{"id":71,"date":"2018-06-15T16:29:54","date_gmt":"2018-06-15T14:29:54","guid":{"rendered":"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/hans-jochen-luhmann\/?page_id=71"},"modified":"2020-09-12T16:23:08","modified_gmt":"2020-09-12T14:23:08","slug":"das-ende-des-verbrennungsmotors-in-europa","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/hans-jochen-luhmann\/das-ende-des-verbrennungsmotors-in-europa\/","title":{"rendered":"Das Ende des Verbrennungsmotors in Europa: Was besagt das Clean Mobility Paket der EU-Kommission dazu?"},"content":{"rendered":"<p><em>Die Kolumne von Hans-Jochen Luhmann<\/em><\/p>\n<p>Allenthalben wird das \u201eEnde des Verbrennungsmotors\u201c verk\u00fcndet. Die Gr\u00fcnen in Deutschland hatten in ihrem <a href=\"https:\/\/www.gruene.de\/fileadmin\/user_upload\/Dokumente\/BDK_2017_1_Berlin\/BDK2017_Wahlprogramm_Bundestagswahl_2017_Schlusskapitel.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Wahlprogramm 2017<\/a> formuliert: \u201eWir beenden die \u00c4ra des fossilen Verbrennungsmotors [&#8230;]. Wir wollen ab 2030 nur noch abgasfreie Autos neu zulassen [&#8230;]\u201c <a href=\"http:\/\/www.zeit.de\/mobilitaet\/2017-10\/volvo-elektromotor-polestar-verbrennungsmotor\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Volvo hat im Juni 2017 eine durchgehende motorische Elektrifizierung f\u00fcr seine Modellpalette angek\u00fcndigt<\/a>; der chinesische Hersteller Changan \u00c4hnliches, ab 2025. Frankreich und Gro\u00dfbritannien haben das ab 2040 als ihre Zulassungs-Politik verk\u00fcndet, China und Kalifornien erw\u00e4gen \u00c4hnliches. Die Europ\u00e4ische Kommission kommt am 8. November 2017 mit einem <a href=\"http:\/\/europa.eu\/rapid\/press-release_IP-17-4242_de.htm\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Paket von Vorschl\u00e4gen auf den Markt, unter dem Titel \u201eClean Mobility\u201c<\/a>. Wie h\u00e4lt sie es mit dem Verbrennungsmotor und dessen Ende?<\/p>\n<p><strong>Hintergrund: Was heisst \u201esauber\u201c?<\/strong><\/p>\n<p>\u201eSauberer\u201c im Verkehr hei\u00dft deutlich geminderte Emissionen einerseits von klassischen Luftschadstoffen und andererseits von CO<sub>2<\/sub> aus fossilen Quellen. Im Titel des Pakets der Europ\u00e4ischen Kommission steht allerdings kein Komparativ, sondern \u201esauber\u201c. Bei CO<sub>2 <\/sub>hei\u00dft das: Nullemissionen. Und das ab 2050, so die Implikation der klimapolitischen Rahmenbeschlusslage. Hinaus l\u00e4uft es am Ende somit auf Fahrzeuge mit einem klimagerechten \u201aTreibstoff\u2019, das ist ein Treibstoff, der nicht mehr aus Erd\u00f6l destilliert wird sondern aus Elektrizit\u00e4t produziert ist. Das bedeutet:<\/p>\n<ul>\n<li>Dieser gesuchte Treibstoff ist erstens in seiner Vorleistung frei von fossilem Kohlenstoff;<\/li>\n<li>und er ist zweitens deswegen zugleich in seiner Verwendung frei von all den schmutzigen Begleitstoffen, welche heutige Treibstoffe, die Gemische sind, mit sich bringen beziehungsweise an sich haben.