{"id":148,"date":"2018-06-19T20:15:47","date_gmt":"2018-06-19T18:15:47","guid":{"rendered":"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/hans-jochen-luhmann\/?page_id=148"},"modified":"2020-09-12T16:28:26","modified_gmt":"2020-09-12T14:28:26","slug":"schutz-der-zivilen-luftfahrt-gegen-luftabwehrgeraet-in-conflict-zones","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/hans-jochen-luhmann\/schutz-der-zivilen-luftfahrt-gegen-luftabwehrgeraet-in-conflict-zones\/","title":{"rendered":"Schutz der zivilen Luftfahrt gegen Luftabwehrger\u00e4t in \u201econflict zones\u201c"},"content":{"rendered":"<p><em>Die Kolumne von Hans-Jochen Luhmann<\/em><\/p>\n<p>Die Kriegsf\u00fchrung der wohlstandssaturierten Zonen sei \u201epost-heroisch\u201c geworden; so die Diagnose des Politologen Herfried M\u00fcnkler und des Historikers Rolf Peter Sieferle. Das soll Zweierlei hei\u00dfen:<\/p>\n<ul>\n<li>Die Milit\u00e4rapparate solcher Staaten haben aufgrund technologischer Entwicklungen eine solche \u00dcberlegenheit gewonnen, dass ihnen die F\u00fchrung eines \u201eKriegs\u201c m\u00f6glich geworden ist, dessen Opferzahlen v\u00f6llig asymmetrisch sind. Sie verm\u00f6gen zu siegen beinahe ohne Todesf\u00e4lle in den eigenen Truppen. Entscheidendes Mittel f\u00fcr diese \u201ev\u00f6llige Asymmetrie\u201c ist die Kombination von zielgenauer Luftwaffe und pr\u00e4ziser bildgest\u00fctzter Aufkl\u00e4rung \u2013 also auch hier die Digitalisierung der Technik. Es hei\u00dft<\/li>\n<li>aber zugleich: Einen Krieg \u201eheroischen Charakters\u201c zu f\u00fchren, ist den wohlstandssaturierten Staaten aufgrund der Verfasstheit ihrer \u00d6ffentlichkeiten nicht mehr m\u00f6glich. In Begriffen des Ersten Weltkriegs gesprochen: Dem \u2013 relativ \u2013 erfolgreichen Milit\u00e4r wird dann, nach Eintritt hoher Opferzahlen, gleichsam auf der Siegerstra\u00dfe, ein \u201eDolch in den R\u00fccken\u201c gesto\u00dfen. In der Begrifflichkeit des Vietnam-Krieges, der Phase, in der die USA ihn \u00fcbernommen hatten, ausgedr\u00fcckt: Der Krieg geht \u201ean der Heimatfront verloren\u201c, kann wegen schlechter Wahlergebnisse zu Hause nicht \u201edurchgek\u00e4mpft\u201c, muss vielmehr abgebrochen werden.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Hinzu kommt, dass moderne Konflikte in der Regel \u201eB\u00fcrgerkriege\u201c im rechtlichen Sinne sind. Es handelt sich um Auseinandersetzungen auf einem Staatsgebiet zwischen einer legitimierten Regierung einerseits und Rebellen andererseits. Die haben unterschiedlich weitreichende Rechte. Auf beiden Seiten schalten sich dann unterst\u00fctzend \u00e4u\u00dfere M\u00e4chte ein, aber die sind ebenfalls unterschiedlich mit Rechten ausgestattet.<\/p>\n<p>Im Regelfall hat die jeweilige Regierung die Luftwaffe und damit den Luftraum unter ihrer Kontrolle (Ukraine wie Syrien) \u2013 und kann damit die Rebellen massiv treffen beziehungsweise in Schach halten. Sie ist zudem legitimiert, zur Unterst\u00fctzung einen Drittstaat hinzuzubitten, mit dessen Luftwaffe (so der Fall in Syrien und im Jemen). Auf Rebellenseite wird verdeckt eingegriffen. Ein solcher Drittstaat kann, wegen fehlender v\u00f6lkerrechtlicher Legitimaton, nicht mit seiner Luftwaffe zu Hilfe eilen (Russland in der Ukraine; USA in Syrien) \u2013 es sei denn, es geht <a href=\"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/hans-jochen-luhmann\/bericht-des-britischen-foreign-affairs-committee-entscheidung-zum-regimewechsel-in-libyen\/\">wie in Libyen, wo es den auf einen Regime-Wechsel dringenden Drittstaaten<\/a> (Frankreich; UK und USA) gelang, ein UN-Mandat zu erwirken und dadurch den Einsatz ihrer Luftwaffen auf fremdem Staatsgebiet zu legitimieren.<\/p>\n<p>Derjenigen Partei in einem solchen Konflikt, die dieser Asymmetrie wegen unterlegen ist, bleibt gegen\u00fcber der Luftwaffe des B\u00fcrgerkrieg-f\u00fchrenden Staates nur die Defensivwaffe: Bezug und Einsatz von Flugabwehr-Waffen. Flugabwehr-Ger\u00e4t vermag dem David gegen die Luftwaffe des Goliaths \u201eeigener Staat\u201c entscheidend zu helfen.