f\u00fcr die USA eine Falle, in die sie getappt sind. Er bindet erhebliche Ressourcen an der falschen Front. Die ben\u00f6tigten die USA eigentlich in ihrer Fokussierung auf China. <a href=\"https:\/\/nationalinterest.org\/feature\/vivek-ramaswamy-gets-ukraine-ri\" target=\"_blank\" data-type=\"link\" data-id=\"https:\/\/nationalinterest.org\/feature\/vivek-ramaswamy-gets-ukraine-ri\" rel=\"noreferrer noopener\">Der Republikanische Pr\u00e4sidentschaftsbewerber Vivek Ramaswamy hat die Fehlwahrnehmung recht pr\u00e4zise auf den Punkt gebracht<\/a>:<\/p>\n\n\n\n<p>\u201e<em>Ukrainian leadership will \u2026 not agree to end the fighting if there is a high likelihood of their country deteriorating toward a failed state in the wake of a peace settlement. Russia and Europe both \u2026 have an interest in avoiding such a situation.<\/em>\u201d<\/p>\n\n\n\n<p>Das w\u00e4re eine Sicht, welches es erlauben w\u00fcrde, dass die USA\/der Westen und Russland an einem Strang ziehen, um zu einem Ende der K\u00e4mpfe im Konsens der beiden ressourcenst\u00e4rksten Beteiligten zu kommen. Die ukrainische innenpolitische Situation ist entscheidend. Der wird bislang wenig Aufmerksamkeit geschenkt.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Demographische Situation der Ukraine<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Die Bev\u00f6lkerungsentwicklung auf dem Territorium der Ukraine ist dramatisch. Das Drama verdeutlicht das Stockholm Centre for Eastern European Studies (SCEEUS) <a href=\"https:\/\/sceeus.se\/en\/publications\/ukraines-alarming-demographics\/\" target=\"_blank\" data-type=\"link\" data-id=\"https:\/\/sceeus.se\/en\/publications\/ukraines-alarming-demographics\/\" rel=\"noreferrer noopener\">an dieser Darstellung des Bev\u00f6lkerungs-\u201eBaumes\u201c<\/a>. Das SCEEUS stellt ist die Situation vor Russlands Invasion und heute dar \u2013 die Differenz pro Altersgruppe ist durch Prozentzahlen am Rand jeweils angegeben. Die unterscheiden sich erheblich, nach Frauen und M\u00e4nnern sowie nach Altersgruppen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Bev\u00f6lkerung der Ukraine war bis vor 30 Jahren am Wachsen. Der H\u00f6hepunkt der Bev\u00f6lkerungszahl war 1994 erreicht, mit 51,7 Millionen Menschen. Bis zum Februar 2022 ging die Bev\u00f6lkerung zur\u00fcck auf 43,3 Millionen Menschen. Das war ein Minus um 8,4 Millionen. Seit dem Beginn des Krieges in der Ukraine sind 7,8 Millionen Menschen gefl\u00fcchtet, ein Drittel etwa nach Russland, zwei Drittel (4,8 Millionen) in den Westen, nach Europa.<\/p>\n\n\n\n<p>Gegangen sind die J\u00fcngeren, vor allem Frauen. 30 bis 40 Prozent der Kinder sind geflohen, derselbe Anteil gilt f\u00fcr Frauen bis zu einem Alter von 44 Jahren. \u201eM\u00e4nnern (von 18 bis 60 Jahren) ist die Ausreise verwehrt\u201c \u2013 so die Sprechweise des Erlasses in der Ukraine. Das ist w\u00f6rtlich zu nehmen, das ist staatsb\u00fcrgerrechtlich unbestimmt, es gilt nicht nur f\u00fcr ukrainische M\u00e4nner, er gilt f\u00fcr s\u00e4mtliche M\u00e4nner auf ukrainischem Territorium. Rund f\u00fcnf Prozent haben es dennoch geschafft \u2013 zu den Fluchtwegen dieser Gruppe unten mehr. Die Gei\u00dfel der Korruption zeitigt eine solche Gr\u00f6\u00dfenordnung von Ausweichen vor der Wehrpflicht.<\/p>\n\n\n\n<p>Die offene Frage ist, in welchem Ausma\u00df es nach einem Waffenstillstand zu einer Wieder-Zusammenf\u00fchrung der aktuell getrennten Familien kommen wird; und h\u00f6chst bedeutend: Wo? Werden die Frauen mit ihren Kindern, die in ihren Aufnahmel\u00e4ndern beste Bildungschancen haben und wahrnehmen, zur\u00fcckkehren wollen ins gro\u00dffl\u00e4chig zerst\u00f6rte Herkunftsland? Die Aussichten daf\u00fcr sind, realistisch betrachtet, nicht gut. Die werden gekommen sein, um zu bleiben. Der Altersdurchschnitt der Gefl\u00fcchteten liegt bei knapp 30 Jahren. Der Westen darf sich gl\u00fccklich sch\u00e4tzen \u00fcber diesen hoch-begabten und -qualifizierten Bev\u00f6lkerungszugewinn.