{"id":1344,"date":"2025-09-18T16:48:42","date_gmt":"2025-09-18T14:48:42","guid":{"rendered":"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/hans-jochen-luhmann\/?page_id=1344"},"modified":"2025-09-18T16:51:03","modified_gmt":"2025-09-18T14:51:03","slug":"frau-reiche-eine-gas-junkie-und-sprachrohr-nur-ein-beitrag-in-reiche-logie","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/hans-jochen-luhmann\/frau-reiche-eine-gas-junkie-und-sprachrohr-nur-ein-beitrag-in-reiche-logie\/","title":{"rendered":"Frau Reiche \u2013 eine Gas-Junkie und Sprachrohr nur? Ein Beitrag in Reiche-logie"},"content":{"rendered":"\n<p><em>Die Kolumne von Hans-Jochen Luhmann (September 2025)<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Die gegenw\u00e4rtig zu vollziehende Energiewende hin zu Erneuerbaren ist von historischer Dimension: zu ihr geh\u00f6rt ein erheblicher Sprung in Energieeffizienz, man ben\u00f6tigt f\u00fcr denselben Bedarf nur mehr etwa knapp die H\u00e4lfte bis ein Drittel als Energieinput, zugleich wird alle Luftreinhaltepolitik \u00fcberfl\u00fcssig, welche die Begleitgase der Verbrennungsprozesse einzud\u00e4mmen suchte. Katherina Reiche leitet im neuen Bundes-Kabinett das Ministerium f\u00fcr &#8222;Wirtschaft und Energie&#8220; und ist, wie wir wissen, eine kluge und professionelle Frau, die wei\u00df, wovon sie redet\u2026<\/em><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"684\" src=\"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/hans-jochen-luhmann\/wp-content\/uploads\/sites\/12\/2025\/09\/250918-NU-HJL-1024x684.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-1338\" title=\"Foto: Nata Uchava, Magdeburg\"\/><\/figure>\n\n\n\n<h1 class=\"wp-block-heading\">1.&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Einleitung<\/h1>\n\n\n\n<p>Katherina Reiche leitet im neuen Bundes-Kabinett das Ministerium f\u00fcr \u201eWirtschaft und Energie\u201c (BMWE). Der Zuschnitt des Hauses war in der Legislaturperiode zuvor noch ein anderer, im BMWKE waren die Klima- und die Energieabteilung zusammengef\u00fchrt worden. Klimapolitik ist f\u00fcr sich ein zahnloser Tiger, die Musik der Gestaltungsmacht spielt hingegen beim Energiethema. Frau Reiche ist somit die eigentliche wenn auch inoffizielle Ministerin f\u00fcr die Gestaltung der Klimapolitik in Deutschland. Die Klimaabteilung wurde an das Umweltministerium zur\u00fcckverschoben, der dortige Minister von der SPD ist aber mehr ein Buchhalter der klimapolitischen Entwicklung in Deutschland \u2013 er hat nichts zu sagen, er kann sich lediglich zu Wort melden.<\/p>\n\n\n\n<p>Frau Reiche ist angetreten mit einem au\u00dferordentlichen kommunikativen Stil. Sie gibt sich in ihren \u00f6ffentlichen \u00c4u\u00dferungen das Image einer Sphinx. Was sie zur Energiepolitik sagt, ist regelm\u00e4\u00dfig mehrdeutig. Sie bedient kalkuliert populistische Vorstellungen und l\u00e4sst im Unklaren, was, pr\u00e4zise gesprochen, denn nun Sache sein soll.