{"id":62,"date":"2018-06-14T17:07:19","date_gmt":"2018-06-14T15:07:19","guid":{"rendered":"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/hans-jochen-luhmann\/?page_id=62"},"modified":"2020-09-12T16:21:46","modified_gmt":"2020-09-12T14:21:46","slug":"der-einmarsch-unseres-nato-verbuendeten-tuerkei-in-afrin","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/hans-jochen-luhmann\/der-einmarsch-unseres-nato-verbuendeten-tuerkei-in-afrin\/","title":{"rendered":"Der Einmarsch unseres NATO-Verb\u00fcndeten T\u00fcrkei in Afrin: Eine US-Entscheidung als Ausl\u00f6ser sowie v\u00f6lkerrechtliche Beurteilung"},"content":{"rendered":"<p><em>Die Kolumne von Hans-Jochen Luhmann<\/em><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/edam.org.tr\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/Operation-Olive-Branch-01.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Unser NATO-Allianzpartner T\u00fcrkei hat am 20. Januar 2018 seine Streitkr\u00e4fte in die syrische Provinz Afrin einmarschieren lassen<\/a>. Afrin ist die westliche von drei im Norden Syriens gelegenen Provinzen, neben Jazeera und Kobani \u2013 zusammen von den Kurden Rojava genannt. In Rojava leben etwa f\u00fcnf Millionen Menschen, administriert von der Kurdish Democratic Union Party (PYD). Deren Ziel war, unter dem Namen \u201eDemocratic Federal System of Northern Syria\u201c rechtlich eine Autonomie zu erhalten und auf dieser Basis Teil eines sp\u00e4teren syrischen F\u00f6deralstaates zu werden. Die Sicherheitskr\u00e4fte der PYD sind die People\u2019s Protection Units (YPG) und die Women\u2019s Protection Units (YPJ) \u2013 die von der T\u00fcrkei als Terroristen eingestuft worden sind.<\/p>\n<p>Anlass f\u00fcr die Entscheidung der T\u00fcrkei zum Einmarsch in Syrien war eine \u00fcberraschende Entscheidung der USA. Die wollen, nach dem Erfolg im Kampf gegen den IS-Territorialstaat, syrisches Staatsterritorium doch nicht verlassen. Sie wollen vielmehr in dem Gebiet unter Kontrolle der Kurden, also in Nordost-Syrien, auf Dauer bleiben \u2013 und dort eine (zus\u00e4tzliche) kurdische Miliz mit 30.000 Personen aufbauen und ausr\u00fcsten; mit dem erkl\u00e4rten Ziel, die Grenze zur T\u00fcrkei (und zum Irak) zu sichern.<\/p>\n<p>Beide Entscheidungen, die der USA wie die der T\u00fcrkei, sind potentielle beziehungsweise wahrscheinliche Verst\u00f6\u00dfe gegen Art. 51 UN Charta. Gem\u00e4\u00df der Programmatik einer regelgebundenen Sicherheitspolitik sind sie v\u00f6lkerrechtlich zu w\u00fcrdigen. In westlichen Medien sind solche Urteile mit der Lupe zu suchen. Die deutsche Bundeskanzlerin hat sich in ihrer <a href=\"https:\/\/www.bundesregierung.de\/Content\/DE\/Bulletin\/2018\/02\/21-1-bkin-bt.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Regierungserkl\u00e4rung am 22. Februar 2018<\/a> eingereiht in die Reihe derjenigen, die sich eines solchen Urteils lieber enthalten. Hier ist zun\u00e4chst Thema, was an (fundierten) Urteilen gefunden wurde.