{"id":1366,"date":"2025-12-21T15:58:19","date_gmt":"2025-12-21T14:58:19","guid":{"rendered":"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/hans-jochen-luhmann\/?page_id=1366"},"modified":"2025-12-21T16:08:52","modified_gmt":"2025-12-21T15:08:52","slug":"der-vorschlag-der-eu-kommission-die-ukraine-aus-einem-reparationsdarlehn-zu-unterstuetzen-ist-zum-glueck-gescheitert","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/hans-jochen-luhmann\/der-vorschlag-der-eu-kommission-die-ukraine-aus-einem-reparationsdarlehn-zu-unterstuetzen-ist-zum-glueck-gescheitert\/","title":{"rendered":"Der Vorschlag der EU-Kommission, die Ukraine aus einem &#8222;Reparationsdarlehn&#8220; zu unterst\u00fctzen, ist zum Gl\u00fcck gescheitert"},"content":{"rendered":"\n<p><em>Um die Option &#8222;Absicherung durch beschlagnahmtes Verm\u00f6gen der russischen Zentralbank&#8220; wurde medial viel Schaum geschlagen, was der Bundeskanzler mit seiner Stilisierung zur &#8222;einzigen Option&#8220; gespiegelt hat. Doch der Titel der Option &#8222;Reparation Loan&#8220; sagt es bereits: Dieses Verm\u00f6gen soll zum Wiederaufbau nach Ende der Kampfhandlungen reserviert sein und dann f\u00fcr den Wiederaufbau eingesetzt werden. (Dezember 2025)<\/em><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1200\" height=\"801\" src=\"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/hans-jochen-luhmann\/wp-content\/uploads\/sites\/12\/2025\/12\/251221-NU-HJL.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1364\" title=\"Foto: Nata Uchava, Magdeburg\"\/><\/figure>\n\n\n\n<h1 class=\"wp-block-heading\">1.&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Die finanziell prek\u00e4re Situation der Ukraine<\/h1>\n\n\n\n<p>Die Ukraine ist ein gebeuteltes Land. Sich selbst vollst\u00e4ndig finanzieren, konnte sie eigentlich noch nie. Immer saugten Oligarchen \u00fcber Korruption an den Zahlungsfl\u00fcssen, die dem Staat zustanden; es brauchte immer einen Geldzufluss von au\u00dfen. Bis zur Revolution und dem damit verbundenen Wechsel ins Lager des Westens im Februar 2014 hat Russland diese n\u00e4hrende Rolle gespielt, technisch \u00fcber Rabatte auf den Bezug von Erdgas. Daneben war die Ukraine auf Kredite auf dem privaten Kapitalmarkt und seitens des Internationalen W\u00e4hrungsfonds (IMF) angewiesen. Im Fr\u00fchjahr 2014 ist der Westen in diese Rolle eingetreten, die Russland freigab.<\/p>\n\n\n\n<p>Seit Kriegsbeginn 2022 ist die Ukraine nat\u00fcrlicherweise vollst\u00e4ndig abh\u00e4ngig von Finanzzufl\u00fcssen aus dem Westen. <a href=\"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/hans-jochen-luhmann\/der-haushalt-der-ukraine-fuer-das-vierte-kriegsjahr-2025-alles-fuers-militaer-zivile-ausgaben-nur-noch-auf-kredit\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">In dieser Analyse des Haushalts 2025 der Ukraine<\/a> wurde stilisierend gesagt, der Haushalt ginge zu 100 Prozent f\u00fcr das Milit\u00e4r, f\u00fcr den Krieg, drauf, der zivile Teil des Haushalts werde vollst\u00e4ndig seitens des Westens finanziert \u2013 seit Amtsantritt der Trump-Administration also vom IMF und von den Europ\u00e4ern; die \u00fcbrigen Verb\u00fcndeten der <em>Coalition of the Willing<\/em>, die sich am Ramstein-Format zur Waffenlieferung noch beteiligt hatten, haben sich hinsichtlich der nun anstehenden finanziellen Unterst\u00fctzung auf Dauer gleichsam \u201ein die B\u00fcsche geschlagen\u201c. Innerhalb Europas sind dies Gro\u00dfbritannien und Norwegen. Ob solche Zahlungsfl\u00fcsse als Kredit oder als Geschenk bezeichnet werden, ist faktisch unerheblich, nur haushaltsrechtlich macht dies einen Unterschied \u2013 die aufget\u00fcrmte Schuldenlast der Ukraine ist so hoch, dass kein Geldgeber ernstlich mit einer R\u00fcckzahlung rechnen kann.