{"id":123,"date":"2018-06-19T13:55:13","date_gmt":"2018-06-19T11:55:13","guid":{"rendered":"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/hans-jochen-luhmann\/?page_id=123"},"modified":"2020-09-12T16:26:25","modified_gmt":"2020-09-12T14:26:25","slug":"szenarien-eines-kommenden-krieges","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/hans-jochen-luhmann\/szenarien-eines-kommenden-krieges\/","title":{"rendered":"Szenarien eines kommenden Krieges \u2013 aus der Geschichte lernen!"},"content":{"rendered":"<p><em>Die Kolumne von Hans-Jochen Luhmann<\/em><\/p>\n<p>Europa richtet sich neu ein, um auf wahrgenommene Bedrohungen milit\u00e4risch reagieren zu k\u00f6nnen. Ein kluger Beobachter hat die Tendenzen dabei sortiert, weit mehr frank und frei formuliert, als es offiziell denkbar ist:<\/p>\n<p><em>\u201eThe answer has to be: a network of core groups, which are constituted on the basis of a comparable will to act and backed up by their military capabilities. A group with France and the UK as the <strong>core for high-intensity interventions outside Europe<\/strong> would be a logical formation. Other countries can hook on to, e.g., the British JEF or to French rapidly deployable capabilities. One could imagine another group with Germany and Poland providing the <strong>core for heavy land forces, needed for NATO\u2019s territorial defence<\/strong> as a follow-on force to the Alliance\u2019s rapidly deployable capabilities (the NATO Response Force). A <strong>third core group (led by Italy?) could concentrate on support to border security and stabilisation operations<\/strong> \u2013 for which countries not willing to engage in high-intensity operations should make extra efforts.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Aus dieser Beobachtung hebe ich Dreierlei hervor:<\/p>\n<ul>\n<li>Die Meinung ist, dass Europa drei \u201eFronten\u201c zu gew\u00e4rtigen habe und sich einen Drei-Fronten-Kampf auch leisten k\u00f6nne. Das unterstellt einen fehlenden Imperativ f\u00fcr Priorisierung, was nach meinem Urteil nicht selbstverst\u00e4ndlich ist.<\/li>\n<li>Die Akzeptanz der sicherheitspolitischen Notwendigkeit von \u201e<em>high-intensity interventions outside Europe\u201c<\/em> \u2013 die Motive dahinter sind nicht offenkundig und der Effekt auf die Sicherheit Europas ist nicht wirklich offensichtlich. Ich erinnere an die Offenbarung Frankreichs strategischer Interventionsziele f\u00fcr Nordwest-Afrika, die den Hintergrund seines massiven Dr\u00e4ngens auf eine Libyen-Intervention mit UN-Mandat bildeten \u2013 wie <a href=\"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/hans-jochen-luhmann\/bericht-des-britischen-foreign-affairs-committee-entscheidung-zum-regimewechsel-in-libyen\/\">in meiner Analyse des Berichts des britischen Oberhauses<\/a> hervorgehoben.<\/li>\n<li>Die umstandslose Unterstellung von Solidarit\u00e4t, unabh\u00e4ngig von massiver Dissoziation, zum Ausdruck gebracht durch den Brexit einerseits und durch Polens Abschied von den Grundwerten des Europa-Rates, von Gewaltenteilung und Rechtsstaat, andererseits.