{"id":283,"date":"2018-08-06T20:21:47","date_gmt":"2018-08-06T18:21:47","guid":{"rendered":"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/hans-jochen-luhmann\/?page_id=283"},"modified":"2020-09-12T16:19:19","modified_gmt":"2020-09-12T14:19:19","slug":"koalitionsvertrag-2018-sofortiger-stopp-von-waffenlieferungen-im-jemen-krieg","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/hans-jochen-luhmann\/koalitionsvertrag-2018-sofortiger-stopp-von-waffenlieferungen-im-jemen-krieg\/","title":{"rendered":"Koalitionsvertrag 2018: &#8222;Sofortiger Stopp von Waffenlieferungen im Jemen-Krieg&#8220;!?"},"content":{"rendered":"<p><em>Die Kolumne von Hans-Jochen Luhmann<\/em><\/p>\n<p>Am 7. Februar 2018 legten die Verhandler von SPD, CDU und CSU den Entwurf einer Koalitionsvereinbarung vor, die das Programm f\u00fcr die jetzige Bundesregierung skizzierte. Im R\u00fcstungskontroll-Abschnitt stie\u00dfen Entwicklungs- und Sicherheits-Experten auf eine \u00fcberraschende Festlegung im Hinblick auf den opferreichen Konflikt im Jemen \u2013 in der Endfassung des Vertrags vom 14. M\u00e4rz 2018 ist sie unver\u00e4ndert enthalten:<\/p>\n<p>\u201e<em>Wir werden <strong>ab sofort<\/strong> keine Ausfuhren &lt;von Kriegswaffen&gt; an La\u0308nder genehmigen, solange diese unmittelbar am Jemen-Krieg beteiligt sind.<\/em>\u201c<\/p>\n<p>Ja, da steht: \u201eab sofort\u201c! Als ob es ein Zitat G\u00fcnter Schabowskis ber\u00fchmter Einlassung sei: \u201eDas trifft nach meiner Kenntnis, ist das sofort, unverz\u00fcglich.\u201c Das waren die entscheidenden Worte auf der Pressekonferenz vom 9. November 1989 um 19:00 Uhr, im internationalen Pressezentrum in der Mohrenstra\u00dfe in Berlin. Um Mitternacht waren s\u00e4mtliche Grenz\u00fcberg\u00e4nge in Berlin ge\u00f6ffnet. Diese Zeitspanne von f\u00fcnf Stunden bedeutete damals \u201esofort\u201c.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/hans-jochen-luhmann\/wp-content\/uploads\/sites\/12\/2018\/08\/Antwort-auf-Anfrage-LINKE-180409.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright wp-image-284\" src=\"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/hans-jochen-luhmann\/wp-content\/uploads\/sites\/12\/2018\/08\/Antwort-auf-Anfrage-LINKE-180409-T.jpg\" alt=\"\" width=\"340\" height=\"480\"><\/a>Gut acht Wochen sp\u00e4ter hatte die Bundesregierung auf <a href=\"http:\/\/dip21.bundestag.de\/dip21\/btd\/19\/015\/1901583.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">eine Nachfrage der LINKEN zu antworten<\/a> und damit Gelegenheit, zu erl\u00e4utern, was dieser dringliche Satz f\u00fcr sie denn heute hei\u00dfen solle. Er geht ja weit \u00fcber die Kriterien des Gesetzes u\u0308ber die Kontrolle von Kriegswaffen (KrWaffKontrG) hinaus. Insbesondere wurde gefragt, welches die \u201e<em>La\u0308nder<\/em>\u201c seien, die \u201e<em>unmittelbar am Jemen-Krieg beteiligt sind.<\/em>\u201c Die Bundesregierung blieb stumm. Sie konnte im Mai 2018 nur eingestehen, dass sie immer noch \u201e<em>die Frage der La\u0308nder und ihrer Beteiligung [&#8230;] derzeit intensiv &lt;ero\u0308rtert&gt;.<\/em>\u201c Auch im Juni 2018, im allj\u00e4hrlich f\u00e4lligen R\u00fcstungskontrollbericht, gab es dazu nichts Neues.