{"id":343,"date":"2019-02-12T17:13:53","date_gmt":"2019-02-12T16:13:53","guid":{"rendered":"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/hans-jochen-luhmann\/?page_id=343"},"modified":"2020-09-12T16:11:33","modified_gmt":"2020-09-12T14:11:33","slug":"die-zukunft-des-gases-im-klimaneutralen-europa","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/hans-jochen-luhmann\/die-zukunft-des-gases-im-klimaneutralen-europa\/","title":{"rendered":"Die Zukunft des Gases im klimaneutralen Europa"},"content":{"rendered":"\n<p><em>Die Kolumne von Hans-Jochen Luhmann<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Es gibt zwei Typen von leitungsgebundenen Endenergietr\u00e4gern:\nStrom und Gas. Daneben gibt es noch den fl\u00fcssigen Typ, diverse Treibstoffe in\nForm von Erd\u00f6lderivaten. Die feste Form, Kohle, ist bei uns im Kleinverbrauch schon\nseit langem ausgemustert worden.<\/p>\n\n\n\n<p>Endenergietr\u00e4ger sind hergestellte Energietr\u00e4ger. Sie stammen aus Quellen, ihr Rohstoff sind andere Energietr\u00e4ger \u2013 das Wort Erd\u00f6l-<em>Derivate<\/em> sagt es. In den letzten zwanzig Jahren haben wir bei der Stromproduktion erlebt, dass die Quellen sich wandeln: Elektrizit\u00e4t kommt zunehmend aus erneuerbaren Quellen. <a rel=\"noreferrer noopener\" aria-label=\"Im Jahre 2017 wurden 36 Prozent erreicht (\u00f6ffnet in neuem Tab)\" href=\"https:\/\/www.erneuerbare-energien.de\/EE\/Redaktion\/DE\/Downloads\/zeitreihen-zur-entwicklung-der-erneuerbaren-energien-in-deutschland-1990-2017.pdf?__blob=publicationFile&amp;v=18\" target=\"_blank\">Im Jahre 2017 wurden 36 Prozent erreicht<\/a>. Im \u201eGesetz <em>f\u00fcr den Ausbau<\/em> erneuerbarer Energien\u201c (sic!) (EEG) sind die Ziele als Anteile f\u00fcr die Zukunft vorgegeben: \u201e<em>40 bis 45 Prozent bis zum Jahr 2025, &#8230; 55 bis 60 Prozent bis zum Jahr 2035 und &#8230; mindestens 80 Prozent bis zum Jahr 2050<\/em>\u201c. (\u00a7 1 (2)) Das heisst: Es soll auf 100 Prozent zugehen. Im \u201eklimaneutralen Europa\u201c kann das nicht anders sein. Und: Eine staatliche Regulierung, wie man das politisch erreicht, liegt mit dem EEG modellhaft vor.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignright is-resized\"><a href=\"https:\/\/www.erneuerbare-energien.de\/EE\/Redaktion\/DE\/Downloads\/zeitreihen-zur-entwicklung-der-erneuerbaren-energien-in-deutschland-1990-2017.pdf?__blob=publicationFile&amp;v=18\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/hans-jochen-luhmann\/wp-content\/uploads\/sites\/12\/2019\/02\/zeitreihen-zur-entwicklung-der-erneuerbaren-energien-in-deutschland-1990-2017-T.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-345\" width=\"320\"\/><\/a><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>Europ\u00e4ischerseits gibt es etwas nicht ganz so Konkretes, die EU-Richtlinie\nf\u00fcr erneuerbare Energien. Da wird ein EU-weites Ziel des Anteil von Energie aus\nerneuerbaren Quellen insgesamt vorgegeben, also nicht f\u00fcr Elektrizit\u00e4t zum Beispiel.\nDas Ziel wird auch nur f\u00fcr die n\u00e4chsten zehn Jahre vorgegeben, in der gerade abgeschlossenen\nFassung (RED II) mit 27 Prozent in 2030 (Art. 3 (1)). Auf europ\u00e4ischer Ebene\nwar es nicht m\u00f6glich, das konsensual beschlossene Ziel, dass man bis 2050 in\nein klimagerechtes Europa kommen wolle, auch im Rechtstext der RED II zu\nverankern \u2013 da endet der Zeit-Horizont in der gerade angenommenen Neu-Fassung\nim Jahre 2030. Es gab sogar einen R\u00fcckschritt gegen\u00fcber der ersten Fassung\ndieser Richtlinie aus dem Jahre 2009: Ein Herunterbrechen des EU-weiten\nGesamtziels in Beitr\u00e4ge der Mitgliedstaaten, im Kommissionsvorschlag noch\nenthalten, wurde im Verlaufe der Verhandlungen gestrichen.