{"id":131,"date":"2018-06-19T14:13:38","date_gmt":"2018-06-19T12:13:38","guid":{"rendered":"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/hans-jochen-luhmann\/?page_id=131"},"modified":"2020-09-12T16:27:12","modified_gmt":"2020-09-12T14:27:12","slug":"heizen-ist-der-ausgleich-von-baumaengeln","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/hans-jochen-luhmann\/heizen-ist-der-ausgleich-von-baumaengeln\/","title":{"rendered":"\u201eHeizen ist der Ausgleich von Baum\u00e4ngeln\u201c"},"content":{"rendered":"<p><em>Die Kolumne von Hans-Jochen Luhmann<\/em><\/p>\n<p>Geb\u00e4ude sch\u00fctzen uns vor den Unbilden der Natur. Sie sind Wind und Wetter ausgesetzt und k\u00f6nnen Str\u00f6me dieser Umgebungsenergien modulieren oder einsammeln. Solche Energien lassen sich mittel- bis langfristig speichern. Nullenergiegeb\u00e4ude sind m\u00f6glich, also Geb\u00e4ude ohne Zufuhr <em>kommerzieller<\/em> Energie, sogar Plusenergiegeb\u00e4ude sind m\u00f6glich. Zugespitzt k\u00f6nnte man f\u00fcr das Resultat bisheriger Geb\u00e4udeenergieeffizienzpolitik formulieren: \u201eHeizen ist der Ausgleich von Baum\u00e4ngeln.\u201c Erhebliches Innovationspotential liegt hier brach, das erst in pionierhaften, zarten Ans\u00e4tzen genutzt wird.<\/p>\n<p>Gegenw\u00e4rtig beanspruchen die Geb\u00e4ude in Deutschland etwa 40 Prozent des nationalen Energiebedarfs. Dessen Deckung mit Hilfe von zugef\u00fchrten kommerziellen Energietr\u00e4gern ist ein Riesengesch\u00e4ft und entspricht Kosten f\u00fcr Endverbraucher in H\u00f6he von rund 100 Milliarden Euro pro Jahr. Im Fortschreiten der Energiewende geht es also um viel Geld. Mit einem Verteilungskampf ist zu rechnen, und auch damit, dass der mit harten Bandagen ausgetragen werden wird. Antreten werden, so ist zu erwarten, vier Parteien, vier Technologien-Vertreter:<\/p>\n<ul>\n<li>Die <strong>Bauwirtschaft<\/strong> im weiteren Sinn, also die Industrie f\u00fcr s\u00e4mtliche Elemente der Geb\u00e4udeh\u00fclle, inklusive Fenster.<\/li>\n<li>Die <strong>Geb\u00e4udeausr\u00fcster<\/strong>, also die Unternehmen, die geb\u00e4udeverbundene Anlagen herstellen, das sind Heizungen, Klimaanlagen, W\u00e4rmer\u00fcckgewinnungsanlagen sowie W\u00e4rmepumpen und Brennstoffzellen.<\/li>\n<li>Die <strong>Gaswirtschaft<\/strong>, die \u00fcber erhebliche Verteil-Infrastrukturen verf\u00fcgt, die mit der Decarbonisierung funktionslos zu werden drohen. Ihr bleibt nichts anderes, als zu versprechen, ihr sogenanntes \u201eErdgas\u201c zunehmend klimafreundlicher zu machen, ihm den Charakter eines <em>Erd<\/em>gases also mit der Zeit zu nehmen. Geschehen kann das durch zunehmende Beimischung von elektrisch erzeugtem, also synthetischem Methan, wobei der daf\u00fcr verwendete Strom seinerseits aus erneuerbaren Quellen zu stammen hat.<\/li>\n<li>Die <strong>Stromwirtschaft<\/strong>, die in gleicher Weise ihr Endprodukt beziehungsweise dessen Herstellung immer klimafreundlicher zu machen verspricht, ebenfalls durch steigende Anteile von Strom aus erneuerbaren Quellen, haupts\u00e4chlich aus Windkraft- und Photovoltaik-Anlagen. Da ist dieser kommende totale Wandel schon Gesetzeslage.