<\/p>\n\n\n\n<h1 class=\"wp-block-heading\">2.&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Der Haushalt der Ukraine f\u00fcr 2026 und die Optionen zur Defizitdeckung<\/h1>\n\n\n\n<p>Am 10. Dezember 2025 hat der Pr\u00e4sident der Ukraine den Haushalt f\u00fcr das Jahr 2026 unterzeichnet \u2013 <a href=\"https:\/\/www.osw.waw.pl\/en\/publikacje\/analyses\/2025-12-17\/ukraine-unrealistic-budget-2026\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">von Kommentatoren wurde er als \u201eunrealistisch\u201c eingesch\u00e4tzt<\/a>. Es hat schon Tradition, dass ein Haushalt vorgelegt wird, der den Netto-Finanzbedarf zun\u00e4chst untersch\u00e4tzt, um sp\u00e4ter, in einem Nachtragshaushalt, aufgestockt zu werden.<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>Der Haushalt f\u00fcr 2026 sieht Einnahmen in H\u00f6he von etwa 59 Milliarden Euro und Ausgaben von rund 97 Milliarden Euro vor \u2013 also ein Defizit in H\u00f6he von 38 Milliarden Euro.<\/li>\n\n\n\n<li>Wie in den vergangenen drei Jahren auch ist der gr\u00f6\u00dfte Ausgabenposten der f\u00fcr Verteidigung und nationale Sicherheit, f\u00fcr die 56 Milliarden Euro beziehungsweise 27,2 Prozent des BIP veranschlagt sind;<\/li>\n\n\n\n<li>gefolgt vom Schuldendienst, der 10 Milliarden Euro kosten wird.<\/li>\n\n\n\n<li>Anders als in den Vorjahren wurde beschlossen, bestimmte zivile Ausgabenposten zu erh\u00f6hen. Insbesondere die Ausgaben f\u00fcr Bildung werden um ein Drittel auf 5,6 Milliarden Euro steigen \u2013 davon wird das meiste f\u00fcr eine 30-prozentige Gehaltserh\u00f6hung f\u00fcr Lehrer eingesetzt.<\/li>\n\n\n\n<li>Auch f\u00fcr das Gesundheitswesen ist eine deutliche Erh\u00f6hung der Ausgaben eingeplant. Im Kontrast dazu wurde das \u2013 eh geringe \u2013 Budget der Staatlichen Agentur f\u00fcr Wiederaufbau und Entwicklung der Infrastruktur auf knapp die H\u00e4lfte gek\u00fcrzt. \u201eWiederaufbau\u201c heisst auf Lateinisch und folglich im Englischen \u201e<em>reparation<\/em>\u201c.<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p>Sch\u00e4tzungen des ukrainischen Finanzministeriums besagen, der ukrainische Staat ben\u00f6tige im Jahr 2026 an externer Finanzhilfe nicht nur das ausgewiesene Defizit in H\u00f6he von 38 Milliarden Euro, sondern mehr, n\u00e4mlich etwa 42 Milliarden Euro.<\/p>\n\n\n\n<p>Der gesamte Haushaltsansatz f\u00fcr das Jahr 2026 liegt etwas h\u00f6her als der in der \u00fcberarbeiteten Fassung des Haushaltsplans f\u00fcr 2025. Dies gilt jedoch nicht f\u00fcr die Ausgaben des Verteidigungsministeriums, die auf 38 Milliarden Euro gek\u00fcrzt wurden. Die H\u00f6he der Finanzierung anderer kriegsbezogener Strukturen, wie etwa der Sicherheitsdienste, blieb unver\u00e4ndert.<\/p>\n\n\n\n<p>Dies alles deutet darauf hin, dass in den kommenden Monaten eine weitreichende Anpassung zur Erh\u00f6hung der Ausgaben notwendig sein wird. Mit dem Haushalt 2025 hatte die Ukraine es \u00e4hnlich gehalten.<\/p>\n\n\n\n<p>Dies haben die beiden finanzierenden Institutionen antizipiert. <a href=\"https:\/\/carnegieendowment.org\/europe\/strategic-europe\/2025\/11\/time-for-europe-to-break-the-bank-on-ukraine?lang=en\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">IMF<\/a> und <a href=\"https:\/\/ec.europa.eu\/commission\/presscorner\/detail\/de\/statement_25_3124\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Europ\u00e4ische Kommission<\/a> haben den externen Unterst\u00fctzungsbedarf der Ukraine f\u00fcr die Jahre 2026 und 2027 zusammen auf etwa 137 Milliarden Euro gesch\u00e4tzt, also auf knapp 70 Milliarden Euro pro Jahr. Mit dem IMF habe man verabredet, so die Kommissionspr\u00e4sidentin, dass dieser von dieser Summe ein Drittel trage, die EU restlichen zwei Drittel \u2013 offenkundig hat die EU die Briten und Norweger nicht zu einer Teilnahme an dieser Solidarit\u00e4tsleistung f\u00fcr die Ukraine aufgefordert. So kommt man in der Beschlussvorlage f\u00fcr den Europ\u00e4ischen Gipfel am 18.