{"id":901,"date":"2021-06-14T17:33:58","date_gmt":"2021-06-14T15:33:58","guid":{"rendered":"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/hans-jochen-luhmann\/?page_id=901"},"modified":"2021-06-14T17:52:29","modified_gmt":"2021-06-14T15:52:29","slug":"aussichten-zu-den-us-wahlen-2022-und-2024-republikaner-und-integritaet-des-wahlsystems-in-gemeinsamer-abwaertsspirale-auf-dem-weg-zum-sieg","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/hans-jochen-luhmann\/aussichten-zu-den-us-wahlen-2022-und-2024-republikaner-und-integritaet-des-wahlsystems-in-gemeinsamer-abwaertsspirale-auf-dem-weg-zum-sieg\/","title":{"rendered":"Aussichten zu den US-Wahlen 2022 und 2024: Republikaner und Integrit\u00e4t des Wahlsystems in gemeinsamer Abw\u00e4rtsspirale auf dem Weg zum Sieg"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Die Kolumne von Hans-Jochen Luhmann<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Donald Trump hat seine Vasallen auf ein Shibboleth verpflichtet und spaltet dar\u00fcber die republikanische Partei: Jeder gew\u00e4hlte Amtsinhaber hat sich zu entscheiden, zu der Frage, ob Trump die Wahl 2020 verloren habe, ja oder nein zu sagen. Wer &#8222;nein&#8220; sagt, gilt als Parteig\u00e4nger und wird in Zukunft zur Wiederwahl gest\u00fctzt; wer hingegen &#8222;ja&#8220; sagt, wird in den Chancen seiner Wiederwahl geschm\u00e4lert, durch Lancierung konkurrierender, Trump loyaler Kandidaten, auch durch deren finanzielle Unterst\u00fctzung &#8211; Trump hat n\u00e4mlich praktisch die Parteikasse an sich gerissen und sorgt daf\u00fcr, dass m\u00f6glichst alle potentiellen GOP-Financiers nicht in die Kasse zahlen, die der Parteif\u00fchrung untersteht, sondern in seinen Wahlkampffonds, in dem er zudem noch einen erheblichen \u00dcberschuss aus der letzten Wahl gehortet hat. Das Ganze ist ein elementarer Mechanismus der Loyalit\u00e4tsbekundung, wie in der Mafia erprobt.<\/em><\/p>\n\n\n\n<hr>\n<img decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-313\" title=\"Foto: Nata Uchava, Freiburg.\" src=\"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/hans-jochen-luhmann\/wp-content\/uploads\/sites\/12\/2021\/06\/210614-NU-Trump.jpg\" alt=\"\" width=\"1024\">\n<hr>\n&nbsp;\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In den USA ist 2021 allen Komplikationen zum Trotz ein Wechsel der Administration auf Bundesebene erreicht worden. Der neue Mann im Wei\u00dfen Haus macht einen exzellenten <em>job<\/em>. M\u00f6glich ist ihm das vor allem dank seines umfassenden Erfahrungsschatzes sowie seiner Netzwerke \u2013 entsprechend hat er viele f\u00e4hige Personen gewinnen k\u00f6nnen, ihm zur Seite zu stehen und \u00c4mter zu \u00fcbernehmen; h\u00e4ufig Personen, die vom ersten Tag an in der Lage waren, ihr Amt auch auszuf\u00fcllen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Doch schon mittelfristig und strategisch, im Hinblick auf den Bestand einer Demokratie und eines verl\u00e4sslichen Allianzpartners in den USA ist das unerheblich. Die neue Administration regiert im wesentlichen aus sich selbst heraus, mit Dekreten. Im Kongress l\u00e4uft nichts \u2013 das Scheitern selbst der Einsetzung einer Kommission im 9\/11-Stil zur Aufarbeitung des Sturms auf das Capitols am 6. Januar 2021 spricht B\u00e4nde. Das 60-Prozent-Prozent-Quorum im Senat verdammt den Gesetzgeber angesichts der gegebenen parteipolitischen Gespaltenheit zur Irrelevanz. Fr\u00fcher, als es einen Migestaltungswillen des Gesetzgebers \u2011 insbesondere der Opposition \u2011 gab, sicherte dieses hohe Quorum, welches wir aus Deutschland nicht kennen, genau dies; und vor allem den Zwang zum Kompromiss, zum Aushandeln. Was aber einmal beschlossen war, hatte Bestand \u00fcber wechselnde Zusammensetzungen der beiden Kammern des Kongresses hinweg. Der Kongress hatte Macht, die einzelnen Kongressmitglieder hatten einen je eigenen Gestaltungsraum. Das machte die Mitgliedschaft f\u00fcr Macht-Freaks so attraktiv. Das ist nun vorbei. Durch den Kongress kann nur noch durchgehen, was politisch irrelevant ist. Nun wird auf dem H\u00fcgel nur noch \u201ewir gegen die\u201c gespielt. Wem das zu banal und langweilig ist, wird ausscheiden \u2013 warum sollte ein Mitch McConnell unter solchen Bedingungen noch an seinem Amt kleben?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Entscheidend ist, was sich als Ergebnis der n\u00e4chsten Wahlen, in 2022 und dann in 2024, ergeben wird. Das ist von der Qualit\u00e4t des gegenw\u00e4rtigen Regierens in Washington weitgehend unbeeinflusst. Die Situation in den USA ist aktuell eine Besonderheit. Es kommt allein auf die Entwicklung der Republikanischen Partei (GOP) an. Das macht die Entwicklung so gut \u00fcberschaubar.