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Noch gr\u00e4usliger ist der Gedanke, auf welcher Erinnerungs-Basis die entscheidenden Personen sich die F\u00fchrung eines n\u00e4chsten Krieges in den Grundz\u00fcgen vorstellen. Von Hitler wird vermutet, dass es die jugendliche Lekt\u00fcre von Lederstrumpf et al. gewesen sei, die damals noch nicht als jugendfrei zusammengestrichenen Darstellungen der Feldz\u00fcge der Neusiedler gegen die Ureinwohner Nordamerikas, mit klarer Ausrottungs-, also Genozidabsicht &#8230;<\/p>\n<p>Vor diesem Hintergrund lohnt es, dar\u00fcber nachzudenken, auf Basis welcher Kriegsszenarien heute gehandelt wird. Diese Szenarien k\u00f6nnen entweder historisch informiert sein; oder sie sind destilliert aus drei aktuellen Elementen:<\/p>\n<ul>\n<li>aus einem qua Projektion gewonnenen Feindbild,<\/li>\n<li>gemixt mit ein wenig Psychologie des jeweiligen F\u00fchrers sowie<\/li>\n<li>einer Analyse dessen milit\u00e4rischer M\u00f6glichkeiten.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Fast alle heute leitenden Kriegsszenarien sind nur wenig explizit und suchen Anschluss an die Erfahrungen des 20. Jahrhunderts, an den Ausbruch des Ersten oder Zweiten Weltkrieges. Beiden Kriegen ist gemeinsam, dass ein regionaler Konflikt, milit\u00e4risch ausgetragen, so aufgeladen wurde, dass die gro\u00dfen Schutzm\u00e4chte meinten, darauf eintreten zu m\u00fcssen. So wurde aus einem regionalen kriegerischen Konflikt je ein \u201e<em>Welt<\/em>krieg\u201c. Damals je ein bipolarer.<\/p>\n<figure class=\"wp-block-table\">\n<table class=\"has-subtle-light-gray-background-color has-background\">\n<tbody>\n<tr>\n<td width=\"25%\"><a rel=\"noopener noreferrer\" href=\"http:\/\/wupperinst.org\/home\/\" target=\"_blank\"><img decoding=\"async\" title=\" \" class=\"aligncenter wp-image-313\" src=\"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/hans-jochen-luhmann\/wp-content\/uploads\/sites\/12\/2018\/05\/Luhmann-g11-270x300.jpg\" alt=\"\" width=\"180\"><\/a><\/td>\n<td width=\"75%\">Dr. Hans-Jochen Luhmann ist Senior Expert am <a href=\"http:\/\/wupperinst.org\/home\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Wuppertal Institut f\u00fcr Klima, Umwelt, Energie GmbH<\/a>.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/figure>\n<p>Heute ist mit dem Aufstieg Chinas die Ausgangskonstellation eine andere. Die Situation ist (bislang) tripolar. Ob ein tripolarer globaler milit\u00e4risch ausgetragener Konflikt m\u00f6glich ist, ist eigentlich unwahrscheinlich, weil die elementare Konfliktlogik dual ist. Das die Dualit\u00e4t erzeugende Grundmotto lautet eben: Der Feind meines Feindes ist mein Freund \u2013 <em>tertium non datur<\/em>.<\/p>\n<p>Spaltet sich, wie es scheint, die transatlantische Allianz, so haben wir alsbald eine quattro-polare Weltordnung \u2013 aber auch die wird sich im Falle eines milit\u00e4rischen Gro\u00dfkonflikts zu einer bin\u00e4ren Gegnerschaftskonstellation zusammenschnurren lassen.<\/p>\n<p><strong>Das Modell des Zweiten Weltkrieges<\/strong><\/p>\n<p>Ein Krieg beginnt in aller Regel mit einem regionalen Gewaltschlag. Anlass daf\u00fcr ist h\u00e4ufig eine Auseinandersetzung zwischen unterschiedlichen Bev\u00f6lkerungsgruppen, die zu Gewaltt\u00e4tigkeiten f\u00fchrt. Geht das dann so weit, dass jener Staat, auf dessen Boden das stattfindet, sein Gewaltmonopol nicht durchzusetzen vermag, tritt in diese L\u00fccke eine \u00e4u\u00dfere Macht, die sich als Schutzmacht verpflichtet sieht. Was zum Zweiten Weltkrieg f\u00fchrte, begann nach diesem Schematismus geurteilt im Jahr 1938 \u2013 mit der Abl\u00f6sung des Sudetenlandes zum Deutschen Reich und weiterer Gebiete an Polen.