<\/p>\n\n\n\n<p>Das verf\u00fchrt dazu, sie in eine Reihe zu stellen mit anderen Kabinettsneulingen, die ebenfalls so zu reden scheinen, aber offenkundig nur deshalb, weil sie noch nicht wissen, was sie im Detail wollen. Bei Frau Reiche ist das anders, sie ist Vollprofi. Ihr bisheriger beruflicher Lebenslauf erweist das:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>Sie war seit ihrem Studium in der Politik, gelangte bis in das Amt einer stellvertretenden Vorsitzenden der Fraktion von CDU und CSU im Deutschen Bundestag;<\/li>\n\n\n\n<li>wurde dann Lobbyistin, ging als Hauptgesch\u00e4ftsf\u00fchrerin zum Verband kommunaler Unternehmen (VkU);<\/li>\n\n\n\n<li>und schlie\u00dflich wurde sie Leiterin von Westenergie, der Eon-Tochter, in der deren Stadtwerke-Beteiligungen gesammelt sind. Die Bedeutung dieses Unternehmens wird schlaglichtartig deutlich durch den Hinweis, dass es \u00fcber 1.600 Konzessionsvertr\u00e4ge und kommunale Partnerschaften h\u00e4lt.<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p>Kommunale Energieunternehmen haben ihren Wert durch Investitionen in Infrastrukturen, das sind Leitungen f\u00fcr Wasser, Gas und Elektrizit\u00e4t. Hinzukommen etwaige Kraftwerksbeteiligungen.<\/p>\n\n\n\n<p>Vor diesem Hintergrund ist Frau Reiche im M\u00e4rz 2025 wieder in die Politik gewechselt. An den Verhandlungen zum Koalitionsvertrag, zu Energie und Klima in AG 15 unter Leitung von Andreas Jung, einem <em>big shot<\/em> von der CDU in Klima- und Energiefragen, hatte sie noch nicht teilgenommen. Die Ergebnisse der Arbeitsgruppe im Koalitionsvertrag aber sind nun ihre Vorgabe, die hat sie nun zu interpretieren und auszuf\u00fchren. Viele ihrer formelhaft wirkenden S\u00e4tze sind denn auch eigentlich Zitate aus dem Koalitionsvertrag. Und Andreas Jung spricht \u00fcbrigens auch nicht viel anders. Zu den Vorgaben geh\u00f6rte auch die Pflicht, eine Bestandsaufnahme der Energiewende in Auftrag zu geben.<\/p>\n\n\n\n<h1 class=\"wp-block-heading\">2.&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Hintergrund: Das Wesen der Energiewende<\/h1>\n\n\n\n<p>Die gegenw\u00e4rtig zu vollziehende Energiewende ist von historischer Dimension. Sie ist ein fundamentaler \u00dcbergang:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>Verlassen wird das Energiesystem, welches mit der Industriellen Revolution begonnen wurde, dem Zugriff auf den in fossilen Energietr\u00e4gern chemisch gespeicherten Energievorrat aus Jahrmillionen Erdgeschichte.<\/li>\n\n\n\n<li>\u00dcbergegangen wird auf ein Energiesystem, welches die rezenten Energiefl\u00fcsse der Atmosph\u00e4re abgreift.<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p>Die Pointe dieses Wechsels ist, dass die geernteten erneuerbaren Energien bereits in der wertvollsten Form vorliegen, das ist als Elektrizit\u00e4t, als \u201e<em>Kraft<\/em>\u201c (power) \u2013 und der Einsatz von Elektrizit\u00e4t ist fast verlustfrei m\u00f6glich. Schon um hingegen aus chemisch gespeicherten Energietr\u00e4gern Kraft zu produzieren, sei es Elektrizit\u00e4t, sei es direkt zum Antrieb im Kraftfahrzeug, muss man den Energietr\u00e4ger erst verbrennen. Dieser thermische Umweg zur Gewinnung von Kraft verschleudert Unmengen von Energie, die geht als Abw\u00e4rme, in der Regel als Verlust, in die Umwelt.<\/p>\n\n\n\n<p>Zum Wesen der Energiewende geh\u00f6rt somit ein erheblicher Sprung in Energieeffizienz, man ben\u00f6tigt f\u00fcr denselben Bedarf nur mehr etwa knapp die H\u00e4lfte bis nur ein Drittel als Energieinput. Wir ben\u00f6tigen nurmehr die H\u00e4lfte an Energie gegen\u00fcber dem Systemzustand zuvor. Zugleich wird alle Luftreinhaltepolitik, welche die Begleitgase der Verbrennungsprozesse einzud\u00e4mmen suchte, \u00fcberfl\u00fcssig. Strom wird, anders als fr\u00fcher, der dominante Endenergietr\u00e4ger. Wir fahren in Zukunft Auto mit Strom und Heizen mit Strom (W\u00e4rmepumpe).