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Der Hintergrund: GOP-Aussichten und Wahlbedingungen<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Entwicklung der GOP ist eine Entwicklung in Synergie mit dem Wahlsystem in den USA, dessen Weiterentwicklung. Die Verwobenheit beider ist in Zukunft extrem bedeutsam. Das Problem der GOP, so wurde <a href=\"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/hans-jochen-luhmann\/die-manipulation-des-us-wahlsystems-ein-etabliertes-mittel-im-kampf-der-parteien\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">in einer fr\u00fcheren Kolumne, vom Oktober 2017<\/a>, einmal erl\u00e4utert, bestehe darin, dass sie, bedingt durch die demographische Entwicklung, strukturell mehrheitsunf\u00e4hig werde \u2013 es wachsen \u00fcberproportional Bev\u00f6lkerungsschichten (Schwarze, Latinos) zu, die von den Demokraten weit besser ansprechbar sind.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Bei einem fairen \u2011 man kann auch weniger wertend sagen: selbst bei einem gegen\u00fcber heute unver\u00e4nderten \u2011 Wahlsystem w\u00fcrden die Republikaner stetig mehr in der Versenkung verschwinden, die USA w\u00fcrden auf Bundesebene zu einem Ein-Parteien-System mutieren \u2013 mit einer wirklichen Demokratie, einer mit Amtswechsel, w\u00e4re es zu Ende. Das wissen die republikanischen Amtstr\u00e4ger nat\u00fcrlich auch.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Es gibt eine zweite Variante, bei einem unver\u00e4nderten Wahlsystem: Die Republikaner ziehen aus der Einsicht, dass sie, wenn sie sich nicht ver\u00e4ndern, dem Untergang geweiht sind, keine Wahlen mehr gewinnen k\u00f6nnen, die andernorts \u00fcbliche Konsequenz: Sie passen sich an, an den Wandel der W\u00e4hlerschaft. Das Ergebnis w\u00e4re der bekannte Kampf beider Gro\u00dfparteien um die \u201eMitte\u201c, wie er aus Deutschland vertraut ist.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die <a href=\"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/hans-jochen-luhmann\/das-zerbrechen-des-amerikanischen-traums-und-der-unwahrscheinliche-erfolg-des-donald-trump\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Besonderheit von Trumps v\u00f6llig \u00fcberraschenden Konzept in seinem ersten Wahlkampf,<\/a> in 2016, auf das kein Wahlkampffinanzierer einen Pfifferling setzte, war, dass er rechts neue W\u00e4hlerschichten aktivierte \u2013 also aus jenen 50 Prozent, die habituell nicht w\u00e4hlen gehen, \u2013 und zugleich die angestammten GOP-W\u00e4hler (aus der Mitte) nicht verlor. Das war einmalig m\u00f6glich, weil er in seinem habituellen Verhalten nicht so bekannt war wie heute. Er verhielt sich zwar nicht wie ein Wolf, der Kreide gefressen hatte, aber damals glaubten die angestammten GOP-W\u00e4hler der Mitte, sein Verhalten sei Wahlkampfget\u00f6se, er sei nicht wirklich ein Wolf, er spiele den nur. Seine \u201eEntzauberung\u201c ist heute vollzogen. Man wei\u00df genau, was man an ihm hat.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Bei einem zweiten Anlauf hat Trump diese Entzauberung, die Bewegung seines Images aus der Ambiguit\u00e4t in die Eindeutigkeit, in den habituellen W\u00e4hlerschichten der Mitte in Rechnung zu stellen. Das Ergebnis der Wahl im November 2020 hat bereits gezeigt, worum es geht. Trump konnte da die Verluste in der Mitte durch Zugewinne auf der rechten Seite mehr als ausgleichen, sein Konzept ging isoliert betrachtet erneut auf. Nur gilt eben auch: Sein Aktivierungspotential hat zwei Seiten: Aus dem Pool der Wahlverweigerer aktiviert er nicht allein Anh\u00e4nger f\u00fcr sich, sondern auch Gegenw\u00e4hler. Davon gab es bei der j\u00fcngsten Wahl zuviele. Im Ergebnis, im <em>National Popular Vote<\/em>, also wenn man \u00e9in US-weites Verh\u00e4ltniswahlrecht unterstellte, hat Biden so \u00fcber Trump gewonnen. Dass er rechtlich gewonnen hat, mit hauchd\u00fcnnen Mehrheiten in wenigen Staaten, aber zum Gl\u00fcck in mehreren, steht auf einem anderen Blatt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Eine solche Analyse legt eine dritte Option nahe: Das Wahlrecht so anpassen, dass eine an Trump angepasste GOP gewinnen kann. Das Wahlsystem muss dazu so ver\u00e4ndert werden, dass \u201eGegenw\u00e4hler\u201c in hinreichender Zahl abgehalten werden. Also eine Option der Wahlsystem-Manipulation. Eine realistische Option ist das, weil die USA eine Republik sind, die, anders als die in Europa, nicht durch Wandlung einer vorherigen zentralen Herrschaft zur demokratischen Republik geworden sind, sondern durch Gr\u00fcndung von unten. Damit sind viel mehr Rechte, als von Republiken in Europa gewohnt, bei den US-Bundesstaaten verblieben \u2013 dazu geh\u00f6rt insbesondere das Wahlrecht. Hinzu kommt, dass die Wahldurchf\u00fchrung in den H\u00e4nden der Verwaltung liegt, also manipulationsanf\u00e4llig ist zum Vorteil der jeweils herrschenden Partei, meist auf County-Ebene.