<\/p>\n<p>Zum <em>Welt<\/em>krieg mutierte dieser Krieg explizit im Jahre 1941, mit dem deutschen \u00dcberfall auf die Sowjetunion im Juni und den Eskalationen in Form und nach Japans \u00dcberfall auf Pearl Harbor im Dezember. Implizit war er es schon l\u00e4ngst zuvor. Seit Hitlers Bruch des \u201eM\u00fcnchner Abkommens\u201c war klar, dass auf sein Wort kein Verlass war, Verabredungen nur nach Hitlers Sturz mehr m\u00f6glich seien. Seitdem bereiteten sich auch die USA auf die Notwendigkeit eines milit\u00e4rischen Eingreifens vor, gegen die Haltung ihrer Bev\u00f6lkerung, auf Basis eines von beiden Parteien getragenen Eliten-Konsenses.<\/p>\n<p>Dieser Krieg ist, von 1918 her gesehen, zun\u00e4chst ein Krieg mit klar revanchistischer Zielsetzung gewesen, gef\u00fchrt von einer auf Expansion hin eingestellten Macht (Deutschland). Er wurde dann in eine territoriale Gro\u00dfexpansion umgewandelt. Ab Juni 1941 war er zudem genozidal, als Vernichtungskrieg, angelegt \u2013 wohl nach dem Vorbild der Expansion der wei\u00dfen Siedler in den USA. <a href=\"https:\/\/eh.net\/book_reviews\/paying-for-hitlers-war-the-consequences-of-nazi-hegemony-for-europe\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Ziel im Osten war, die neu angeeigneten Territorien mit eigenen \u201eVolksgenossen\u201c zu besiedeln, nicht die Beherrschung bestehender \u00d6konomien inklusive ihrer Arbeitskraft<\/a>. Letzteres war lediglich das Konzept im Westen und im Norden.<\/p>\n<p>Die \u00f6konomisch r\u00e4tselhafte Haltung, die Bev\u00f6lkerung in den \u00f6stlichen R\u00e4umen selbst als Arbeitskraft nicht als Wert zu verstehen und sie also zu vernichten, ist kaum erkl\u00e4rbar. Es f\u00e4llt schwer, sich als Vorbild etwas anderes vorzustellen als die als Genozid organisierten Eroberungsz\u00fcge wei\u00dfer Siedler in Nordamerika, aber auch in S\u00fcdamerika, im 18. und 19. Jahrhundert.<\/p>\n<p><strong>&nbsp;<\/strong><\/p>\n<p><strong>Abbild heute<\/strong><\/p>\n<p>F\u00fcr viele Analysten heute ist am Zweiten Weltkrieg das revanchistische und das territorial-expansive Moment modellhaft \u2013 das genozidale (hoffentlich) nicht mehr. Das heutige Verhalten beziehungsweise die heutige Intention Russlands wird vielfach in diesen Kategorien interpretiert. Die herrschende und f\u00fcr die R\u00fcstungsplanung in Europa entscheidende Meinung ist, Russland wolle territorial expandieren, es wolle einige der durch das Auseinanderfallen der Sowjetunion \u201everlorenen\u201c Gebiete wieder in seinen Staatsverband einverleiben. Was das \u00f6konomisch bringen soll, ist jedoch so wenig verstehbar wie die \u00d6konomie des Hitlerschen Ausrottungskrieges gen Osten. Jedenfalls gibt es von dieser Meinung zwei Versionen:<\/p>\n<ul>\n<li>die im Ausgreifen bescheidene Version, die als reiner Revanchismus zu charakterisieren w\u00e4re;<\/li>\n<li>die weitausgreifende Version, nach der die Westgrenze der Visegrad-Staaten, also die Wiederherstellung des territorialen Bestands des damaligen Warschauer Pakts, die intendierte zuk\u00fcnftige Westgrenze nun Russlands sein solle.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Revanchistischen Charakters ist das ausgreifende Szenario auch deshalb, weil es die Revanche f\u00fcr das Verhalten des Westens in der Wild-West-Zeit in Moskau darstellt, unter Jelzin, welches die Aufspaltung der Sowjetunion zur Folge hatte. Komplement\u00e4r in einem solchen Szenario vorzustellen hat man sich auf Seiten des Westens eine \u00f6konomisch darniederliegende USA, die wegen mangelnder Professionalit\u00e4t in der Aus\u00fcbung der Herrschaft in Washington seit Januar 2017 in eine \u00e4hnlich elementare Staatskrise und in der Folge \u00f6konomische Krise geraten wird wie die Sowjetunion unter Jelzin. Das Legitimationsmittel und die Ausgangssituation wird auch in diesem Szenario die Unterst\u00fctzung bei einem Konflikt von Bev\u00f6lkerungsgruppen sein, in diesem Falle in Litauen und\/oder Estland.