<\/p>\n\n\n\n<p>Bei dieser Wende gibt es nat\u00fcrlich auch Kehrseiten. Kraftwerke nach dem Verbrennungsprinzip gab es nur wenige, die chemisch gespeicherte Energie wurde zu ihnen via Stra\u00dfen, Bahnen und Schiffen transportiert. Die Kraftwerke erzeugten daraus konzentriert Strom und verteilten den dann \u00fcberwiegend in ihrer jeweiligen Nachbarschaft. Hochspannungsleitungen, die die gro\u00dfen Kraftwerke miteinander verbanden, gab es in dieser Epoche ebenfalls, aber sie wurden nur selten zum Transport gro\u00dfer Mengen genutzt. Deswegen wurden sie als Wechselstromleitungen konzipiert, trotz der damit verbundenen hohen Transportverluste. Sie waren eben nur \u201eVerbundleitungen\u201c, zur Abdeckung des Risikos eines Kraftwerks-Ausfalls \u2013 die heutigen Netze hingegen haben eine ganz andere Funktion, sie sind \u201e\u00dcbertragungsnetze\u201c, sie sind explizit f\u00fcr den Transport da, deswegen werden f\u00fcr den Ferntransport auch zunehmend die verlustarmen Gleichstromleitungen zugebaut. Die erneuerbare Energie wird dezentral eingefangen, und da muss selbstverst\u00e4ndlich das Netz eine neue Qualit\u00e4t bekommen, weil es ganz andere Funktionen im Stromsystem hat als fr\u00fcher. Und im gro\u00dfr\u00e4umigen Verbund gleichen sich die Wetterlagen zudem tendenziell aus, je weitr\u00e4umiger der Verbund, desto geringer der Bedarf an ausgleichenden Erzeugungsanlagen in wetterbedingten Mangelsituationen.<\/p>\n\n\n\n<p>Aus dieser Darstellung wird Zweierlei deutlich, was massive Herausforderungen f\u00fcr die intergenerationelle Gerechtigkeit in der Gegenwart impliziert. Um die zu verstehen, hat man aber noch eine Rahmenbedingung einzuf\u00fchren. Auf Initiative der marktliberalen Br\u00fcsseler EU-Kommission und ohne Bedenken der klimapolitisch bedingten anstehenden Energiewende ist im Stromsektor, beginnend in den sp\u00e4ten 1990 Jahren, das Wettbewerbsprinzip eingef\u00fchrt worden. Maxime war: Wettbewerblich machen, was wettbewerblich geht. In der Konsequenz wurden die bis dahin \u00fcblichen Monopole beziehungsweise Angebote aus einer Hand abgel\u00f6st durch zwei Elemente, die nun, in Europa, konstitutiv sind f\u00fcr die Wende:<\/p>\n\n\n\n<ol style=\"list-style-type:lower-alpha\" class=\"wp-block-list\">\n<li>den \u201e<em>Electricity only Market<\/em>\u201c (EoM): Der besagt, dass Wettbewerb nur nach den Betriebskosten des (bestehenden) Kraftwerksparks stattfindet. Die Kraftwerke sollen optimal, das ist kosteng\u00fcnstig, zum Einsatz gebracht werden. Als es noch Grundlast- (Braunkohle und Kernkraft), Mittellast- (Steinkohle) und Spitzenlast- (Erdgas) Kraftwerke gab, wurden die von alleine dem EoM-Prinzip gem\u00e4\u00df eingesetzt, weil auf den (globalen) Bezugsm\u00e4rkten Erdgas teurer war als Steinkohle, die aber teurer als Braunkohle und Kernbrennstoffe. Allerdings wurde nur im Bereich des jeweiligen Monopolisten so optimiert. Mit dem EoM wird der Einsatz nun \u00fcbergreifend optimiert.