{"id":248,"date":"2018-06-21T18:38:43","date_gmt":"2018-06-21T16:38:43","guid":{"rendered":"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/hans-jochen-luhmann\/?page_id=248"},"modified":"2020-09-12T16:40:59","modified_gmt":"2020-09-12T14:40:59","slug":"krieg-und-oekonomie","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/hans-jochen-luhmann\/krieg-und-oekonomie\/","title":{"rendered":"Krieg und \u00d6konomie"},"content":{"rendered":"<p><em>Die Kolumne von Hans-Jochen Luhmann<\/em><\/p>\n<p>Krieg ist immer auch \u00d6konomie. Schon Waffen und stehende Armeen als solche kosten. Kommen sie gar in Gebrauch, so hindert dies die Wirtschaft massiv. Der fr\u00fchere US-amrikanische Pr\u00e4sidentenberater Josef Stiglitz hat einmal abgesch\u00e4tzt, was der zweite Irak-Krieg unter dem Sohn Bush, der meinte, eine Scharte seines Vaters auswetzen zu m\u00fcssen, die USA gekostet hat. Das Ergebnis: 2,2 Billionen US $, davon 1,2 f\u00fcr Waffen und Soldaten und 1,0 als wirtschaftlicher (\u201emakro\u00f6konomischer\u201c) Verlust.<\/p>\n<p>Die USA sind der f\u00fchrende unter den Staaten, die vor dem Klimaschutz Angst haben. Die Angst ist eine wirtschaftliche Verlustangst. Dort meint man, Klimaschutz, der \u00dcbergang in eine nach-fossile Industriegesellschaft, sei zu teuer. Der Weltklimarat hat in seinem j\u00fcngsten Bericht diese Kosten, die fast vollst\u00e4ndig makro\u00f6konomischer Art sind, bestimmt. Sein Ergebnis: Entschiedener Klimaschutz \u201akostet\u2019 den Globus als ganzen 5 Billionen US $ pro Jahr, die USA, die ein F\u00fcnftel des Weltwertsch\u00f6pfung beisteuern, also 1 Billion pro Jahr. Geht man davon aus, dass der zweite Irak-Krieg im Schwerpunkt in drei Jahren ablief, so kommt man daf\u00fcr auf 0,7 Billionen US $ pro Jahr. Mit einem Verzicht auf die \u201es\u00fc\u00dfe Rache\u201c, den Irak-Krieg, h\u00e4tten die USA somit ihren Beitrag zum globalen Klimaproblem fast vollst\u00e4ndig l\u00f6sen k\u00f6nnen. Das Zutrauen, sich Kriege \u00f6konomisch leisten zu k\u00f6nnen, ist dessen ungeachtet ungebrochen.<\/p>\n<p>Krieg steht aktuell wieder vor der T\u00fcr. Der Ostukraine wegen scheint es auf einen Wirtschaftskrieg zwischen Russland und dem Westen zuzutreiben. Schaut man sich die Muskelpakete beider Seiten an, dann steht da ein Fliegengewichtler gegen einen Schwergewichtler im Ring, da treten David und Goliath gegeneinander an. Goliath hat zu massiven Wirtschaftssanktionen gegriffen. David hat am 1. und am 6. Dezember seinerseits einen Streich gesetzt: Er hat das South-Stream-Leitungsprojekt abgesagt und stattdessen f\u00fcr die Leitung, mit deren Bau bereits begonnen wurde, einen neuen Verlauf festgelegt: Nun via T\u00fcrkei und Griechenland. Zugleich hat er dabei die Kapazit\u00e4t der Gasleitung deutlich zur\u00fcckgenommen. Grund d\u00fcrfte Geldmangel sein. Krieg kostet eben. Da wird neu kalkuliert, was an Zukunftstr\u00e4umen realistisch sein mag.<\/p>\n<figure class=\"wp-block-table\">\n<table class=\"has-subtle-light-gray-background-color has-background\">\n<tbody>\n<tr>\n<td width=\"25%\"><a rel=\"noopener noreferrer\" href=\"http:\/\/wupperinst.org\/home\/\" target=\"_blank\"><img decoding=\"async\" title=\" \" class=\"aligncenter wp-image-313\" src=\"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/hans-jochen-luhmann\/wp-content\/uploads\/sites\/12\/2018\/05\/Luhmann-g11-270x300.jpg\" alt=\"\" width=\"180\"><\/a><\/td>\n<td width=\"75%\">Dr. Hans-Jochen Luhmann ist Senior Expert am <a href=\"http:\/\/wupperinst.org\/home\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Wuppertal Institut f\u00fcr Klima, Umwelt, Energie GmbH<\/a>.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/figure>\n<p>Bislang war South Stream ausgelegt auf Basis einer Bedarfsprognose f\u00fcr Erdgas in der EU, die uns die OECD eingebrockt hatte: Die ging von einem Scheitern der EU-internen Klimapolitik aus und unterstellte deshalb einen Zuwachs des j\u00e4hrlichen Bedarfs um 90 Mrd. m<sup>2<\/sup>. Neuerdings wird in Europa von einem stagnierenden Bedarf ausgegangen \u2013 irgendwie muss die in Worten beteuerte Klimapolitik mit dem Schwerpunkt \u201eEnergieeffizienz\u201c sich ja auch materialisieren. Der Schwenk in der russischen Pipeline-Planung geht von dieser neuen Selbsteinsch\u00e4tzung der EU aus. Damit hat die Krise auch zu etwas Gutem gef\u00fchrt: Es wurde verhindert, dass zu gro\u00dfz\u00fcgig in die Infrastruktur f\u00fcr fossile Energietr\u00e4ger investiert werden wird, was hinterher zur Folge hat, dass die Eigner der Infrastruktur alles an Lobby-Kraft daran setzen m\u00fcssen, dass das bei der Planung unterstellte Wachstum am Ende auch eintritt \u2013 sie stehen ihrerseits unter dem Zwang, ihre Investitionen zu refinanzieren.<\/p>\n<p>Zugleich hat Russland damit entschieden, ab 2019 die Transit-Kapazit\u00e4t der Ukraine nicht mehr nutzen zu wollen \u2013 alle Konflikte in diesem Kontext sind damit (perspektivisch) beendet. Und \u00fcberdies hat Gazprom in diesem Zusammenhang entschieden, die Regeln des liberalisierten Gasmarktes der EU akzeptieren zu wollen, sein Gesch\u00e4ftsmodell so umzugestalten, dass das Gesuch um Ausnahmegenehmigung f\u00fcr seine Pipeline-Projekte zur\u00fcckgezogen werden kann. Vorweihnachtliche Frontbegradigung zumindest bei etlichen Facetten des Gaskonflikts also.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Kolumne von Hans-Jochen Luhmann Krieg ist immer auch \u00d6konomie. Schon Waffen und stehende Armeen als solche kosten. Kommen sie gar in Gebrauch, so hindert dies die Wirtschaft massiv. 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