<\/p>\n<p>\u201eSofort\u201c scheint auf die lange Bank geschoben. Dabei dr\u00e4ngt die Zeit im Jemen-Krieg. Die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) haben den Kampf um die jemenitische, am Roten Meer gelegene Hafenstadt Hodeida angek\u00fcndigt. Damit steht das Aleppo-Ereignis des Jemen bevor. Das war absehbar. Deshalb haben SPD-Sicherheitspolitiker diese brandeilige Vorkehrung in den Koalitionsvertrag hineinverhandelt. Doch regierungsintern scheint sie auf eine Klippe gelaufen zu sein.<\/p>\n<figure class=\"wp-block-table\">\n<table class=\"has-subtle-light-gray-background-color has-background\">\n<tbody>\n<tr>\n<td width=\"25%\"><a rel=\"noopener noreferrer\" href=\"http:\/\/wupperinst.org\/home\/\" target=\"_blank\"><img decoding=\"async\" title=\" \" class=\"aligncenter wp-image-313\" src=\"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/hans-jochen-luhmann\/wp-content\/uploads\/sites\/12\/2018\/05\/Luhmann-g11-270x300.jpg\" alt=\"\" width=\"180\"><\/a><\/td>\n<td width=\"75%\">Dr. Hans-Jochen Luhmann ist Senior Expert am <a href=\"http:\/\/wupperinst.org\/home\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Wuppertal Institut f\u00fcr Klima, Umwelt, Energie GmbH<\/a>.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/figure>\n<p><strong>Die \u201cunmittelbar am Jemen-Krieg beteiligten L\u00e4nder\u201d<\/strong><\/p>\n<p>Zweierlei ist zu entscheiden: (a) Wer die einschl\u00e4gigen L\u00e4nder sind, und (b) was \u201eder Jemen-Krieg\u201c alles umfasst.<\/p>\n<p>Die Sicherheitspolitiker der LINKEN, die die Bundesregierung mit m\u00f6glichst detailliert formulierten Fragen aus der Defensive hatten locken wollen, fragten, ob die Mitglieder der Milita\u0308rkoalition, die seit Ma\u0308rz 2015 im Jemen interveniert,<\/p>\n<p>\u201e<em>die Staaten Jordanien, A\u0308gypten, Bahrain, Kuwait, Marokko, Sudan, Senegal, Katar, Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate<\/em>\u201c<\/p>\n<p>zur Liste \u201ebeteiligter L\u00e4nder\u201c im Sinne der Formulierung im Koalitionsvertrag geh\u00f6ren; also, um es ein wenig zu gruppieren:<\/p>\n<ul>\n<li>die Staaten des Golf Cooperation Council (GCC) \u2013 mit Ausnahme von Oman, das abseits zu stehen sich entschlossen hatte \u2013<\/li>\n<li>sowie die weiteren arabischen Staaten A\u0308gypten und (nebenl\u00e4ufig) Jordanien,<\/li>\n<li>zwei Staaten aus Afrika, Marokko aus dem Maghreb und, ganz ungew\u00f6hnlich f\u00fcr eine Koalition arabischer Staaten, Senegal aus West- und damit Schwarz-Afrika.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Von diesen Staaten sind an folgende Kriegswaffen gem\u00e4\u00df <a href=\"https:\/\/www.bmwi.de\/Redaktion\/DE\/Publikationen\/Aussenwirtschaft\/ruestungsexportbericht-2017.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">R\u00fcstungskontrollbericht 2017<\/a> (S. 109) geliefert worden:<\/p>\n<ul>\n<li>Saudi-Arabien,<\/li>\n<li>Katar,<\/li>\n<li>Vereinigte Arabische Emirate,<\/li>\n<li>\u00c4gypten,<\/li>\n<li>Jordanien und<\/li>\n<li>Malaysia<\/li>\n<li>und nat\u00fcrlich UK und USA.<\/li>\n<\/ul>\n<p><a href=\"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/hans-jochen-luhmann\/wp-content\/uploads\/sites\/12\/2018\/08\/ruestungsexportbericht-2017.