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Die Botschaft ist: Der (klimagerechte) Treibstoff der Zukunft, im Jahre 2050, ist deswegen, weil er produziert ist, auch hinsichtlich der akzidentiellen Emissionen definitorisch sauber. Das mit ihm betankte Fahrzeug ist ebenfalls sauber \u2013 die einzige Ausnahme k\u00f6nnte die NO<sub>x<\/sub>-Bildung sein. Die n\u00e4mlich geht als einzige nicht auf Stoffanteile im Treibstoff zur\u00fcck sondern ist dem Verbrennungsprozess inh\u00e4rent. Sie k\u00f6nnte emissionsseitig der Grund sein, sich von der motorischen Verbrennung zu verabschieden. Das gilt auch, wenn richtig ist, was die Wissenschaftliche Gesellschaft f\u00fcr Kraftfahrzeug- und Motorentechnik e.V. (WKM) in ihrem Positionspapier \u201eDie Zukunft des Verbrennungsmotors \/ Bewertung der dieselmotorischen Situation\u201c betont:<\/p>\n<p>\u201eHunderte von Forschungsprojekten sind mit dem Ziel bearbeitet worden, die Bildung von Stickstoffoxiden (NO<sub>x<\/sub>) im Einzelnen zu verstehen und die NO<sub>x<\/sub>-Emission zu reduzieren. Als Ergebnis dieser Arbeiten<strong> kann das NO<sub>x<\/sub>-Emissionsproblem als technisch gel\u00f6st betrachtet werden<\/strong>.\u201c<\/p>\n<p>Die offene Frage ist nur: Wie, mit welchem Aufwand, \u00fcbersetzt sich die prinzipielle Gel\u00f6stheit in tragf\u00e4hige L\u00f6sungen insbesondere in Kleinfahrzeugen, also PKW und Zweir\u00e4der?<\/p>\n<p><strong>Die 1-zu-1-Bezogenheit der Arten von Treibstoff und Antrieb<\/strong><\/p>\n<p>Die gro\u00dfe Frage ist: Welche Kandidaten gibt es f\u00fcr diesen gesuchten Treibstoff der Zukunft? Was werden wir in Zukunft tanken? Daf\u00fcr gibt es drei Anw\u00e4rter:<\/p>\n<ul>\n<li>Elektrizit\u00e4t, batteriegespeichert; Antrieb mit E-Motor;<\/li>\n<li>Wasserstoff (H<sub>2<\/sub>); umgewandelt via Brennstoffzelle; Antrieb ebenfalls mit E-Motor; und<\/li>\n<li>Kohlenwasserstoffe (CH<sub>4<\/sub> beziehungsweise Power-to-Liquid), eingesetzt im Verbrennungsmotor. Zwar k\u00f6nnte man auch H<sub>2<\/sub> verbrennen, doch dieser Pfad wird kaum verfolgt.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Hinzuweisen ist darauf, dass 3) die \u201edrop in\u201c-L\u00f6sung ist: Bei ihr kann hinsichtlich Antriebsart und Tankinfrastruktur (im wesentlichen) alles so bleiben wie es ist. F\u00fcr den gesuchten Treibstoff der Zukunft gibt es somit einen \u201ePlatzhirsch\u201c (der nur leicht ver\u00e4ndert werden muss); und zwei wirkliche \u201eAlternativen\u201c. Das steht zur Wahl.<\/p>\n<p>Spezifisch an dieser Antwort auf die Frage nach den Optionen ist die Form, die des Duals \u2013 jede Treibstoffart impliziert eine Antriebsart; et vice versa. Das hei\u00dft mit der Wahl eines von beiden Elementen im Dual ist \u00fcber das Komplement mitentschieden. Beide sind eineindeutig aufeinander abbildbar.<\/p>\n<p>\u201eAutos\u201c, als Produkte, sind charakterisiert durch eine einheitliche Antriebsart, bislang den Verbrennungsmotor. Sie stehen im Wettbewerb untereinander. F\u00fcr diese Konstellation gilt f\u00fcr den \u2013 liberalen \u2013 Staat als oberste Maxime: Mache keine Vorgaben, mit denen Du den Wettbewerb der Produkt-Optionen verzerrst: Bleibe neutral!<\/p>\n<p>Will man aber eine technologische Transformation in der Dimension \u201eAntriebsart\u201c ansto\u00dfen, dann geht es um das System \u201eAuto\u201c. In dieser Perspektive verliert das Auto als Fahrzeug seine Isolierbarkeit. Dann stehen Duale zur Auswahl, dann ist in den Blick zu r\u00fccken, dass das Auto auf Komplement\u00e4res, auf langlebige Infrastrukturen, angewiesen ist. Das sind<\/p>\n<ul>\n<li>einerseits Stra\u00dfen \u2013 die sind antriebsart-invariant \u2013;<\/li>\n<li>das sind andererseits Tankm\u00f6glichkeiten \u2013 die aber variieren je nach Antriebsart.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Konkurrierende Antriebsarten und Tankm\u00f6glichkeiten sind wie erw\u00e4hnt verkoppelt.