<\/p>\n\n\n\n<p>Zur\u00fcck zum pionierhaften EEG in Deutschland, mit seinen klaren\nVorgaben f\u00fcr den Aufwuchs des Stroms aus erneuerbaren Quellen. Der analoge Gestaltungsgedanke\nf\u00fcr den zweiten leitungsgebundenen Energietr\u00e4ger, f\u00fcr Gas, liegt nahe \u2013 bislang\naber hat er bei ihm nicht recht gegriffen. Das \u00e4ndert sich nun \u2013 und das\nschnell und erheblich. Der zweifache Hintergrund: <\/p>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\"><li>Br\u00fcssel hat f\u00fcr die n\u00e4chste Legislatur, f\u00fcr 2020, eine\nRevision der Gasmarkt-Richtlinie auf die Agenda gesetzt. Die wird gegenw\u00e4rtig\nvorbereitet.<\/li><li>Die Gaswirtschaft nutzt diese Gelegenheit, um sich \u2013\nendlich \u2013 klimapolitisch neu aufzustellen, in Analogie zum perspektivisch\nzentralen Konkurrenten, der Elektrizit\u00e4t. Die Gaswirtschaft vollzieht somit den\nausstehenden Blickwechsel. Sie hat erkannt, dass nicht l\u00e4nger das \u00d6l mit seinen\nDerivaten der Hauptkonkurrent sein wird sondern die Elektrizit\u00e4t, die so leicht\naus erneuerbaren Quellen zu gewinnen ist.<\/li><\/ol>\n\n\n\n\n\n<h1 class=\"wp-block-heading\">Energie \u201caus erneuerbaren\nQuellen\u201d<\/h1>\n\n\n\n<p>Dass diese eigentlich naheliegende Gestaltungsoption so lange\nnicht in den Blick kam, h\u00e4ngt mit einer sprachlichen Nachl\u00e4ssigkeit zusammen.\nIm Deutschen sprechen wir von \u201eerneuerbaren Energien\u201c, im angels\u00e4chsischen\nRechtstext hingegen ist pr\u00e4zise von (zum Beispiel) Elektrizit\u00e4t \u201eaus\nerneuerbaren Quellen\u201c die Rede. Diese Sprechweise l\u00e4sst anklingen, dass der\nEndenergietr\u00e4ger Elektrizit\u00e4t ein produzierter Endenergietr\u00e4ger ist. Die im\nDeutschen \u00fcbliche Sprechweise hat etwas f\u00fcr sich, wenn man Folgendes erkennt:\nElektrizit\u00e4t ist physikalisch gleich Elektrizit\u00e4t; die Sprechweise von \u201cerneuerbarer\nElektrizit\u00e4t\u201c macht dann Sinn, wenn man das Qualit\u00e4tsverst\u00e4ndnis erweitert,\nwenn man die sogenannte \u201eProzess-Qualit\u00e4t\u201c hinzunimmt. Diese Qualit\u00e4t bezieht\nsich auf die Herstellungsgeschichte eines Endprodukts. \u201cErneuerbare\nElektrizit\u00e4t\u201c entspricht sprachlich also \u201eEier von freilaufenden H\u00fchnern\u201c oder\ndem \u201edolphin-safe\u201c Thunfisch. Die Endprodukte, die man bezieht, sind eben so,\nwie im Adjektiv bezeichnet, hergestellt worden \u2013 es handelt sich indes um\nEigenschaften, die nicht von einem (Lebensmittel-)Chemiker \u00fcberpr\u00fcft werden\nk\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p>Hinderlich war bei Gas, dass dieser Endenergietr\u00e4ger heute in\nder Regel mit seiner gegenw\u00e4rtig dominierenden prim\u00e4renergetischen Quelle, dem\nErdgas, also dem gef\u00f6rderten Gas fossilen Ursprungs, gleichgesetzt wird. Das\nist eine exquisite Marketing-Leistung, vergleichbar mit den\n\u201eTempo(s)\u201c(-Taschent\u00fcchern). Besonders verwirrend ist die Situation \u00fcbrigens im\nAngels\u00e4chsischen, wo Erdgas den Namen \u201e<em>natural\ngas<\/em>\u201c tr\u00e4gt. Diese Gleichsetzung muss nicht sein, wie ein Blick in die\nGeschichte des Gases erweist. Gas-Infrastrukturen wurden in Deutschland bekanntlich\nf\u00fcr das sogenannte \u201eStadtgas\u201c errichtet \u2013 das ist ein Kohle-Derivat, welches\nbeim Verkoken, der Herstellung des Koks, anfiel. Der Wechsel in der Herkunft, zum\nErdgas, fand in Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg statt \u2013 und war dann\nauch mit einer \u00c4nderung des chemischen Zusammensetzung des Gases verbunden.