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Es geht nicht allein um den Wettbewerb dieser vier Anbieter. <a href=\"http:\/\/et-energie-online.de\/AktuellesHeft\/WeitereThemen\/tabid\/71\/Year\/2016\/Month\/11\/NewsModule\/425\/NewsId\/2959\/Welche-Art-von-Gebauden-wollen-wir-in-Zukunft-in-Deutschland.aspx\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Es geht auch darum, in welcher Art von Infrastruktur wir in Zukunft leben wollen<\/a>. Dar\u00fcber bestimmen wir heute mit unserer Entscheidung \u00fcber die energetischen Anforderungen an Neubauten, auch wenn der Effekt im Geb\u00e4udeensemble sich erst zwei Generationen sp\u00e4ter dominant zeigen wird. Zur Auswahl stehen prototypisch stilisiert, (wirtschafts)politisch beziehungsweise gestalterisch drei Infrastruktur-Optionen. Eine Gestaltungs-Option f\u00fcr Geb\u00e4ude besteht dabei immer aus einem zweiten Teil Infrastruktur, denn jedes Geb\u00e4ude ist eingebettet in ein System leitungsgebundener Energietr\u00e4ger.<\/p>\n<ol start=\"2050\">\n<li><strong>Volle Substituierbarkeit<\/strong> von geb\u00e4udeverbundenen Effizienztechnologien mit modernen Nutzungsformen der <strong>beiden<\/strong> leitungsgebundenen Energietr\u00e4ger Gas (Brennstoffzelle) und Elektrizit\u00e4t (W\u00e4rmepumpe) \u2013 und beide Endenergietr\u00e4ger werden \u00fcber Qualit\u00e4tsanforderungen auf den Weg zu voll klimavertr\u00e4glichen Eigenschaften geschickt werden, voll zu erreichen in 2050.<\/li>\n<li><strong>Keine Verbrennungsprozesse mehr in Geb\u00e4uden<\/strong> \u2013 das f\u00fcr Z\u00fcrich avisierte Modell. In D\u00e4nemark m\u00fcssen Neubauten seit 2013 ohne \u00d6l- und Gasheizung auskommen. Im Entwurf des deutschen Klimaschutzplans f\u00fcr 2050 hatte Ministerin Hendricks das f\u00fcr 2030 vorgesehen. Das Komplement ist die Herausnahme von Erdgas aus der Detailversorgung, Elektrizit\u00e4t verbleibt als <strong>alleiniger<\/strong> leitungsgebundener Energietr\u00e4ger in der Fl\u00e4che.<\/li>\n<li><strong>Ausschluss der Netto-Zuf\u00fchrung kommerzieller Endenergietr\u00e4ger<\/strong> zu Geb\u00e4uden generell, also von Erdgas <em>und<\/em> Elektrizit\u00e4t \u2013 <strong>Null<\/strong> Lieferung von denen. Die erforderlichen Energiedienstleistungen werden allein von Effizienztechnologien sowie von den (eingesammelten) Str\u00f6men der Umgebungsenergien erbracht. Da es lediglich um den Ausschluss der <em>Netto<\/em>-Zuf\u00fchrung geht, bleibt die Einbindung in das Stromsystem davon unber\u00fchrt \u2013 lediglich die Leistungen, die aus dieser einbettenden Infrastruktur bezogen werden, sind deutlich ver\u00e4ndert gegen\u00fcber den Optionen b) aber auch a).<\/li>\n<\/ol>\n<p><strong>Die Rahmen-Regulierung von 2010<\/strong><\/p>\n<p>Dass bei Geb\u00e4uden weiterhin das Geld zum Fenster herausgeheizt wird, soll sich \u00e4ndern, sogar zu einem Ende gebracht werden. Das ist die Beschlusslage, welche die europ\u00e4ischen Gesetzgebungs-Institutionen, mit Zustimmung Deutschlands, im Jahre 2010 herbeigef\u00fchrt haben: Was geb\u00e4udetechnisch an Energieeffizienz beziehungsweise Energieautarkie m\u00f6glich ist, soll auch wirklich werden. Mit Beginn des Jahres 2021 soll in Zukunft jeglicher Neubau in Europa ein \u201eNiedrigstenergiegeb\u00e4ude\u201c (\u201e<em>nearly-zero energy building<\/em>\u201c (NZEB)) sein \u2013 Betonung hier auf \u201eEnergie\u201c. So sagt es <a href=\"http:\/\/eur-lex.europa.eu\/LexUriServ\/LexUriServ.do?uri=OJ:L:2010:153:0013:0035:DE:PDF\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">die EU-Geb\u00e4uderichtlinie in Art. 9 (1)<\/a>. F\u00fcr Geb\u00e4ude der \u201eBeh\u00f6rden\u201c gilt dieselbe Verpflichtung zwei Jahre eher.