<\/p>\n<ol>\n<li><strong> Anne Peters Analyse<\/strong><\/li>\n<\/ol>\n<p>Der Einmarsch ist mit \u201eOperation Olivenzweig\u201c benannt worden. Die T\u00fcrkei hat ihre Rechtfertigung dieser Operation dem UN Sicherheitsrat mit <a href=\"https:\/\/undocs.org\/en\/S\/2018\/53\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Schreiben vom 28. Januar 2018<\/a> \u00fcbermittelt. An ihm hebt Anne Peters, Direktorin am Max-Planck-Institut fu\u0308r ausla\u0308ndisches o\u0308ffentliches Recht und Vo\u0308lkerrecht in Heidelberg, die geringe Pr\u00e4zision der rechtlichen Rechtfertigung dieses gravierenden Schritts hervor \u2013 auf den Schl\u00fcsselbegriff in Art. 51, \u201e<em>armed attack<\/em>\u201c, wird nicht einmal Bezug genommen, stattdessen wird sogleich abgestellt auf<\/p>\n<p><em>\u201e\u201cthreat of terrorism\u201d and the <u>lack of control<\/u> by Syria in the Afrin region.\u201c<\/em><\/p>\n<p>In diesem die zentrale Subsumption vermeidenden Schreiben dr\u00fcckt sich somit ein Geist aus, der sich einer professionellen rechtlichen Rechtfertigung nicht einmal mehr verpflichtet sieht. <a href=\"https:\/\/www.ejiltalk.org\/the-turkish-operation-in-afrin-syria-and-the-silence-of-the-lambs\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Frau Peters hingegen h\u00e4lt die Fahne der rechtlichen Professionalit\u00e4t hoch<\/a>, sie weist zudem auf die allseitige Verpflichtung hin, diesen t\u00fcrkischen Schritt des Einmarsches v\u00f6lkerrechtlich zu beurteilen. Und tut es in einem Blog-Beitrag selbst. Ihr Ergebnis:<\/p>\n<p><em>\u201eTo conclude [&#8230;] we here face <strong>a rather obvious violation of international law<\/strong>.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Das hei\u00dft der Status ist \u00e4hnlich dem der Situation hinsichtlich der Krim-Annexion in 2014. Im zweiten Teil ihres Blog-Beitrags stellt Frau Peters fest, dass in dieser Hinsicht allseits geschwiegen wird.<\/p>\n<p>\u201e[<em>&#8230;] <strong>neither<\/strong> the UN Security Council nor any other international organisation <strong>nor<\/strong> powerful states <strong>have<\/strong> clearly <strong>denounced the Operation Olive Branch as what it is<\/strong>: As a <strong>blatant violation of a fundamental principle of international law<\/strong>.\u201c<\/em><\/p>\n<p>In ihrer <a href=\"https:\/\/www.bundesregierung.de\/Content\/DE\/Bulletin\/2018\/02\/21-1-bkin-bt.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Regierungserkl\u00e4rung am 22. Februar 2018<\/a> hat sich die Bundeskanzlerin in die Reihe der Schweigenden eingereiht \u2013 was von Teilen der Opposition, nur Teilen, mit heftiger Kritik quittiert wurde. Dieses fl\u00e4chendeckende Schweigen muss Gr\u00fcnde haben. <a href=\"https:\/\/www.ejiltalk.org\/the-turkish-operation-in-afrin-syria-and-the-silence-of-the-lambs\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Frau Peters listet die folgenden m\u00f6glichen Motive auf<\/a>:<\/p>\n<ul>\n<li>\u201e<em>Geostrategic concern for <strong>shielding Turkey as the Eastern flank of NATO<\/strong>; <\/em><\/li>\n<li><em>reliance on <strong>Turkey in the fight against IS<\/strong>; <\/em><\/li>\n<li><em><strong>the fear of losing voters with Turkish<\/strong> ethnic <strong>background<\/strong> in Western European states; <\/em><\/li>\n<li><em>economic <strong>interests in arms exportation<\/strong> to Turkey; or <\/em><\/li>\n<li><em>the <strong>desire to do or to continue doing basically the same as Turkey is doing right now<\/strong>.