<\/p>\n<p><strong>Die liberale Maxime der technologieoffenen Regulierung<\/strong><\/p>\n<p>Im aktuellen Paket geht es der Europ\u00e4ischen Kommission, so ihr Anspruch, um ein Weiterstricken an der technologischen Transformation des Verkehrssektors \u2013 im doppelten Sinne, sowohl des heimischen Verkehrssystems als auch der Fahrzeuge anbietenden Industrie, insbesondere auch f\u00fcr Exportzwecke. Doch sie ist gefangen, weil sie in der Programmatik der technologischen Liberalit\u00e4t, weil sie \u201etechnologieoffen\u201c entscheiden will. Damit will sie es \u201edem Markt\u201c, gar noch dem heimischen, \u00fcberlassen zu entscheiden. Er ist ausersehen zu erweisen, welcher der Kandidaten sich als wirtschaftlich \u00fcberlegen durchsetzen wird \u2013 unterstellt, so etwas g\u00e4be es und nicht lediglich pfadabh\u00e4ngige Ergebnisse. Angesichts der technologieentwicklungsspezifischen Risiken mag an dieser vorsichtig zur\u00fcckhaltenden Haltung etwas Berechtigtes dran sein \u2013 auch wenn man zu realisieren hat, dass der zentrale technologische Wettbewerber f\u00fcr Europas Kfz-Industrie, der in China, alles auf eine einzige Karte setzt. Dessen Motto scheint zu sein: Beim Verbrennungsmotor seid Ihr westlichen Autobauer \u00fcberlegen, das sei neidlos anerkannt \u2013 da holen wir Euch nicht ein. Aber wir wechseln das Spielfeld. Da haben wir wirklich die Chance, alsbald Spitze zu sein.<\/p>\n<figure class=\"wp-block-table\">\n<table class=\"has-subtle-light-gray-background-color has-background\">\n<tbody>\n<tr>\n<td width=\"25%\"><a rel=\"noopener noreferrer\" href=\"http:\/\/wupperinst.org\/home\/\" target=\"_blank\"><img decoding=\"async\" title=\" \" class=\"aligncenter wp-image-313\" src=\"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/hans-jochen-luhmann\/wp-content\/uploads\/sites\/12\/2018\/05\/Luhmann-g11-270x300.jpg\" alt=\"\" width=\"180\"><\/a><\/td>\n<td width=\"75%\">Dr. Hans-Jochen Luhmann ist Senior Expert am <a href=\"http:\/\/wupperinst.org\/home\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Wuppertal Institut f\u00fcr Klima, Umwelt, Energie GmbH<\/a>.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/figure>\n<p>Die liberale Neutralit\u00e4ts-Haltung, den Markt entscheiden zu lassen, ist der eineindeutigen Dualit\u00e4t wegen nicht wirklich durchzuziehen. Der Staat muss entscheiden, welche Infrastrukturen er erg\u00e4nzend und in diesem Sinne \u201ealternativ\u201c anbieten lassen will \u2013 und sofern er, anders als in China, deren mehrere errichten lassen will, ist technologischer Wettbewerb unter Antriebsoptionen zwar m\u00f6glich, aber nur unter denjenigen wenigen Optionen, die der Staat, entgegen seiner liberalen Grundhaltung, ausgew\u00e4hlt hat.<\/p>\n<p><strong>Die Auswahl der Kandidaten f\u00fcr die aussichtsreichen alternativen sauberen Treibstoffe in Zukunft<\/strong><\/p>\n<p>Das aktuelle \u201eClean Mobility\u201c-Paket enth\u00e4lt deren explizit vier. Vorgeschrieben wird<\/p>\n<ul>\n<li>selbstverst\u00e4ndlich, der Aufwuchs von Tankstellen f\u00fcr Strom und Wasserstoff<\/li>\n<li>dar\u00fcber hinaus auch der f\u00fcr zwei Aggregatformen von Erdgas: f\u00fcr LNG (\u201eLiquified Natural Gas\u201c)<\/li>\n<li>und CNG (\u201eCompressed Natural Gas\u201c).