\n<ol class=\"wp-block-list\">\n<li>Die \u00fcbrigen Leistungen im Strombereich, wie Transport \u00fcber Leitungen, Aufwand zur Systemstabilisierung, Reserve-Kraftwerke und so weiter, werden von den \u00dcbertragungsnetzbetreibern (\u00dcNB), die weiterhin Gebiets-Monopolisten sind, gegen Kostenerstattung in Auftrag gegeben beziehungsweise erbracht. Zur Refinanzierung werden diese Gemeinkosten den Kunden insgesamt, ohne Differenzierung, als Aufschlag in Rechnung gestellt, und zwar proportional zur bezogenen Strommenge. Damit entf\u00e4llt die bislang sachlich berechtigte Differenzierung, dass die Verbraucher nur f\u00fcr den Netzteil zahlen, den sie in Anspruch nehmen, die Gro\u00dfverbraucher also nur f\u00fcr die Hochspannungsebene. F\u00fcr die energieintensiven Industrien ist die diesbez\u00fcgliche \u00c4nderung ein erheblicher wettbewerblicher Nachteil.<\/li>\n<\/ol>\n<\/li>\n<\/ol>\n\n\n\n<p>Die beiden implizierten Herausforderungen f\u00fcr die intergenerationelle Gerechtigkeit sind:<\/p>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\">\n<li>Das \u00fcberkommene Stromnetz muss nun, in nur zwei Jahrzehnten, massiv um- und ausgebaut werden. Das erfordert Infrastruktur-Investitionen in erheblichem Umfang, die nach dem Prinzip der Umlage anfallender Kosten der aktuellen Generation in Rechnung gestellt werden. Den Wert des gewendeten Stromnetzes aber werden die Generationen danach g\u00fcnstig, da amortisiert, nutzen k\u00f6nnen. Es handelt sich bei den hohen Netzkosten um ein tempor\u00e4res Ph\u00e4nomen, welches durch einen intergenerationellen Verteilungsmechanismus entsch\u00e4rfbar w\u00e4re.<\/li>\n\n\n\n<li>Energietr\u00e4ger fossiler Herkunft werden funktionslos, das gilt auch f\u00fcr Erdgas. Die Besonderheit von Erdgas gegen\u00fcber Kohle und \u00d6lprodukten ist, dass er der einzige leitungsgebundene Energietr\u00e4ger unter ihnen ist, soll sagen mit einer Transportinfrastruktur, die nur auf ihn zugeschnitten ist \u2013 f\u00fcr \u00d6l (Pipelines) gilt das zwar auch, aber lediglich f\u00fcr den Ferntransport. Erdgas selbst nicht l\u00e4nger mehr zu beziehen, betrifft nur die Lieferanten auf dem Weltmarkt, da muss man lediglich daf\u00fcr Sorge tragen, dass die Importunternehmen nicht zu langfristig bindende Abnahme-Vertr\u00e4ge schlie\u00dfen. Das mit dem Abschied vom Erdgas verbundene massive wirtschaftliche Problem stellen vielmehr die Gasleitungen dar, darunter insbesondere die Gasverteilleitungen. Letztere haben eine Gesamtl\u00e4nge von rund 520.000 Kilometern. Sie liegen, unter Bedingungen, die in Konzessionsvertr\u00e4gen formuliert sind, auf kommunalem Gebiet, im Eigentum von Stadtwerken beziehungsweise externer Unternehmen, die den Betrieb f\u00fcr die Kommunen \u00fcbernommen haben. Solche Unternehmen sind es, die in Westenergie geb\u00fcndelt worden waren, der Wert dieser Leitungen ist f\u00fcr den VkU ein zentrales Thema. Hinzukommt, dass die Gasnetze nach den Vorgaben der Bundesnetzagentur nur \u00fcber rund 60 Jahre abgeschrieben beziehungsweise amortisiert werden d\u00fcrfen, nicht k\u00fcrzer \u2013 das Klimaneutralit\u00e4tsziel in 2045 war bei den Beschlusskammern der Bundesnetzagentur offenbar verschlafen worden. Die Gasverteilnetze in Deutschland sind im Schnitt knapp 30 Jahre, also erst halb so alt. Da ist noch viel an \u201eBuchwert\u201c abzuschreiben. Frau Reiche ist sich somit dessen bestens bewusst, welches Verm\u00f6gensrisiko f\u00fcr kommunale Versorger und also auch f\u00fcr die Kommunen in einem Ausstieg aus der Versorgung mit Erdgas liegt.