<\/p>\n<figure class=\"wp-block-table\">\n<table class=\"has-subtle-light-gray-background-color has-background\">\n<tbody>\n<tr>\n<td width=\"25%\"><a rel=\"noopener noreferrer\" href=\"http:\/\/wupperinst.org\/home\/\" target=\"_blank\"><img decoding=\"async\" title=\" \" class=\"aligncenter wp-image-313\" src=\"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/hans-jochen-luhmann\/wp-content\/uploads\/sites\/12\/2018\/05\/Luhmann-g11-270x300.jpg\" alt=\"\" width=\"180\"><\/a><\/td>\n<td width=\"75%\">Dr. Hans-Jochen Luhmann ist Senior Expert am <a href=\"http:\/\/wupperinst.org\/home\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Wuppertal Institut f\u00fcr Klima, Umwelt, Energie GmbH<\/a>.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/figure>\n<p>Die beschlossene Vision ist eine technologisch anspruchsvolle Vision. Was sie im (technischen) Detail bedeutet, ist v\u00f6llig offen, es wurde ja lediglich das Ziel bestimmt. So bedarf es einiges an Vorbereitung, denn die im Jahre 2010 rechtskr\u00e4ftig gemachte Geb\u00e4ude-Vision hat offenkundig das Zeug, die Bauwirtschaft v\u00f6llig umzukrempeln. Also wurde den EU-Mitgliedstaaten viel Zeit zur Vorbereitung gelassen. Die Mitgliedstaaten m\u00fcssen vorher entscheiden, was angesichts ihrer Bautraditionen und ihrer Klimabedingungen eine jeweils angemessene Definition von Nearly Zero Energy Building ist \u2013 eine europaweit einheitliche Konkretisierung von NZEB verbietet sich. Damit die Bauindustrie im Vorlauf zu diesem Startschuss zu Neujahr 2021 schon einmal ein \u00dcbungsfeld erh\u00e4lt und um die besondere Vorbildfunktion der \u00f6ffentlichen Hand zu betonen, wurde zudem die Einf\u00fchrung dieses ambitionierten Baustandards f\u00fcr deren Geb\u00e4ude vorab, bereits ab Januar 2019, verpflichtend gemacht.<\/p>\n<p><strong>Die Regulierung im Speziellen: Der Referentenentwurf des Geb\u00e4udeenergiegesetzes (GEG) <\/strong><\/p>\n<p>Am 23. Januar 2017 wurde f\u00fcr Deutschland der Vorhang gel\u00fcftet: <a href=\"https:\/\/www.bmjv.de\/SharedDocs\/Gesetzgebungsverfahren\/Dokumente\/RefE_Stalking.pdf?__blob=publicationFile&amp;v=1\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Der Referentenentwurf des Geb\u00e4udeenergiegesetzes (GEG)<\/a> wurde an diesem Tag den Verb\u00e4nden zugeleitet, zur Stellungnahme, Frist eine Woche. Keine Pressemeldung, keine Adressierung der allgemeinen \u00d6ffentlichkeit. Nun muss alles ganz schnell gehen, um eine Verabschiedung noch vor der parlamentarischen Sommerpause und damit in der laufenden, der 18. Legislaturperiode noch erreichen zu k\u00f6nnen. Das Wesen der Demokratie ist, die \u00d6ffentlichkeit mitdenken zu lassen. Daf\u00fcr m\u00fcssen die wissenschaftlichen Gutachten, die f\u00fcr die Erarbeitung des neugefassten Gesetzes erarbeitet worden sind, selbstverst\u00e4ndlich vorher der Fach\u00f6ffentlichkeit bekannt gemacht werden \u2013 wurden sie nicht; deshalb fehlen hier auch die Bez\u00fcge auf Gutachten.<\/p>\n<p>Das Gesetz ist lediglich architektonisch neu gefasst, im Inhalt des Gesetzes ist folglich fast alles recycelt. Bemerkenswert ist vor allem, was nicht beziehungsweise v\u00f6llig kraftlos lediglich entschieden wurde. Ich hebe Viererlei hervor:<\/p>\n<ul>\n<li>Der neue progressive Baustandard wurde zwar (endlich) definiert, faktisch als KfW-Effizienzhaus 55, was dem Anspruch eines \u201eNZEB\u201c durchaus nahe kommt, auch wenn es das schon im Jahre 2010 gab; aber definiert wurde es lediglich f\u00fcr Geb\u00e4ude der \u00d6ffentlichen H\u00e4nde, der \u201eBeh\u00f6rden\u201c \u2013 die Geb\u00e4udewirtschaft, die sich auf den Startschuss des generell neuen Standards ab 2021 vorbereiten will, wird weiter hingehalten.