<\/p>\n<p>Die Versuchung \u00e4u\u00dferer M\u00e4chte, sie zu liefern, ist deshalb gro\u00df \u2013 und im Falle der Ostukraine hat es auch \u201egeholfen\u201c. Da ist so die Weiche gestellt worden, dass der Krieg einstweilen im Patt strandete, im Stillstand. Die legitimierte Regierung des Staates Ukraine hat schlie\u00dflich im Juli 2014 den Einsatz ihrer \u00fcberlegenen Luftwaffe eingestellt \u2013 und damit die Voraussetzung daf\u00fcr geschaffen, dass die Wunden dieses Krieges in vielleicht schon 30 Jahren vernarbt sein k\u00f6nnten.<\/p>\n<p>Ganz anders liegt der Fall in Syrien. Da verf\u00fcgt die Regierungsseite \u00fcber die Lufthoheit und setzt sie auch tabulos gegen die Rebellen, einschlie\u00dflich deren ziviler \u201eDeckung\u201c, ein \u2013 und schafft damit die Voraussetzung daf\u00fcr, dass die Wunden dieses Krieges auch in 30 Jahren sicherlich noch lange nicht vernarbt sein werden. Die dort im Konflikt engagierten Drittm\u00e4chte scheuen die Lieferung effizienten Gegenger\u00e4ts. Es gibt n\u00e4mlich einen Pferdefu\u00df. Das machte j\u00fcngst eine Debatte im Sicherheitsrat der US-Regierung deutlich.<\/p>\n<figure class=\"wp-block-table\">\n<table class=\"has-subtle-light-gray-background-color has-background\">\n<tbody>\n<tr>\n<td width=\"25%\"><a rel=\"noopener noreferrer\" href=\"http:\/\/wupperinst.org\/home\/\" target=\"_blank\"><img decoding=\"async\" title=\" \" class=\"aligncenter wp-image-313\" src=\"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/hans-jochen-luhmann\/wp-content\/uploads\/sites\/12\/2018\/05\/Luhmann-g11-270x300.jpg\" alt=\"\" width=\"180\"><\/a><\/td>\n<td width=\"75%\">Dr. Hans-Jochen Luhmann ist Senior Expert am <a href=\"http:\/\/wupperinst.org\/home\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Wuppertal Institut f\u00fcr Klima, Umwelt, Energie GmbH<\/a>.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/figure>\n<p>Luftabwehr-Raketen werden \u00fcblicherweise unterschieden zwischen schultergest\u00fctztem Kleinger\u00e4t (MANPADS) einerseits und weit wirkungsvollerem lafettengest\u00fctztem Mittel- und Gro\u00dfger\u00e4t andererseits. Es gibt zwei zus\u00e4tzliche entscheidende Unterschiede:<\/p>\n<ul>\n<li>Schultergest\u00fctzte MANPADS erreichen nur Flugk\u00f6rper, die sich in unteren Schichten der Atmosph\u00e4re bewegen. Erfolge werden meist gegen\u00fcber Hubschraubern vermeldet. Gro\u00dfger\u00e4te verm\u00f6gen auch jene H\u00f6hen zu erreichen, in denen die Zivilluftfahrt ihre Bahnen zieht. Die lediglich h\u00f6hengestaffelte, nicht vollst\u00e4ndige Sperrung des Luftraums f\u00fcr die zivile Luftfahrt seitens der Beh\u00f6rden der Ukraine vor dem Abschuss von MH 17 st\u00fctzte sich auf diese Differenz in der Reichweite. Der Bericht des Dutch Safety Board (DSB) h\u00e4lt fest, was von den milit\u00e4rischen Kreisen berichtet wurde:<br \/>\n<em>\u201eAccording to the information available from the Ukrainian intelligence services and military authorities at that time, the &#8218;illegal armed groups&#8216; possessed <strong>MANPADS with a maximum altitude range of 4,500 metres<\/strong>.<br \/>\nUkraine&#8217;s military authorities realised that their military aircraft were a potential target for armed groups. To protect these aircraft, the military authorities calculated the altitude to which the airspace should be restricted to ensure that their aircraft could fly safely to and from the conflict area. They assumed a maximum altitude range of 4,500 metres for the MANPADS and applied a safety margin of 2,000 metres. The military authorities concluded that Ukrainian military planes could safely operate their flights to and from the areas where they conducted their missions at an altitude between 6,700 and 7,300 metres (FL220 &#8211; FL240). Consequently, the military authorities deemed that civil aviation were safe above this altitude.