{"id":1395,"date":"2026-05-30T18:22:04","date_gmt":"2026-05-30T16:22:04","guid":{"rendered":"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/hans-jochen-luhmann\/?page_id=1395"},"modified":"2026-05-30T18:25:06","modified_gmt":"2026-05-30T16:25:06","slug":"frieden-schaffen-aber-mit-welchen-waffen-und-mit-wie-qualifiziertem-personal","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/hans-jochen-luhmann\/frieden-schaffen-aber-mit-welchen-waffen-und-mit-wie-qualifiziertem-personal\/","title":{"rendered":"Frieden schaffen! Aber mit welchen Waffen und mit wie qualifiziertem Personal?"},"content":{"rendered":"\n<h1 class=\"wp-block-heading\">1.&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Mit welchen Waffen?<\/h1>\n\n\n\n<p>Angesichts der Bedrohung durch Russland m\u00fcsse aufger\u00fcstet werden, dar\u00fcber besteht weitgehend Einigkeit. An ministerialen beziehungsweise journalistischen Formeln daf\u00fcr, \u201ewehrhaft\u201c, \u201ekriegst\u00fcchtig\u201c, \u201e<em>si vis pacem, para bellum<\/em>\u201c bis hin zu dem wundersamen \u201eSchutz vor Gewalt (durch Gewalt)\u201c seitens ausgerechnet der Evangelischen Kirche besteht kein Mangel. Ein offenkundiger Mangel besteht aber an einer Konzeption zur Planung und Umsetzung des allgemeinen Konsenses.<\/p>\n\n\n\n<p>Das ist die zentrale verteidigungspolitische Aufgabe des Politik-Establishments, eine unaufgebbare \u2013 die Verantwortlichen jedoch ducken sich weg. R\u00fcstungsbeschaffung und Ziel-Personalbestand der Bundeswehr, auch die Qualifikation des ben\u00f6tigten Personals, sind, so scheint es, Tabuthemen \u2013 zumindest der \u00f6ffentlichen Diskussion, auch der Sicherheitsforschung.<\/p>\n\n\n\n<p>Dieser Mangel wird \u00f6ffentlich nicht wahrgenommen. R\u00fcstungsbeschaffungsvorg\u00e4nge, wie sie dem Haushaltsausschuss des Deutschen Bundestages zulaufen, werden generell als positiv dargestellt, nach dem Motto: \u201eHauptsache das Geld wird ausgegeben, Hauptsache wir erf\u00fcllen das 3,5-Prozent-Ziel, welches wir der NATO zugesagt haben.\u201c <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=II_geJPOqnQ\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">August Pradetto zitiert aus einem Gespr\u00e4ch mit einem aktiven Kommandeur der Bundeswehr<\/a> \u2013 demnach sind die 100 Milliarden Euro aus dem Sonderverm\u00f6gen der Ampel-Regierung f\u00fcr Beschaffungen ausgegeben worden, die nach dem Motto bestimmt wurden: \u201eDie Ministerin \/ der Minister lie\u00df Listen an die Teilstreitkr\u00e4fte austeilen, mit der Frage: Was w\u00fcnscht Ihr Euch dringend? Eine Strategie zur Bew\u00e4ltigung der Aufgabe \u201eLandesverteidigung\u201c war dabei nicht leitend.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Doch mit unn\u00fctzen Ausgaben wird zwar das Ausgabeziel, nicht aber der sicherheitliche Sinn der 3,5-Prozent-Ziel-Formel erreicht. Man kann nicht irgendwie r\u00fcsten. Soll R\u00fcstung der Sicherheit dienen, muss man wissen, worauf man hinaus will. Dazu hat ein Zielkonzept von F\u00e4higkeiten der Streitkr\u00e4fte leitend zu sein. Das darf zudem nicht willk\u00fcrlich, nach dem Motto: \u201aw\u00fcnsch Dir was\u2018, gestrickt sein. Es hat vielmehr dem Kriegsbild beziehungsweise den F\u00e4higkeiten des Gegners angemessen zu sein.<\/p>\n\n\n\n<p>Das alles fehlte bislang. Es machte lange Zeit den Anschein, als ob R\u00fcstungsbeschaffung und Personalplanung hirntot seien.<\/p>\n\n\n\n<h1 class=\"wp-block-heading\">2.