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Finanzen und Energie<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Die Ukraine erh\u00e4lt von westlichen Staaten, insbesondere von der EU, Zuwendungen zu ihrem Budget in erheblichem Ausma\u00df. <a href=\"https:\/\/www.csis.org\/analysis\/aid-ukraine-administration-requests-more-money-and-faces-political-battles-ahead\" target=\"_blank\" data-type=\"link\" data-id=\"https:\/\/www.csis.org\/analysis\/aid-ukraine-administration-requests-more-money-and-faces-political-battles-ahead\" rel=\"noreferrer noopener\">Die Hilfen der USA summieren sich, wenn denn das j\u00fcngste Paket durch den US-Kongress geht, auf 135 Milliarden DU-Dollar<\/a>. Das soll hier nicht weiter Thema sein. Doch klar ist, dass diese Gro\u00dfz\u00fcgigkeit der Ukraine in ihrer Not nicht reicht. Deswegen sind Erl\u00f6se aus Exporten f\u00fcr die Ukraine so wichtig. Das ist der eine Weg, an Geld zu kommen, der im Folgenden skizziert wird. Der andere erinnert an das Auspressen einer Zitrone \u2013 ein Verfahren, welches in Deutschland aufgrund der langj\u00e4hrigen Folgen dieser Art der Vorbereitung des B\u00f6rsengangs der Deutschen Bahn AG bestens bekannt ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Wenn schon nicht ein Ausweg so doch wenigstens Entlastung w\u00e4re ein hoher Import von Energie- beziehungsweise Energie-Dienstleistungen von Ukrainischem Territorium nach Westen, also in die EU. Das Problem angesichts der klimapolitisch motivierten Transformationsagenda der EU: Die Energieproduktion der Ukraine ist traditionell stark fossil- und nuklear-basiert. Bewegung ist in diese Tradition auch in den zehn Jahren seit dem Abschluss des Assoziierungs-Abkommens mit der EU, welches ein Freihandelsabkommen (DCFTA) enth\u00e4lt, und dem Beitritt zur European Energy Community kaum gekommen. Deswegen bieten sich zwei Optionen an:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>Kurzfristig die Nutzung des hohen Gasspeicher-Potentials der Ukraine;<\/li>\n\n\n\n<li>und mittelfristig der Import von Biomasse zu chemischen Zwecken beziehungsweise veredelt, als Biomethan, zu energetischen Zwecken.<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/www.atlanticcouncil.org\/wp-content\/uploads\/2023\/08\/Transforming-Ukraine-into-a-European-Energy-Hub.pdf\" target=\"_blank\" data-type=\"link\" data-id=\"https:\/\/www.atlanticcouncil.org\/wp-content\/uploads\/2023\/08\/Transforming-Ukraine-into-a-European-Energy-Hub.pdf\" rel=\"noreferrer noopener\">Die Option der Nutzung des Gasspeicher-Potentials der Ukraine ist vom Atlantic Council k\u00fcrzlich erneut ins Gespr\u00e4ch gebracht worden<\/a>. Dies ist nur Teil einer \u201egro\u00dfartigeren\u201c Perspektive, es geht den Autoren um nichts Geringeres als die Ukraine zu einem \u201eEuropean Energy Hub\u201c zu machen. Das impliziert: Sie ist bis Mitte der 2030er Jahre in die Lage zu versetzen, 70 bcm\/a (\u201ebillion cubic meters pro Jahr\u201c) an Erdgas zu f\u00f6rdern \u2013 von 20 bcm\/a im Jahre 2020. Das Ansinnen ist eine absehbare Fehlinvestition, wenn die EU-Staaten der Absatzmarkt sein sollen. Das ist irreal, das ginge nur, wenn mit den fossilen Energievorr\u00e4ten der Ukraine auch absatzseitig noch Staat zu machen w\u00e4re. So kurzsichtig es auch ist: Naftogaz, das staatliche ukrainische Monopol-Gasunternehmen, klammert sich an diesen untauglichen Strohhalm, f\u00fchrt in diese Richtung Gespr\u00e4che mit US-Unternehmen wie Halliburton, Exxon Mobil und auch Chevron. Die Klimaskeptiker-Unternehmen verb\u00fcnden sich.