{"id":1179,"date":"2026-06-03T18:01:42","date_gmt":"2026-06-03T16:01:42","guid":{"rendered":"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/klima\/?page_id=1179"},"modified":"2026-06-03T18:01:42","modified_gmt":"2026-06-03T16:01:42","slug":"verzoegerungen-beim-netzanschluss-blockieren-in-deutschland-investitionen-von-ueber-45-milliarden-euro","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/klima\/verzoegerungen-beim-netzanschluss-blockieren-in-deutschland-investitionen-von-ueber-45-milliarden-euro\/","title":{"rendered":"Verz\u00f6gerungen beim Netzanschluss blockieren in Deutschland Investitionen von \u00fcber 45 Milliarden Euro"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Eine Studie vom Juni 2026 zeigt: Stockende Verteilnetzanschl\u00fcsse verz\u00f6gern in acht europ\u00e4ischen Staaten Investitionen in Erneuerbare und Speicher im Wert von rund 100 Milliarden Euro \u2013 allein in Deutschland stecken sch\u00e4tzungsweise 40.000 Projekte in Warteschlangen.<\/em><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"684\" src=\"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/klima\/wp-content\/uploads\/sites\/17\/2026\/06\/260603-NU-Netzanschluss-1024x684.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1174\" title=\"Foto: Nata Uchava, Magdeburg\"\/><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>(Berlin, 2. Juni 2026)<\/strong> Eine heute ver\u00f6ffentlichte Studie des Beratungsunternehmens AFRY im Auftrag des Netzwerks Beyond Fossil Fuels (BFF) zeigt, dass die stockende Netzmodernisierung schon jetzt ein wirtschaftlicher Hemmschuh ist. Knappe Anschlusskapazit\u00e4ten im Stromverteilnetz und lange Wartezeiten verhindern in gro\u00dfem Umfang Investitionen in die Energiewende. Allein in Deutschland warten Erneuerbaren-Projekte mit einer Gesamtleistung von sch\u00e4tzungsweise 140 Gigawatt und rund 130 Gigawatt Batteriespeicher auf einen Netzanschluss, wie die Studie zeigt. Selbst unter der Annahme, dass nur ein Teil dieser Projekte realisiert wird, bel\u00e4uft sich der gesch\u00e4tzte Gesamtwert verz\u00f6gerter Investitionen auf 45 Milliarden Euro.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u201eVerz\u00f6gerungen beim Verteilnetzanschluss blockieren Investitionen in zentrale Zukunftstechnologien und verhindern einen schnelleren Abschied von fossilen Abh\u00e4ngigkeiten \u2013 das ist in der aktuellen Krise doppelt teuer. Statt des kontraproduktiven Netzanschlusspakets der Bundesregierung braucht es jetzt einen Netzanschluss-Booster\u201c, kommentiert Henri Schmitz, Referent f\u00fcr Energiepolitik bei der Umwelt- und Entwicklungsorganisation Germanwatch.<\/p>\n\n\n\n<h1 class=\"wp-block-heading\">Regulatorische Reformen f\u00fcr beschleunigte Netzanschl\u00fcsse<\/h1>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Als Gr\u00fcnde f\u00fcr Verz\u00f6gerungen beim Netzanschluss nennen die Studien-Autor:innen neben fehlenden Anschlusskapazit\u00e4ten insbesondere ineffiziente Regelungen f\u00fcr die Bearbeitung von teils spekulativen Anschlussbegehren und die Reservierung von Kapazit\u00e4ten, langwierige Planungs- und Genehmigungsprozesse sowie Engp\u00e4sse bei Lieferketten und Fachkr\u00e4ften. F\u00fcr Deutschland identifiziert die Studie besonderen Handlungsbedarf: Insbesondere die fragmentierte Umsetzung von Anschlussregelungen durch \u00fcber 850 Verteilnetzbetreiber, der Mangel an Transparenz im Verteilnetz sowie fehlende Anreize zur Umsetzung regulatorischer Anforderungen und digitaler L\u00f6sungen werden kritisiert.