<\/p>\n\n\n\n<p>Diese geschichtliche Linie, die des Wechsels in der Herkunft des\nGases, kann man in die Zukunft ausziehen. Dann wird deutlich beziehungsweise\nist wenig \u00fcberraschend: Es steht ein erneuter Wechsel der Quellen des Gases an,\nnun unter der Herausforderung der Klimagerechtigkeit. Es steht an, Abschied zu\nnehmen von Erdgas als Quelle des Gases, welches in Millionen von Feuerst\u00e4tten dezentral\nverbrannt wird. Wenn man das so sagt beziehungsweise erwartet, diesen Gedanken\nan sich heranl\u00e4sst, dann dr\u00e4ngen sich drei Korrolare geradezu auf.<\/p>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\"><li>Denselben Gedanken kann man f\u00fcr den Endenergietr\u00e4ger im\nfl\u00fcssigen Aggregatzustand, die Treibstoffe, formulieren.<\/li><li>Die klimapolitische Alternative zur \u201eRenewabilisierung\u201c\nvon Gas (und fl\u00fcssigen Treibstoffen ebenso) ist die \u201e<em>all-electric<\/em>\u201c-Strategie, also der Verzicht auf einen Mix von Endenergietr\u00e4gern.\nDann akzeptiert man, dass Elektrizit\u00e4t der einzige Endenergietr\u00e4ger wird \u2013 man\nsich von der gegenw\u00e4rtigen Trias also verabschiedet. Die Infrastrukturen von\nGas und Treibstoffen sind dann konzeptionell auf Abri\u00df gestellt.<\/li><li>Komplement einer \u201e<em>all-electric<\/em>\u201c-Strategie\nist das Ende der Verbrennungsprozesse. Das gilt mindestens in der Verwendung\nvon Endenergietr\u00e4gern, weitgehend auch in der Herstellung von Elektrizit\u00e4t. Die\n\u201etriadische\u201c Strategie hingegen, die die drei Aggregatformen Strom\/Gas\/fl\u00fcssig\nbeibeh\u00e4lt, beh\u00e4lt auch die millionenfachen dezentralen Verbrennungsprozesse bei,\nin Geb\u00e4uden und Fahrzeugen \u2013 mit entsprechenden Konsequenzen in der\nLuftverschmutzung und folglich f\u00fcr die Luftreinhaltepolitik.<\/li><\/ol>\n\n\n\n<p>Hingewiesen wird hier auf die konzeptionelle Vorbereitung\ndarauf, eine Strategie f\u00fcr die Etablierung eines klimagerechten Gases, also\ndessen Beibehaltung als (leitungsgebundenen) Endenergietr\u00e4ger, auf die Schiene\nzu setzen. Erster Schritt daf\u00fcr ist die begriffliche Fixierung und Ordnung. Da\nhat sich in den beiden letzten Jahren Wesentliches getan.<\/p>\n\n\n\n<h1 class=\"wp-block-heading\">Die Gaswirtschaft auf dem\nWeg zum Gedanken einer klimaneutralen Gasqualit\u00e4t<\/h1>\n\n\n\n<p>Der Gedanke, dass Gas sich in seinen Quellen \u00e4ndern k\u00f6nnte und\nm\u00fcsste \u2013 und das nicht nur marginal, durch Beimischung von Biogas, \u2013 hat\nschrittweise Gestalt angenommen; der Prozess ist auch noch nicht abgeschlossen.\nHier drei markante Punkte aus dieser Entwicklung.<\/p>\n\n\n\n<p>1) Die deutsche Bundesregierung hat sich in ihrem Klimaschutzplan von 2016 auf ein entsprechendes Ziel festgelegt. In einer <a href=\"http:\/\/dip21.bundestag.de\/dip21\/btd\/18\/115\/1811518.