<\/li>\n<li>Die Kriterien, wann \u201eBeh\u00f6rden\u201c diesen neuen Standard einhalten m\u00fcssen, sind so stark einschr\u00e4nkend, dass selbst das Schreiben, mit dem aus der CDU\/CSU-Fraktion im Deutschen Bundestag heraus gegen den Entwurf des Gesetzes Einspruch erhoben wurde, kritisierte:<br \/>\n<em>\u201e[&#8230;] ist davon auszugehen, dass St\u00e4dte und Gemeinden von Abweichungsm\u00f6glichkeit vom vorgesehenen KfW-Effizienzhausstandard 55 regen Gebrauch machen werden. Die Geb\u00e4ude der \u00f6ffentlichen Hand w\u00fcrden also weiterhin nach dem derzeit geltenden EnEV-Standard errichtet. Damit d\u00fcrfte das Gesetz sogar seinem eigenen Anspruch, die Anforderungen zu versch\u00e4rfen, weitgehend nicht gerecht werden.<\/em>\u201c<\/li>\n<li>Das Schreiben hatte den Erfolg, dass die Kabinettsbefassung noch einmal verschoben wurde, von der Tagesordnung des Kabinetts am 15. Februar heruntergenommen wurde. F\u00fcr Ende M\u00e4rz ist nun geplant, das Vorhaben durchs Kabinett zu bringen.<\/li>\n<li>Der \u201ePrim\u00e4renergiefaktor\u201c ist die Stellgr\u00f6\u00dfe, um die Definition der Anforderungen an das individuelle Geb\u00e4ude so zu \u00e4ndern, dass das Ziel f\u00fcr den Geb\u00e4udebestand, \u201e<em>ein <strong>nahezu klimaneutralen Geb\u00e4udebestand <\/strong>bis zum Jahr 2050\u201c,<\/em> auch ansteuerbar wird. Die Gruppe aus der CDU\/CSU-Fraktion will die Befassung \u00fcber die zuk\u00fcnftigen Zahlenwerte des \u201ePrim\u00e4renergiefaktors\u201c im Parlament und damit im Gesetz haben. Das ist gut gesehen, hier geht es um Macht f\u00fcr strategische Entscheidungen.<\/li>\n<\/ul>\n<p><strong>Der Kern des Konflikts<\/strong><\/p>\n<p>Hauptanforderungsgr\u00f6\u00dfe f\u00fcr die Energieeffizienz von Geb\u00e4uden ist und bleibt der \u201eJahres-P<em>rim\u00e4r<\/em>energiebedarf\u201c \u2013 wie von der EU-Geb\u00e4uderichtlinie (2010) vorgegeben. In Geb\u00e4uden eingesetzt aber werden <em>End<\/em>energietr\u00e4ger, das sind mit Hilfe von Energie produzierte Energietr\u00e4ger. In der Zukunft kommen daf\u00fcr im wesentlichen Strom und Gas in Betracht. Bei beiden Energietr\u00e4gern kommt es beim Verbrennungsprozess zu erheblichen Verlusten, allerdings auf unterschiedlichen Ebenen:<\/p>\n<ul>\n<li>Bei Gas findet der Verbrennungsprozess bei der Nutzung vor Ort, im Geb\u00e4ude, statt. Der Verlust ist also <em>end<\/em>energetisch zuzurechnen.<\/li>\n<li>Bei Strom findet der Verbrennungsprozess in (bislang noch <em>thermischen<\/em>) Kraftwerken, also auf einer Herstellungs-Ebene fr\u00fcher statt. Der Verlust ist somit prim\u00e4renergetisch zuzurechnen \u2013 die Nutzung von Strom ist dagegen fast verlustfrei.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Um den Einsatz beider Endenergietr\u00e4ger zur Heizung von Geb\u00e4uden in fairer Weise vergleichbar zu machen, ist ein pauschalierendes Abstellen auf den (rein theoretischen) \u00e4quivalenten \u201ePrim\u00e4renergiebedarf\u201c unabdingbar. Das \u201eAbstellen\u201c wird vorgenommen mit Hilfe des Prim\u00e4renergiefaktors (PEF). Mit dessen Bestimmung wird \u00fcber ein Wettbewerbsverh\u00e4ltnis, mindestens zwischen Gas und Strom, entschieden \u2013 das ist zwangsl\u00e4ufig und offenkundig.<\/p>\n<p>Zu den Wettbewerbern hier geh\u00f6ren aber, wie eingangs erw\u00e4hnt, nicht allein Strom und Gas. Hinzu kommen die bereits erw\u00e4hnte Technik der \u201eD\u00e4mmung\u201c und die Geb\u00e4udeanlagentechnik (W\u00e4rmer\u00fcckgewinnung; K\u00fchlung) inklusive Anlagen zur Einsammlung und Speicherung von Umgebungs- und geb\u00e4udenah geernteter Energie aus erneuerbaren Quellen.