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-286\" src=\"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/hans-jochen-luhmann\/wp-content\/uploads\/sites\/12\/2018\/08\/ruestungsexportbericht-2017-1.jpg\" alt=\"\" width=\"310\" height=\"439\"><\/a>Diese Frage der LINKEN ist angesichts der Kenntnisarmut in unserer \u00d6ffentlichkeit noch ein wenig zu abstrakt. Man muss einiges mehr \u00fcber Kriegsformen und Mittel, die (auch) in diesem internationalisierten Konflikt eingesetzt werden, wissen, um nachvollziehen zu k\u00f6nnen, was mit der Umsetzung der Entscheidung im Koalitionsvertrag auf dem Spiel steht. Das Verz\u00f6gern seitens der offiziellen Politik ist dann nachvollziehbar. Im Detail sehe ich drei Themenbl\u00f6cke, bei denen aufzublenden ist:<\/p>\n<p><strong>A Truppensteller<\/strong><\/p>\n<ol>\n<li>Katar geh\u00f6rt nat\u00fcrlich, nach der erdr\u00fcckenden Blockade, welche die Saudis gegen den Nachbarstaat erlassen haben, nicht mehr zu der (formal) von Saudi-Arabien gef\u00fchrten Koalition.<\/li>\n<li>Der Senegal, ein muslimisches Land mit sunnitischer Ausrichtung, hat sich mit 2.100 Soldaten beteiligt, auf saudischer Seite.<\/li>\n<li>\u00c4gyptens Beteiligung ist essentiell, seine Marine patroulliert im Roten Meer vor der jemenitischen K\u00fcste und belegt von dort aus Huthi-Stellungen mit Granatenbeschuss.<\/li>\n<li>Der (schwarzafrikanische) Sudan ist, wie der Senegal, mit einer Abstellung eigener Truppen f\u00fcr die Saudis beteiligt.<\/li>\n<li>Im Mai 2015 ist zudem Malaysia der Koalition beigetreten, mit welchen konkreten Leistungen ist unbekannt.<\/li>\n<li>In einer anderen Kategorie spielen die VAE, das \u201eLittle Sparta of the Gulf\u201c \u2013 so die gelegentliche Wortwahl des jetzigen US-Verteidigungsministers, der eine Zeit lang das in Abu Dhabi gelegene US Centcom geleitet hat und deshalb mit der Situation vor Ort bestens vertraut ist. Seine historisch inspirierte Formel bringt das sicherheitspolitische Gesch\u00e4ftsmodell dieses Emirats auf den Punkt: Die VAE z\u00e4hlen n\u00e4mlich zur Spitzengruppe im Nahen Osten, gemessen am milit\u00e4rischen Personal pro Einwohner. Ihre Spezialtruppen sind zudem bestens trainiert, weil sie \u00fcberall dabei waren, wo die USA und UK interveniert haben \u2013 in Somalia, Kosovo, Afghanistan, Libyen und nat\u00fcrlich auch bei der Anti-IS-Gro\u00dfallianz. Doch die VAE, ein \u00f6lreicher Staat, haben zudem eine gro\u00dfe Zahl von K\u00e4mpfern aus S\u00fcdamerika, vor allem aus Kolumbien, engagiert. Dort ging der langj\u00e4hrige B\u00fcrgerkrieg zu Ende und wurden deshalb gut geschulte Kr\u00e4fte gerade frei, standen f\u00fcr den Markt zur Verf\u00fcgung. Hier ber\u00fchren wir das (v\u00f6lker-)rechtlich hei\u00dfe Thema der Strukturen des modernen S\u00f6ldnertums, zu dem es <a href=\"https:\/\/treaties.un.org\/pages\/ViewDetails.aspx?src=TREATY&amp;mtdsg_no=XVIII-6&amp;chapter=18&amp;clang=_en\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">eine gleichsam vergessene UN-Konvention, aus dem Jahre 1989, gibt, mit dem Titel \u201e<em>International Convention <strong>Against<\/strong> the Recruitment, Use, Financing and Training of Mercenaries<\/em>\u201c<\/a>. Bei der Kriegsf\u00fchrung von erd\u00f6lreichen Golfstaaten, die an Bev\u00f6lkerung, gar noch autochtoner Herkunft, arm, an Finanzmitteln aber reich sind, spielt das Contracting von Leistungen Dritter fast zwangsl\u00e4ufig eine gro\u00dfe Rolle. Ist damit Kolumbien \u201ebeteiligt\u201c, weil es in seiner Macht steht, solche S\u00f6ldner-Export-Leistungen zu unterbinden? Wobei nichts dar\u00fcber bekannt ist, in welcher Rechtsform die sudanesischen Soldaten zum Beispiel an dem Krieg im Jemen teilnehmen: m\u00f6glicherweise sind sie beurlaubt und werden als Privatarmee entsandt \u2013 wie Russlands \u201egr\u00fcne M\u00e4nnchen\u201c auf der Krim. Das f\u00fchrt dann auch zu der Frage, ob auch Staaten, die R\u00fcstungsg\u00fcter an die Koalition liefern, im Sinne des Koalitionsbeschlusses \u201eunmittelbar beteiligt\u201c sind.