Menschen stranden, 4. Mai 2019

 

Bei unserem Arbeitsaufenthalt in Rhodos gab es mehrere alleinstehende deutsche Männer, die ihr Leben unter ärmlichen Bedingungen fristeten. Zum Teil hatten sie keine sozialen Kontakte. Als einer starb, fiel der evangelischen deutschen Gemeinde auf Rhodos die Aufgabe zu, ihn zu beerdigen. Er war als evangelisch gemeldet und so wendete sich die Behörde an die evangelische Gemeinde. Die übernahm, da es weder Freude noch Angehörige gab, diese Aufgabe, und Gemeindemitglieder begleiteten den Verstorbenen auch auf seinem letzten Weg.

Auch in Ungarn stranden Deutsche. Einer muss seine Wohnung verlassen und findet keinen Wohnraum, den er bezahlen kann. Andere wollen aus ihrem Beruf frühzeitig aussteigen, können dies aber nur dort verwirklichen, wo die Lebenshaltungskosten, so wie in Ungarn, günstiger sind. Dann wird alles, was in Deutschland vorhanden ist, zu Geld gemacht und ein erschwingliches Haus in Ungarn gekauft. Welche Vorstellungen, Visionen, Lebensperspektiven die Aussiedelnden damit verbinden, wird nicht deutlich. Das Hauptmotiv scheint zu sein: Hauptsache weg aus Deutschland, weg von der Arbeit, manchmal auch weg von der Familie. Es ist eine Flucht vor Unbewältigtem, was in Deutschland zurückgelassen werden soll. Dass sich dieser Wunsch nicht immer erfüllt, drängt sich als Gedanke auf, denn den Ballast, den man mit sich rumträgt, der bleibt erhalten.

Nun gut, nach dem Motto: Ich bin dann mal weg! Was dann wird, ist ein zweiter Teil. Ob es Einigen so ergeht, wie dem Mann auf Rhodos? Andere wollen bald wieder zurück, können es sich dann aber nicht leisten… Automatisch hat eine Flucht noch keine Zukunftsperspektive, sie sichert im schlimmsten Fall das Überleben ‑ aber wie geht es weiter?