{"id":891,"date":"2021-05-03T15:43:26","date_gmt":"2021-05-03T13:43:26","guid":{"rendered":"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/hans-jochen-luhmann\/?page_id=891"},"modified":"2021-05-04T16:45:12","modified_gmt":"2021-05-04T14:45:12","slug":"das-bundesverfassungsgericht-zum-klimaschutz-die-mathematik-ist-beim-gericht-angekommen-wenn-auch-nur-teilweise","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/hans-jochen-luhmann\/das-bundesverfassungsgericht-zum-klimaschutz-die-mathematik-ist-beim-gericht-angekommen-wenn-auch-nur-teilweise\/","title":{"rendered":"Das Bundesverfassungsgericht zum Klimaschutz: Die Mathematik ist beim Gericht angekommen \u2013 wenn auch nur teilweise."},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Die Kolumne von Hans-Jochen Luhmann<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Die Aufforderungen &#8222;Folgt der Wissenschaft!&#8220; haben Frucht getragen: Bei dem am 29. April 2021 ver\u00f6ffentlichten Beschluss des Bundesverfassungsgerichts zum Klimaschutzpaket der Bundesregierung haben die Richterinnen nachvollzogen, was ihnen vorgerechnet worden war. Dennoch wird klar, dass sich deutsche Richterinnen die Durch-Mathematisierung, die im Klimarecht, auch im deutschen, in Detailregelungen schon voll etabliert ist, einfach nicht vorstellen k\u00f6nnen. Man sollte einen Kurs &#8222;Mathematik im Klimarecht&#8220; im Rahmen der richterlichen Fortbildung anbieten.<\/em><\/p>\n\n\n\n<hr>\n<img decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-313\" title=\"Foto: Nata Uchava, Freiburg.\" src=\"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/hans-jochen-luhmann\/wp-content\/uploads\/sites\/12\/2021\/05\/NU-210503-Urteil-Klima.jpg\" alt=\"\" width=\"1024\">\n<hr>\n&nbsp;\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Macht und Wirklichkeitswahrnehmung<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Eine selbstkritische Charakterisierung der Justiz lautet \u201e<em>judex non calculat<\/em>\u201c. Zu deutsch: \u201eRichter rechnen nicht.\u201c In Penn\u00e4ler-Beobachtung \u00fcbersetzt: Wer beim Abitur in Mathe eine F\u00fcnf hat, studiert Jura.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><a href=\"https:\/\/www.bundesverfassungsgericht.de\/SharedDocs\/Pressemitteilungen\/DE\/2021\/bvg21-031.html\" target=\"_blank\" aria-label=\"Das Bundesverfassungsgericht (BVerfG) hat sich zur Kimaschutzpolitik in Deutschland ge\u00e4u\u00dfert. (opens in a new tab)\" rel=\"noreferrer noopener\" class=\"rank-math-link\">Das Bundesverfassungsgericht (BVerfG) hat sich zur Kimaschutzpolitik in Deutschland ge\u00e4u\u00dfert.<\/a> Endlich. Die Aufforderungen \u201eFolge der Wissenschaft!\u201c haben eine Frucht getragen. Beim Klimaschutz geht es um Zahlen. Und die Richter haben nachvollzogen, was ihnen vorgerechnet worden war.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Es ging um die deutsche Klimapolitik. Die hatte sich darauf eingerichtet, Klimapolitik immer nur \u201eauf Sicht\u201c zu fahren, mit Vorgaben f\u00fcr die n\u00e4chsten zehn bis h\u00f6chstens 15 Jahre. Blo\u00df nicht das Ganze in den Blick nehmen, war die Devise. Sie wussten, was sie taten. Der Blick auf\u2019s Ganze h\u00e4tte \u201eder Politik\u201c genommen, was ihre Vertreter \u201eGestaltungspielraum\u201c nennen. Den Blick auf\u2019s Ganze sahen sie als Einbu\u00dfe an Macht. Deshalb verweigerten sie ihn. Galileis Kardin\u00e4le lassen gr\u00fc\u00dfen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Sinn aller Klimapolitik der OECD-Staaten aber ist die Herauff\u00fchrung eines Modells, einer Blaupause, einer postfossilen Industriegesellschaft \u2013 der 300j\u00e4hrige Umweg, der mit der Erfindung der Dampfmaschine begann und zum Zugriff auf die gespeicherten Vorr\u00e4te einstmals biogener, sogenannter \u201efossiler\u201c Energien f\u00fchrte, musste