\u201c <\/em><em>(p. 194)<\/em><\/li>\n<li>Ein Schwarzmarkt existiert allein f\u00fcr MANPADS; Luftabwehr-Systeme hingegen, die jene H\u00f6he erreichen k\u00f6nnen, welche die Zivilluftfahrt bei ihrem \u201eCruisen\u201c nutzt, sind dort nicht frei erwerbbar; wohl aber k\u00f6nnen sie Rebellen in ihren Besitz bringen, wenn sie sich bei den staatlichen Truppen, die sie bek\u00e4mpfen, derer bem\u00e4chtigen.<\/li>\n<\/ul>\n<p><strong>Wie die Libyen-Intervention den Schwarzmarkt mit Flugabwehrger\u00e4t \u00fcberschwemmte<\/strong><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/publications.parliament.uk\/pa\/cm201617\/cmselect\/cmfaff\/119\/119.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Der Libya Inquiry des britischen Parlaments<\/a>, die ich in meiner <a href=\"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/hans-jochen-luhmann\/bericht-des-britischen-foreign-affairs-committee-entscheidung-zum-regimewechsel-in-libyen\/\">Kolumne von Oktober 2016 vorgestellt<\/a> hatte, stellte zum Abfluss von Waffen aus Libyen nach dem Fall Gaddafis generell fest:<\/p>\n<p><em>\u201e84. <strong>Libya purchased some \u00a330 billion &lt;\u20ac33 billion&gt; of weapons and ammunition between 1969 and 2010<\/strong>. Many of those munitions were not issued to the Libyan Army and were instead stored in warehouses. After the collapse of the Gaddafi regime, some weapons and ammunition remained in Libya, where they fell into the hands of the militias. Other Libyan weapons and ammunition were trafficked across North and West Africa and the Middle East.<\/em><\/p>\n<ol start=\"85\">\n<li><em> The United Nations Panel of Experts appointed to examine the impact of Resolution 1973 identified the presence of ex-Libyan weapons in Algeria, Chad, Egypt, Gaza, Mali, Niger, Tunisia and Syria. The panel concluded that \u201c<strong>arms originating from Libya have significantly reinforced the military capacity of terrorist groups<\/strong> operating in Algeria, Egypt, Mali and Tunisia.\u201d\u201c<\/em><\/li>\n<\/ol>\n<p>&#8230; und zu Flugabwehrger\u00e4t im Besonderen:<\/p>\n<p><em>\u201eMuammar Gaddafi had acquired some 20,000 man-portable air defence systems (MANPADS) in the course of his 40-year rule. MANPADS are heat-seeking surface- to-air missiles that can be fired at aircraft by a single individual or small team. They pose an especial <strong>threat to civilian airliners, which are not designed to evade surface-to-air missiles<\/strong>. In January 2014, Egyptian Islamist insurgents used an ex-Libyan MANPAD to shoot down an Egyptian Army helicopter in the Sinai.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Dabei haben die Interventionsm\u00e4chte in Libyen verm\u00f6ge ihrer Luft\u00fcberwachung zugesehen, wie die Waffen aus den Waffenlagern \u201eexportiert\u201c wurden. Der UK-Verteidigungsminister erl\u00e4uterte:<\/p>\n<p><em>\u201eIt was and is always an unavoidable consequence of not having ground forces that you can have leakage of weapons of that nature. <strong>We were aware of convoys leaving Libya and heading south<\/strong>, and yet because of the possibility that there could be trucks with civilians in them, they were not assessed as legitimate targets<\/em>.<em>\u201c<\/em><\/p>\n<p>Kleinwaffen sind wie Geld \u2013 transportable, dank Schwarz-Waffenm\u00e4rkten auch fungible Wertgegenst\u00e4nde. B\u00fcrgerkriege m\u00fcssen auch von Seiten der Rebellen finanziert werden. Also entsteht, wenn Waffenlager ein freies Gut werden, mit ihnen dasselbe wie mit Diamanten und vielen anderen materiellen Gegenst\u00e4nden, die im Volumen gering sind und gut transportiert werden k\u00f6nnen. Ihre Handelsstr\u00f6me sind Quasi-Geld-Str\u00f6me. Materiell landen Kleinwaffen, mit Unterst\u00fctzung welcher Drittstaaten auch immer, in \u201e<em>conflict zones<\/em>\u201c. Das beunruhigt nach MH 17 besonders.