\u201c<\/em><\/li>\n<\/ul>\n<p>Als besonders gravierend hervorgehoben wird von ihr das letztere Motiv \u2013 wobei das Subjekt von \u201e<em>continue doing\u201c<\/em> noch zu entr\u00e4tseln ist. Ein Schweigen zum jetzigen Zeitpunkt habe unweigerlich Konsequenzen in der Entwicklung des einschl\u00e4gigen Rechts \u2013 das ist wesentlich Auslegung des geschriebenen Rechts.<\/p>\n<p><em>\u201eopening the door of Art. 51 UN Charter to \u201cthe threat of terrorism\u201d, as the Turkish letter has it, <strong>carries a huge potential for escalation of violence<\/strong> and for abusive invocations of self-defence. [&#8230;] <strong>Not protesting against this false legal assertion<\/strong> might in the future fall back on the feet of those states which now fail to denounce the violation of international law and prefer to shut up<strong>. It is a silence which will facilitate them falling victim to unlawful trans-border violence<\/strong> at some point, too.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Der Titel des Blog-Beitrags enth\u00e4lt deshalb das Bild des \u201e<em>Silence of the Lambs<\/em>\u201c. Nicht zu vergessen: <a href=\"https:\/\/www.euractiv.com\/section\/global-europe\/news\/cyprus-turkey-spar-after-warships-block-gas-drilling-ship\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Das EU-Mitglied Zypern befindet sich aktuell in einem mit Kriegsschiffen ausgetragenen Territorialkonflikt mit unserem NATO-Partner T\u00fcrkei<\/a>. Zum Gl\u00fcck verzichtet Zypern noch immer darauf, die <a href=\"https:\/\/www.bundestag.de\/blob\/396620\/0a70a7885e83aca60333593f753ccbbf\/kollektiver-beistand-in-der-eu-data.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Beistandsklausel nach Art. 42 (7) Lissabon-Vertrag<\/a> in Anspruch zu nehmen.<\/p>\n<figure class=\"wp-block-table\">\n<table class=\"has-subtle-light-gray-background-color has-background\">\n<tbody>\n<tr>\n<td width=\"25%\"><a rel=\"noopener noreferrer\" href=\"http:\/\/wupperinst.org\/home\/\" target=\"_blank\"><img decoding=\"async\" title=\" \" class=\"aligncenter wp-image-313\" src=\"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/hans-jochen-luhmann\/wp-content\/uploads\/sites\/12\/2018\/05\/Luhmann-g11-270x300.jpg\" alt=\"\" width=\"180\"><\/a><\/td>\n<td width=\"75%\">Dr. Hans-Jochen Luhmann ist Senior Expert am <a href=\"http:\/\/wupperinst.org\/home\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Wuppertal Institut f\u00fcr Klima, Umwelt, Energie GmbH<\/a>.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/figure>\n<p>Die \u201eL\u00e4mmer\u201c k\u00f6nnen die verschiedenste Gestalt haben. Die uns n\u00e4chstliegende w\u00e4ren die baltischen Staaten. Die \u00e4ngstigen sich vor Russland wie vor einem Wolf. Um ihnen die Angst zu nehmen, stehen dort neuerdings NATO-Truppen in hom\u00f6opathischer Dosierung, darunter ein deutsches Kontingent. Lettland zeichnet sich unter ihnen durch einen hohen Anteil russischsprachiger Bev\u00f6lkerung aus; in Estland ist es \u00e4hnlich. Einen schweren, mit Gewalt und professionellem Terror ausgetragenen Konflikt zwischen beiden Teilen der Bev\u00f6lkerung anzuzetteln, fiele den Geheimdiensten beider Seiten nicht schwer \u2013 die Urheberschaft w\u00e4re dann, wie bei einem