<\/p>\n<p>Technologien zur Begrenzung des W\u00e4rmeverlustes durch die H\u00fcllfl\u00e4chen eines Geb\u00e4udes standen bislang unter Wettbewerbsschutz gegen\u00fcber den beiden (perspektivisch in ihrem Klimaeffekt sauber werdenden) Endenergietr\u00e4gern, indem die Energieeinsparverordnung (EnEV) <em>Mindest<\/em>anforderungen an die d\u00e4mmende Funktion der Geb\u00e4udeh\u00fclle gestellt hatte \u2013 das geht nun alles in das GEG \u00fcber. Kritisch anzumerken ist: Das ist auf den Bedarf an <em>W\u00e4rme<\/em> beschr\u00e4nkt \u2013 dabei pfeifen es die Spatzen von den D\u00e4chern, dass die Klimatisierungswelle auch der Wohngeb\u00e4ude in Deutschland kommen wird, daf\u00fcr wird sp\u00e4testens der Klimawandel sorgen, wenn der kommerzielle Sog nicht reichen sollte \u2013 die PKW haben es vorgemacht. Angesichts all dessen zeichnet sich ab, was f\u00fcr die Zukunft vermutlich vorgesehen ist:<\/p>\n<ul>\n<li>die <strong>Technologieoptionen zur Minderung der Transmissionsw\u00e4rmeverlustes<\/strong> werden als ausgereizt angesehen.<\/li>\n<li>F\u00fcr die <strong>Technologieoptionen der Geb\u00e4udeanlagentechnik<\/strong> werden keinerlei Mindestanforderungen gesetzt, sie werden nicht unter einen spezifischen Innovationsdruck gesetzt.<\/li>\n<li>F\u00fcr die <strong>Technologieoptionen Gas und Strom<\/strong> wird voller Zugang zur Deckung des verbleibenden Minderungsbedarfs f\u00fcr den \u201ePrim\u00e4renergiebedarf\u201c von Geb\u00e4uden gew\u00e4hrt, sofern sie im Gegenzug und Gleichschritt ihre \u201eKlimaneutralisierung\u201c (u.a. durch sukzessiven Umstieg auf Gas aus erneuerbaren Quellen) versprechen. Das werden sie tun \u2013 bei Strom ist dies bereits gesetzlich vorgegeben, bei Gas steht es aus.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Die Konsequenz ist einigerma\u00dfen sicher vorhersehbar: Sie besteht in jeweiligen \u201eKoalitionen\u201c der beiden Endenergietr\u00e4ger mit spezifischen geb\u00e4udeverbundenen Anlagentechnologien. Die <strong>Elektroheizung<\/strong> wird bevorzugt die Gestalt der elektrisch betriebenen W\u00e4rmepumpen annehmen. Die <strong>Gasheizung<\/strong> wird bevorzugt die Gestalt der Gas-Brennstoffzellen annehmen \u2013 da wird also auch noch ordentlich, und das dezentral, der eigentlich konkurrierende Energietr\u00e4ger \u201eStrom\u201c produziert.<\/p>\n<p>Diese beiden Technologien sind nat\u00fcrlich in besonderer Weise geeignet f\u00fcr eine Sanierungsstrategie f\u00fcr bestehende Geb\u00e4ude. In <a href=\"https:\/\/www.agora-energiewende.de\/fileadmin\/Projekte\/2016\/Sektoruebergreifende_EW\/Waermewende-2030_WEB.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Szenarienstudien<\/a>, die gerade anlaufen, wird das noch nicht so klar gespiegelt \u2013 <a href=\"http:\/\/www.wwf.de\/2017\/januar\/der-strom-der-zukunft\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">doch sie n\u00e4hern sich dem an<\/a>.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\"><\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Kolumne von Hans-Jochen Luhmann Geb\u00e4ude sch\u00fctzen uns vor den Unbilden der Natur. Sie sind Wind und Wetter ausgesetzt und k\u00f6nnen Str\u00f6me dieser Umgebungsenergien modulieren oder einsammeln. Solche Energien lassen sich mittel- bis langfristig speichern. Nullenergiegeb\u00e4ude sind m\u00f6glich, also Geb\u00e4ude ohne Zufuhr kommerzieller Energie, sogar Plusenergiegeb\u00e4ude sind m\u00f6glich. 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