\/19. Dezember 2025 auf 90 Milliarden Euro beziehungsweise 45 Milliarden Euro pro Jahr. \u00dcber eine angebliche Zusage vom IMF, die Frau von der Leyen auf rund 25 Milliarden Euro &nbsp;pro Jahr beziffert, hat sich der IMF aber bislang \u00f6ffentlich ausgeschwiegen. <a href=\"https:\/\/www.imf.org\/en\/news\/articles\/2025\/11\/26\/pr-25399-ukraine-agreement-on-new-us-8-point-1-bil-48mo-eff-arrangement\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Aus Washington wird nur \u00fcber eine Vereinbarung mit der Ukraine vom November 2025 \u00fcber 8 Milliarden US-Dollar f\u00fcr 4 Jahre, also bis 2029, berichtet<\/a>. Die Finanzierung der Ukraine im Haushaltsjahr 2026, auf dass sie im Krieg weiterhin bestehen kann, ist somit mit dem Beschluss des Europ\u00e4ischen Rats noch nicht in trockenen T\u00fcchern.<\/p>\n\n\n\n<h1 class=\"wp-block-heading\">3.&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Der Beschluss des Europ\u00e4ischen Rates vom 19. Dezember 2025<\/h1>\n\n\n\n<p>Der Europ\u00e4ische Rat stand vor der Entscheidung, seinen Anteil an der Finanzierung f\u00fcr zwei Jahre sicherzustellen. <a href=\"https:\/\/ec.europa.eu\/commission\/presscorner\/detail\/en\/statement_25_2914\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Dazu hatte die EU-Kommission in Vorlagen zwei Optionen ausgearbeitet<\/a>. In beiden Optionen sollten Kredite aufgenommen werden. Eine direkte Finanzierung aus dem aktuellen Haushalt der n\u00e4chsten beiden Jahre war von vorneherein ausgeschlossen worden. Dass es in dieser Gr\u00f6\u00dfenordnung auf die Europ\u00e4er zukommt, war klar, seitdem Pr\u00e4sident Trump in den USA die Macht \u00fcbernommen und entschieden hatte, die Teilnahme der USA an der solidarischen Unterst\u00fctzung der Ukraine zu beenden. Die Entscheidungsvorbereitung lief also seit etwa einem dreiviertel Jahr.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/www.bundeskanzler.de\/bk-de\/aktuelles\/bundeskanzler-europaeischer-rat-2400720\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Bundeskanzler Friedrich Merz hatte sich im Vorfeld, in einer Regierungserkl\u00e4rung, eindeutig positioniert<\/a>, zu welcher Option er rate:<\/p>\n\n\n\n<p><em>\u201eIch m\u00f6chte, dass wir <strong>die eingefrorenen russischen Verm\u00f6genswerte<\/strong> &lt; f\u00fcr die weitere Unterst\u00fctzung der Ukraine&gt; <strong>nutzen<\/strong> \u2026. Aus meiner Sicht ist das \u2026 die <strong>einzige Option<\/strong>. Wir stehen \u2026 vor der <strong>Wahl, europ\u00e4ische Schulden oder russisches Verm\u00f6gen<\/strong> f\u00fcr die Ukraine einzusetzen, und da ist meine Meinung klar: Wir m\u00fcssen das russische Verm\u00f6gen nutzen.<\/em>\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Hintergrund dieser eindeutigen Priorisierung schien die unterschiedliche Zustimmungsbed\u00fcrftigkeit gewesen zu sein. F\u00fcr europ\u00e4ische Schulden ben\u00f6tigt man ausnahmslose Zustimmung, f\u00fcr die Variante eines Kredits, f\u00fcr den das beschlagnahmte russische Verm\u00f6gen als Sicherheit eingesetzt wird, reicht eine qualifizierte Mehrheit.