<\/p>\n<p>Aus russischer Sicht macht das alles strategisch und \u00f6konomisch kalkuliert wenig Sinn. Zweifelsfrei realistisch daran ist lediglich die Annahme des Ausl\u00f6sers. Im Baltikum liegt gleichsam alles bereit, wessen es bedarf, um einen Einmarsch von Schutztruppen zu initiieren und zu legitimieren. In Litauen und Estland gibt es je russisch sprechende Minderheiten in der Gr\u00f6\u00dfenordnung von 25 bis 30 Prozent der Bev\u00f6lkerung \u2013 nur etwa die H\u00e4lfte davon ist jedoch als B\u00fcrger der beiden Staaten anerkannt. Und es besteht der Anschein, dass auf Ebene der Schutzm\u00e4chte beide Seiten sich auf ein solches Szenario vorbereiten.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/hans-jochen-luhmann\/wp-content\/uploads\/sites\/12\/2018\/06\/DeepCuts_WP8_Richter_UK.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-128\" src=\"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/hans-jochen-luhmann\/wp-content\/uploads\/sites\/12\/2018\/06\/DeepCuts_WP8_Richter_UK-1.jpg\" alt=\"\" width=\"310\" height=\"439\"><\/a>Russland hat erhebliche Truppen in der Gro\u00dfregion \u00f6stlich der baltischen Staaten stationiert. <a href=\"http:\/\/deepcuts.org\/images\/PDF\/DeepCuts_WP8_Richter_UK.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Dagegen sind die dortigen Truppen, inklusive der j\u00fcngst stationierten der Gro\u00dfmacht-NATO-Staaten, hoffnungslos unterlegen<\/a>, zudem sind sie leicht von jeglichem Nachschub abzuschneiden. Milit\u00e4risch ist die Situation dort, wenn Russland entsprechende Absichten hegt, nicht zu halten:<\/p>\n<p>\u201e<em>According to a recent RAND study, Russia could, at short notice, assemble from its Western Military District, including the Kaliningrad Oblast, 25 maneuver battalions for offensive operations in the Baltic region. They would be supported by ten artillery and six attack helicopter battalions and approximately 27 air combat squadrons. In addition, two Iskander and three Tochka short-range ballistic missile battalions are available. The study concludes that <strong>the Russian army corps is capable of winning<\/strong> a combined arms battle in the region <strong>and taking Riga and Tallinn within three days<\/strong> after launching offensive operations. Thus, Russia would be capable of confronting NATO with a fait accompli and \u201cunpleasant choices<\/em>\u201d.\u201c (S. 4)<\/p>\n<p>Ein Drohpotential, welches Russland gegebenenfalls, trotz entsprechenden Wollens, abschrecken k\u00f6nnte, ist allein die Aussicht auf eine milit\u00e4rische Eskalation anderswo, nach Wahl eines NATO-Partners; oder beziehungsweise auch eine \u00f6konomische Eskalation. Das aber erfordert eine entsprechende Bereitschaft der westlichen Schutzm\u00e4chte Litauens und Estlands. Die EU ist dazu wohl \u00f6konomisch, nicht aber milit\u00e4risch in der Lage. Bleiben die beidseits potenten USA \u2013 wenn die denn willens und vor allem weiterhin in der Lage sind.<\/p>\n<p>Angenommen, sie seien dazu in der Lage. Dann ist das im Vorhinein Unkalkulierbare nur noch ihr Wille. Das aber ist ein Problem, welches in solchen Situationen f\u00fcr die Unterm\u00e4chte immer besteht, die \u00dcberf\u00fchrung von \u201e<em>reassurance<\/em>\u201c in \u201e<em>engagement<\/em>\u201c seitens der Gro\u00dfen Schutzmacht. Das kann man prototypisch bei der \u00dcberf\u00fchrung der Konflikte im Juli\/August 1914 in einen Weltkrieg ablesen.