Cyber-Angriff, ungekl\u00e4rt. Dann h\u00e4tten wir dort eine Situation wie in Afrin heute. Der \u00fcbergro\u00dfe Nachbar begr\u00fcndet seinen Einmarsch mit der Gefahr durch die pure Existenz von \u201eTerroristen\u201c auf diesem Gebiet in der Nachbarschaft. Diese Argumentations-Figur k\u00f6nnte Russland bei einem Einmarsch in den baltischen Staaten in Anspruch nehmen \u2013 in diesem Falle noch um die Notwendigkeit des Schutzes der dort lebenden russischsprachigen Bev\u00f6lkerung erg\u00e4nzt, den der dortige Staat (\u201e<em>lack of control<\/em>\u201c!) nicht gew\u00e4hrleiste. Wer ein solches zuk\u00fcnftiges potentielles Szenario deligitimieren will, muss <em>heute<\/em> sagen: Der Einmarsch in Afrin verst\u00f6\u00dft gegen Art. 51 UN Charta, verletzt geltendes V\u00f6lkerrecht. Und: Der Rechtsbrecher ist mit Sanktionen zu belegen.<\/p>\n<p>Es ist wie bei den Nazis: Wer nicht sah, dass das Ausgrenzen der Juden nur der Beginn war, dass nach diesem Prinzip ein jeder zum \u201eOpferlamm\u201c werden kann, hatte die Pointe der Salami-Taktik nicht verstanden. Diese Analogie will Anne Peters nach meinem Verst\u00e4ndnis evozieren. Das V\u00f6lkerrecht ist eben auch V\u00f6lkergewohnheitsrecht und ist folglich auf einer absch\u00fcssigen Ebene, wenn die Gewohnheiten, die Sitten, verderben. Deshalb gilt: Wehret den Anf\u00e4ngen!<\/p>\n<ol start=\"2\">\n<li><strong> Hintergrund: Wie der Einmarsch \u201efreigegeben\u201c wurde<\/strong><\/li>\n<\/ol>\n<p>Soweit die v\u00f6lkerrechtliche Beurteilung des Einmarsches in Afrin. Er hat aber einen bemerkenswerten Anlass, eine Entscheidung, die ebenfalls einer Beurteilung nach Art. 51 UN-Charta harrt. Frau Peters beurteilt diesen Vorgang nicht mehr, zumindest nicht explizit.<\/p>\n<p>Subjekt dieser Entscheidung sind die USA \u2013 ob das mit Gro\u00dfbritannien und Frankreich abgestimmt ist, ist offen. <a href=\"https:\/\/www.swp-berlin.org\/kurz-gesagt\/2018\/das-nato-mitglied-tuerkei-greift-mit-russischer-erlaubnis-in-syrien-ein\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Dargestellt ist der Vorgang hier vom T\u00fcrkei-Experten der Stiftung Wissenschaft und Politk (SWP), G\u00fcnter Seufert<\/a>; auch, wie sie den Einmarsch in Afrin erm\u00f6glichte wenn nicht provozierte:<\/p>\n<p>\u201e<em>Ge\u00e4ndert hat sich die Haltung Russlands den Kurden gegen\u00fcber erst <strong>Anfang dieses Jahres<\/strong>. <strong>Die USA hatten<\/strong> pl\u00f6tzlich <strong>erkl\u00e4rt<\/strong>, dass sie, um den Iran zur\u00fcckzudr\u00e4ngen, <strong>l\u00e4nger \u2013 sprich dauerhaft \u2013 in Syrien bleiben<\/strong> und deshalb die Kurden weiterhin unterst\u00fctzen m\u00fcssten. In Russlands Augen \u2013 und Gleiches gilt f\u00fcr Syrien und f\u00fcr den Iran \u2013 wurden <strong>die Kurden<\/strong> damit von einem nat\u00fcrlichen Gegner des IS, der Unterst\u00fctzung aus den USA erh\u00e4lt<strong>, zum Instrument der USA gegen das syrische Regime<\/strong>: Die <strong>Russen<\/strong> <strong>\u00f6ffneten den Luftraum \u00fcber Syrien<\/strong>, und <strong>Ankara marschierte ein<\/strong>.