zu einem Ende kommen. Mit PV- und Windanlagen ist der Durchbruch geschafft, wir k\u00f6nnen Solarenergie direkt physikalisch, abiotisch, ernten ohne Umweg \u00fcber Biosph\u00e4re und Verbrennungsprozesse. Und von ihr gibt es mehr als genug, das Problem der Kanppheit (fruchtbarer) Fl\u00e4chen, welches um 1800 zur fossilen Abst\u00fctzung f\u00fchrte, ist \u00fcberwunden. Das alles ist von Anbeginn, von 1990, an klar gewesen. Das implizierte Zweierlei:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\"><li>Die postfossile Industriegesellschaft ist mit spezifischen Schl\u00fcsseltechnologien und (ver\u00e4nderten) Infrastrukturen verbunden \u2013 und dann auch mit ver\u00e4nderten Lebensstilen.<\/li><li>Die Emissionen von Treibhausgasen werden eines Tages, der einstmals, 1990, 60 Jahre entfernt war, heute aber nicht mehr so fern ist, die Nulllinie schneiden.<\/li><\/ul>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Die Mathematik der Kurven, von hier nach Null in 2050 zu kommen<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Eine abw\u00e4rts gerichtete Verbindung zwischen zwei Punkten, zwischen dem Stand heute und der Null, kann man in verschiedenster Weise zeichnen. Es gibt drei Grundformen:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\"><li>Eine Gerade, die Linie. Sie ist bekanntlich durch die \u201eSteigung\u201c, einen sogenannten \u201elinearen Faktor\u201c, mathematisch bestimmt. Die Vorkehrung f\u00fcr die Sektoren, die dem Begrenzungsmechanismus der EU, deren Emissionshandel (EU ETS) unterstellt sind, <a href=\"https:\/\/eur-lex.europa.eu\/legal-content\/DE\/TXT\/PDF\/?uri=CELEX:02003L0087-20180408&amp;from=DE\" target=\"_blank\" aria-label=\"lautet EU-seits entsprechend wie folgt (opens in a new tab)\" rel=\"noreferrer noopener\" class=\"rank-math-link\">lautet EU-seits entsprechend wie folgt<\/a>:<br>\u201e<em>Die unionsweite Menge der Zertifikate, die ab 2013 j\u00e4hrlich vergeben werden, wird ab der Mitte des Zeitraums von 2008 bis 2012 linear verringert. Die Menge wird um einen <strong>linearen Faktor von 1,74 %<\/strong>, &#8230; <strong>verringert<\/strong>. <strong>Ab 2021<\/strong> gilt ein <strong>linearer Faktor von 2,2 %.<\/strong><br><\/em>Diese Formulierung in Art. 9 bedeutet: Die EU-rechtlich definierte Gerade, mit direkter Wirkung f\u00fcr diejenigen Unternehmen, die Gro\u00dfemittenten sind und in Deutschland f\u00fcr die H\u00e4lfte aller Emissionen verantwortlich sind, geht stetig abw\u00e4rts, schneidet die Nulllinie und geht anschlie\u00dfend, schon im Negativen, stetig abw\u00e4rts.<\/li><li>Eine konvexe Kurve, die an einen eingezogenen Bauch beziehungsweise Halfpipe erinnert \u2013 da geht es anfangs steil bergab, um sp\u00e4ter eher asymptotisch auf die Ebene, auf Null-Niveau zuzulaufen.<\/li><li>Eine konkave Kurve, die an einen wirklichen Bauch, an einen Tr\u00e4ger mit \u00dcbergewicht, erinnert. Deren Gestalt folgt dem Grundsatz: \u201eWas Du heut\u2019 nicht willst besorgen, das verschiebe gern auf morgen!\u201c Da l\u00e4sst man es anfangs sachte angehen, sp\u00e4ter hingegen muss es sturzflutartig gehen.<\/li><\/ul>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Mit allen drei Kurven, mit allen drei Arten von Gestalt, gelangt man in 2050 auf Null \u2013 so die Mathematik. Ob man aber wirklich bei einer sturzflutartigen Gestalt, die f\u00fcr <a href=\"https:\/\/www.klimareporter.de\/deutschland\/nein-zur-aufschieberitis\" target=\"_blank\" aria-label=\"die Politikform der \u201eAufschieberitis\u201c (opens in a new tab)\" rel=\"noreferrer noopener\" class=\"rank-math-link\">die Politikform der \u201eAufschieberitis\u201c<\/a> kennzeichnend ist, auch auf eine wirtschaftsvertr\u00e4gliche Weise auf Null noch kommen kann, ist offen. Von dieser Implikation der seit Jahrzehnten in Deutschland betriebenen Politik der Verz\u00f6gerung, des \u201eeinen dicken Bauch vor sich hertragen\u201c, haben die Tr\u00e4ger dieser Politik nie wissen wollen, eine Untersuchung haben sie folglich nie in Auftrag gegeben.