<\/li>\n<\/ol>\n\n\n\n<h1 class=\"wp-block-heading\">3.&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Das Ergebnis des Monitorings der Energiewende<\/h1>\n\n\n\n<p>Das Monitoring war im Koalitionsvertrag vereinbart und von der Ministerin umgehend nach Amtsantritt in Auftrag gegeben worden. Vorgelegt wurde das Ergebnis am 16. September 2025 von einem Konsortium zweier Unternehmen mit bester Expertise im Energie- und insbesondere im Stromsystem. <a href=\"https:\/\/www.bundeswirtschaftsministerium.de\/Redaktion\/DE\/Publikationen\/Energie\/energiewende-effizient-machen.pdf?__blob=publicationFile&amp;v=20\" target=\"_blank\" data-type=\"link\" data-id=\"https:\/\/www.bundeswirtschaftsministerium.de\/Redaktion\/DE\/Publikationen\/Energie\/energiewende-effizient-machen.pdf?__blob=publicationFile&amp;v=20\" rel=\"noreferrer noopener\">Hier deren Bericht<\/a>.<\/p>\n\n\n\n<p>Zeitgleich ver\u00f6ffentlichte <a href=\"https:\/\/www.bundeswirtschaftsministerium.de\/Redaktion\/DE\/Downloads\/J-L\/klimaneutral-werden-wettbewerbsfaehig-bleiben.pdf?__blob=publicationFile&amp;v=22\" target=\"_blank\" data-type=\"link\" data-id=\"https:\/\/www.bundeswirtschaftsministerium.de\/Redaktion\/DE\/Downloads\/J-L\/klimaneutral-werden-wettbewerbsfaehig-bleiben.pdf?__blob=publicationFile&amp;v=22\" rel=\"noreferrer noopener\">das Ministerium seine Sicht der Konsequenzen<\/a>, die aus diesem Monitoring-Bericht zu ziehen seien. Die steht unter der \u00dcberschrift \u201eKlimaneutral werden \u2013 wettbewerbsf\u00e4hig bleiben\u201c. Wer das programmatisch verschwiegene Handeln der EVP-Fraktion in Br\u00fcssel verfolgt, wei\u00df diesen Titel in Klartext zu \u00fcbersetzen: \u201eIrgendwann klimaneutral werden, also die Energiewende vollziehen, jetzt aber beschr\u00e4nken auf das wettbewerblich Zumutbare\u201c. Die dabei leitenden Hintergrundmotive sind damit noch nicht genannt: den Rechten ihren Themen nehmen, indem man sie selbst vollzieht. Und Trumps Forderungen weit entgegenkommen, um den milit\u00e4rischen Schutzschirm der USA nicht in Frage zu stellen. Au\u00dferdem gibt es haushaltspolitische Gr\u00fcnde: Die Umorientierung auf Aufr\u00fcstung entzieht der Energiewende die unterst\u00fctzenden staatlichen Mittel, sie wird ohne diese Mittel, allein durch erh\u00f6hte Preise finanziert, politisch untragbar.<\/p>\n\n\n\n<p>Liest man diesen Text aus dem BMWE, dann wird deutlich, dass man Reichelogie betreiben muss, um zu verstehen, was gemeint sein k\u00f6nnte \u2013 Klartext ist das nicht. Hier beispielhaft ein paar \u201eSchmankerl\u201c aus diesem Text:<\/p>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\">\n<li>\u201e<em>Die installierte Leistung aus Solar und Wind reicht heute phasenweise weit \u00fcber den realen Bedarf hinaus, w\u00e4hrend zu Zeiten mit wenig Wind und wenig Sonne die Versorgungsl\u00fccke nur durch fossile Erzeuger oder Importe geschlossen werden kann.