<\/p>\n<p><strong>Der Vorbehalt in Washington<\/strong><\/p>\n<p>Einmal in die \u201efalschen\u201c H\u00e4nde geraten, stellen MANPADS eine spezifische Gefahr dar. Bez\u00fcglich Syrien war, <a href=\"https:\/\/www.washingtonpost.com\/world\/national-security\/plans-to-send-heavier-weapons-to-cia-backed-rebels-in-syria-stall-amid-white-house-skepticism\/2016\/10\/23\/f166ddac-96ee-11e6-bb29-bf2701dbe0a3_story.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">wie die Washington Post berichtete<\/a>,<\/p>\n<p><em>\u201e&#8230; the proposal, which involved weapons that might help those forces <strong>defend themselves against Russian aircraft<\/strong> and artillery,\u201c<\/em><\/p>\n<p>am 14. Oktober Gegenstand einer Entscheidung des Wei\u00dfen Hauses in Washington. Er wurde nicht positiv beschieden, denn<\/p>\n<p><em>\u201e&#8230; even former ardent proponents, including Secretary of State John F. Kerry, have voiced skepticism about any escalation at this point. He and others fear that the new weaponry <strong>could end up killing Russian military personnel<\/strong>, triggering a confrontation with Moscow.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Der Hintergrund:<\/p>\n<p><em>\u201ethe CIA-backed opposition \u2014 widely known as the Free Syrian Army \u2014 &#8230;&lt;came into being as&gt; &nbsp;the CIA set up jointly run compounds in Jordan and Turkey, where &#8230; more than 10,000 rebels have gotten training and equipment over the past three years. Those vetted units are part of a constellation of opposition groups with 50,000 or more fighters that have gotten money and weapons from the CIA and regional partners including Saudi Arabia, Qatar and Turkey.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Fragt sich, weshalb die Free Syrian Army (FSA) keine MANPADS aus den reichlich flie\u00dfenden Best\u00e4nden Gaddafis erhielt beziehungsweise zu akquirieren in der Lage war. Die Antwort:<\/p>\n<p><em>\u201eThe terms required the partners <strong>to keep certain classes of weapons out of Syria, particularly MANPADs<\/strong>, &#8230; that <strong>Washington worried<\/strong> <strong>would<\/strong> fall into the hands of terrorist groups and <strong>be used to target civilian aircraft<\/strong>.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Angesichts der dringlichen Nachfrage wurden Alternativen schon erwogen in Washington:<\/p>\n<p><em>\u201eRebels chafed at the restriction, complaining that it left them vulnerable to air attack by Assad and, more recently, Russia. The Plan B proposal envisioned a compromise in which the CIA and its partners would <strong>deliver truck-mounted antiaircraft weapons<\/strong> that could help rebel units but would be <strong>difficult for a terrorist group to conceal and use against civilian aircraft.<\/strong>\u201c<\/em><\/p>\n<p>Die Unterst\u00fctzerkoalition aber beginnt in dieser Hinsicht zu br\u00f6ckeln:<\/p>\n<p><em>\u201e&#8230; a senior<strong> Turkish <\/strong>official said his <strong>government<\/strong> feels misled about U.S. intentions and would likely <strong>begin exploring <\/strong>unilateral arrangements<strong> to provide heavier arms to Turkey-backed groups<\/strong>.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Die vermeintlichen Kleinger\u00e4te, diese puren Abwehr-Waffen, verm\u00f6gen, bereits wenn sie allein gegen milit\u00e4risches Flugger\u00e4t eingesetzt werden, das \u201eletzte Mittel\u201c zum verlustrisiko-freien Eingriff von au\u00dfen, \u201eFlugverbotszone\u201c genannt, zu verunm\u00f6glichen. Damit droht Staaten mit post-heroisch gestimmten Gesellschaften eine Option milit\u00e4rischen Vorgehens gegen\u00fcber Irridentisten- beziehungsweise Terroristen-Gruppen genommen zu werden.