{"id":1051,"date":"2025-03-17T18:53:57","date_gmt":"2025-03-17T17:53:57","guid":{"rendered":"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/klima\/?page_id=1051"},"modified":"2025-03-17T18:53:58","modified_gmt":"2025-03-17T17:53:58","slug":"volkswagen-co2-kompensationsprojekt-untergraebt-landrechte-der-maasai","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/klima\/volkswagen-co2-kompensationsprojekt-untergraebt-landrechte-der-maasai\/","title":{"rendered":"Volkswagen: CO2-Kompensationsprojekt untergr\u00e4bt Landrechte der Maasai"},"content":{"rendered":"\n<p><em>Unternehmen finanzieren \u00fcber den Kauf von Emissionszertifikaten Klimaschutzprojekte, die den von ihnen verursachten CO2-Aussto\u00df kompensieren sollen. Ein von Volkswagen finanziertes Projekt in Tansania, bei dem Kohlenstoff im Boden gespeichert wird, erstreckt sich \u00fcber eine Fl\u00e4che etwa halb so gro\u00df wie Hessen. Dadurch verlieren \u00f6rtliche Gemeinden zunehmend die Kontrolle \u00fcber ihr traditionelles Weideland.<\/em><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"413\" src=\"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/klima\/wp-content\/uploads\/sites\/17\/2025\/03\/250317-NU-misa-carbon-report.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1044\" title=\"Foto: Nata Uchava, Magdeburg\"\/><\/figure>\n\n\n\n<p><strong>(Aachen, G\u00f6ttingen, K\u00f6ln, 11. M\u00e4rz 2025)<\/strong> Eine heute ver\u00f6ffentlichte Studie der Maasai International Solidarity Alliance (MISA) \u2013 zu deren Mitgliedern das Hilfswerk Misereor, die Menschenrechtsorganisation FIAN und die Gesellschaft f\u00fcr bedrohte V\u00f6lker geh\u00f6ren \u2013 zeigt die problematischen Auswirkungen internationaler Projekte, die durch Kohlenstoffkompensation eigentlich dem Klimaschutz dienen sollten. Die Land- und Menschenrechte der Maasai, einer indigenen ostafrikanischen Volksgruppe, stehen massiv unter Druck.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Studie dokumentiert die Auswirkungen zweier gro\u00dffl\u00e4chiger Kohlenstoffprojekte auf die nomadisch-lebende Volksgruppe der Maasai im Norden Tansanias. Dabei wurden zahlreiche schwerwiegende Missst\u00e4nde festgestellt: zweifelhafte Vorabzahlungen an D\u00f6rfer, intransparente und teils rechtswidrige Vertragsabschl\u00fcsse und die Missachtung v\u00f6lkerrechtlicher Normen \u2011 insbesondere hinsichtlich der Beteiligung der lokalen Bev\u00f6lkerung. Diese ist stark eingeschr\u00e4nkt, vielen Gemeindemitgliedern fehlt grundlegendes Wissen \u00fcber Kohlenstoffm\u00e4rkte, Vertragsbedingungen und deren Folgen. Dadurch verlieren die Gemeinden zunehmend die Kontrolle \u00fcber ihr traditionelles Weideland und k\u00f6nnen \u00fcberlebenswichtige jahrhundertealte Praktiken nicht mehr aus\u00fcben.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Klimaschutzprojekte im Konflikt mit lokaler Tradition<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Unternehmen wie Volkswagen kaufen Emissionszertifikate und finanzieren damit Klimaschutzprojekte, die den von ihnen verursachten CO2-Aussto\u00df kompensieren und sie in einer Gesamtrechnung als klimaneutral ausweisen sollen. Zwei dieser Projekte sind das \u201eLongido and Monduli Rangelands Carbon Project\u201c von Soils for the Future Tanzania Ltd. und das \u201eResilient Tarangire Ecosystem Project\u201c von The Nature Conservancy. Bei beiden Bodenkohlenstoff-Projekten soll Kohlenstoff im Boden gespeichert werden. Die praktische Realisierung der Projekte beeintr\u00e4chtigt die Nutzung der B\u00f6den Weidefl\u00e4chen f\u00fcr das Vieh der Maasai.<\/p>\n\n\n\n<p>Traditionell orientieren sich die Weiderouten der Maasai an der Wasserverf\u00fcgbarkeit, den wechselnden Trockenzeiten und den Wanderungen ihrer Weidetiere. Die Weidemuster und die Mobilit\u00e4t der Maasai bilden nicht nur eine zentrale S\u00e4ule ihrer traditionellen Kultur, sondern leisten auch einen nachhaltigen, positiven Beitrag zur Erhaltung und Widerstandf\u00e4higkeit der trockenen Weidegebiete. Durch die beiden neuen Kohlenstoffprojekte m\u00fcssen sich die Maasai nun der Kohlenstoffspeicherung unterordnen \u2013 teils f\u00fcr eine Dauer von bis zu 40 Jahren. \u201eDie neuen Vorgaben der Kohlenstoffprojekte machen traditionelle Weidepraktiken unm\u00f6glich. Wir fordern deshalb einen sofortigen Stopp der Vorhaben\u201c, mahnt Roman Herre, Agrarreferent der Menschenrechtsorganisation FIAN.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Landnahme bedroht umweltfreundliche Maasai-Praktik<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Die zwei untersuchten Projekte konkurrieren in Tansania um Weideland f\u00fcr ihre Kohlenstoffprogramme. Hier soll durch \u00c4nderungen der Weidefl\u00e4chennutzung, zus\u00e4tzlicher Kohlenstoff im Boden gespeichert werden und dadurch Kohlenstoff-Emissionen kompensiert werden. Eines der Projekte wird von Volkswagen finanziert und erstreckt sich \u00fcber knapp eine Million Hektar \u2013 eine Fl\u00e4che etwa halb so gro\u00df wie Hessen. \u201eDie Maasai leben dort im Einklang mit der Natur: mit ihrem tief verwurzelten Wissen bewahren sie die Landschaft und sch\u00fctzen die einzigartige Artenvielfalt f\u00fcr kommende Generationen\u201c betont Sarah Reinke, Leiterin der Menschenrechtsarbeit der GfbV.