<\/em>\u201c<\/p>\n<p>Ein Geschehen also nach dem \u00fcblichen Muster eines Rapprochement: \u201eWird ein Neutraler zum Freund meines Feindes, wird er mein Feind\u201c. Das milit\u00e4rische Element dieser Entscheidung, die den Frontwechsel ausgel\u00f6st hat, <a href=\"https:\/\/southfront.org\/us-led-coalition-forming-30000-strong-force-to-control-syrian-border\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">wurde am 14. Januar 2018 publiziert<\/a> \u2013 sie gab Russland die Chance, die T\u00fcrkei gegen ihren NATO-Partner in Stellung zu bringen. Also ein Vorgang von historischer Bedeutung. Der genaue Ablauf war so. Zun\u00e4chst auf Seiten der T\u00fcrkei.<\/p>\n<ol start=\"3\">\n<li><strong> Die Entscheidung der T\u00fcrkei<\/strong><\/li>\n<\/ol>\n<p><a href=\"https:\/\/www.csis.org\/analysis\/understanding-turkeys-afrin-operation\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Dem Einmarsch vorausgegangen war am 13. Januar eine Ank\u00fcndigung Erdogans, dass \u201cinnerhalb einer Woche\u201c etwas geschehen werde. Am 17. Januar trat der T\u00fcrkische Nationale Sicherheitsrat unter Erdogans Vorsitz zusammen und best\u00e4tigte, dass Schritte unternommen werden w\u00fcrden<\/a><\/p>\n<p><em>\u201cimmediately and decisively to eliminate threats [&#8230;] <strong>to prevent the formation of a terror corridor<\/strong> and terrorist army <strong>beyond [Turkey\u2019s] borders<\/strong>.\u201d<\/em><\/p>\n<p>Die erforderliche Koordination mit Russland wurde am n\u00e4chsten Tag vorgenommen, bei einem Treffen des t\u00fcrkischen Generalstabschefs Hulusi Akar, der von dem Geheimdienstchef (National Intelligence Organization (MIT)) Hakan Fidan begleitet war, mit dem Russischen Generalstabschef Waleri Gerrasimow am 18. Januar in Moskau. Das Ziel der Operation in Afrin ist ambivalent beschrieben, wie allseits im Anti-Terror-Kampf verbreitet.<\/p>\n<p><em>Prime Minister Binali <strong>Yildirim<\/strong> stated that <strong>Turkey\u2019s goal<\/strong> in Afrin was <strong>to \u201ccreate a 30-kilometer deep security belt\u201d<\/strong> that would prevent such attacks in the future. However, Turkish chief of staff Hulusi <strong>Akar<\/strong> identified a much more ambitious objective by announcing that \u201c<strong>the operation will continue until the last terrorist is neutralized in our region<\/strong>.\u201d<\/em><\/p>\n<p>Das hei\u00dft ob es um einen territorialen Schutzg\u00fcrtel oder ob es um die Vernichtung von Terroristen als Personen gehen soll, ist offen. Erdogan aber lie\u00df eine weitergehende Katze aus dem Sack:<\/p>\n<p><em>\u201eFor his part, Erdogan said that the operation would \u201cgradually destroy this [terror] corridor, <strong>starting from the west\u201d and continue to \u201cManbij<\/strong> [\u2026] up to the Iraqi border.\u201d<\/em><\/p>\n<p>Dieses Ziel ist ein Z\u00fcndholz zum Gro\u00dfbrand. Denn<\/p>\n<p><em>\u201ethe longer-term question is whether [&#8230;] <strong>Turkey will<\/strong> <strong>also initiate military action<\/strong> in Manbij and beyond the Euphrates, <strong>where there are approximately 2,000 U.S. troops embedded with the YPG<\/strong> in the context of Washington\u2019s cooperation with the umbrella Syrian Democratic Forces (SDF) against the Islamic State.