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\" aria-label=\"Antwort auf eine Kleine Anfrage vom 14. M\u00e4rz 2017 (\u00f6ffnet in neuem Tab)\">Antwort auf eine Kleine Anfrage vom 14. M\u00e4rz 2017<\/a> formuliert die Bundesregierung diese ihre Vision mit den Worten:<\/p>\n\n\n\n<p>\u201e<em>Der Klimaschutzplan\nfordert, dass in den n\u00e4chsten Jahrzehnten der Brennstoff Erdgas durch <strong>CO<sub>2<\/sub>-neutrales, regenerativ\nerzeugtes Gas<\/strong> ersetzt wird, &#8230;<\/em>\u201c(ad Frage 2)<\/p>\n\n\n\n<p>2) F\u00fcr die Gaswirtschaft spricht ihr europ\u00e4ischer Verband\nEurogas. Der hat den Ball ins Rollen gebracht. Bei dem EU-weit f\u00fchrenden Think\nTank in der Nutzung des EU-Energiemodells PRIMES, E3MLab in Athen, hat er eine\nUntersuchung in Auftrag gegeben \u2013 die Wahl dieses Beraters ist strategisch,\nweil PRIMES f\u00fcr die Vorbereitung von Gesetzesinitiativen der EU regelm\u00e4\u00dfig\neingesetzt wird. Die Frage an die Athener lautete: Wieviel Renewabilisierung\nder Quellen von Gas ist europaweit bis wann m\u00f6glich?<\/p>\n\n\n\n<p>Ein symboltr\u00e4chtiges Element der Antwort hat die damalige Generalsekret\u00e4rin des Verbandes, Beate Raabe, in einem <a href=\"https:\/\/www.euractiv.com\/section\/energy\/interview\/gas-lobby-chief-in-2050-76-of-gas-could-be-renewable\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\" aria-label=\"Interview am 25. September 2017 (\u00f6ffnet in neuem Tab)\">Interview am 25. September 2017<\/a> bekannt gemacht.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201e<em>We have about 18 billion\ncubic meters of <strong>renewables gas<\/strong> at\nthe moment \u2013 most of that is <strong>biogas<\/strong>\n\u2013 in a gas market of about 450 bcm. So that makes <strong>about 4%.<\/strong> &#8230;. We asked E3MLab at the University of Athens to use\nthe PRIMES model in order to do a scenario study on renewable gas. And they\ncame up with a scenario where, <strong>in 2050,\nthere would be about the same demand for gas as today, but 76% of that gas\nwould be renewable<\/strong>. So that is the potential they came up with.<\/em>\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Die Gaswirtschaft bietet gleichsam ein Ziel von 76 Prozent an \u2013 ein klimapolitisch ungew\u00f6hnlicher Vorgang. Eine (sehr verk\u00fcrzte) Fassung der Studie kam dann im Mai 2018 heraus \u2013 <a href=\"https:\/\/gaswindandsun.eu\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\" aria-label=\"ihr Bezug ist hier\u00fcber m\u00f6glich (\u00f6ffnet in neuem Tab)\">ihr Bezug ist hier\u00fcber m\u00f6glich<\/a>. Die zitierte <em>eye-catch<\/em>-Zahl ist darin etwas zur\u00fcckgenommen. F\u00fcr 2050 lautet sie nun noch 70 Prozent.<\/p>\n\n\n\n<p>Das ist aber noch nicht alles. Deutlich wird das, wenn man auf\ndie Begriffswahl \u201e<em>renewable gas\u201c<\/em>\nn\u00e4her eingeht. Dazu unten mehr.<\/p>\n\n\n\n<p>3) Der entscheidende Schritt ist, wenn die Politik auf\neurop\u00e4ischer Ebene das Thema auf ihre Agenda setzt. Bei der Anforderung einer\n(steigenden) Vorleistungs-Qualit\u00e4t des hergestellten Gases, welches in Verkehr\ngebracht wird, sind zwar auch nationalstaatliche Vorst\u00f6\u00dfe m\u00f6glich \u2013 das\nStrom-Beispiel erweist es. Ideal zust\u00e4ndig aber ist die EU-Ebene. Es geht\nschlie\u00dflich um ein Produkt, welches im EU-Binnenmarkt frei gehandelt werden\nkann.<\/p>\n\n\n\n<p>Br\u00fcssel hat, wie erw\u00e4hnt, eine Revision der Gasmarkt-Richtlinie f\u00fcr 2020 auf die Agenda gesetzt. Was da im Hinblick auf das hier gew\u00e4hlte Thema enthalten sein soll, war einer <a href=\"https:\/\/eurogas.org\/website\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/Press-Release_discussion-paper-on-gas-package.