<\/li>\n<\/ul>\n<p>Dass Erdgas fl\u00fcssig zu machen weit aufw\u00e4ndiger ist als lediglich dessen Kompression, ist offenkundig. Also ist Liquified Natural Gas f\u00fcr Gro\u00dfverbraucher vorgesehen \u2013 umgehend beginnend mit der Schifffahrt, ab 2025 dann auch f\u00fcr LKW. Erdgas aber stammt aus fossilen Quellen. Liquified Natural Gas und Compressed Natural Gas sind somit nicht \u201eklimasauber\u201c \u2013 sie werden\/m\u00fcssen folglich im Jahre 2050 schon wieder aus dem Markt verschwunden sein.<\/p>\n<p>Diese Entscheidung f\u00fcr drei zu den heutigen (und gegebenenfalls zuk\u00fcnftigen) \u201eLiquids\u201c alternative Treibstoffe ist im <a href=\"http:\/\/eur-lex.europa.eu\/legal-content\/EN\/TXT\/PDF\/?uri=CELEX:52017DC0652&amp;from=EN\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\"><em>Action Plan on alternative fuel infrastructure <\/em><\/a>enthalten. Die <a href=\"http:\/\/eur-lex.europa.eu\/legal-content\/EN\/TXT\/PDF\/?uri=CELEX:32014L0094&amp;from=EN\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">zugeh\u00f6rige Verordnung<\/a>, die daf\u00fcr das Mandat gab, stammt schon aus dem Jahre 2014, <a href=\"http:\/\/eur-lex.europa.eu\/legal-content\/EN\/ALL\/?uri=celex:52013SC0005\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">die Entscheidungsvorbereitung wurde im Januar 2013 abgeschlossen<\/a>. Nun gibt es zwar ein Impact Assessment zu den politischen Entscheidungen zum Aufwuchs der alternativen <u>Antriebs<\/u>arten in G\u00e4nze, wenn auch nur bis 2030, also in kurzer Frist. Es gibt aber keines zum System von Antriebsarten und Tank-Infrastrukturen zusammen. Im Fall einer systemischen Transformation, der hier vorliegt, gew\u00e4hrleistet die geforderte Optimalit\u00e4t nicht ein \u201eobjektiver Geist\u201c des Marktes, sondern allein der kalkulierenden Geist der Politikvorbereiter. Zum Check des geforderten Aufbaus von Treibstoffbereitschafts-Infrastrukturen kann man zur\u00fcckgehen auf das Impact Assessment zur Directive on the deployment of alternative fuels infrastructure (COM (2013) 0012 (COD)) von 2013 (SWD (2013) 5 und SWD (2013) 6 (summary)). Darin findet sich:<\/p>\n<ul>\n<li>Zur Bandbreite der Politik-Optionen, die vergleichend erwogen wurden, z\u00e4hlt nicht eine Variation der Zahl und Arten der eingeschlossenen Alternativen von Treibstoffen. Dieser Fragestellung am n\u00e4chsten kam die Politik-Option 3. In der werden den Mitgliedstaaten verbindliche Aufwuchsziele vorgegeben lediglich f\u00fcr<br \/>\n<em>\u201ethe technologically most mature fuel technologies (electricity, and LNG for waterborne transport), &#8230; <\/em><em>For the remaining fuels (hydrogen and natural gas (LNG and CNG) for road transport), the targets would remain indicative.<\/em><\/li>\n<li>Die Einschr\u00e4nkung auf die drei (beziehungsweise vier) genannten Alternativen wird hingegen lediglich im Text begr\u00fcndet, und zwar wie folgt:<br \/>\n<em>\u201eThe Commission also offers an overview table of pre-screened possible combinations of the various types of alternative fuels, resulting in a large number of variations being added in the policy options. The selection of four fuel combinations for further analysis was based on the principle of technological neutrality \u2014 to avoid deployment of one favoured specific fuel over other technologies (Appendix 7, p. 44). The four discarded combinations were not selected because it would be \u2018unjustified to apply a stricter regulatory approach to fuels and technological solutions that are in an earlier stage of technological maturity&#8217;&#8230;.