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Ergebnis der Nachtsitzung in Br\u00fcssel war vor diesem Hintergrund \u00fcberraschend. Die Position des deutschen Kanzlers, die er f\u00fcr die einzige Option ausgab, hat sich nicht durchgesetzt. <a href=\"https:\/\/data.consilium.europa.eu\/doc\/document\/ST-24-2025-INIT\/en\/pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Gew\u00e4hlt wurde f\u00fcr die 90 Milliarden Euro die Option \u201e<em>europ\u00e4ische Schulden<\/em>\u201c, abgesichert durch freie Mittel des EU-Haushalts<\/a>. Die Ukraine erh\u00e4lt das \u201eDarlehen\u201c zinsfrei, die EU muss daf\u00fcr Kredite aufnehmen, ihr Haushalt wird durch die Zinszahlungen belastet. Drei Mitgliedstaaten, die Slowakei, Tschechien und Ungarn, haben sich einerseits konstruktiv gezeigt, sie haben auf ihr Veto-Recht, welches sie bei dieser Konstruktion haben, verzichtet, sie haben auf der anderen Seite eine Art Haftungsausschluss f\u00fcr sich herausverhandelt. Seltsam ber\u00fchrt, dass diese Bereitschaft zur konstruktiven Mitwirkung seitens der drei opponierenden EU-Staaten nicht vorab abgekl\u00e4rt wurde. War das eine schlechte Vorbereitung, um eine pr\u00e4ferierte Option durchzusetzen?<\/p>\n\n\n\n<h1 class=\"wp-block-heading\">4.&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Bedeutung<\/h1>\n\n\n\n<p>Die Bedeutung dieses Beschlusses liegt auf drei Ebenen.<\/p>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\">\n<li>Es ist sonnenklar: Wenn die EU die Teil-Finanzierung der Haushaltsdefizite der Ukraine einstellt, dann ist der Krieg beendet. Mehr noch: Dann bricht die br\u00fcchige Konstruktion des zivilen ukrainischen Staates zusammen. Etliche Menschen werden sich entscheiden, wo sie ihre Zukunft verbringen wollen, viele werden der Ukraine den R\u00fccken kehren. Das wird sich ausdr\u00fccken in einer Fl\u00fcchtlingswelle, auch die muss von den Europ\u00e4ern finanziert werden. Ein Vermeiden jeglicher Lasten ist f\u00fcr die Europ\u00e4er keine reale Option.<\/li>\n\n\n\n<li>Von Russland aus gesehen geht es um die Verl\u00e4sslichkeit und Einheit der Europ\u00e4er, die weiteren Lasten des B\u00fcndnisses mit der Ukraine zu schultern. Da machen die Europ\u00e4er einen schw\u00e4chlichen Eindruck, der keinen n\u00fcchternen Beobachter zu \u00fcberzeugen vermag, also auch Russland nicht. Die Europ\u00e4er verweigern die wirkliche Solidarit\u00e4t, die eingegangenen Verpflichtungen, die sich aus der Solidarit\u00e4t mit der Ukraine ergeben, von der aktuellen Generation von Staatsb\u00fcrgern (und W\u00e4hlern) tragen zu lassen. Die f\u00fchrenden politischen Kr\u00e4fte trauen sich nicht, das ihren B\u00fcrgern zuzumuten. Der Grund ist systemisch: Sie bef\u00fcrchten ihre Abwahl. Deswegen werden allein Optionen erwogen, die die Last auf die Zukunft verschieben, und das nicht kostenneutral sondern mit Zins und Zinseszins. Wie immer: Demokratische Staaten haben, aus innenpolitischen Gr\u00fcnden, Hemmungen, eine konsistente Au\u00dfenpolitik zu verfolgen.<\/li>\n\n\n\n<li>Die Solidarit\u00e4t \u201eder Europ\u00e4er\u201c wurde auf die der EU abgemeiert. Wo bleibt der \u00f6ffentliche Aufruf seitens der EU, UK, Norwegen und andere m\u00f6gen in die Solidarit\u00e4tszahlungen an die Ukraine, die \u00fcber die n\u00e4chsten zehn Jahre erforderlich sein werden, eintreten?<\/li>\n<\/ol>\n\n\n\n<h1 class=\"wp-block-heading\">5.&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Die Abst\u00fctzung auf den \u201e<em>Reparation Loan<\/em>\u201c w\u00e4re ein Missbrauch der Reparationsmittel<\/h1>\n\n\n\n<p>Um die Option \u201eAbsicherung durch beschlagnahmtes Verm\u00f6gen der russischen Zentralbank\u201c wurde im Vorfeld des Br\u00fcsseler Gipfels medial viel Schaum geschlagen, was der Bundeskanzler mit seiner Stilisierung zur \u201e<em>einzigen Option<\/em>\u201c gespiegelt hat. Der Bundeskanzler behauptet zwar, man habe die \u201e<em>Wahl, europ\u00e4ische Schulden oder russisches Verm\u00f6gen f\u00fcr die Ukraine einzusetzen.