&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Die von Teilstreitkr\u00e4ften verfolgte Dimension der Aufr\u00fcstung f\u00fcr die Bundeswehr<\/h1>\n\n\n\n<p>Dann wurde mitgeteilt: Generalinspekteur Carsten Breuer habe den Auftrag, bis April 2026 einen Aufwuchsplan f\u00fcr die neue Gesamtst\u00e4rke der Bundeswehr in Zukunft vorzulegen \u2013 offenbar mit Zielangaben f\u00fcr die Jahre 2029 und 2035 im Vergleich zum Bestand in 2025. Daf\u00fcr wird er die \u201eBedarfsmeldungen\u201c der Teilstreitkr\u00e4fte abgefragt haben. Erste Papiere haben die \u00d6ffentlichkeit erreicht. So kann man heute wissen, was das Heer sich an Aufwuchs in Zukunft w\u00fcnscht. Insgesamt sollen bis zum Jahre 2035<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>1.300 gepanzerte Fahrzeuge und 800 mobile Artillerie-Systeme zulaufen.<\/li>\n\n\n\n<li>Die Zahl der Bataillone des Heeres soll von 65 auf 150 aufwachsen.<\/li>\n\n\n\n<li>Die Personalplanung des Heeres sieht eine Steigerung im selben Zeitraum von 61.000 auf 150.000 vor, das ist um gleichfalls den Faktor 2,3.<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p>(<a href=\"https:\/\/www.reservistenverband.de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/Grafik_Blickpunkt_Zielvorstellung_Heer_fuer_Web_zuschnitt.jpg\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Vgl. Abbildung, Quelle: Zeitschrift des Reservistenverbandes .loyal<\/a>)<\/p>\n\n\n\n<h1 class=\"wp-block-heading\">3.&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Die vermutlich obsolete Panzer-Gro\u00dfbestellung<\/h1>\n\n\n\n<p>Ende Juni 2024 hatte der Haushaltsausschuss des Deutschen Bundestages mehrere Gro\u00dfbestellungen aus dem Verteidigungsministerium abgesegnet, also auf Anforderung der damals noch amtierenden, an Geld \u00e4u\u00dferst knappen Ampel-Regierung. Darunter die Anschaffung von 105 neuen Kampfpanzern (Leopard 2A8), von denen 35 Fahrzeuge f\u00fcr die Brigade in Litauen vorgesehen sind.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Kosten daf\u00fcr betragen insgesamt knapp drei Milliarden Euro, also etwa 28 Millionen Euro pro Panzer. Von der insgesamt freigegebenen Summe wurden knapp 2,2 Milliarden Euro damals und bislang in den Etatplanungen qua Verpflichtungserm\u00e4chtigungen nicht ber\u00fccksichtig. Das war erst die erste Tranche der Bestellungen gepanzerter Fahrzeuge im Wert von 50 Milliarden Euro, deren Einsatz frontnah vorgesehen ist.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/augengeradeaus.net\/2025\/07\/auf-der-bestellliste-1-000-leopard-2-500-boxer-25-mrd-euro-volumen\/comment-page-1\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Im Juli 2025 wurde bekannt, dass das Verteidigungsministerium die Anschaffung von rund 1.000 Kampfpanzern Leopard und rund 2.500 Radpanzern vom Typ Boxer vorbereite<\/a>, mit einem geplanten Zulauf in den n\u00e4chsten zehn Jahren. Kosten 25 Milliarden Euro.<\/p>\n\n\n\n<p>Warum aber werden seitens der Bundeswehr unbeirrt solche Fahrzeuge beschafft, die heute im Ukraine-Krieg an der Front keine Rolle mehr spielen? Wo doch der Ukraine-Krieg als fortschrittlichstes Muster moderner digitaler Kriegsf\u00fchrung gilt? Schafft man gleichsam Schlachtschiffe an, obwohl der U-Boot-Krieg bereits als kommend absehbar ist?