<\/em><\/li>\n<\/ul>\n<p>Das hei\u00dft auf die Kosten-Implikationen einer Vorgabe des Mehrfach-Aufwuchs von Tank-Infrastrukturen wird nicht eingegangen. Das ist ein wirklicher Mangel.<\/p>\n<p><strong>\u201elock-in\u201c bei Erdgas-basierten Antriebsarten<\/strong><\/p>\n<p>Angenommen, es h\u00e4tte ein dem systemischen <em>scope<\/em> angemessenes Impact Assessment gegeben, dann w\u00e4re aufgefallen, was da von den Mitgliedstaaten verlangt wird: Sie haben sehenden Auges <em>stranded assets<\/em> zu produzieren. Sie sollen in zwei (Tank-)Infrastrukturen investieren, die entweder alsbald mit sinkenden Nutzungsraten konfrontiert und\/oder noch vor Ende ihrer kalkulierten \u00f6konomischen Lebensdauer wieder stillzulegen sind: in die von Liquified Natural Gas (LNG) und von Compressed Natural Gas (CNG). Das ist offenkundig \u00f6konomisch unsinnig.<\/p>\n<p>Es l\u00e4ge am Rat und am Europ\u00e4ischen Parlament, diesen \u00f6konomischen Unsinn zu streichen. Die aber k\u00f6nnen es nicht. Die Kommission hat die Entscheidung zum <em>Action Plan on alternative fuel infrastructure<\/em> nicht mit in ihr aktuelles Vorlagen-Paket aufgenommen \u2013 die aber hat diesbez\u00fcglich eine Sperrkompetenz. Dass da Milliarden Euro bachab geschickt werden, dem k\u00f6nnen alle Beteiligten nur zusehen, die Arme sind ihnen gefesselt. Die Folge: Wenn noch etwas zu machen sein soll, dann in den Mitgliedstaaten, im Prozess der Umsetzung.<\/p>\n<p>Hilfreich daf\u00fcr w\u00e4re eine Untersuchung, die im Detail den anstehenden Prozess des Divestment von LNG- und CNG-Tankstellen vor Augen stellt. Das ist deswegen wichtig, weil zu erwarten ist, dass die Elemente, die privaten, dezentral gehaltenen Stationen, dieses Tankstellennetzes unabgestimmt, je nach dem Zeitpunkt des Eintritts der individuellen Unrentabilit\u00e4t, aus dem Verkehr gezogen werden \u2013 unplanbar als Netz im Ganzen; aber mit erheblichen entwertenden Effekten auf die diesbez\u00fcgliche Fahrzeugflotte \u2013 ein \u00f6konomischer Kollateraleffekt, der in das Kalk\u00fcl der Tankstellenbetreiber nicht einzugehen vermag. Dieser absehbare erhebliche \u00f6konomische Effekt, ein Tribut an die Politik der technischen Neutralit\u00e4t, ist bei dem Impact Assessment ausgeblendet worden, weil er nicht kurzfristig anf\u00e4llt.<\/p>\n<p><strong>Die programmatische Position der Gr\u00fcnen revisited<\/strong><\/p>\n<p>Schaut man nach dieser begrifflich-sachlichen Kl\u00e4rung zur\u00fcck auf die eingangs zitierte Positionierung der Gr\u00fcnen, so zeigt sich darin eine unter Politik-Profis erwartbare Pr\u00e4zision. Erstaunlich ist lediglich, mit welchem Unverstand und mit welcher historischen Vergessenheit die Position \u00f6ffentlich kolportiert wird, dass da die Professionalit\u00e4t gleichsam kommunikativ verlorengeht.<\/p>\n<p>Die Gr\u00fcnen fordern nicht etwa das Ende des Verbrennungsmotors, sondern die Beschr\u00e4nkung der Zulassung neuer Autos ab 2030 auf solche, die abgasfrei sind. Die Formel lautete \u201eEnde des <strong>fossilen<\/strong> Verbrennungsmotors\u201c \u2013 nicht etwa jeglichen Verbrennungsmotors. Mit klimaneutralem Power-to-Liquid zum Beispiel gespeist darf er auch nach Auffassung der Gr\u00fcnen weiter laufen.<\/p>\n<p>Diese von den Gr\u00fcnen verwendete Formel geht zur\u00fcck auf einen <a href=\"http:\/\/www.bundesrat.de\/SharedDocs\/drucksachen\/2016\/0301-0400\/387-16(B).pdf?