<\/p>\n<p>Es kann aber weiter gehen, es kann den irregul\u00e4r K\u00e4mpfenden eine Waffe in die Hand gegeben werden, mit der sie ihren Kampf ins Nicht-milit\u00e4rische hochzoomen k\u00f6nnen, indem sie sie gezielt gegen den zivilen Luftverkehr richten und damit eine \u00e4u\u00dferst verletzliche Infrastruktur der modernen Welt bedrohen. Der Fall MH 17 gab einen Vorgeschmack davon, auch wenn inzwischen gekl\u00e4rt ist, dass der Abschuss in diesem Fall nicht einer solchen Strategie entsprang. Was nicht ist, wird aber sicherlich noch werden.<\/p>\n<p><strong>Die Reaktion von ICAO und EASA (Europa) auf die Empfehlungen des DSB-Reports <\/strong><\/p>\n<p>Das alles beunruhigt, nach MH 17 besonders, die Verantwortlichen f\u00fcr die Zivilluftfahrt. Aufgrund des \u201etechnischen\u201c Untersuchungsberichts zum MH 17 Abschuss, der unter Leitung des Dutch Safety Board erarbeitet worden war, hatten sich die Zivilluftfahrt-Organisation der UN, ICAO, sowie insbesondere EASA f\u00fcr die EU des Themas angenommen.<\/p>\n<p>Beide Institutionen haben umgehend auf verbesserte Informationsfl\u00fcsse \u00fcber als gef\u00e4hrlich eingesch\u00e4tzte Situationen gesetzt. Die materialisieren sich in Datenbanken beziehungsweise \u201eRepositorien\u201c. Quellen sind in der Regel Geheimdienstinformationen. Die nun \u00f6ffentlich zu machen, ist problematisch. Von zentraler Bedeutung ist Zweierlei:<\/p>\n<ul>\n<li>wie ist die \u201egef\u00e4hrliche Situation\u201c, die es nun zu monitoren gilt, definiert? Konkret: Ist die Bedrohung durch MANPADS eingeschlossen? Und<\/li>\n<li>die Entscheidung \u00fcber das Recht: Wer darf da etwas einstellen, was automatisch zu ausweichender Linienf\u00fchrung und also gegebenenfalls zu einem verminderten Geb\u00fchrenaufkommen in den Kassen des als gef\u00e4hrlich bezeichneten (oder denunzierten?) Staates f\u00fchrt? Der Kern des Problems, dass der f\u00fcr die Sicherheit des Luftverkehrs \u00fcberflogene Staat zwar verantwortlich ist, aber des Geb\u00fchrenaufkommens wegen in einer \u201econflict of interest\u201c-Situation ist, wurde nicht aufgegriffen. Das wurde, von beiden Organisationen, nicht einmal analytisch zum Thema gemacht.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Ad (i). ICAO geht auf \u201e<em>risks arizing from conflict zones<\/em>\u201c, gemeint ist damit aber wesentlich die Gef\u00e4hrdung beim \u00dcberflug, in vergleichsweise sicherer H\u00f6he von zehn Kilometern. Die Gef\u00e4hrdung bei Start und Landung, durch MANPADS, ist explizit nicht angesprochen.<\/p>\n<p>Ad (ii). ICAO hatte im April 2015 eine Datenbank \u201eConflict Zone Information Repository\u201c (CZIR) eingef\u00fchrt. Nach einem Jahr Probebetrieb ist da der folgende Formelkompromiss herausgekommen:<\/p>\n<p><em>\u201eCZIR postings will now be restricted to information which strictly pertains to conflict zones, and <strong>posts will only be made immediately available when the risk information is submitted by the State where the conflict is occurring<\/strong>.<\/em><\/p>\n<p><em>Provision has also been made to continue to permit a State to post conflict zone warnings regarding another State\u2019s sovereign airspace, <strong>when there is no disagreement between the submitting State and the implicated State<\/strong>.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Das hei\u00dft der Staat, der einen B\u00fcrgerkrieg zu f\u00fchren hat und auf \u00dcberfluggeb\u00fchren angewiesen ist, beh\u00e4lt, als \u201esouver\u00e4ner Staat\u201c, ein Veto-Recht hinsichtlich dessen, was zur Situation auf seinem Staatsgebiet im ICAO-Repositorium festgehalten wird. <a href=\"http:\/\/www.icao.int\/Newsroom\/Pages\/ICAO-Council-Amends-Procedures-Relating-to-International-Conflict-Zone-Repository.aspx\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Zum Ausgleich ist ausdr\u00fccklich erlaubt<\/a>:<\/p>\n<p><em>\u201eStates retain the right to post <strong>global aviation safety and security risk warnings on their respective national websites<\/strong>, and the <strong>ICAO CZIR will<\/strong> now be amended to <strong>include links<\/strong> to those individual State pages.