Mülltrennung… 8. Oktober 2018

 

Die Deutschen gelten nach einer Studie, die ich gelesen habe, als Weltmeister der Mülltrennung. Auch, wenn ich die genau Quelle nicht kenne, leuchtet mir das sofort ein. In jeder Siedlung, in jedem Supermarkt sehe ich, wie die Mülltrennung funktioniert. Jede Flasche aus Plastik wird gesucht, gefunden und zu Geld gemacht. Für manche Menschen ein kleines Zusatzeinkommen. Überall sind Container zu finden, die mir helfen, die richtige Verpackung in den richtigen Behälter zu schmeißen.

Eine Welt ohne Mülltrennung, wie sie uns manchmal zum Beispiel in Afrika vor Augen geführt wird, erscheint für uns Deutsche unmöglich. Auch in Ungarn sind die Bedingungen der Mülltrennung nicht wie in Deutschland. Aber Anfänge sind deutlich sichtbar. Bisher gibt es noch kein einheitliches Plastikflaschen-Pfand-Rückgabesystem, obwohl Lidl schon Automaten bereitstellt. Bei hundert zurückgegebenen Plastikflaschen gibt es 30 Cent.

Im Interspar können Dosen per Automat so zusammengedrückt werden, dass ihr Material nutzbar wird.

So gesehen befinden wir uns, mit einem Schmunzeln gesagt, in Ungarn in einem Mülltrennungsentwicklungsland. Und wenn man die Mülltrennung zu ernst nimmt, führt dies zu Überlastung der Sammelstellen. Deutet dies etwa darauf hin, dass zu viele Deutsche im Land sind?

Wie soll es weitergehen? Das Papier, das wir zur Sammelstelle bringen, passt nicht mehr in den Container, alles quillt über. Im Haushaltsalltag verleitet diese Erfahrung dazu, ab und an eine Dose oder eine Plastikflasche in den Allgemeinmüll zu stecken. Doch wozu führt das? Unser Mülleimer ist chronisch überlastet. Guter Rat ist teuer. Manchmal frage ich mich: Wieso wird der sortierte Müll so selten abgeholt, wo doch der Hausmüll jede Woche entsorgt wird? Eine Frage, die sich aufdrängt.

Nun, richtige Antworten gibt es wohl weder auf Deutsch noch auf Ungarisch! Aber es gibt sicher andere Interpretationsmöglichkeiten dessen, was ich sehe. Ich habe den Eindruck, die überfüllten Abfalltrennstationen werden eben doch vorwiegend von Ungarn bedient. Das heißt, die ungarischen Menschen an der Basis sind weiter als die Müllabfuhr. Und noch eins: Auch wenn das Bild eine chaotische Müllablage zeigt, so sieht es auf jeden Fall morgen früh anders aus auf diesem Platz. Denn bedürftige Menschen, auch Sinti und Roma, holen sich von dieser Stelle, was sie noch brauchen können oder, was sie weiterverkaufen können.

Insofern glaube fest daran, dass der nächste Europa-Müll-Trenn-Meister Ungarn ist!