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Bundesverfassungsgericht hatte diese Kurvengestalt vor Augen, als es zum Bundesklimaschutzgesetz in der Fassung von Oktober 2019 urteilte. Es bem\u00e4ngelte, dass f\u00fcr den Zeitraum ab 2030 keine sektoralen Verpflichtungen mitgesetzt worden seien. Sein Argument war, dass bei dem, was hier mit \u201esturzflutartig\u201c eingef\u00fchrt wurde, Freiheitsrechte absehbar nur noch Schall und Rauch seien:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u201e<em>Um das &lt;\u2019Paris-Ziel\u2019&gt; zu erreichen, m\u00fcssen die nach 2030 noch erforderlichen Minderungen dann <strong>immer dringender und kurzfristiger<\/strong> erbracht werden. Von diesen k\u00fcnftigen Emissionsminderungspflichten ist <strong>praktisch jegliche Freiheit potenziell betroffen<\/strong>, weil noch nahezu alle Bereiche menschlichen Lebens mit der Emission von Treibhausgasen verbunden und damit <strong>nach 2030 von drastischen Einschr\u00e4nkungen bedroht<\/strong> sind. Der Gesetzgeber h\u00e4tte daher zur Wahrung grundrechtlich gesicherter Freiheit Vorkehrungen treffen m\u00fcssen, um diese hohen Lasten abzumildern.<\/em>\u201c<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Die Bedeutung des Integrals, des Budget-Prinzips, eher heruntergespielt<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Kurven, Linien, sind eindimensionale Gebilde im Raum. Aufgemalt werden sie im zweidimensionalen Raum. Folglich sind sie auch als Begrenzung von Fl\u00e4chen zu lesen. Das Dreieck unter einer negativ geneigten Gerade bezeichnet die Fl\u00e4che unter der Gerade. Die drei eingangs skizzierten Kurvenverl\u00e4ufe sind zwar insofern alle gleich, dass alle drei auf Null in 2050 f\u00fchren.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ungleich aber sind sie in der Fl\u00e4che, die sie unter sich skizzieren. Die mit dem eingezogenen Bauch markiert die geringste Fl\u00e4che, die konkave Kurve braucht am meisten, die Gerade bezeichnet den Mittelwert. Darauf hat das Verfassungsgericht nicht geschaut. Wenigstens explizit nicht.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Klimapolitisch aber ist diese zweidimensionale Charakterisierung der Kurven, die zur Auswahl stehen, entscheidend. Seit etwa 15 Jahren vertritt die Klimawissenschaft die Einsicht, dass angesichts der Langlebigkeit dessen, was einmal emittiert ist, es nicht auf den Zeitpunkt einer Emission ankomme. Die menschgemachte Temperaturerh\u00f6hung sei der Menge emittierter Treibhausgase insgesamt, seit der Industriellen Revolution, \u00e4quivalent. Das Klimaziel, als maximale Temperaturerh\u00f6hungsgrenze formuliert, entspreche vielmehr einem Budget noch emittierbarer Mengen an Treibhausgasen. Das BVerfG \u00fcbersetzt diese klimapolitisch grundlegende \u00c4quivalenzbeziehung gleichsam umgekehrt proportional in Einbu\u00dfen von Freiheitsrechten:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u201e<em>Ein <strong>umfangreicher Verbrauch des CO<sub>2<\/sub>-Budgets<\/strong> schon bis 2030 <strong>versch\u00e4rft &#8230; das Risiko schwerwiegender Freiheitseinbu\u00dfen<\/strong>, weil damit die Zeitspanne f\u00fcr technische und soziale Entwicklungen knapper wird, mit deren Hilfe die Umstellung von der heute noch umfassend mit CO<sub>2<\/sub>-Emissionen verbundenen Lebensweise auf klimaneutrale Verhaltensweisen freiheitsschonend vollzogen werden k\u00f6nnte.<\/em>\u201c<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Doch das Gericht sieht bislang keinen Versto\u00df gegen das verfassungsrechtliche Klimaschutzgebot aus Art. 20a GG. Es zitiert zwar den entscheidenden Text der Wissenschaft, doch es \u00fcberspielt das mit dem quantifizierungsscheuen Argument, es gelte ein Spielraums-Recht f\u00fcr den Bundesgesetzgeber.