<\/p>\n\n\n\n<p>Auch fr\u00fcher waren Panzer aus der Luft bedrohbar, durch Flugzeuge beispielsweise. Doch bei Luft-Boden-Raketen braucht es eine extrem ausgefuchste und sehr entwicklungsintensive Steuerelektronik. Mit modifizierten Baumarktdrohnen geht heute alles viel einfacher, da die Drohnenpiloten, Menschen also, den Steuerungscomputer ersetzen. Der Panzer hat die geringste Panzerung oben, dort liegt seine Achilles-Ferse. Bereits bei Kleinst-Drohnen, ab etwa drei Kilogramm Nutzlast, ist auch ein Leopard 2 A8 nicht mehr sicher. Er kann sich auch getarnt nicht vor Infrarot-Sensoren verstecken, denn der Verbrennungsmotor produziert Hitze. Beim E-Panzer w\u00e4re das anders. Im Ukraine-Krieg werden Vorst\u00f6\u00dfe nun von Soldaten auf E-Mopeds vorgetragen \u2013 die haben die leicht entdeckbaren Panzer ersetzt. Die Panzerverb\u00e4nde sind funktional Nachfolger der Kavallerie \u2013 beide trugen das mobile beziehungsweise offensive Moment der Landkriegsf\u00fchrung. Mit dem Ukraine-Krieg scheint belegt, dass sowohl das Offensiv-Moment auf dem Boden als auch die Idee der umfassenden Luft\u00fcberlegenheit an ihr jeweiliges Ende gekommen sind. Grund ist die Verlagerung der Mobilit\u00e4t in die H\u00f6he, und das mit Billigwaffen, die Massenflotten und damit \u00dcbers\u00e4ttigung m\u00f6glich machen.<\/p>\n\n\n\n<p>Selbst in Zeiten unvollst\u00e4ndigen Friedens, in Zeiten latenter Kriegsf\u00fchrung mit Mitteln, die nicht klar attributierbar sind, sind auch die wertvollen Fahrzeuge der Bundeswehr-Brigade in Litauen auszuschalten \u2013 es bedarf nur geringen Aufwand (Baumarktdrohnen) und gute Planung. Die aktuell kaum vorhandenen Drohnenabwehr-Mittel der Bundeswehr laden geradezu dazu ein, die h\u00f6chst verletzlichen superteuren Fahrzeuge noch in Friedenszeiten schrottreif zu machen.<\/p>\n\n\n\n<p>Wie erw\u00e4hnt ist man im Ukraine-Krieg vom Einsatz gepanzerter Gro\u00dffahrzeuge abgekommen \u2013 die Drohnen scheinen sie beidseits der Frontlinie in die Obsoleszenz getrieben zu haben.<\/p>\n\n\n\n<h1 class=\"wp-block-heading\">4.&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; \u00d6ffentliches Beschweigen und erste deutsche Milit\u00e4rstrategie<\/h1>\n\n\n\n<p>In einer Demokratie nach Lehrbuch w\u00fcrden solche Ph\u00e4nomene, die auf der Hand liegen, Gegenstand einer \u00f6ffentlichen Debatte sein. In Deutschland herrscht Schweigen dazu.<\/p>\n\n\n\n<p>Meine Erwartung war, dieses Schweigen w\u00fcrde durch die Vorlage des Aufwuchsplans, zu dem Generalinspekteur Breuer verpflichtet worden war, beendet. <a href=\"https:\/\/www.bmvg.de\/resource\/blob\/6093766\/01b1718498c25db9010ea13724d7a37a\/dl-gesamtkonzeption-der-militaerischen-download-deu-data.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Zum avisierten Zeitpunkt wurde denn auch ein Papier, die \u201aDeutsche Milit\u00e4rstrategie\u2018 unter dem offiziellen Titel \u201e<em>Gesamtkonzeption milit\u00e4rische Verteidigung. Milit\u00e4rstrategie und Plan f\u00fcr die Streitkr\u00e4fte<\/em>\u201c, ver\u00f6ffentlicht<\/a>. Doch was da auf wenigen Seiten an abstrakten S\u00e4tzen zusammengestoppelt wurde, gespickt mit historischen Unrichtigkeiten, so unter den Kapitel\u00fcberschriften \u201e<em>Bedrohungsumfeld<\/em>\u201c und \u201e<em>Kriegsbild<\/em>\u201c, ist der Lekt\u00fcre und einer Besprechung hier nicht wert. Die Hochglanzbrosch\u00fcre, in der viele Seiten durch ganzseitige Photos belegt wurden, signalisiert kristallklar die Botschaft: \u201eWir wollen zu diesen Themen keine \u00f6ffentliche Diskussion!\u201c. Das Kapitel \u201e<em>Das F\u00e4higkeitsprofil der Bundeswehr: Plan f\u00fcr die Streitkr\u00e4fte<\/em>\u201c enth\u00e4lt schlicht kein F\u00e4higkeitsprofil der Bundeswehr.