<\/em>\u201c<br>Da wird eine Binsenweisheit in Worte gefasst. Sie wird aber so formuliert, als wenn es sich um ein Problem, und dann noch ein abstellbares, handele. Der gro\u00dfr\u00e4umige Ausgleich \u00fcber regionale Wetterzonen hinweg geh\u00f6rt eben zu den Effizienzpotentialen des Stromsystems \u2013 die Unterstellung, dass Importe etwas Schlechtes seien, hat einen nationalistischen Anklang.<\/li>\n\n\n\n<li><em>\u201eDie Annahme, dass Strom aus erneuerbaren Energien praktisch zum Nulltarif zur Verf\u00fcgung gestellt werden kann, ist bei Ber\u00fccksichtigung des Gesamtsystems falsch \u2013 durch diese verk\u00fcrzte Sichtweise entstehen enorme wirtschaftliche Risiken. Photovoltaikanlagen und Windkraftr\u00e4der produzieren nur, wenn die Sonne scheint und der Wind weht. Da der Strom aber unabh\u00e4ngig davon immer gebraucht wird, reichen die erneuerbaren Energien allein nicht aus \u2013 das Resultat sind hohe Investitionen in das gesamte Stromsystem.\u201c<\/em><br>Die Unterstellung im Eingangsteil des Satzes ist schon perfide. Die Annahme, dass \u201e<em>Strom aus erneuerbaren Energien praktisch zum Nulltarif zur Verf\u00fcgung gestellt wird\u201c<\/em> ist, auf Betriebskosten bezogen, schlie\u00dflich korrekt \u2013 das herrschende Marktsystem stellt darauf (nur) ab. Es ist eben bekannterma\u00dfen der Mangel des herrschenden Strommarktdesigns, dass die Kosten des Gesamtsystems nicht abgebildet und optimiert werden. Statt aber, korrekt, das Marktdesignals Problem anzusprechen, projiziert der Text das Problem f\u00e4lschlich auf die Erneuerbaren. Dass die Erneuerbaren ein <em>back-up<\/em> aus gespeicherter Energie ben\u00f6tigen, geh\u00f6rt ebenfalls zum Wesen des nach-fossilen Stromsystems.<\/li>\n\n\n\n<li>\u201e<em>Der Ausstieg aus der Kernenergie und das schrittweise Abschalten der Kohleverstromung bis 2038 ist ambitioniert; <strong>stabile, verl\u00e4ssliche Grundlastkraftwerke<\/strong> m\u00fcssen als R\u00fcckgrat der Versorgung neu aufgebaut werden \u2013 allen voran durch moderne Gaskraftwerke mit Umstellungsperspektive auf Wasserstoff.<\/em>\u201c<br>Diese Textstelle ist geradezu paradigmatisch. Dass die Erneuerbaren\u2013 auch \u2013 stabile, verl\u00e4ssliche <em>back-up<\/em>-Kraftwerke brauchen, ist sonnenklar. Dass das aber (s\u00e4mtlich) Gas-Kraftwerke zu sein haben, ist schon weniger selbstverst\u00e4ndlich. Aber klar, wenn es Gaskraftwerke sein sollen, mit der Option, sp\u00e4ter auf Wasserstoff umzusteigen, dann bietet sich in der Tat f\u00fcr die geringen Einsatzzeiten solcher Anlagen die kosteng\u00fcnstige und schnell zu errichtende Gasturbine an.<br>Diese Erwartung aber konterkariert der Text durch Einstreuen des Begriffs \u201eGrundlastkraftwerke.\u201c<\/li>\n<\/ol>\n\n\n\n<p>Warum diese seltsame Betonung? Klar ist: Grundlastkraftwerke sind Kraftwerke mit hohen Einsatzzeiten pro Jahr, technisch w\u00e4ren das dann aufw\u00e4ndig zu konzipierende Gas-und-Dampf-Kraftwerke. \u201eGrundlast\u201c l\u00e4sst dann auch anklingen: Das geht es wirklich um einen hohen Verbrauch von Erdgas. Gilt das, so muss das ganze Erdgassystem am Laufen gehalten werden \u2013 komplement\u00e4r liegt nahe: Die Gasverteilnetze in den Kommunen werden durch die \u201eAbschaffung des Heizungsgesetzes\u201c gerettet werden. Auf dieser Basis dann sp\u00e4ter einmal auf Wasserstoff zu wechseln, wenn es nicht nur um den seltenen Einsatz in Zeiten von Dunkelflauten geht, erscheint \u00f6konomisch aussichtslos.