__blob=publicationFile&amp;v=1\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Beschluss des Bundesrates<\/a>, ist also partei\u00fcbergreifender Konsens in Deutschland. Der hatte, in Reaktion auf die <a href=\"http:\/\/europa.eu\/rapid\/press-release_MEMO-16-2497_de.htm\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">\u201eEurop\u00e4ische Strategie f\u00fcr eine saubere Mobilit\u00e4t\u201c<\/a> der EU-Kommission, am 23. September 2016 erkl\u00e4rt:<\/p>\n<p>\u201eHier gilt es, [&#8230;] Vorschl\u00e4ge [&#8230;] zu unterbreiten, damit <strong>sp\u00e4testens ab dem Jahr 2030<\/strong> unionsweit <strong>nur noch emissionsfreie PKW zugelassen werden<\/strong>.\u201c<\/p>\n<p>Die Leitung des Wuppertal Instituts hat diesen Vorsto\u00df damals umgehend <a href=\"https:\/\/epub.wupperinst.org\/files\/6594\/6594_Schneidewind.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">in einem ausf\u00fchrlichen Aufsatz interpretiert und unterst\u00fctzt<\/a>. Der Titel lautete denn auch, sachgerecht \u201e<em>Aus f\u00fcr Benzin- und Dieselfahrzeuge ab 2030 &#8230;?<\/em>\u201c Und sp\u00e4ter \u201e<em>Ausstieg aus der Verbrennung von fossilen Kraftstoffen<\/em>\u201c \u2013 vom Ausstieg aus dem Prinzip des Verbrennungsmotors ist da ebenfalls keine Rede.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\"><\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Kolumne von Hans-Jochen Luhmann Allenthalben wird das \u201eEnde des Verbrennungsmotors\u201c verk\u00fcndet. Die Gr\u00fcnen in Deutschland hatten in ihrem Wahlprogramm 2017 formuliert: \u201eWir beenden die \u00c4ra des fossilen Verbrennungsmotors [&#8230;]. Wir wollen ab 2030 nur noch abgasfreie Autos neu zulassen [&#8230;]\u201c Volvo hat im Juni 2017 eine durchgehende motorische Elektrifizierung f\u00fcr seine Modellpalette angek\u00fcndigt; der &hellip; <\/p>\n<p class=\"link-more\"><a href=\"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/hans-jochen-luhmann\/das-ende-des-verbrennungsmotors-in-europa\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">\u201eDas Ende des Verbrennungsmotors in Europa: Was besagt das Clean Mobility Paket der EU-Kommission dazu?\u201c <\/span>weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"parent":0,"menu_order":94,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":{"footnotes":""},"class_list":["post-71","page","type-page","status-publish","hentry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/hans-jochen-luhmann\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/71","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/hans-jochen-luhmann\/wp-json\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/hans-jochen-luhmann\/wp-json\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/hans-jochen-luhmann\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/hans-jochen-luhmann\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=71"}],"version-history":[{"count":6,"href":"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/hans-jochen-luhmann\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/71\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":726,"href":"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/hans-jochen-luhmann\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/71\/revisions\/726"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/hans-jochen-luhmann\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=71"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}