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Die Ziele der beiden (ehemals?) verb\u00fcndeten T\u00fcrkei und USA, auf demselben Territorium, sind somit nicht miteinander vereinbar. Die Luftwaffe der T\u00fcrkei, die f\u00fcr die Afrin-Operation in dichter Folge ihre Luftschl\u00e4ge ausf\u00fchrt, tut dies von der Airbase Incirlik aus, wo zugleich ein gro\u00dfes Kontingent von US-Milit\u00e4r stationiert ist, einerseits f\u00fcr die Eins\u00e4tze in Syrien und andererseits zum H\u00fcten des erheblichen Arsenals von US-Nuklearwaffen, gerichtet gegen Russland, welches gerade der Hauptsponsor der T\u00fcrkei geworden ist.<\/p>\n<ol start=\"4\">\n<li><strong> Die Entscheidung der USA<\/strong><\/li>\n<\/ol>\n<p>Auf Seiten der USA ist die strategische Entscheidung am 17. Januar durch Au\u00dfenminister Rex Tillerson verk\u00fcndet worden, bei einem Vortrag im Hoover Institute in Stanford. Diese Entscheidung kam nicht aus dem Nichts, sie war vorbereitet worden, unter anderem durch eine <a href=\"https:\/\/www.foreign.senate.gov\/imo\/media\/doc\/011118_Satterfield_Testimony.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Grundsatz-Erkl\u00e4rung, die David. M. Satterfield, Senior Bureau Official for Near Eastern Affairs, am 11. Januar vor dem Ausw\u00e4rtigen Ausschuss des US-Senats abgegeben hatte<\/a>. Der Titel ist v\u00f6llig klar: \u201e<em>U.S. Policy Toward Syria <strong>Post-ISIS<\/strong><\/em>\u201c. Der Inhalt des Statements aber widerspricht in dieser Hinsicht dem Titel. Die Entscheidung zur Rekrutierung von Milizion\u00e4ren im Umfang von 30.000 wurde vorab, wie erw\u00e4hnt am 14. Januar 2018, \u00f6ffentlich gemacht. Unter den f\u00fcnf zentralen Punkten in Tillersons Rede findet sich das Ziel:<\/p>\n<p><em>\u201e<strong>Diminished Iranian influence in Syria<\/strong>. The Administration seeks to deny Iran its attributed goal of establishing a &#8222;northern arch&#8220; stretching from Iran, through Syria and Lebanon, to the Mediterranean Sea.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Das ist eindeutig. Um diese Blockierung zu materialisieren, z\u00e4hlt zu den konkreten Schritten, die Tillerson ank\u00fcndigte,<\/p>\n<p><em>&#8222;the <strong>United States will maintain a military presence in Syria<\/strong> focused on ensuring ISIS cannot re-emerge.&#8220;<\/em><\/p>\n<p>Im Nachsatz dann aber die rechtlich kalkulierte Camouflage, dass es doch weiterhin um den Kampf gegen den IS gehe. Das erkl\u00e4rte Ziel wird dann, wissend um die v\u00f6lkerrechtlichen H\u00fcrden, die dem entgegenstehen, wieder versucht zu umw\u00f6lken. Die Satterfield-Erkl\u00e4rung vor dem Ausw\u00e4rtigen Ausschuss zeigt das \u00fcberdeutlich:<\/p>\n<p><em>\u201e<strong>While Russia<\/strong> may consider the <strong>fight against ISIS in Syria over<\/strong>, the <strong>United States and our Coalition partners do not<\/strong>. ISIS\u2019 loss of physical control over towns in Syria and Iraq does not mean the end of ISIS, nor does it signal the end of the coalition. Hard work remains to ensure ISIS\u2019 enduring defeat. We will continue to root out &#8211; and destroy &#8211; the remaining pockets of ISIS and other terrorist groups that threaten our homeland and our allies.