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Praxis der Wahlsystem-Manipulation ist auch l\u00e4ngst etabliert: Seit gut zehn Jahren wird das in einem solchen Ausma\u00df erfolgreich praktiziert, dass in einem einmal von den Republikanern \u201eeroberten\u201c Staat so gut wie kein Machtwechsel mehr gelungen ist \u2013 die Republikaner haben die legislative Kontrolle in 30 (von 50) Bundesstaaten. Die Kunst des Manipulierens, und das beidseits der Grenzen des rechtlich Zul\u00e4ssigen, hat enorme Fortschritte gemacht. Und die Demokraten, die das sehen, sind nat\u00fcrlich nicht unt\u00e4tig, beide Seiten sind in einer Manipulations-Eskalations-Spirale verklammert, wie bei einem klassischen R\u00fcstungswettlauf.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Rechtssprechungssystem ist ebenfalls involviert, schiebt auch manchmal gewissen Taktiken und Techniken der Manipulation der Wahlbedingungen einen Riegel vor \u2013 im Ergebnis aber ist das unerheblich, weil die Justiz regelm\u00e4\u00dfig zu sp\u00e4t kommt. Und f\u00fcr den einen verbotenen Riegel finden sich leicht zehn Substitute; es ist wie beim Kopf-Abschlagen der Hydra. Die Justiz vermag mit ihren Mitteln, den vielen Einzelfallentscheidungen, der Eskalationsspirale bislang keinen Einhalt zu gebieten, sie l\u00e4uft hinterher. Bei einer h\u00f6chstrichterlichen Befassung k\u00f6nnte das anders aussehen \u2013 aber der neubesetzte Supreme Court in Washington r\u00fchrt sich bislang nicht.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Vor diesem Hintergrund ist erwartbar, was aktuell geschieht: Es werden Pfl\u00f6cke eingeschlagen. Und das zu beiden verbundenen Handlungsfeldern<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\"><li>F\u00fchrung der GOP,<\/li><li>Wetterfest-machen der Wahlsysteme in GOP-regierten Staaten.<\/li><\/ul>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Der Kampf um Ausrichtung und F\u00fchrung der Republikanischen Partei ist entschieden<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Entscheidung, wie die GOP im Hinblick auf die Wahlen im November 2022 gef\u00fchrt wird, welches Image sie sich gibt, ist gefallen. Trump hat sich durchgesetzt, in einem kurzen, harten Machtkampf, zuletzt gegen Liz Cheney. Um den Vorgang zu verstehen und ihn einordnen zu k\u00f6nnen, braucht man etwas an Kenntnissen zum Hintergrund, zu den Strukturen der GOP \u2013 und auch zum Alter der beteiligten Personen. Es gibt eben auch \u201e<em>long game\u201c<\/em>-Kalk\u00fcle; da kann es Sinn machen, eine pr\u00e4gnante, Image-bildende Niederlage in der Gegenwart in Kauf zu nehmen, doch solche Kalk\u00fcle sind nur bis zu einer gewissen Altersgrenze machbar.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die \u201enat\u00fcrlichen\u201c F\u00fchrungspersonen der GOP sind die beiden h\u00f6chsten Amtstr\u00e4ger in Washington, also die F\u00fchrer der republikanischen Fraktionen im Senat (Mitch McConnell (79)) und im Repr\u00e4sentantenhaus (Kevin McCarthy (59)), sowie drittens die beziehungsweise der Republican Conference Chair(woman) (im Repr\u00e4sentantenhaus). Dieses Amt hatte bis vor kurzem Liz Cheney (54) inne, als Nachfolgerin von McCarthy. Das Amt ist ein Sprungbrett, hat auch viele Bez\u00fcge zu parteiinternen Aktivit\u00e4ten. Da die Parteistrukturen in den USA traditionell schwach sind, bietet dieses Amt ein Substitut. Liz Cheney sitzt also gegenw\u00e4rtig der w\u00f6chentlichen Sitzung der republikanischen Fraktion im Repr\u00e4sentantenhaus vor, bei der \u00fcber Themen und Gesetzesinitiativen gesprochen wird und auch \u00fcber die Besetzung von \u00c4mtern der Fraktion entschieden wird. Aufgabe der Republican Conference ist weiters, den Abgeordneten Dienstleistungen wie zum Beispiel Weiterbildungen oder Pressematerialien zur Verf\u00fcgung zu stellen sowie Treffen zwischen den republikanischen Repr\u00e4sentanten und den W\u00e4hlern zu veranstalten. Das Amt des Vorsitzes bietet gute Chancen, viele zu unterst\u00fctzen und sich so ein Netzwerk von Unterst\u00fctzern aufzubauen. Das hat Cheney in der Vergangenheit getan, offenbar mit Erfolg. Der Fraktionsvorsitzende McCarthy, der sich entschieden hat, sich als ein Trump-Anh\u00e4nger zu geben und altersm\u00e4\u00dfig ihrer Generation angeh\u00f6rt, hat sich f\u00fcr ihre Abwahl entschieden. So wurde es vollzogen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Mittel des Machtkampfes ist ein Shibboleth, auf das Trump seine Vasallen verpflichtet und dar\u00fcber die GOP spaltet: Jeder gew\u00e4hlte Amtsinhaber hat sich zu entscheiden, zu der Frage, ob Trump die Wahl 2020 verloren habe, ja oder nein zu sagen. Wer \u201eja\u201c sagt, wird von ihm in seinem Heimatwahlkreis verfolgt, in den Chancen seiner Wiederwahl geschm\u00e4lert, durch Lancierung konkurrierender, Trump loyaler Kandidaten, auch durch deren finanzielle Unterst\u00fctzung. Trump hat n\u00e4mlich praktisch auch die Parteikasse an sich gerissen, sorgt daf\u00fcr, dass m\u00f6glichst alle potentiellen GOP-Financiers