<\/p>\n<p><strong>Das Modell des Ersten Weltkrieges<\/strong><\/p>\n<p>Die Situation vor 1914 war charakterisiert durch den absehbaren Niedergang von zwei ehemaligen gro\u00dfen M\u00e4chten, des Osmanischen Reiches sowie \u00d6sterreich-Ungarns. Auf die dadurch absehbar zur Neubesetzung freiwerdenden Territorien waren die beiden expansiven M\u00e4chte in Europa aus, Russland und Deutschland. Hinsichtlich der Tr\u00fcmmer des Osmanischen Reiches handelte es sich auch um einen Konflikt in der kolonialen Sph\u00e4re, also mit Involvierung von Gro\u00dfbritannien, der Status-quo-Macht. Aber auch die bislang beherrschten V\u00f6lker hatten ihrerseits Selbstst\u00e4ndigkeitsambitionen, so Serbien.<\/p>\n<p>Der Beginn dessen, was innerhalb weniger Tage zum Krieg aller europ\u00e4ischen M\u00e4chte eskalierte, war ein gewaltsamer Akt im Rahmen des Sezessions-Konflikts Serbien vs. k.u.k.-Monarchie. \u00d6sterreich-Ungarn wollte, so das formale Argument, den Untersuchungsanspruch nach dem Attentat vom 28. Juni 1914 per Krieg gegen Serbien durchsetzen, faktisch wollte es die Gelegenheit nutzen, Serbien zu deckeln. Das l\u00f6ste die formalisierten B\u00fcndnisabsprachen unter den Schutzm\u00e4chten wie beim Domino aus. Da Deutschland, so seine milit\u00e4rische Planung (Schlieffen-Plan), sich nur mittels eines fr\u00fchen und \u00fcberraschenden Erstschlags gegen Frankreich, unter Verletzung der Neutralit\u00e4t Belgiens, einen milit\u00e4rischen Erfolg ausgerechnet hatte, konnte es nicht politisch pokern, sondern sah sich zum sofortigen Vollzug des Krieges gezwungen. Anscheinend zur \u00dcberraschung seiner politischen F\u00fchrung \u2013 ein schweres Kommunikationsversagen. Der \u00dcbertritt Deutschlands vom Modus der \u201e<em>reassurance<\/em>\u201c (Anfang Juli) zum \u201e<em>engagement<\/em>\u201c (Anfang August) fand hier in wenigen Wochen statt. Bei Russland hinsichtlich Serbien und Frankreich lief ein \u00e4hnlich rapides Szenario ab.<\/p>\n<p><strong>Abbild heute<\/strong><\/p>\n<p>Ich ende <a href=\"https:\/\/www.iiss.org\/en\/politics%20and%20strategy\/blogsections\/2017-6dda\/march-fa6f\/the-emperor-vs-the-adults-heisbourg-4887\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">mit einem historisch inspirierten Szenario eines sehr klugen Zeitgenossen, Fran\u00e7ois Heisbourg<\/a>. Anlass f\u00fcr sein Szenario ist das Ergebnis seiner Suche, mit welcher historischen Person der heutige US-Pr\u00e4sident vergleichbar w\u00e4re. Er kommt dabei, wie andere auch schon, auf den letzten deutschen Kaiser mit seiner verkorksten Mutter-Beziehung und der daraus erwachsenen Unstetigkeit und Unberechenbarkeit \u2013 wer den in seiner Zeit veranschaulicht haben will, der greife zum <a href=\"http:\/\/www.fischerverlage.de\/media\/fs\/308\/LP_978-3-596-19734-7.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Einleitungskapitel von Barbara Tuchmans wunderbarem Buch \u201eAugust 1914\u201c<\/a>. Heisbourgs Klugheit dr\u00fcckt sich auch aus in der methodischen Vorbemerkung zu seinem Analog-Szenario: \u201e<em>Even a robust analogy has its limits. <\/em><em>But a weak analogy may still have virtue if it prompts thought<\/em>.