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\" aria-label=\"Pressemeldung von Eurogas vom 22. Oktober 2018 (\u00f6ffnet in neuem Tab)\">Pressemeldung von Eurogas vom 22. Oktober 2018<\/a> zu entnehmen:<\/p>\n\n\n\n<p>\u201e<em>Eurogas welcomes the\nEuropean Commission\u2019s intention to prepare a gas package to address new\nopportunities and <strong>issues in relation to\nnatural, decarbonised and renewable gas<\/strong>. <strong>A binding EU target for renewable and decarbonised gases<\/strong> combined\nwith a European blueprint for guarantees of origin as well as a European\nframework for support schemes<strong> can help\nscale up the production<\/strong> and economics <strong>of\ndecarbonised and renewable gas<\/strong>. <\/em>&#8222;<\/p>\n\n\n\n<p>Die Gaswirtschaft begr\u00fc\u00dft das explizit \u2013 sie will, dass ihr eine\nVerpflichtung f\u00fcr einen Transformations-Prozess hin zu einem schlie\u00dflich\nklimaneutralen Gas vorgegeben wird. Sie will ihre Zukunft bewahrt sehen und\nbetreibt deshalb den daf\u00fcr notwenigen Wandel ihrerseits, sie l\u00e4sst sich nicht\nnur treiben. Welch Unterschied zur Verstocktheit der Automobil-Industrie in\nDeutschland! <\/p>\n\n\n\n<h1 class=\"wp-block-heading\">Kl\u00e4rung der Nomenklatur:\nKlimaneutrales Gas<\/h1>\n\n\n\n<p>Mit ihrer Programmatik \u201ehin zu einem schlie\u00dflich klimaneutralen\nGas\u201c ist die Gaswirtschaft soweit gediehen: Von urspr\u00fcnglich nur \u201ebiogas\u201c (4 Prozent\nin 2017) soll es gehen \u00fcber \u201erenewable gas\u201c (70 Prozent in 2050) zu \u201e<em>binding EU target for<strong> renewable and decarbonised gases\u201c<\/strong>.<\/em> Wie hoch das Ziel, welches\ndie Gaswirtschaft erfreulicherweise fordert, dass es ihr vorgegeben wird, ihres\nErachtens sein soll, dazu legt sich die Gasbranche noch nicht fest \u2013 zu den\nquantitativen Festlegungen wird es noch ein Hauen und Stechen geben, in Auseinandersetzung\nmit der Politik.<\/p>\n\n\n\n<p>Aber immerhin: Man kann feststellen, dass es neben \u201e<em>renewable gas<\/em>\u201c noch \u201e<em>decarbonised gas<\/em>\u201c geben soll. Die Summe\nerst macht den gesamten Umfang des klimaneutralen Gases aus.<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\"><li>\u201e<em>Biogas<\/em>\u201c\nist Gas aus Biomasse.<\/li><li>\u201e<em>Renewable\ngas<\/em>\u201c ist Gas aus erneuerbaren Quellen, also neben Gas aus Biomasse ist es\nGas, welches aus Wind- oder PV-Strom erzeugt worden ist. <\/li><li>\u201e<em>Decarbonised\ngas<\/em>\u201c ist in der Regel Erdgas \u2013 also chemisch Methan \u2011 CH<sub>4<\/sub> \u2013, dem\ndas C, der Kohlenstoff, als CO<sub>2<\/sub> entnommen wurde (welches seinerseits\nin der Regel unter die Erde verpresst wurde, technisch qua CCS). \u00dcbrig bleibt\nWasserstoff, H<sub>2<\/sub>, welcher dem Endenergietr\u00e4ger \u201eGas\u201c (in h\u00f6heren Anteilen\nals heute) zugemischt werden kann, der aber auch die Grundlage f\u00fcr eine\nWeiterverarbeitung sein kann, zu CH<sub>4<\/sub>.<\/li><\/ul>\n\n\n\n<p>Eurogas selbst gibt die entsprechenden Definitionen in knappster\nForm so:<\/p>\n\n\n\n<p>\u201e<strong><em>Renewable gas &lt;(r-gas)&gt;<\/em><\/strong><em> is the category name for CO<sub>2<\/sub>-neutral gases, including\nbiogas and biomethane, green hydrogen and synthetic methane from power-to-gas. <strong>Decarbonised gas &lt;(d-gas)&gt;<\/strong> is the\ncategory name for CO<sub>2<\/sub>-neutral gas produced from natural gas with\nCCS\/U.