nicht in die Kasse zahlen, die der Parteif\u00fchrung untersteht, sondern in seinen Wahlkampffonds, in dem er zudem noch einen erheblichen \u00dcberschuss aus der letzten Wahl gehortet hat. Wer hingegen \u201enein\u201c sagt, gilt als Parteig\u00e4nger und wird bei einer Wiederwahl gest\u00fctzt. Das Ganze ist also ein elementarer Mechanismus der Loyalit\u00e4tsbekundung, wie in der Mafia erprobt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Man hat sich in die un\u00fcbersichtlichen Tage nach dem Morgen des 7. Januar 2021 zur\u00fcck zu versetzen, als abschlie\u00dfend feststand, dass Joe Biden auch tats\u00e4chlich Pr\u00e4sident der Vereinigten Staaten geworden war, und \u201eNero\u201c Trump sich ins Exil nach Texas zur\u00fcckgezogen hatte, schweigend wie eine Auster. Da zwang eine Entscheidung der Demokraten, das erneute Impeachment-Verfahren gegen Trump, die Republikaner auf dem Capitol Hill zur Entscheidung f\u00fcr oder gegen Trump zu stimmen, als Person \u2013 das Impeachment selber war ein aussichtsloses Unterfangen, also muss man sich fragen, was denn der Sinn des Unterfangens gewesen sein mag. Spaltung des Gegners nach Loyalit\u00e4tslinien ist eine \u00fcbliche Machttaktik. Es war aber eigentlich nur eine Wiederholung desselben Vorgangs zuvor. Die beiden f\u00fchrenden Trump-Anh\u00e4nger im Senat, Josh Hawley, Senator aus Missouri, und Ted Cruz aus Texas, hatten das herbeigef\u00fchrt. Die Verfahrensregeln sehen n\u00e4mlich vor, dass das nur alle vier Jahre zusammentretende Gremium der \u201e<em>Joint Session<\/em>\u201c am 6. Januar auf eine Anfechtung aus dem Repr\u00e4sentantenhaus nur dann einsteigt, wenn auch aus den Reihen der Senatsabgeordneten ein Einspruch eingelegt wird. Dann aber ist namentlich abzustimmen. Herbeigef\u00fchrt worden war das komplement\u00e4re Votum aus dem Senat erst wenige Tage vor dem 6. Januar. <a href=\"https:\/\/thehill.com\/homenews\/senate\/532272-hawley-jams-gop-with-electoral-college-fight\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Dammbrecher gewesen war der Top-(Yale-)Jurist Josh Hawley<\/a>.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Liz Cheney jedenfalls hatte sich in jenen Tagen entschieden, ihre Gegenposition bei Strafe ihres Untergangs offen zu vertreten: Sie stimmte beim Abschluss des zweiten Impeachments f\u00fcr die Verurteilung Trumps \u2013 das war ihre Kampfansage in den Augen von Trump. Sie setzte voll auf eine GOP, die sich von Trump verabschiedet, von ihm distanziert. Mitch McConnell hatte am 6. Januar f\u00fcr die Anerkennung der Wahlniederlage Trumps gestimmt, hatte diese Worte auch \u00f6ffentlich in den Mund genommen. Aber schon beim Impeachment stimmte er nicht f\u00fcr die Verurteilung und \u00e4u\u00dferte sich sp\u00e4ter nicht mehr, ganz eisern, auch als Trump ihn provozieren wollte, als er ihn \u00f6ffentlich einen \u201eHurensohn\u201c titulierte. Und Mike Pence ist eh v\u00f6llig unten durch, obwohl er nichts sagt \u2013 er hatte es als Sitzungsleiter am 6. Januar in der Hand, die Bestimmung Bidens als Pr\u00e4sidenten zu verhindern; und hat es abgelehnt, zuletzt Aug in Aug in einer Sitzung mit Trump im Wei\u00dfen Haus am 6. Januar vormittags. Das ist sein Super-Kapitalverbrechen. McConnell spielt gleichsam au\u00dfer Konkurrenz \u2013 er ist zu alt, um noch etwas werden zu wollen oder k\u00f6nnen. Pence und Cheney hingegen sind jung genug, um f\u00fcr 2024 oder danach noch etwas werden zu wollen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Klar aber ist auch: Hier geht es um Loyalit\u00e4tsbekundungen von Profis \u2013 und Brandzeichen auf ewig hat die GOP von der Mafia nicht \u00fcbernommen. Diejenigen, die Loyalit\u00e4t bekunden, tun dies in aller Regel jenseits der moralischen Kategorie, dass sie \u201el\u00fcgen\u201c. Es ist eher wie die Abgabe eines Stimmzettels oder der Erwerb einer Mitgliedskarte bei einem Verein. Und das gilt auch umgekehrt, also auch f\u00fcr Liz Cheney, auch wenn sie sagt, die \u201eWahll\u00fcge\u201c werde sie nicht mittragen. Das ist nur Kommunikation. Es geht allein um die Funktion des Shibboleth.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><a href=\"https:\/\/thehill.com\/homenews\/house\/553046-gop-votes-to-dump-cheney-from-leadership\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">F\u00fcr die Positionierung f\u00fcr die Wahl 2022 ist die mit der Abwahl von Liz Cheney am 12. Mai 2021 getroffene Entscheidung der GOP ein Experiment<\/a> \u2013 am Abend zuvor hatte sie noch <a href=\"https:\/\/thehill.com\/homenews\/house\/553018-read-liz-cheneys-speech-on-the-house-floor\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">eine eindr\u00fcckliche Verm\u00e4chtnis-Rede<\/a> gehalten. Getestet wird, ob mit Trumpismus (und komplement\u00e4rer Restriktion des Zugnags zu Wahlen) beide Kammern auf dem Capitol Hill zur\u00fcckzuerobern sind. Wenn