\u201c<\/p>\n<p>Wie es heute, in einer \u201e<em>disorderly world, riven by rivalries between revisionist and status quo powers, against the backdrop of institutional confusion in a Trump-shocked Washington DC<\/em>\u201c, erneut zur maximalen Extensionsstufe eines Gewaltaustrags kommen kann, liest sich wie folgt:<\/p>\n<p>\u201e<em>The final extension suggested here is that the Middle East contains the potential for generating the kind of wars (initially regional, subsequently global) which began in the Balkans during Wilhelm II\u2019s reign. A major but declining power, Austria\u2013Hungary, seizes on a real provocation (the murder of Archduke Franz Ferdinand and his wife) to cut down to size, as soon as possible, a threatening upstart (Serbia) thanks to a blank cheque from a powerful ally (Germany): in the merest of nutshells, this is how the First World War began. In the Middle East today, perhaps, <strong>a major power (Saudi Arabia) doing poorly on all fronts<\/strong> (Syria, Iraq, Yemen) <strong>feels threatened by a resurgent power (Iran)<\/strong> and seizes on a provocation <strong>to lock its American ally into war<\/strong>.<\/em><\/p>\n<p><em>This does not pretend to be a prediction, even if it is a serious worry. But it is a reasonable description &#8230;<\/em>\u201c<\/p>\n<p>So k\u00f6nnte es kommen: Wenn die USA, gegen Iran, dann auch Russland, dann Beistandsverpflichtung EU-Europas f\u00fcr die USA, gegen Russland; und so weiter &#8230; \u2013 es k\u00f6nnte aber auch ganz anders kommen, <em>totaliter aliter<\/em>. Schwierig, auf dieser Basis kluge R\u00fcstungsentscheidungen zu f\u00e4llen.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\"><\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Kolumne von Hans-Jochen Luhmann Europa richtet sich neu ein, um auf wahrgenommene Bedrohungen milit\u00e4risch reagieren zu k\u00f6nnen. Ein kluger Beobachter hat die Tendenzen dabei sortiert, weit mehr frank und frei formuliert, als es offiziell denkbar ist: \u201eThe answer has to be: a network of core groups, which are constituted on the basis of a &hellip; <\/p>\n<p class=\"link-more\"><a href=\"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/hans-jochen-luhmann\/szenarien-eines-kommenden-krieges\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">\u201eSzenarien eines kommenden Krieges \u2013 aus der Geschichte lernen!\u201c <\/span>weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"parent":0,"menu_order":101,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":{"footnotes":""},"class_list":["post-123","page","type-page","status-publish","hentry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/hans-jochen-luhmann\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/123","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/hans-jochen-luhmann\/wp-json\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/hans-jochen-luhmann\/wp-json\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/hans-jochen-luhmann\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/hans-jochen-luhmann\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=123"}],"version-history":[{"count":7,"href":"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/hans-jochen-luhmann\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/123\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":742,"href":"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/hans-jochen-luhmann\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/123\/revisions\/742"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/hans-jochen-luhmann\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=123"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}