<\/p>\n\n\n\n<p>Hintergrund ist weiter, dass die Zukunft der Einnahmen aus den Transitgeb\u00fchren, welche Russland gegenw\u00e4rtig, trotz Krieg, weiterhin in der Gr\u00f6\u00dfenordnung von (netto) 1,2 Milliarden Euro pro Jahr an die Staatskasse der Ukraine zahlt, in der Luft h\u00e4ngt. Russlands Durchleite-Nutzung des UGTS ist von einstmals 136 bcm\/a in 2005 auf 42 bcm\/a in 2020 (mit Nord Stream 1 bypass) und auf voraussichtlich weniger als 10 bcm\/a in 2023 zur\u00fcckgegangen. Der Transit-Vertrag l\u00e4uft \u00fcberdies Ende 2024 aus.<\/p>\n\n\n\n<p>Bleibt die Biomethan-Option. Die wird von der EU gepuscht. <a href=\"https:\/\/energy.ec.europa.eu\/system\/files\/2023-04\/MoU_UA_signed.pdf\" target=\"_blank\" data-type=\"link\" data-id=\"https:\/\/energy.ec.europa.eu\/system\/files\/2023-04\/MoU_UA_signed.pdf\" rel=\"noreferrer noopener\">Im Februar 2023 unterzeichnete sie mit der Ukraine ein <em>Memorandum of Understanding<\/em> zu einer \u201e<em>Strategic Partnership on Biomethane, Hydrogen and other Synthetic Gases<\/em>\u201c<\/a>. Kurzformel \u201e<em>Strategic Partnership on Renewable Gases<\/em>\u201c. Im Wesentlichen geht es aber lediglich darum, dass die Ukraine f\u00fcr sich selbst auf den Pfad der Energie-Transformation gesetzt wird \u2013 ob dabei noch viel \u00fcberbleiben wird f\u00fcr den Export von Energie, ist offen. Immerhin wird die Speicher-Option f\u00fcr \u201e<em>renewable gases<\/em>\u201c aufgef\u00fchrt. Das k\u00f6nnte eine tragf\u00e4hige Gesch\u00e4ftsidee sein, in welchem Umfang aber, ist offen.<\/p>\n\n\n\n<p>Bleibt das Gesch\u00e4ftsmodell der ausgepressten Zitrone. Um das verstehbar zu machen, muss der Hintergrund eingef\u00fchrt werden.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Gesch\u00e4ftsmodell des Ausquetschens<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Vor vier Jahren wurde in der Ukraine ein neues Design des Elektrizit\u00e4ts-Marktes gem\u00e4\u00df dem EU-Modell eingef\u00fchrt. Das geschah gem\u00e4\u00df einem Gesetz, welches erst im Jahr 2017 angenommen wurde. Das war seinerseits Teil der Verpflichtungen, welche die Ukraine als Mitglied der European Energy Community eingegangen war, also letztlich ein Ausfluss des Vertragswerkes von 2014, welches die EU-Orientierung der Ukraine besiegelte. Man glaubte in den Br\u00fcsseler Amtsstuben, der Zwang zur Einf\u00fchrung von liberalistischen EU-Regeln w\u00fcrde die Stagnation des Energiebereichs, einschlie\u00dflich seiner Tendenz zur \u00dcberschuldung, \u00fcberwinden und zu einer Welle neuer Investitionen f\u00fchren. Das Dilatorische an der Umsetzung seitens der Ukraine sprach schon B\u00e4nde.<\/p>\n\n\n\n<p>Die staatliche Subventionierung von Preisen hatte Reformen des energiewirtschaftlichen Systems in der Ukraine seit Jahrzehnten blockiert. Keine Regierung hatte es gewagt, den Markt zu liberalisieren, das hei\u00dft den Endkunden die wirklichen Kosten aufzub\u00fcrden; zu gro\u00df war die Furcht, Popularit\u00e4t zu verlieren und dann in den n\u00e4chsten Wahlen unterzugehen. Die politische Herrschaftsform war eben die einer Kombination von Populismus und Paternalismus. Im Jahre 2017 war es politisch nicht anders. Alsbald wurde das neue Markt-Modell mit Restriktionen und Detail-Regulierungen angereichert, die s\u00e4mtlich dem Zwecke dienten, die niedrigen, nicht kostengerechten Endverbraucher-Tarife zu erhalten.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/www.wilsoncenter.org\/blog-post\/how-energy-misregulation-threatens-ukraines-electricity-sector\" target=\"_blank\" data-type=\"link\" data-id=\"https:\/\/www.wilsoncenter.org\/blog-post\/how-energy-misregulation-threatens-ukraines-electricity-sector\" rel=\"noreferrer noopener\">Nach kurzer Zeit wurden die zu erwartenden Ergebnisse sichtbar<\/a>. Produzenten und Verteilunternehmen begannen, erneut Schulden anzuh\u00e4ufen, \u201e<em>on top<\/em>\u201c zu den bereits angeh\u00e4uften. Die mit gro\u00dfen Erwartungen gestarteten Produzenten von Strom und Gas aus erneuerbaren Quellen, ihrer Dezentralit\u00e4t wegen relativ machtarm, gerieten in eine Krise, weil die zugesagten Einspeisetarife von den aufnehmenden Verteilunternehmen schlicht nicht gezahlt wurden. Die Subventionierung der Preise f\u00fcr Haushaltskunden blieb herrschende Praxis, zu Lasten der Energie-Unternehmen im Staatsbesitz.