<\/li>\n<li>Eritrea, Djibouti und Puntland, am Bab al-Mandab dem Jemen gegen\u00fcber gelegene L\u00e4nder, beteiligen sich durch Bereitstellung von St\u00fctzpunkten auf ihrem Territorium f\u00fcr die Marine und die Luftwaffe der VAE, und nat\u00fcrlich auch durch \u00d6ffnung ihres Luftraums.<\/li>\n<\/ol>\n<p>All diese Fallkonstellationen haben die Ressorts der Bundesregierung ins Kalk\u00fcl zu ziehen, zu pr\u00fcfen und miteinander zu diskutieren \u2013 man erkennt: nicht ganz einfach; aber doch kein Grund, dar\u00fcber Monate vergehen zu lassen.<\/p>\n<p><strong>B Die Beteiligung von UK und der USA an den Kriegshandlungen<\/strong><\/p>\n<p>Erg\u00e4nzend ist eine Kategorie von Staaten in den Fokus zu r\u00fccken, die die Fragesteller im Bundestag \u2013 wegen offensichtlicher Ausssichtslosigkeit? \u2013 gar nicht erst angesprochen haben. Die USA beteiligen sich auf Seiten der Koalition im Jemen-Krieg mit Erkenntnissen der Aufkl\u00e4rung, mit Luftbetankung und mit der Lieferung von Munition. Um die Daten der Luftaufkl\u00e4rung und den Bedarf an Luftbetankung zu koordinieren, sitzen eigene Offiziere mit Liaison-Funktion in den Hauptquartieren, von denen aus die Kriegshandlungen koordiniert werden.<\/p>\n<p>Da sitzen auch britische Offiziere. Deren offizielle Funktion ergibt sich aus einer speziellen Vorkehrung des britischen R\u00fcstungskontrollregimes. Demnach gilt das Kriterium, dass sicherzustellen sei, dass das exportierte Kriegsmaterial \u201e<em>is not used in violation of international human law (IHL)<\/em>\u201c. Um das zu verfolgen und sicherzustellen, so die Chuzpe-reiche Vorkehrung, seien britische Offiziere als \u201eBeobachter\u201c in den Hauptquartieren der Koalition eingesetzt \u2013 also gleichsam nur zu humanit\u00e4ren Zwecken. UK ist ein f\u00fchrender Waffenexporteur, und der materialreich gef\u00fchrte Jemen-Krieg l\u00e4sst die Ums\u00e4tze massiv steigen.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/hans-jochen-luhmann\/wp-content\/uploads\/sites\/12\/2018\/08\/Yemen-and-the-death-of-Saleh.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright wp-image-288\" src=\"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/hans-jochen-luhmann\/wp-content\/uploads\/sites\/12\/2018\/08\/Yemen-and-the-death-of-Saleh-T.jpg\" alt=\"\" width=\"340\" height=\"480\"><\/a>Das Thema, das sei vermerkt, wird in UK offen und strittig diskutiert. Bei einer Anh\u00f6rung im Parlament behauptete Andrew Mitchell MP von der Konservativen Partei, in einem Nachsatz, diese britischen Milit\u00e4r-Beobachter w\u00fcrden auch bei der Zielauswahl assistieren. <a href=\"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/hans-jochen-luhmann\/wp-content\/uploads\/sites\/12\/2018\/08\/Yemen-and-the-death-of-Saleh.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Seine als ganze h\u00f6chst interessante Textpassage liest sich wie folgt<\/a>:<\/p>\n<p><em>\u201e[&#8230;] Britain\u2019s policy is <strong>riddled with internal inconsistencies<\/strong>. While <strong>one limb<\/strong> of the British Government is desperately <strong>trying to secure entry<\/strong> into the port of Hodeidah <strong>for vital food, medicine and fuel<\/strong>, <strong>another limb<\/strong> is <strong>assisting with the blockade<\/strong> and, indeed, <u>the targeting of attacks<\/u>.