das gelingt, dann ist der Weg frei, dass die GOP sich gem\u00e4\u00df diesem Konzept auch f\u00fcr die Wahlen im November 2024 aufzustellen wird. Wenn nicht, ist alles offen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Cheney und Pence stehen f\u00fcr eine andere Aufstellung der GOP. Sie stehen f\u00fcr den Fall bereit, dass der nun beschlossene Testlauf der GOP misslingt \u2013 nur dann haben sie eine Chance, aber dann schl\u00fcge auch ihre Stunde. Und das gilt in gleichem Sinne f\u00fcr 2024, sofern 2022 gelingt. Das d\u00fcrfte ihr \u201e<em>long game\u201c<\/em>-Kalk\u00fcl sein. Ob der Test gelingt, ob gegebenenfalls beide Tests gelingen, ist weitestgehend vom Erfolg allf\u00e4lliger Gesetzgebung (auf Staaten-Ebene) zur Begrenzung der Wahlbeteiligung abh\u00e4ngig. Und davon, ob der Oberste Gerichtshof als Oberschiedsrichter sich weiter enth\u00e4lt oder sich noch ins Spiel bringen wird.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Es gibt eine weitere m\u00f6gliche Entwicklung, nach der die Spielsteine neu aufzustellen w\u00e4ren. Das w\u00e4re der Fall, wenn Trump noch durch rechtliche Ermittlungen gleichsam \u201eaus dem Rennen\u201c genommen w\u00fcrde. Er hat zwar noch, in den Tagen nach dem 6. Januar 2021, selbst reihenweise Begnadigungen f\u00fcr die Seinen ausgesprochen, hat aber entschieden, eine solche f\u00fcr sich selber nicht zu oganisieren. Es laufen mehrere aussichtsreiche Rechtsverfahren gegen ihn, unter F\u00fchrung von Generalstaatsanw\u00e4lten in demokratisch gef\u00fchrten Jurisdiktionen. \u00dcber steuerliche oder finanzmarktrechtliche Vergehen ist Trump sicherlich leicht \u201ein die Zange zu nehmen\u201c \u2013 es ist ja so gut wie ausgeschlossen, dass er keine Insider-Gesch\u00e4fte w\u00e4hrend seiner Pr\u00e4sidentschaft gemacht hat.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ein entsprechendes Verfahren ist bislang nicht angestrengt, aber im demokratisch regierten New York l\u00e4uft ein steuerrechtlich betontes Verfahren, allerdings fokussiert auf Tatbest\u00e4nde vor seiner Amtszeit. Die Aussichten auf einen Erfolg sind bereits so gut, dass in Trumps Wohnsitz-Landkreis, Palm Beach in Florida, \u00fcber die Bedingungen einer \u201eAuslieferung\u201c Trumps aus Florida nach New York nachgedacht wird \u2013 ja, da gibt es rechtliche Vorkehrungen, welche einem Gouverneur weitgehende Vorbehaltsrechte einr\u00e4umen im Falle einer Anklage aus einem anderen Bundesstaat. <a href=\"https:\/\/thehill.com\/homenews\/state-watch\/553285-palm-beach-planning-for-possibility-of-trump-indictment\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Trumps Bewegungsfreiheit innerhalb der USA k\u00f6nnte alsbald eingeschr\u00e4nkt sein, er w\u00fcrde dann nur noch in Staaten reisen, wo der Gouverneur Republikaner ist<\/a>.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Zu erwarten ist auch, dass die seltsam sp\u00e4te Untersuchung der Verz\u00f6gerung der Entsendung der Nationalgarde am Nachmittag des 6. Janaur 2021 unter Leitung des Pentagon, wo ein Genehmigungsvorbehalt Trumps auf der Hand liegt, noch zu einem Anklagepunkt gegen Trump werden k\u00f6nnte. Dazu m\u00fcsste man den damaligen Pentagon-Amtschef Miller zu einer Aussage gegen Trump bringen &#8230;; <a href=\"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/lesetipp\/der-sturm-auf-das-capitol-wie-erklaert-das-pentagon-35-stunden-unterlassene-hilfeleistung\/\" data-type=\"URL\" data-id=\"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/lesetipp\/der-sturm-auf-das-capitol-wie-erklaert-das-pentagon-35-stunden-unterlassene-hilfeleistung\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Miller hat am 12. Mai erstmals auf dem Capitol ausgesagt<\/a>, mit Erkl\u00e4rungen, welche <a href=\"https:\/\/oversight.house.gov\/sites\/democrats.oversight.house.gov\/files\/Miller%20Testimony.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">den Verdacht auf Trump-H\u00f6rigkeit in den entscheidenden Stunden eher erh\u00e4rten<\/a> (und <a href=\"https:\/\/thehill.com\/policy\/defense\/553113-ex-pentagon-chief-house-democrat-clash-over-trump-blame-for-capitol-attack\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">ebenfalls hier<\/a>).