<\/p>\n\n\n\n<p>Anders gesagt: Die deutsche Milit\u00e4rstrategie ist defensiv angelegt gegen\u00fcber dem Souver\u00e4n in der Demokratie. Ob sie auch inhaltlich defensiv angelegt ist, wird unter dem Schleier der angeblich erforderlichen Geheimhaltung verborgen \u2013 wie dann der Gegner abgeschreckt werden soll, wird nicht erl\u00e4utert. Wer eine Andeutung zu pikanten Inhalten des geheimen Teils erhalten will, muss sich um die Ecke informieren. Der strategische Kopf und Politik-Chef im US-Verteidigungsministerium, Elbridge Colby, ist eine geeignete Quelle. Er formulierte als zentrale Stichworte \u201e<em>transition to NATO 3.0<\/em>\u201c und \u201e<em>one-theater approach<\/em>\u201c.<\/p>\n\n\n\n<h1 class=\"wp-block-heading\">5.&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Der Colby Post<\/h1>\n\n\n\n<p>Hier Ausz\u00fcge aus Colbys Post, bei dessen Lekt\u00fcre einem klarwerden kann, was der \u201e<em>one-theater approach<\/em>\u201c konkret bedeutet: Anforderungen an die NATO-Verb\u00fcndeten zur allf\u00e4lligen Beteiligung au\u00dferhalb des pr\u00e4zise abgegrenzten NATO-Gebietes. Die Anforderung zur Beteiligung im Persischen Golf ist f\u00fcr diese generelle Erwartung ein Indiz.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201e<em>Pr\u00e4sident Trump hat zu Recht dargelegt, dass Europa mehr Verantwortung \u00fcbernehmen muss und die NATO nicht l\u00e4nger ein Papiertiger sein darf. Durch die historischen Haager Verpflichtungen hat Europa damit begonnen. \u2026 1\/<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Deutschland \u00fcbernimmt nun die F\u00fchrungsrolle in dieser Angelegenheit. Nach Jahren der Abr\u00fcstung tritt Berlin verst\u00e4rkt in Aktion. Der DOW arbeitet bereits eng mit europ\u00e4ischen Verb\u00fcndeten zusammen, insbesondere mit Deutschland, um diesen \u00dcbergang zu NATO 3.0 zu beschleunigen. 2\/<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Berlins neue Milit\u00e4rstrategie zeigt einen klaren Weg nach vorn, und wir freuen uns darauf, eng mit der BRD zusammenzuarbeiten, um dies umzusetzen. Nachfolgend einige zentrale Ausz\u00fcge: 3\/<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Generalmajor Carsten Breuer schrieb im Vorwort der Strategie: \u201eDie Milit\u00e4rstrategie \u2026 stellt einen Paradigmenwechsel dar und untermauert unseren Anspruch, eine aktive und ma\u00dfgebliche Rolle zu spielen.\u201c 4\/<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Die Strategie bekr\u00e4ftigt ebenfalls, dass \u201eDeutschland\u2026zus\u00e4tzliche Belastungen \u00fcbernehmen wird, \u2026Die Bundeswehr wird dadurch zur st\u00e4rksten konventionellen Armee Europas.\u201c 5\/<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>\u201eDeutschland \u00fcbernimmt eine historisch beispiellose Verantwortung f\u00fcr Europa und wird auf dieser Basis weiter aufbauen. Die NATO muss europ\u00e4ischer werden, um transatlantisch zu bleiben.\u201c 6\/<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>\u201eDie Vereinigten Staaten sind f\u00fcr die NATO unerl\u00e4sslich. Sowohl politisch als auch aufgrund ihrer milit\u00e4rischen F\u00e4higkeiten. Allerdings hat sie angezeigt, dass sie ihren strategischen Fokus zunehmend auf ihre westliche Hemisph\u00e4re und den indopazifischen Raum verlagert.\u201c 7\/<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>\u201eNeben dieser Neuausrichtung auf den Indo-Pazifik fordert die Vereinigten Staaten in ihrer Nationalen Verteidigungsstrategie f\u00fcr 2026, dass ihre Verb\u00fcndeten ihre Bem\u00fchungen zur Sicherung ihrer eigenen Sicherheit verst\u00e4rken. Deutschland muss daher ein noch st\u00e4rkerer milit\u00e4rischer Verb\u00fcndeter der Vereinigten Staaten werden, w\u00e4hrend es gemeinsam mit anderen Verb\u00fcndeten mehr Verantwortung f\u00fcr die gemeinsame euro-atlantische Sicherheit \u00fcbernimmt.