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Die Vollversammlung der ICAO, die am 7. Oktober 2016 zu Ende gegangen ist, hat sich auf eine abschlie\u00dfenden Entscheidung im Plenum nicht verst\u00e4ndigen k\u00f6nnen, die Gr\u00e4ben zwischen den <a href=\"http:\/\/www.icao.int\/Meetings\/a39\/Documents\/WP\/wp_108_rev1_en.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Positionen von EU\/EASA<\/a> einerseits <a href=\"http:\/\/www.icao.int\/Meetings\/a39\/Documents\/WP\/wp_376_en.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">und Russland andererseits<\/a> erwiesen sich als nicht \u00fcberwindbar (<a href=\"http:\/\/www.icao.int\/Meetings\/a39\/Documents\/WP\/wp_512_en.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Agenda item 33.17 (S. 7)<\/a>).<\/p>\n<p>Was CZIR f\u00fcr ICAO ist, ist f\u00fcr EASA ihre \u201e<em>Conflict Zone Map<\/em>\u201c. <a href=\"http:\/\/www.easa.europa.eu\/easa-and-you\/international-cooperation\/easa-by-country\/conflict-zones\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Die findet sich hier<\/a>.<\/p>\n<p>Auff\u00e4llig ist schon, dass die gelisteten <em>conflict zones<\/em> doch alle in der Nachbarschaft Europas liegen, w\u00e4hrend Amerika sowie S\u00fcd- und Ostasien davon unber\u00fchrte Gro\u00dfregionen darstellen.<\/p>\n<p>Wer Interesse daran hat, dass die von ihm genutzte Fluggesellschaft diese Informationen angemessen ber\u00fccksichtigt, der sollte gelegentlich Interesse daran zeigen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Kolumne von Hans-Jochen Luhmann Die Kriegsf\u00fchrung der wohlstandssaturierten Zonen sei \u201epost-heroisch\u201c geworden; so die Diagnose des Politologen Herfried M\u00fcnkler und des Historikers Rolf Peter Sieferle. Das soll Zweierlei hei\u00dfen: Die Milit\u00e4rapparate solcher Staaten haben aufgrund technologischer Entwicklungen eine solche \u00dcberlegenheit gewonnen, dass ihnen die F\u00fchrung eines \u201eKriegs\u201c m\u00f6glich geworden ist, dessen Opferzahlen v\u00f6llig asymmetrisch &hellip; <\/p>\n<p class=\"link-more\"><a href=\"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/hans-jochen-luhmann\/schutz-der-zivilen-luftfahrt-gegen-luftabwehrgeraet-in-conflict-zones\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">\u201eSchutz der zivilen Luftfahrt gegen Luftabwehrger\u00e4t in \u201econflict zones\u201c\u201c<\/span> weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"parent":0,"menu_order":105,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":{"footnotes":""},"class_list":["post-148","page","type-page","status-publish","hentry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/hans-jochen-luhmann\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/148","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/hans-jochen-luhmann\/wp-json\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/hans-jochen-luhmann\/wp-json\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/hans-jochen-luhmann\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/hans-jochen-luhmann\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=148"}],"version-history":[{"count":4,"href":"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/hans-jochen-luhmann\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/148\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":751,"href":"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/hans-jochen-luhmann\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/148\/revisions\/751"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/hans-jochen-luhmann\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=148"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}