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Problem mit einer solchen Vorgehensweise, die Trump ins Gef\u00e4ngnis bringt, ist, dass sie leicht und \u00fcberzeugend als manipulativ herbeigef\u00fchrt zu denunzieren w\u00e4re. Ein auf diese Weise seines Rechts zur passiven Wahl beraubter Trump k\u00f6nnte leicht zu einer M\u00e4rtyrer-Gestalt und damit noch m\u00e4chtiger werden. Es bedarf zudem nicht der Person Trumps im Amt des Pr\u00e4sidenten in 2024, an \u201eJ\u00fcngern\u201c, die als Stellvertreter dienen k\u00f6nnen, die im Pr\u00e4sidentenamt ein Trump-Surrogat abgeben w\u00fcrden, gibt es keinen Mangel, mit den beiden bereits erw\u00e4hnten Gestalten Hawley und Cruz an der Spitze. Es k\u00f6nnte zu einer Arbeitsteilung wie in Polen etabliert kommen. Dort hat der eigentliche Machthaber, der PiS-Chef, kein staatliches Amt inne, weshalb er f\u00fcr ausl\u00e4ndische Regierungschefs nicht in persona ansprechbar ist, er sich auch den ganzen zeitaufw\u00e4ndigen Stress von Dauersitzungen erspart. Schaut man sich Trumps angewidertes und provokatives Verhalten bei rituellen Gipfeltreffen von Regierungschefs (G 7; NATO) in den vergangenen vier Jahren an, so k\u00f6nnte er durchaus zu dem Schluss kommen, dass das Kaczy\u0144ski-Modell der Machtaus\u00fcbung ihm auf den Leib geschnitten sei. Man hat schlie\u00dflich auch in Rechnung zu stellen, dass Trump, sofern er 2024 erneut antritt, mit dann 78 Jahren an das Bidenschen Alter im November 2020 heranreichen wird.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Konzipierte Wahlrechtsrestriktionen, um die GOP Trumpscher Ausrichtung mehrheitsf\u00e4hig zu machen<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In f\u00fcnf Bundesstaaten sind die einschl\u00e4gigen Gesetze, die <em>voting restriction bills<\/em>, bereits \u201edurch\u201c: Das ist in Arizona, Georgia, Iowa, Montana sowie Florida. In Ohio und Texas sind die Gesetzentw\u00fcrfe fertig und kurz vor der Verabschiedung. <a href=\"https:\/\/thehill.com\/homenews\/campaign\/552433-advocates-sound-alarm-as-restrictive-voting-laws-pile-up\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Florida meint, die dortige Gesetzgebung sei eine Modell-Gesetzgebung<\/a>. Einen \u00dcberblick \u00fcber diese aktuelle Dynamik zu halten, ist naturgem\u00e4\u00df schwierig, wird aber nat\u00fcrlich unternommen. <a href=\"https:\/\/www.brennancenter.org\/our-work\/analysis-opinion\/?\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Das Brennan Center for Justice f\u00fchrt eine Datenbank der vielen Initiativen und bietet eine breite Palette von Analysen<\/a>. Inzwischen ist bekannt geworden, dass viele Bundesstaaten <a href=\"https:\/\/www.motherjones.com\/politics\/2021\/05\/heritage-foundation-dark-money-voter-suppression-laws\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">die Gesetzesentw\u00fcrfe von derselben Werkstatt beziehen, von der Heritage Foundation<\/a> \u2013 insofern d\u00fcrfte die Vielfalt doch begrenzt sein. Es gibt aber nat\u00fcrlich auch wahlsystemische Kalkulationen zum Gesamteffekt \u2013 f\u00fchrend ist das <a href=\"https:\/\/gerrymander.princeton.edu\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">\u201e<em>Princeton Gerrymandering Project<\/em>\u201c<\/a>.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die aktuelle Kalkulation, nach der sich die Konservativen sehr gute Chance ausrechnen, nach der Wahl im November 2022 wieder die Mehrheit der Sitze im Repr\u00e4sentantenhaus zu erreichen, sieht etwa so aus. Methodisch wird unterstellt, dass genau gleich abgestimmt wird wie im November 2020. Die Frage ist, ob durch ver\u00e4nderte Wahlkreiszuordnung (\u201e<em>redistricting<\/em>\u201c) dieses selbe Abstimungsverhalten im Effekt in einen Erfolg der GOP umwandelbar ist. So formuliert ist es allein eine Aufgabe der Wahlkreis-Gestaltungs-Geometrie. Die Antwort ist \u201eja\u201c, <a href=\"https:\/\/thehill.com\/homenews\/campaign\/554002-republicans-eye-new-house-majority-through-redistricting\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">die Kalkulation sieht etwa so aus<\/a>:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u201e<strong><em>Republicans<\/em><\/strong><em> start with an advantage. Their party will hold complete power over the redistricting process in <strong>20 states<\/strong> that collectively send <strong>188 members to the House<\/strong>, &#8230;.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong><em>Democrats<\/em><\/strong><em> will control the process in <strong>seven states<\/strong> that send <strong>72 members to the House<\/strong>.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Districts in 16 other states are drawn either by independent commissions or by divided government. The seven remaining states send only one at-large member to the House.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>The GOP\u2019s level of control, especially in critical battleground states, may be <strong>sufficient to gain<\/strong> the<strong> five extra seats<\/strong> they would need <strong>to reclaim the majority<\/strong>.