<\/p>\n\n\n\n<p>Nun ist, wie wir wissen, Frau Reiche eine kluge und professionelle Frau, die wei\u00df, wovon sie redet. Diese Formulierungen sind kein Lapsus. Sie m\u00fcssen also einen Sinn haben.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich vermute, Frau Reiche und ihre Co-Strategen wollen das Prinzip der Stromerzeugung nach dem Verbrennungsprinzip nicht aufgeben, sondern eine Br\u00fccke f\u00fcr den sp\u00e4teren Zugriff darauf beibehalten. Das hat eine lange Tradition in diesem politischen Lager. Man erinnere sich an das seltsam beschr\u00e4nkte Energiekonzept von 2010, der damaligen schwarz-gelben Koalition, welches von 80 Prozent aus erneuerbaren Quellen sprach und zu den restlichen 20 Prozent nichts sagte, aus welchen Quellen die stammen sollten. Das war offenkundig f\u00fcr die Kernkraftwerke offengehalten, die aber wurden <a href=\"https:\/\/www.blog-der-republik.de\/angela-merkel-blickt-zurueck-der-crash-im-ukraine-konflikt-sowie-ihre-entscheidung-zum-atomausstieg\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">durch den Merkel-Westerwelle-Ausstiegsbeschluss<\/a> nach der Katastrophe in Fukushima f\u00fcr immer aus dem System entfernt. Auch jetzt wieder wird das Angezielte nicht benannt. Eigentlich aber liegt es auf der Hand, dass es um die Option f\u00fcr <em>Small Modular Reactors <\/em>(SMR) aus den USA gehen soll, <a href=\"https:\/\/www.blog-der-republik.de\/trumps-energiedominanz-aussenpolitik-die-alliierten-sollen-zurueck-zu-fossil-und-nuklear-als-haupt-energietraegern\/\" target=\"_blank\" data-type=\"link\" data-id=\"https:\/\/www.blog-der-republik.de\/trumps-energiedominanz-aussenpolitik-die-alliierten-sollen-zurueck-zu-fossil-und-nuklear-als-haupt-energietraegern\/\" rel=\"noreferrer noopener\">um die Energiezusage im sogenannten \u201eTrade\u201c-Deal von Turnberry (vom 27. Juli 2025) mit Leben f\u00fcllen zu k\u00f6nnen<\/a>.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-9d6595d7 wp-block-columns-is-layout-flex\">\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\" style=\"flex-basis:33.33%\">\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><a href=\"https:\/\/wupperinst.org\/c\/wi\/c\/s\/cd\/70\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"853\" src=\"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/hans-jochen-luhmann\/wp-content\/uploads\/sites\/12\/2020\/10\/Luhmann_Jochen_FG1_farb-1024x853.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-827\"\/><\/a><\/figure>\n<\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\" style=\"flex-basis:66.66%\">\n<p>Dr. Hans-Jochen Luhmann ist Senior Expert am <a href=\"http:\/\/wupperinst.org\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Wuppertal Institut f\u00fcr Klima, Umwelt, Energie GmbH<\/a>.<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n\n\n\n\n\n<div class=\"wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-9d6595d7 wp-block-columns-is-layout-flex\">\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\" style=\"flex-basis:33.33%\">\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><a href=\"https:\/\/www.bundeswirtschaftsministerium.de\/Redaktion\/DE\/Publikationen\/Energie\/energiewende-effizient-machen.pdf?