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Das hei\u00dft die USA behaupten auch noch, dieses Ziel, welches zu erreichen einen Einsatz von unabsehbarer Dauer erfordert, mit den Partnern in der Anti-IS-Coalition abgestimmt zu haben \u2013 was eher nicht der Fall sein d\u00fcrfte. Diese Argumentation ist jedoch auf Treibsand gebaut. Der wissenschaftliche Dienst des US-Kongress (CRS) stellt die Lage in Washington so dar:<\/p>\n<p><em>\u201eTillerson emphasized the U.S. commitment to &#8222;maintaining an American military presence in Syria until the full and complete defeat of ISIS.&#8220; However, military officials have reported that IS members have fled to Syrian-government-controlled areas. Members of the anti-IS coalition have stated that the coalition does not intend to operate in areas controlled by the Syrian government. This has <strong>raised the question<\/strong> <strong>of how the coalition intends to fully defeat the Islamic State or prevent its return<\/strong> if it does not plan to operate outside of areas controlled by coalition partner forces.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Das hei\u00dft die Behauptung, es gehe noch um den Kampf gegen den IS, ist mehr eine v\u00f6lkerrechtlich motivierte Schutzbehauptung. Wichtig werden kann noch, dass das Mandat des US-Kongresses f\u00fcr den Einsatz in Syrien zeitlich beschr\u00e4nkt erteilt worden ist: Es l\u00e4uft auf Ende 2018 aus.<\/p>\n<ol start=\"5\">\n<li><strong> Rechtliche Beurteilung der US-Entscheidung<\/strong><\/li>\n<\/ol>\n<p>Ansteht offenkundig, auch die Entscheidung der USA v\u00f6lkerrechtlich zu w\u00fcrdigen. Der Kampf gegen den IS, <a href=\"http:\/\/theglobalcoalition.org\/en\/home\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">der Kampf der Anti-Daesh-Koalition<\/a> auch auf dem Territorium Syriens, war unklar legitimiert, offiziell berufen sich die Mitglieder der Koalition auf eine Entscheidung des UN-Sicherheitsrates, die das indirekt legitimiere; <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Bundeswehreinsatz_in_Syrien#Verfassungs-_und_v\u00f6lkerrechtliche_Grundlage\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">andere Autoren f\u00fchren eine andere rechtliche Argumentation an<\/a>. Nach welcher Legitimationsbasis auch immer: wenn der Kampf gewonnen und damit beendet ist, entf\u00e4llt auch diese Legitimation f\u00fcr die Anwesenheit in Syrien. Die \u2013 wenig beachtete \u2013 Entscheidung der USA, auf Syriens Territorium zu bleiben, um einer erwarteten Expansion des Iran einen Riegel vorzuschieben, stellt also etwas Vergleichbares dar wie der Einmarsch der T\u00fcrkei in Afrin.<\/p>\n<p>Beachtet werden sollte in diesem Zusammenhang, dass Europa da milit\u00e4risch beteiligt ist. Die beiden europ\u00e4ischen Staaten mit selbst\u00e4ndigen Interventionsf\u00e4higkeiten, UK und Frankreich, sind im Euphrat-Tal an zwei St\u00fctzpunkten (zusammen mit den USA) milit\u00e4risch pr\u00e4sent.<\/p>\n<p>Ich vermute, dass es diese Situation ist, auf die Frau Peters mit dem offen gelassenen Subjekt von \u201e<em>continue doing\u201c<\/em> hinweisen wollte.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Kolumne von Hans-Jochen Luhmann Unser NATO-Allianzpartner T\u00fcrkei hat am 20. Januar 2018 seine Streitkr\u00e4fte in die syrische Provinz Afrin einmarschieren lassen. 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