<\/em>\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Eurogas ist sehr pr\u00e4zise in dem Hinweis, dass <em>r-gas <\/em>der Name f\u00fcreine lediglich \u201e<em>CO<sub>2<\/sub>-neutrale\u201c\n<\/em>Gas-Kategorie sei. R-Gas ist nicht <em>klima<\/em>neutral,\ndas billigt Eurogas von sich aus zu \u2013 bei der Herstellung insbesondere von\nbiogenen Gasen fallen jede Menge von CH<sub>4<\/sub> und N<sub>2<\/sub>O an, also\nTreibhausgase jenseits von CO<sub>2<\/sub>. Relevant im Sinne eines perversen Anreizes\nwird das, wenn Produktion und Konsum des R-Gases territorial auseinanderfallen.<\/p>\n\n\n\n<p>Am Rande ist anzumerken: Gas aus Kernenergie ist unerw\u00e4hnt, w\u00e4re\naber nat\u00fcrlich auch ein \u201e<em>d-gas<\/em>\u201c. Kaum\nerw\u00e4hnt ist \u00fcberdies die regionale Herkunft des Gases, die Produktionsst\u00e4tte\ndes klimaneutralen Endenergietr\u00e4gers Gas. Gegenw\u00e4rtig ist die EU eine\nGas-Import-Region. Mit der Forderung nach einem klimaneutralen Gas \u201ein Europa\u201c muss\nnicht gemeint sein, dass dieses in dieser Menge auch \u201ein Europa\u201c produziert\nwird. Es handelt sich da zun\u00e4chst einmal um eine Forderung an die Eigenschaft\ndes in der EU konsumierten Gases. Wo es herkommt, zu welchen Teilen inl\u00e4ndisch\noder ausl\u00e4ndisch produziert, wie sich das \u2013 unterschiedlich \u2013 verh\u00e4lt bei D-Gas\nund R-Gas, ist v\u00f6llig offen. Das ist das Feld eines massiven \u2013 n\u00e4chsten \u2013\nInteressenkonflikts.<\/p>\n\n\n\n<p>Wenn Produktion und Konsum des R-Gases territorial auseinanderfallen,\nist es m\u00f6glich, die Emissionen von Treibhausgasen \u201ein\u201c Europa zu senken,\ndadurch aber dieselbe Menge oder mehr an Treibhausgas-Emissionen im Ausland zu\nprovozieren, bei der Herstellung des zum Import bestimmten (und im Verbrauch\nsauberen) neuen Gases. Das ist die Basis des eben erw\u00e4hnten \u201eperversen Anreizes\u201c.<\/p>\n\n\n\n<h1 class=\"wp-block-heading\">Quantitative Vorstellungen in der von Eurogas beauftragten Studie (mit PRIMES)<\/h1>\n\n\n\n<p>Die Ergebnisse der Untersuchung, die Eurogas in Athen in Auftrag\ngegeben hat, werden nicht sonderlich \u201aoffenherzig\u2019 dargestellt. Dennoch l\u00e4sst\nsich das quantitativ Wesentliche entnehmen \u2013 zumindest in Gr\u00f6\u00dfenordungen. Als\nHintergrund ist von Eurogas angegeben, dass der Gasbedarf der EU auf konstant\netwa 400 Mtoe zu liegen angenommen wurde \u2013 heute wie im Jahre 2050.<\/p>\n\n\n\n<p>Der (Netto-)Import von Erdgas wird gegenw\u00e4rtig mit etwa 250 Mtoe\npro Jahr angenommen. F\u00fcr die Zukunft, f\u00fcr 2050, wird angegeben, dass die\nImportmenge zur\u00fcckgegangen sein wird auf rund 150 Mtoe pro Jahr. Dabei handelt\nes sich, so die Annahme, immer noch um reines Erdgas, also Gas fossilen\nUrsprungs. F\u00fcr die Eigenproduktion des R-Gases auf dem Territorium der EU,\n\u00fcberwiegend als Verwendung von \u00dcberschussstrom aus Windkraft- und PV-Anlagen\nkonzipiert, wird in 2050 eine Menge von 250 Mtoe pro Jahr angegeben. So d\u00fcrfte\nsich die von Eurogas erw\u00e4hnte, in 2050 machbare Quote von 70 beziehungsweise 76\nProzent erkl\u00e4ren \u2013 zumindest wenn man \u00fcber den Gro\u00dfen Daumen peilt.