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u201e<em>&#8230; der <strong>Sachverst\u00e4ndigenrat f\u00fcr Umweltfragen &lt;hat&gt;<\/strong> &#8230; f\u00fcr Deutschland ein ab 2020 verbleibendes konkretes <strong>nationales Restbudget ermittelt<\/strong>, das mit dem Paris-Ziel vereinbar w\u00e4re. Aufgrund der hierin enthaltenen Ungewissheiten und Wertungen kann die ermittelte Budgetgr\u00f6\u00dfe zwar derzeit kein zahlengenaues Ma\u00df f\u00fcr die verfassungsgerichtliche Kontrolle bieten. Dem <strong>Gesetzgeber bleibt Entscheidungsspielraum<\/strong>. Diesen darf er jedoch nicht nach politischem Belieben ausf\u00fcllen. Besteht wissenschaftliche Ungewissheit \u00fcber umweltrelevante Ursachenzusammenh\u00e4nge, erlegt Art. 20a GG dem Gesetzgeber eine besondere Sorgfaltspflicht auf.<\/em>\u201c<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Kalkulieren in Fl\u00e4chen, in Integralen unter den Linien, hat das BVerfG sich somit nicht zu eigen macht. Im Wortlaut:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u201e<em>Durch die in &#8230; KSG &#8230; geregelten Emissionsmengen w\u00fcrde das vom Sachverst\u00e4ndigenrat f\u00fcr Umweltfragen &#8230; <strong>ermittelte Restbudget bis zum Jahr 2030 weitgehend aufgebraucht<\/strong>. Das Ma\u00df an Verfehlung bildete jedoch verglichen mit den derzeit in der Berechnung des Restbudgets enthaltenen Unsicherheiten keine hinreichende Grundlage f\u00fcr eine verfassungsgerichtliche Beanstandung.<\/em>\u201c<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">F\u00fcr das Gericht stellt sich das Abw\u00e4gungsproblem als eine Aufgabe der Bruchrechnung. Im Z\u00e4hler steht der Spielraum des Gesetzgebers, im Nenner stehen die Unsicherheiten bei der Bestimmung des Restbudgets. Das wird vom BVerfG gegenseitig gek\u00fcrzt \u2013 und schon ist das Ergebnis der Wissenschaft, vertreten durch den Sachverst\u00e4ndigenrat f\u00fcr Umweltfragen, \u201a<em>Restbudget bis zum Jahr 2030 nahe Null\u2019<\/em>,verfassungsrechtlich weggezaubert. <a href=\"https:\/\/www.umweltrat.de\/SharedDocs\/Pressemitteilungen\/DE\/2020_2024\/2021_04_bundesverfassungsgericht_klimaschutz.html\" target=\"_blank\" aria-label=\"Der Sachverst\u00e4ndigenrat f\u00fcr Umweltfragen hingegen betont in seiner Reaktion auf das Urteil, durch sein Mitglied Wolfgang Lucht, noch einmal die Quantifizierung (opens in a new tab)\" rel=\"noreferrer noopener\" class=\"rank-math-link\">Der Sachverst\u00e4ndigenrat f\u00fcr Umweltfragen hingegen betont in seiner Reaktion auf das Urteil, durch sein Mitglied Wolfgang Lucht, noch einmal die Quantifizierung<\/a>:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u201e&#8230; <em>Deutschland als f\u00fchrendes Industrieland &lt;hat&gt; seine CO<sub>2<\/sub>-Emissionen &#8230; <strong>auf maximal 6,7 Mrd. Tonnen ab 2020<\/strong> begrenzen, um seiner sachlich, moralisch und nun auch rechtlich begr\u00fcndeten internationalen Verpflichtung nachzukommen.<\/em>\u201c<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Auch wenn das Gericht sich die Bestimmung des Restbudgets seitens des zust\u00e4ndigen wissenschaftlichen Beratungsgremiums der Bundesregierung, des Sachverst\u00e4ndigenrat f\u00fcr Umweltfragen, nicht zu eigen macht, so stellt er doch fest, dass an der Korrektheit dessen Ableitung keine Zweifel bestehen \u2013 an der Ableitung eines Restbudgets in H\u00f6he von 3,5 Milliarden Tonnen CO<sub>2<\/sub> seitens der Kl\u00e4ger hingegen schon. Deren Restbudget w\u00e4re bei der bis 2030 geltenden Klimapolitik im Jahre 2025 schon aufgebraucht, bei einem Restbudget wie vom Sachverst\u00e4ndigenrat f\u00fcr Umweltfragen bestimmt w\u00fcrden im Jahre 2030 noch etwa eine Milliarde Tonne CO<sub>2<\/sub> f\u00fcr die Zeit bis 2050 \u00fcbrig bleiben.