\u201c 8\/<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Dar\u00fcber hinaus w\u00fcrde eine \u201enationale und europ\u00e4ische Projektionsf\u00e4higkeit die Abschreckung und kollektive Verteidigung st\u00e4rken, die Last f\u00fcr die Vereinigten Staaten erleichtern und die F\u00e4higkeit Europas zur eigenst\u00e4ndigen Handlung verbessern.\u201c Mit anderen Worten: Ein st\u00e4rkeres Europa wird in der Lage sein, <strong>mehr zum kritischen Einsatz in wichtigen Missionen beizutragen<\/strong>, wie der Pr\u00e4sident betont hat. 9\/<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Deutschlands Milit\u00e4rstrategie stellt einen klaren, glaubw\u00fcrdigen Weg nach vorn zu NATO 3.0 dar: Eine NATO, in der Europa und Kanada ihre Verantwortlichkeiten innerhalb der Allianz \u00fcbernehmen und sie von einem Papiertiger zu einem starken Abschreckungs- und Verteidigungsinstrument umwandeln.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Pr\u00e4sident Trump hat die klare und einheitliche Botschaft vermittelt, die Europa und Kanada h\u00f6ren m\u00fcssen. Wir bei DoW stehen bereit, um uns mit denen zu engagieren und sie zu unterst\u00fctzen, die seiner Botschaft folgen und echte Ma\u00dfnahmen mit der Geschwindigkeit der Relevanz ergreifen.\u201c<\/em> 10\/10<\/p>\n\n\n\n<p>Vor diesem Hintergrund sollte die deutsche \u00d6ffentlichkeit schon davon in Kenntnis gesetzt sein, was die Bundeswehr an F\u00e4higkeiten, insbesondere der Marine, anzuschaffen intendiert, die bei Bedarf zur Unterst\u00fctzung der USA im pazifischen Raum geeignet sind. Wor\u00fcber man verf\u00fcgt, ist anforderbar. Das Kriterium einer Anschaffung von F\u00e4higkeiten \u201ezur Landesverteidigung\u201c sollte deshalb strikt restriktiv ausgelegt werden \u2013 m\u00f6glichst in Abstimmung mit Kanada.<\/p>\n\n\n\n<h1 class=\"wp-block-heading\">6.&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Schlaglicht auf die Debatte zum Personalbedarf der Bundeswehr<\/h1>\n\n\n\n<p>Strategie der NATO ist ein konventioneller High-Tech-Abwehr-Schlag: Schnell, pr\u00e4zise und massiv. Gest\u00fctzt auf Abstandswaffen von Luftwaffe, Heer und Marine. Milit\u00e4rischer Vorteil soll nicht prim\u00e4r durch Masse, sondern durch Schnelligkeit entstehen \u2013 durch das \u00dcberholen gegnerischer Entscheidungsprozesse. Das Konzept ist ausdr\u00fccklich auf Schnelligkeit, fr\u00fche Wirkung und die Herstellung von Eskalationsdominanz ausgerichtet: Der Gegner soll handlungsunf\u00e4hig gemacht werden, bevor er selbst wirksam reagieren kann. Im Bild gesprochen: Statt wie fr\u00fcher aufw\u00e4ndig einzelne Pfeile abzufangen, gilt es nun, den gegnerischen Bogensch\u00fctzen, also dessen Logistik, seine Aufkl\u00e4rungs- und Befehlsstrukturen beziehungsweise seine Gefechtsst\u00e4nde, im Anbeginn auszuschalten.<\/p>\n\n\n\n<p>Diese pr\u00e4emptive und spitzentechnologische Ansatz bringt einen entsprechenden Bedarf an ausgebildeten Soldaten als Spezialisten mit sich. Die Rolle Deutschlands als logistische Drehscheibe verlangt ebenfalls ein ganz anderes Personal als dem Bild eines Soldaten als jungem K\u00e4mpfer entspricht. Das m\u00fcssen gerade keine im physischen Sinne \u201ewehrf\u00e4higen\u201c Personen sein, deren Eignung qua \u201eMusterung\u201c durch Mediziner einsch\u00e4tzbar ist. Da braucht es vielmehr ein Einsatzbild und Recruiting durch Personalberater.