<\/em>\u201c<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Demokraten sind selbstverst\u00e4ndlich nicht unt\u00e4tig. Sie streben danach, auf Ebene des Bundes dem Tun republikanisch dominierter Einzelstaaten einen Riegel vorzuschieben. Ihr erstes Gesetz, welches sie als Entwurf in das Repr\u00e4sentantenhaus einbrachten und dort Anfang M\u00e4rz 2021 auch verabschiedeten, H.R.1, ist fast 800 Seiten stark und soll das Wahlrecht grundlegend reformieren; es handelt sich um die Wiedereinbringung des Gesetzes, welches der Abgeordnete John Sarbanes im Jahre 2019 erstmals eingebracht hatte. Zudem haben die Demokraten den \u201e<em>John Lewis Voting Rights Advancement Act<\/em>\u201c eingebracht. Hier geht es um die Wiederbelebung des Schutzes von W\u00e4hlern gegen rassistische Diskriminierung, die im Jahre 1965, der Zeit der Johnson-Regierung, mit dem \u00fcberparteilich unumstrittenen Voting Rights Act (VRA) erreicht wurde. Noch im Jahre 2006 gab es eine Novelle dazu, die im Senat ohne Gegenstimme angenommen wurde. Im Jahre 2013 dann war der Schutz durch eine rein mit einem Formfehler im Gesetz begr\u00fcndete Entscheidung des Obersten Gerichtshofes erheblich eingeschr\u00e4nkt worden, Section 4 des Gesetzes wurde f\u00fcr ung\u00fcltig erkl\u00e4rt \u2013 die aber enthielt gerade die Vorkehrung, <a href=\"https:\/\/www.manchin.senate.gov\/imo\/media\/doc\/210517%20Bipartisan%20Voting%20Rights%20Act%20Reauthorization%20Letter.pdf?cb\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">dass Bundesstaaten und Kommunen f\u00fcr \u00c4nderungen in ihrem Wahlrecht jeweils eine Vorabzustimmung des Justizministeriums in Washington ben\u00f6tigen<\/a>. Seitdem ist die Verfeindung unter den beiden Parteien so gro\u00df geworden, dass der einstmalige Konsens in v\u00f6llig unerreichbarer Ferne zu liegen scheint.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In beiden Gesetzen geht es um eine St\u00e4rkung der Aufsicht bundesstaatlicher Wahlregulierung durch die Washingtoner Ebene \u2013 da es um die Wahl von Repr\u00e4sentanten in Washington geht, liegt diese Forderung nahe. Es geht aber nicht allein um Aufsicht, es geht auch darum, den Tendenzen zur Korruption des politischen Systems etwas entgegenzusetzen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Registrierung von US-B\u00fcrgern f\u00fcr die Wahl soll k\u00fcnftig automatisch erfolgen \u2013 gegenw\u00e4rtig ist es so, dass jedesmal erneut t\u00e4tig werden muss, wer w\u00e4hlen will. Bei Bundeswahlen sollen die Staaten 15 Tage vor dem Termin Stimmabgaben erm\u00f6glichen, Briefwahl wird weniger als bislang ins Belieben von Bundesstaaten gestellt. Strafgefangenen wollen auch die Demokraten in Zukunft kein automatisches Wahlrecht zugestehen, dar\u00fcber zu entscheiden soll Sache der Bundesstaaten bleiben. Der Unterschied zu bisher: Wer aus der Haft entlassen ist, soll automatisch auch sein Wahlrecht wieder erhalten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Eine schon legend\u00e4re Manipulationsoption ist das sogenannte <em>Gerrymandering<\/em>, also das Zuschneiden von Wahlbezirken in einer solchen Weise, dass die jeweils dominante Partei dominant bleibt. Hintergrund ist erstens das in angels\u00e4chsischen Staaten \u00fcbliche <em>winner takes all<\/em>-Prinzip und zweitens die innerstaatliche Migration, die im all-zehnj\u00e4hrlichen Zensus festgestellt wird und der durch Neuzuschnitt von Wahlkreisen Rechnung zu tragen ist, um den Repr\u00e4sentationsgrad in etwa konstant zu halten und damit dem demokratischen Grundprinzip der Stimmengleichheit Rechnung zu tragen. Der Willk\u00fcr, die sich im <em>Gerrymandering<\/em> ausdr\u00fcckt, wollen die Demokraten ein Ende setzen. M\u00fcssen neue Bezirke geschaffen werden, so sollen dies nach dem Vorschlag in H.R. 1 jeweils unabh\u00e4ngige Kommissionen erledigen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Auch in Sachen Wahlkampffinanzierung schwebt den Demokraten ein erheblicher Reformschritt in Richtung De-Oligarchisierung des US-Politik vor: Jeden Dollar, den Pr\u00e4sidentschafts- oder Kongresskandidatinnen und -kandidaten aus Kleinspenden bis zu 200 Dollar einnehmen, soll die Bundesregierung versechsfachen. Die Mittel sollen mittels erh\u00f6hter Geldbu\u00dfen, wie sie Banken und Konzernen auferlegt werden, aufgebracht werden \u2013 auf deren Gesetzesverst\u00f6\u00dfe ist bislang Verlass.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Die Wahlgesetzgebung in Perspektive<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Beide Gesetzesinitiativen werden im Senat von den Republikanern absehbar blockiert werden \u2013 dass sie nicht zustimmen, ist erwartbar. Das Mittel ihrer Blockade ist k\u00fcnstlich und zugleich sehr grunds\u00e4tzlich. Rein verfassungsrechtlich gesehen erfordert ein Gesetz eine einfache Mehrheit in beiden Kammern, auch im Senat. Dar\u00fcber verf\u00fcgen die Demokraten gegenw\u00e4rtig auch, dank des so besonderen Wahlumschwungs in Georgia, wo erst Biden gew\u00e4hlt und anschlie\u00dfend in einer Nachwahl im Januar beide Senatssitze an die Kandidaten der Demokraten gingen. Au\u00dfergew\u00f6hnlich war das, weil dieser Staat unter republikanischer Mehrheit steht \u2013 und dann schaute die Welt zu, wie die Parteifreunde im Amt von Regierungschef und Justizminister, trotz allen Drucks, den der Pr\u00e4sident in Washington aus\u00fcbte, sich nicht daf\u00fcr gewinnen lie\u00dfen, die Wahlergebnisse zu manipulieren, nachdem die Stimmen abgegeben worden waren. Zu illegaler Wahlmanipulation haben sie nicht die Hand gereicht. Nun aber geh\u00f6rte Georgia zu den ersten republikanisch regierten Staaten, die eine restriktive Wahlgesetzgebung in ihrem Bundesstaat erlie\u00dfen \u2013 legale Manipulation der Wahlbedingungen machen auch die gesetzestreuen Republikanischen Amtstr\u00e4ger in Georgia mit.