<\/em>\u201c (p. 9)<\/p>\n<p>\u201e<em>Die britische Politik ist durchsetzt mit Inkonsistenzen. W\u00e4hrend der eine Zweig der Britischen Regierung verzweifelt darum ringt, den Nachschub f\u00fcr lebenswichtige Nahrungsmittel, medizinische Produkte und Treibstoff \u00fcber den Hafen von Hodeida zu sichern, hilft der andere Zweig bei dessen Blockade und, in der Tat, bei der Zielplanung f\u00fcr Angriffe.<\/em>\u201c<\/p>\n<p>Die Aussage im Nachklapp des Satzes wurde zwar umgehend vom \u201eMinister for the Middle East\u201c (dieses Ressort gibt es in UK!) \u201edementiert\u201c, aber mittels einer allein negativen, abweisenden Wortwahl, die deutlich macht, dass es lediglich um das <em>wording<\/em> ging. Also ist es wohl so wie behauptet. Alles andere machte auch wenig Sinn, weil die Briten eben \u00fcber Datens\u00e4tze f\u00fcr die Zielplanung verf\u00fcgen.<\/p>\n<p><strong>C Der zweite Krieg im Jemen: Die USA gegen Al Khaida und gegen IS im S\u00fcdjemen<\/strong><\/p>\n<p>Dann ist da noch ein zweiter Krieg im Jemen, der mit dem der internationalen Koalition gegen die Huthis \u2013 anscheinend und bislang \u2013 zwar ein \u00dcberschneidungsfeld hat, ein geringes aber nur. Im bev\u00f6lkerungsarmen S\u00fcden des Jemen gibt es, tribaler Herkunftsbande wegen erfolgreich, einige gr\u00f6\u00dfere Gebiete unter Al Khaida-Herrschaft. Daneben auch einige wenige winzige islamistische IS-Zellen.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend die ideologisierten IS-Vertreter \u2013 aus westlicher Sicht \u2013 nur eine Randerscheinung sind, zeichnet sich die Al Khaida-Herrschaft durch eine besonnene und klug kalkulierte Vorgehensweise aus. Das Kalk\u00fcl ist dasselbe wie es das des IS im Irak war: In einem zerfallenen, einem \u201eChaos-Staat\u201c, in dem die klassischen Staats-Leistungen nicht mehr erbracht werden, auch wenn es v\u00f6lkerrechtlich eine zentrale, international anerkannte Regierung geben mag, um deren Weiterexistenz die Weltgemeinschaft einen aufw\u00e4ndigen Krieg f\u00fchrt, substituiert man das, indem man insbesondere Leistungen auf sozialer Ebene erbringt, um den Ausfall des Zentralstaates auszugleichen. So erh\u00e4lt man einen starken R\u00fcckhalt in der Bev\u00f6lkerung. Doch das bedarf auch der Finanzierung. Die Al Khaida-Gruppe war in dieser Hinsicht strategisch erfolgreich gewesen: Sie hatte ein \u00d6lvorkommen samt logistischer Infrastruktur, vor allem den Hafen Mukallah, unter ihre Kontrolle gebracht, um aus diesen \u00d6l-Einnahmen weitere soziale Leistungen in ihrem Gebiet zu finanzieren. Des 11. Septembers wegens f\u00fchren die USA in S\u00fcdjemen einen Drohnen-gest\u00fctzten Enthauptungs-Kampf gegen regionale Al Khaida-F\u00fchrer. Daneben f\u00fchrten die VAE einen regelrechten Feldzug, mit Bodentruppen; und waren auch erfolgreich \u2013 die VAE-Kr\u00e4fte unterbanden das Erd\u00f6l-Zusatzgesch\u00e4ft, sie nahmen Mukallah ein.<\/p>\n<p>Sind die USA deswegen, dieses Kampfes wegen, ein \u201cunmittelbar am Jemen-Krieg beteiligtes Land\u201d? Formal ja, des Sinns der Sache wegen nicht.