<\/p>\n\n\n\n<p>Das intendierte Kriegskonzept aber kann misslingen, Russland hat es mit seinem Angriff auf Kiew im Februar 2022 vorgef\u00fchrt. Nach der High-Tech-Phase kommt die \u201eUkraine-Phase\u201c. Dann beginnt der Abn\u00fctzungs-Krieg, als Krieg in seiner schmutzigsten Bedeutung. Erst f\u00fcr den und nur f\u00fcr den ben\u00f6tigt man junge Menschen in gro\u00dfer Zahl mit geeigneter physischer Verfassung als K\u00e4mpfer an der Front. Einzugestehen, dass man mit dem Wehrpflicht-Ansatz und der Rekrutierung von Menschen im fast noch jugendlichen Alter Vorsorge f\u00fcr Phase 2 trifft, steht an.<\/p>\n\n\n\n<p>Daf\u00fcr brauche man, so die offizielle Planung aus dem Bundesministerium f\u00fcr Verteidigung, eine \u201eFeldreserve\u201c in der Gr\u00f6\u00dfenordnung von 200.000 Mann \u2013 und man hat deren Waffen zu beschaffen und zu lagern. <a href=\"https:\/\/www.reservistenverband.de\/magazin-die-reserve\/heer-fordert-einschraenkung-des-freiwilligkeitsprinzips\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">So die Planung des Kommandeurs Feldheer und Beauftragten f\u00fcr Reservistenangelegenheiten im Heer<\/a>. Nur: (a) was sind \u201ederen (geeignete) Waffen\u201c? (b) <a href=\"https:\/\/www.das-parlament.de\/inland\/verteidigung\/rueckkehr-zur-wehrpflicht-ein-pro-und-contra\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Die Sicherheitsjournalistin Julia Weigelt hat dem quantitativen Bedarf mit Hinblick auf die erforderliche Qualifikation widersprochen<\/a>. Sie hat darauf aufmerksam gemacht:<\/p>\n\n\n\n<p>\u201e<em>Wir haben in Deutschland kein Reserveproblem. <strong>Wir haben bereits 900.000 Reservistinnen und Reservisten unter 65 Jahren<\/strong>, und ja, auch 55j\u00e4hrige k\u00f6nnen im Ernstfall in St\u00e4ben gut Verwaltungsarbeit machen. \u2026 Das <strong>Problem<\/strong> ist eher, <strong>dass die Bundeswehr deren Adressen nicht hat<\/strong>.<\/em>\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Warum ist die Bundeswehr so versessen darauf, durch Wehrpflicht \u00fcber Personen verf\u00fcgen zu k\u00f6nnen, die in ihrer Urteilskraft noch wirklich Erwachsene im Vollsinne sind? Warum wird in der Wehrpflichtdebatte die Frage der geeigneten Jahrg\u00e4nge nicht thematisiert? Ist das Auswahlkriterium vielleicht eigentlich die eigenst\u00e4ndige Urteilskraft? Das Robben-K\u00f6nnen durch\u2019s Gel\u00e4nde, die sportlichen F\u00e4higkeiten, sind es angesichts des erwartbaren Frontgeschehens eher nicht.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-9d6595d7 wp-block-columns-is-layout-flex\">\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\" style=\"flex-basis:33.33%\">\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><a href=\"https:\/\/vdw-ev.de\/ueber-uns\/studiengruppen\/europ-sicherheit-frieden\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"853\" src=\"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/hans-jochen-luhmann\/wp-content\/uploads\/sites\/12\/2020\/10\/Luhmann_Jochen_FG1_farb-1024x853.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-827\" title=\"Foto: Hans-Jochen Luhmann\"\/><\/a><\/figure>\n<\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\" style=\"flex-basis:66.66%\">\n<p><\/p>\n\n\n\n<p>Hans-Jochen Luhmann, Mitglied der Studiengruppe \u201eFrieden und Europ\u00e4ische Sicherheit\u201c der <a href=\"https:\/\/vdw-ev.de\/\" data-type=\"link\" data-id=\"https:\/\/vdw-ev.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Vereinigung Deutscher Wissenschaftler (VDW)<\/a>.<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>1.&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Mit welchen Waffen? 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