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Die Konsequenz des Gerichts \u2013 gewohnt mathematik-scheu<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im Ergebnis gibt das BVerfG dem Gesetzgeber Nachbesserung vor:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u201e<em>Der Gesetzgeber ist verpflichtet, die <strong>Fortschreibung der Minderungsziele<\/strong> der Treibhausgasemissionen f\u00fcr Zeitr\u00e4ume nach 2030 <strong>bis zum 31. Dezember 2022 <\/strong>n\u00e4her<strong> zu regeln.<\/strong><\/em>\u201c<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Auch zur Form dieser Nachbesserung gibt das Urteil Hinweise. Der zentrale ist negativ formuliert und lautet:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>\u201e&lt;Es&gt; <strong>kann nicht verlangt werden<\/strong>, dass die <strong>absinkenden Emissionsmengen bereits jetzt bis<\/strong> zur Erreichung der f\u00fcr <strong>2050<\/strong> angestrebten Klimaneutralit\u00e4t <strong>konkret bestimmt<\/strong> werden.<\/em>\u201c<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Damit schlie\u00dft das Gericht die Forderung aus, man solle in Deutschland rechtlich dasselbe tun, was auf EU-Ebene seit 15 Jahren etabliertes Recht ist. Schon seltsam. Ich vermute, es ist Unwissen im Spiel. Deutsche Richter k\u00f6nnen sich die Durch-Mathematisierung, die im Klimarecht, auch im deutschen, in Detailregelungen schon voll etabliert ist, einfach nicht vorstellen. Man sollte einen Kurs \u201eMathematik im Klimarecht\u201c im Rahmen der richterlichen Fortbildung anbieten.<\/p>\n\n\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\"\/>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Kolumne von Hans-Jochen Luhmann Die Aufforderungen &#8222;Folgt der Wissenschaft!&#8220; haben Frucht getragen: Bei dem am 29. April 2021 ver\u00f6ffentlichten Beschluss des Bundesverfassungsgerichts zum Klimaschutzpaket der Bundesregierung haben die Richterinnen nachvollzogen, was ihnen vorgerechnet worden war. Dennoch wird klar, dass sich deutsche Richterinnen die Durch-Mathematisierung, die im Klimarecht, auch im deutschen, in Detailregelungen schon voll &hellip; <\/p>\n<p class=\"link-more\"><a href=\"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/hans-jochen-luhmann\/das-bundesverfassungsgericht-zum-klimaschutz-die-mathematik-ist-beim-gericht-angekommen-wenn-auch-nur-teilweise\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">\u201eDas Bundesverfassungsgericht zum Klimaschutz: Die Mathematik ist beim Gericht angekommen \u2013 wenn auch nur teilweise.\u201c <\/span>weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"parent":0,"menu_order":47,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":{"footnotes":""},"class_list":["post-891","page","type-page","status-publish","hentry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/hans-jochen-luhmann\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/891","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/hans-jochen-luhmann\/wp-json\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/hans-jochen-luhmann\/wp-json\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/hans-jochen-luhmann\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/hans-jochen-luhmann\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=891"}],"version-history":[{"count":4,"href":"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/hans-jochen-luhmann\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/891\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":897,"href":"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/hans-jochen-luhmann\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/891\/revisions\/897"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/hans-jochen-luhmann\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=891"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}