<\/p>\n<p><strong>Europ\u00e4isierung des Vorsto\u00dfes<\/strong><\/p>\n<p>Der Beschluss im Koalitionsvertrag geht weiter mit dem Satz:<\/p>\n<p>\u201e<em>Wir wollen diese <strong>restriktive Exportpolitik<\/strong> mit Blick auf den Jemen <strong>auch<\/strong> mit unseren Partnern <strong>im Bereich der europa\u0308ischen Gemeinschaftsprojekte<\/strong> verabreden.<\/em>\u201c<\/p>\n<p>Das ist ein Ausdruck hohen Ehrgeizes, insbesondere weil der Vorgang ja dringend ist. Realistisch und erfolgversprechend d\u00fcrfte dieser Anspruch nur sein, wenn unter \u201e<em>unseren &lt; europa\u0308ischen&gt; Partnern\u201c <\/em>die Briten nicht mitgez\u00e4hlt werden. Doch auch davon war seit Februar nichts zu vernehmen.<\/p>\n<p>Einzubringen ist das in die Verhandlungen der EU-Ratsarbeitsgruppe zum Export konventioneller Ru\u0308stungsgu\u0308ter (COARM). Auf Dr\u00e4ngen der Bundesregierung ist im Arbeitsprogramm der Gruppe fu\u0308r das Jahr 2018 ein Schwerpunkt bei der versta\u0308rkten Kooperation und Konvergenz der Ru\u0308stungsexportkontrolle innerhalb der EU gelegt worden. Was auf dieser Ebene erreicht wird, wird sich mit Vero\u0308ffentlichung des 20. Jahresberichts u\u0308ber die Umsetzung des Gemeinsamen Standpunkts bis Ende 2018 zeigen. F\u00fcr \u201esofort\u201c ist da nichts zu erwarten.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\"><\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Kolumne von Hans-Jochen Luhmann Am 7. Februar 2018 legten die Verhandler von SPD, CDU und CSU den Entwurf einer Koalitionsvereinbarung vor, die das Programm f\u00fcr die jetzige Bundesregierung skizzierte. Im R\u00fcstungskontroll-Abschnitt stie\u00dfen Entwicklungs- und Sicherheits-Experten auf eine \u00fcberraschende Festlegung im Hinblick auf den opferreichen Konflikt im Jemen \u2013 in der Endfassung des Vertrags vom &hellip; <\/p>\n<p class=\"link-more\"><a href=\"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/hans-jochen-luhmann\/koalitionsvertrag-2018-sofortiger-stopp-von-waffenlieferungen-im-jemen-krieg\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">\u201eKoalitionsvertrag 2018: &#8222;Sofortiger Stopp von Waffenlieferungen im Jemen-Krieg&#8220;!?\u201c <\/span>weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"parent":0,"menu_order":86,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":{"footnotes":""},"class_list":["post-283","page","type-page","status-publish","hentry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/hans-jochen-luhmann\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/283","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/hans-jochen-luhmann\/wp-json\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/hans-jochen-luhmann\/wp-json\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/hans-jochen-luhmann\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/hans-jochen-luhmann\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=283"}],"version-history":[{"count":6,"href":"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/hans-jochen-luhmann\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/283\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":710,"href":"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/hans-jochen-luhmann\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/283\/revisions\/710"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/hans-jochen-luhmann\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=283"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}