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Nachhaltigkeit ohne Verantwortung: Volkswagen in der Kritik<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Bisherige Gespr\u00e4che zwischen Volkswagen und den Anw\u00e4lten der Maasai \u00fcber die Ber\u00fccksichtigung ihrer Rechte und Interessen blieben weitestgehend ergebnislos. Trotz der Darstellung erheblicher Bedenken gab es seitens Volkswagen keine substanziellen Antworten. \u201eEs ist unerl\u00e4sslich, dass Unternehmen nicht nur Nachhaltigkeitsversprechen abgeben, sondern auch aktiv an der L\u00f6sung dieser Probleme mitwirken. Wir fordern von deutschen Konzernen wie Volkswagen, nicht im Namen der Nachhaltigkeit Land- und Menschenrechte zu gef\u00e4hrden. Das beinhaltet, bei ihren Projektplanungen die ans\u00e4ssige Bev\u00f6lkerung von Beginn an transparent einzubeziehen und sich ihrer unternehmerischen Verantwortung nicht zu entziehen\u201c, fordert Selina Wiredu, afrikapolitische Referentin bei Misereor.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-9d6595d7 wp-block-columns-is-layout-flex\">\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\" style=\"flex-basis:33.33%\">\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><a href=\"https:\/\/www.fian.de\/team\/almudena-abascal\/\" target=\"_blank\" rel=\" noreferrer noopener\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"910\" src=\"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/klima\/wp-content\/uploads\/sites\/17\/2025\/03\/Roman-Herre-FIAN.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1050\" style=\"aspect-ratio:1;object-fit:contain\" title=\"Foto: FIAN\"\/><\/a><\/figure>\n<\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\" style=\"flex-basis:66.66%\">\n<p><\/p>\n\n\n\n<p>Roman Herre ist Agrarreferent der Menschenrechtsorganisation <a href=\"https:\/\/www.fian.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">FIAN<\/a>.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full is-resized\"><a href=\"https:\/\/www.fian.de\/\" target=\"_blank\" rel=\" noreferrer noopener\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"225\" height=\"225\" src=\"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/klima\/wp-content\/uploads\/sites\/17\/2025\/03\/FIAN-Logo.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1052\" style=\"width:181px;height:auto\"\/><\/a><\/figure>\n<\/div>\n<\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-9d6595d7 wp-block-columns-is-layout-flex\">\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\" style=\"flex-basis:33.33%\">\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><a href=\"https:\/\/afsafrica.org\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/misa-carbon-report-full-eng.pdf\" target=\"_blank\" rel=\" noreferrer noopener\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"595\" height=\"842\" src=\"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/klima\/wp-content\/uploads\/sites\/17\/2025\/03\/misa-carbon-report-full-eng-1.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1045\" style=\"aspect-ratio:3\/4;object-fit:contain\"\/><\/a><\/figure>\n<\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\" style=\"flex-basis:66.66%\">\n<p><\/p>\n\n\n\n<p>Die Studie &#8222;Soil Carbon Credits: Another Wave of Land Alienation in Northern Tanzania?&#8220; steht <a href=\"https:\/\/afsafrica.org\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/misa-carbon-report-full-eng.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">\u00fcber diesen Link zum Download als PDF-Datei<\/a> bereit.<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-9d6595d7 wp-block-columns-is-layout-flex\">\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\" style=\"flex-basis:33.33%\">\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><a href=\"https:\/\/afsafrica.org\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/misa-carbon-report-short-german.pdf\" target=\"_blank\" rel=\" noreferrer noopener\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"603\" height=\"850\" src=\"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/klima\/wp-content\/uploads\/sites\/17\/2025\/03\/misa-carbon-report-short-german-T-1.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1053\" style=\"aspect-ratio:3\/4;object-fit:contain\"\/><\/a><\/figure>\n<\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\" style=\"flex-basis:66.66%\">\n<p><\/p>\n\n\n\n<p>Eine Kurzfassung der Studie in deutscher Sprache steht <a href=\"https:\/\/afsafrica.org\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/misa-carbon-report-short-german.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">\u00fcber diesen Link zum Download als PDF-Datei<\/a> bereit.<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Unternehmen finanzieren \u00fcber den Kauf von Emissionszertifikaten Klimaschutzprojekte, die den von ihnen verursachten CO2-Aussto\u00df kompensieren sollen. 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