__blob=publicationFile&amp;v=20\" target=\"_blank\" rel=\" noreferrer noopener\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"531\" height=\"739\" src=\"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/hans-jochen-luhmann\/wp-content\/uploads\/sites\/12\/2025\/09\/Energiemonitorimg-2025-T.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1339\"\/><\/a><\/figure>\n<\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\" style=\"flex-basis:66.66%\">\n<p><\/p>\n\n\n\n<p>Der Monitoringbericht zum Start der 21. Legislaturperiode &#8222;Energiewende. Effizient. Machen.&#8220; im Auftrag des Bundesministeriums f\u00fcr Wirtschaft und Energie (BMWE)von September 2025 steht <a href=\"https:\/\/www.bundeswirtschaftsministerium.de\/Redaktion\/DE\/Publikationen\/Energie\/energiewende-effizient-machen.pdf?__blob=publicationFile&amp;v=20\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">\u00fcber diesen Link zum Download als PDF-Datei <\/a>bereit.<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-9d6595d7 wp-block-columns-is-layout-flex\">\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\" style=\"flex-basis:33.33%\">\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><a href=\"https:\/\/www.bundeswirtschaftsministerium.de\/Redaktion\/DE\/Downloads\/J-L\/klimaneutral-werden-wettbewerbsfaehig-bleiben.pdf?__blob=publicationFile&amp;v=22\" target=\"_blank\" rel=\" noreferrer noopener\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"597\" height=\"844\" src=\"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/hans-jochen-luhmann\/wp-content\/uploads\/sites\/12\/2025\/09\/klimaneutral-werden-wettbewerbsfaehig-bleiben-T.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1341\"\/><\/a><\/figure>\n<\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\" style=\"flex-basis:66.66%\">\n<p><\/p>\n\n\n\n<p>Die Sicht des Bundesministeriums f\u00fcr Wirtschaft und Energie (BMWE) auf diesen Monitoringbericht steht <a href=\"https:\/\/www.bundeswirtschaftsministerium.de\/Redaktion\/DE\/Downloads\/J-L\/klimaneutral-werden-wettbewerbsfaehig-bleiben.pdf?__blob=publicationFile&amp;v=22\" target=\"_blank\" data-type=\"link\" data-id=\"https:\/\/www.bundeswirtschaftsministerium.de\/Redaktion\/DE\/Downloads\/J-L\/klimaneutral-werden-wettbewerbsfaehig-bleiben.pdf?__blob=publicationFile&amp;v=22\" rel=\"noreferrer noopener\">\u00fcber diesen Link zum Download als PDF-Datei<\/a> bereit.<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Kolumne von Hans-Jochen Luhmann (September 2025) Die gegenw\u00e4rtig zu vollziehende Energiewende hin zu Erneuerbaren ist von historischer Dimension: zu ihr geh\u00f6rt ein erheblicher Sprung in Energieeffizienz, man ben\u00f6tigt f\u00fcr denselben Bedarf nur mehr etwa knapp die H\u00e4lfte bis ein Drittel als Energieinput, zugleich wird alle Luftreinhaltepolitik \u00fcberfl\u00fcssig, welche die Begleitgase der Verbrennungsprozesse einzud\u00e4mmen suchte. &hellip; <\/p>\n<p class=\"link-more\"><a href=\"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/hans-jochen-luhmann\/frau-reiche-eine-gas-junkie-und-sprachrohr-nur-ein-beitrag-in-reiche-logie\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">\u201eFrau Reiche \u2013 eine Gas-Junkie und Sprachrohr nur? 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