<\/p>\n\n\n\n<p>Zusammengenommen ergibt sich am Ende des Betrachtungszeitraums,\nin 2050, das folgende Bild: Der Gas-Bedarf insgesamt, in H\u00f6he von 400 Mtoe pro\nJahr, wird mit 250 Mtoe aus inl\u00e4ndisch, EU-intern hergestelltem R-Gas gedeckt\nund mit 150 Mtoe aus importiertem <em>Erd<\/em>gas.<\/p>\n\n\n\n<p>Da ist eine g\u00e4nzlich unwahrscheinliche, in Extremen gespreizte\nEntwicklung angenommen: Das auf europ\u00e4ischem Boden erzeugte Gas soll zu 100\nProzent klimaneutral sein \u2013 und das Gas aus dem Ausland soll zu 100 Prozent\nfossilen Ursprungs bleiben. Was zu erwarten und was der Gasbranche m\u00f6glich ist,\nist mit diesem Bild noch nicht zu Ende erz\u00e4hlt. Es gibt ein erhebliches\nzus\u00e4tzliches Potential \u00fcber das Erw\u00e4hnte hinaus: Das gesamte Potential in D-Gas\nin Europa sowie das Potential beider Gasarten im Import ist ausgelassen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Konsequenz dessen: Eurogas sagt faktisch, 100 Prozent klimaneutrales\nGas in Europas Konsum sei problemlos m\u00f6glich \u2013 eigentlich sogar mehr als 100 Prozent.\nWir m\u00fcssen in der klimaneutralen Situation bekanntlich noch S\u00fcnden der\nVergangenheit tilgen, also negative Treibhausgasemissionen produzieren. Die Gaswirtschaft\nmacht somit eine \u00e4u\u00dferst erfreuliche Ansage. Bedauerlich ist, dass sie es bislang\nnicht explizit so formuliert.<br><\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\"\/>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Kolumne von Hans-Jochen Luhmann Es gibt zwei Typen von leitungsgebundenen Endenergietr\u00e4gern: Strom und Gas. Daneben gibt es noch den fl\u00fcssigen Typ, diverse Treibstoffe in Form von Erd\u00f6lderivaten. Die feste Form, Kohle, ist bei uns im Kleinverbrauch schon seit langem ausgemustert worden. Endenergietr\u00e4ger sind hergestellte Energietr\u00e4ger. Sie stammen aus Quellen, ihr Rohstoff sind andere Energietr\u00e4ger &hellip; <\/p>\n<p class=\"link-more\"><a href=\"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/hans-jochen-luhmann\/die-zukunft-des-gases-im-klimaneutralen-europa\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">\u201eDie Zukunft des Gases im klimaneutralen Europa\u201c<\/span> weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"parent":0,"menu_order":80,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":{"footnotes":""},"class_list":["post-343","page","type-page","status-publish","hentry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/hans-jochen-luhmann\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/343","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/hans-jochen-luhmann\/wp-json\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/hans-jochen-luhmann\/wp-json\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/hans-jochen-luhmann\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/hans-jochen-luhmann\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=343"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/hans-jochen-luhmann\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/343\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":694,"href":"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/hans-jochen-luhmann\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/343\/revisions\/694"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/hans-jochen-luhmann\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=343"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}