<\/p>\n\n\n\n<p>Mit Russlands Invasion im Fr\u00fchjahr 2022 steigerte sich das Prek\u00e4re an der Situation des Energie-Sektors. Nicht allein, dass Infrastrukturen zerst\u00f6rt wurden und damit, durch Ausfall und Reparaturkosten, erhebliche Mehrkosten anfielen. Kunden zahlten zudem immer weniger ihre Rechnungen, die Gefahr des reihenweisen Bankrotts von Energie-Firmen nahm zu.<\/p>\n\n\n\n<p>Die niedrigen Strompreise f\u00fcr Haushaltskunden werden \u00fcberwiegend aus Mitteln des im Staatsbesitz befindlichen Kernkraftbetreibers Energoatom finanziert, zu einem geringeren Anteil aus Mitteln des ebenfalls im Staatsbesitz befindlichen Wasserkraftbetreibers Ukrhydroenergo.<\/p>\n\n\n\n<p>Damit, dass der untere Dnepr Frontlinie wurde, mit Russlands \u00dcbernahme des Saporischschja Kernkraftwerks, mit der Sprengung des Kachowka-Staudamms und dem Ausfall des zugeh\u00f6rigen Wasserkraftwerks steigerten sich die finanziellen Schwierigkeiten f\u00fcr Energoatom (Verlust von 40 Prozent der Kapazit\u00e4t und entsprechend der Einnahmen) und Ukrhydroenergo.<\/p>\n\n\n\n<p>Produzenten von Strom aus erneuerbaren Quellen sollen, so sagt es das Gesetz, ein Entgelt gem\u00e4\u00df Einspeise-Tarifen erhalten. Sie sind nun in der ungem\u00fctlichen Situation, auf ihre zugesagte Verg\u00fctung nur hoffen zu k\u00f6nnen. 20 Prozent des Entgelts sollte aus dem Staatshaushalt kommen. die restlichen 80 Prozent sollten vom aufnehmenden \u00dcbertragungsnetzbetreiber, Ukrenergo, bezahlt werden. Doch die Regierung hat niemals die 20 Prozent gezahlt, und der Energie-Regulierer, niedrige Endkunden-Preise fest im Blick, hat niemals die Erlaubnis erteilt, dass Ukrenergo den vollen Betrag bezahlt, der den Produzenten von Strom aus erneuerbaren Quellen zusteht. Im Jahre 2022 und in den ersten f\u00fcnf Monaten des Jahres 2023 haben sie nur etwa die H\u00e4lfte des ihnen zustehenden Betrags erhalten. Die ausstehenden Forderungen der Produzenten von Strom aus erneuerbaren Quellen bel\u00e4uft sich bereits auf mehr als eine halbe Milliarde US-Dollar.<\/p>\n\n\n\n<p>Wie unter solchen Umst\u00e4nden die Ziele der Vereinbarung zwischen der Ukraine und der EU-Kommission Wirklichkeit werden k\u00f6nnen sollen, steht in den Sternen.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-9d6595d7 wp-block-columns-is-layout-flex\">\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\" style=\"flex-basis:33.33%\">\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><a href=\"https:\/\/wupperinst.org\/c\/wi\/c\/s\/cd\/70\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"853\" src=\"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/hans-jochen-luhmann\/wp-content\/uploads\/sites\/12\/2020\/10\/Luhmann_Jochen_FG1_farb-1024x853.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-827\"\/><\/a><\/figure>\n<\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\" style=\"flex-basis:66.66%\">\n<p>Dr. Hans-Jochen Luhmann ist Senior Expert am <a href=\"http:\/\/wupperinst.org\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Wuppertal Institut f\u00fcr Klima, Umwelt, Energie GmbH<\/a>.<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n\n\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein Abn\u00fctzungskrieg ist eine Auseinandersetzung, bei derjenige gewinnt, der auf Dauer mehr an Ressourcen einzusetzen in der Lage ist. 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