\u201c<\/em> Aber das ist nicht wirklich eine Alternative.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Titel der Option \u201e<em>Reparation Loan<\/em>\u201c sagt es bereits: Dieses Verm\u00f6gen soll zum Wiederaufbau nach Ende der Kampfhandlungen reserviert sein und dann f\u00fcr den Wiederaufbau eingesetzt werden \u2013 in \u00dcbereinstimmung mit dem 28-Punkte-Plan der Trump-Administration, einer Regelung, der Russland anscheinend und bemerkenswerterweise zugestimmt hat. Wird dieses Verm\u00f6gen stattdessen zur Weiterf\u00fchrung des Krieges an die Ukraine gegeben, dann fehlen diese Mittel sp\u00e4ter zur Finanzierung von Reparationsleistungen. Der Wiederaufbau der Ukraine aber ist unabweisbar. F\u00fcr die vorab zur Erm\u00f6glichung einer verl\u00e4ngerten Kriegsf\u00fchrung verpulverten Mittel ist Ersatz zu stellen. Wer anders als die Europ\u00e4er sollte das tun? Auch beim erwogenen Zugriff auf die Mittel Russlands handelt es sich faktisch um ein Verschieben von Verpflichtungen f\u00fcr Europa in die Zukunft.<\/p>\n\n\n\n<h1 class=\"wp-block-heading\">6.&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Innenpolitische Bedeutung<\/h1>\n\n\n\n<p>Der nachfolgenden Generation halsen wir seit langem Renten- und Klimawandellasten auf. Hinzu kommen aktuell noch die Solidarit\u00e4tslasten aus dem Konflikt um die Ukraine sowie gegebenenfalls die Wehrpflicht.<\/p>\n\n\n\n<p>Die jungen Menschen scheinen im Begriffe, das wahrzunehmen. Also werden sie sich wehren. Wir provozieren den n\u00e4chsten Generationenkonflikt mit dem entsprechenden Aufstand dieser Generation. Die Behauptung des Bundeskanzlers, wir k\u00f6nnten unsere Lasten vermindern, indem wir die Weiterf\u00fchrung des Krieges Russlands Staat bezahlen lassen, ist kontrafaktisch. Solange wir aber keine mittelfristige Finanzplanung f\u00fcr die Lasten aus der Unterst\u00fctzung der Ukraine im kommenden Jahrzehnt vorgelegt bekommen, fallen wir schutzlos herein auf Narrative, wie sie vom Bundeskanzler an der Spitze verbreitet werden.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-9d6595d7 wp-block-columns-is-layout-flex\">\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\" style=\"flex-basis:33.33%\">\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><a href=\"https:\/\/vdw-ev.de\/ueber-uns\/studiengruppen\/europ-sicherheit-frieden\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"853\" src=\"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/hans-jochen-luhmann\/wp-content\/uploads\/sites\/12\/2020\/10\/Luhmann_Jochen_FG1_farb-1024x853.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-827\" title=\"Foto: Hans-Jochen Luhmann\"\/><\/a><\/figure>\n<\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\" style=\"flex-basis:66.66%\">\n<p><\/p>\n\n\n\n<p>Hans-Jochen Luhmann, Mitglied der Studiengruppe \u201eFrieden und Europ\u00e4ische Sicherheit\u201c der <a href=\"https:\/\/vdw-ev.de\/\" data-type=\"link\" data-id=\"https:\/\/vdw-ev.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Vereinigung Deutscher Wissenschaftler (VDW)<\/a>.<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Um die Option &#8222;Absicherung durch beschlagnahmtes Verm\u00f6gen der russischen Zentralbank&#8220; wurde medial viel Schaum geschlagen, was der Bundeskanzler mit seiner Stilisierung zur &#8222;einzigen Option&#8220; gespiegelt hat. 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