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Blockiert werden die beiden Wahlgesetz-Vorlagen im Senat \u00fcber eine prozedurale Vorkehrung, die langfristig besteht, allein auf Basis eines \u00fcberparteilichen Konsenses \u2013 sie w\u00e4re mit einfacher Mehrheit abzuschaffen. Ihr Name ist \u201eFilibuster\u201c. Im Jahre 1917 hatte der Senat eine Regel eingef\u00fchrt, eine Debatte beenden zu k\u00f6nnen (, um zur Abstimmung \u00fcberzugehen). Sie besagte, dass es f\u00fcr einen solchen Entscheid ein Quorum von zwei Drittel der Stimmen braucht \u2013 im Jahre 1975 wurde dieser Vorbehalt abgesenkt auf drei F\u00fcnftel oder eben 60 Stimmen, wenn alle 100 Mitglieder des Senats mitabstimmen. Das hei\u00dft wenn eine Partei etwas streitig stellt, ist eine Abstimmung nur m\u00f6glich, wenn (bei vollst\u00e4ndiger Besetzung) ein F\u00fcnftel der Vertreter der anderen Partei zustimmt. Das ist die Basis des sagenhaften Prinzips des \u00fcberparteilichen Aushandelns, welches f\u00fcr Washington typisch war und Stabilit\u00e4t garantierte \u2013 der status quo war so ziemlich festgehauen in der Erde. Mit einem Pr\u00e4sidenten, der mit einem Federstrich reihenweise multilaterale Vertr\u00e4ge beendete, die nur mit einem solchen Quorum zustande gebracht werden konnten und k\u00f6nnen, ist diese Washingtoner Epoche beendet.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Demokraten sind dabei abzuw\u00e4gen, ob sie das konsensuale Filibuster-Agreement auf Dauer kippen oder einschr\u00e4nken wollen, um die nur in den jetzigen zwei Jahren sicher bestehende Chance zu nutzen, die beiden Anti-Restriktions-Wahlgesetze auf Bundesebene durchzubekommen. Vollziehen werden sie das klugerweise nur, wenn damit ein Machtumschwung garantierbar w\u00e4re. Es steht aber der unkalkulierbare Oberste Gerichtshof im Raume &#8230;; deswegen wird es, so meine Vermutung, bei der Tendenz einer zunehmenden Korrumpierung des US-Wahlsystems bleiben. Es f\u00e4llt angesichts dessen schwer, sich mit Gr\u00fcnden und quantitativ gest\u00fctzt auszumalen, dass der Trumpismus nach 2024 nicht wieder oben ausschwingt.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\"\/>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Kolumne von Hans-Jochen Luhmann Donald Trump hat seine Vasallen auf ein Shibboleth verpflichtet und spaltet dar\u00fcber die republikanische Partei: Jeder gew\u00e4hlte Amtsinhaber hat sich zu entscheiden, zu der Frage, ob Trump die Wahl 2020 verloren habe, ja oder nein zu sagen. Wer &#8222;nein&#8220; sagt, gilt als Parteig\u00e4nger und wird in Zukunft zur Wiederwahl gest\u00fctzt; &hellip; <\/p>\n<p class=\"link-more\"><a href=\"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/hans-jochen-luhmann\/aussichten-zu-den-us-wahlen-2022-und-2024-republikaner-und-integritaet-des-wahlsystems-in-gemeinsamer-abwaertsspirale-auf-dem-weg-zum-sieg\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">\u201eAussichten zu den US-Wahlen 2022 und 2024: Republikaner und Integrit\u00e4t des Wahlsystems in gemeinsamer Abw\u00e4rtsspirale auf dem Weg zum Sieg\u201c <\/span>weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"parent":0,"menu_order":46,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":{"footnotes":""},"class_list":["post-901","page","type-page","status-publish","hentry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/hans-jochen-luhmann\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/901","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/hans-jochen-luhmann\/wp-json\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/hans-jochen-luhmann\/wp-json\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/hans-jochen-luhmann\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/hans-jochen-luhmann\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=901"}],"version-history":[{"count":9,"href":"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/hans-jochen-luhmann\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/901\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":917,"href":"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/hans-jochen-luhmann\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/901\/revisions\/917"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/hans-jochen-luhmann\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=901"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}