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Imke Irmer zu den Pl\u00e4nen der Bundesregierung f\u00fcr ein Netzanschlusspaket: \u201eDas Netzpaket ist v\u00f6llig ungeeignet, den Flaschenhals Verteilnetzanschluss zu beseitigen. Der geplante Redispatch-Vorbehalt droht Investitionen in Erneuerbare Energien zu verz\u00f6gern. Die geplante Priorisierung von Anschlussbegehren durch Verteilnetzbetreiber r\u00e4umt ausgerechnet denen noch mehr Entscheidungsgewalt ein, die den R\u00fcckstand beim Netzausbau ma\u00dfgeblich mitverursacht haben. Im Falle einer derart einseitigen Verschiebung der Verantwortung droht ein Flickenteppich aus \u00fcber 800 Einzelregelungen durch dann nahezu \u00fcberm\u00e4chtige Netzbetreiber. Das Problem verz\u00f6gerter Netzanschl\u00fcsse wird dadurch sicher nicht kleiner, sondern sogar noch verst\u00e4rkt. Von n\u00fctzlichen Ma\u00dfnahmen zur Beschleunigung des Netzausbaus, die zum Beispiel auch Netzbetreiber zu einem besseren Verhalten motivieren, findet sich hingegen keine Spur.\u201c<\/p>\n\n\n\n<h1 class=\"wp-block-heading\">Verteilnetzanschl\u00fcsse nicht nur in Deutschland knapp<\/h1>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Neben Deutschland beleuchtet die Studie die Situation in sieben weiteren europ\u00e4ischen L\u00e4ndern. \u00dcber alle acht L\u00e4nder summieren sich Warteschlagen f\u00fcr den Verteilnetzanschluss auf rund 375 Gigawatt f\u00fcr Erneuerbare und rund 455 Gigawatt f\u00fcr Batteriespeicher im Wert von insgesamt rund 100 Milliarden Euro (bezogen auf realistischerweise gebaute Kapazit\u00e4ten). Betrachtet wurden Projekte, deren Anschlussbegehren noch bearbeitet wird oder f\u00fcr die zwar eine Anschlusszusage vorliegt, die aber noch nicht in Betrieb genommen wurden. Nicht ber\u00fccksichtigt wurden wegen der mangelhaften Datenlage die Warteschlangen f\u00fcr neue Verbraucher wie Ladeinfrastruktur, Rechenzentren oder Gro\u00dfw\u00e4rmepumpen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u201eDie Studie von AFRY gibt einen ersten Eindruck von der Gr\u00f6\u00dfenordnung des Problems \u2013 allerdings nur f\u00fcr Erneuerbare Energien und Speicher. Gleichzeitig h\u00e4ufen sich Berichte von Unternehmen aus dem produzierenden Gewerbe, die bis zu zehn Jahre auf einen Netzanschluss f\u00fcr Investitionen in die Elektrifizierung warten. Ohne Zweifel ist das Problem also noch viel gr\u00f6\u00dfer, als es die Studie vermuten l\u00e4sst\u201c, kommentiert Imke Irmer, Teamkoordinatorin Erneuerbare und Infrastruktur bei der Deutschen Umwelthilfe, weiter.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Studie zeigt auch, wie es mit Blick auf Warteschlangen im Verteilnetz besser gehen kann: So werden schnelle Netzanschlussprozesse in Gro\u00dfbritannien finanziell angereizt, in Griechenland werden Anschlussbegehren nach einheitlichen Vorgaben priorisiert. Daher fordert Germanwatch-Energieexperte Henri Schmitz: \u201eBundesregierung und Bundesnetzagentur sollten sich daran ein Beispiel nehmen und Netzbetreiber endlich auf Basis eindeutiger Vorgaben in die Pflicht nehmen. Ein Lichtblick im Netzpaket sind diesbez\u00fcglich die Vorgaben zur Herstellung von Transparenz \u00fcber freie Anschlusskapazit\u00e4ten und zur Digitalisierung von Anschlussverfahren. Auch hier braucht es jedoch finanzielle Anreize f\u00fcr die Umsetzung.\u201c&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<h1 class=\"wp-block-heading\">Zum methodischen Hintergrund der Studie<\/h1>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Betrachtet wurden ausschlie\u00dflich Projekte mit einer Leistung von mehr als einem Megawatt. Die Analyse f\u00fcr Deutschland erfolgt auf Basis von Daten aus dem Marktstammdatenregister und der SMARD-Datenbank, teils erg\u00e4nzt um plausibilisierende Sch\u00e4tzungen. Angaben zum gesch\u00e4tzten Investitionswert der betrachteten Projekte basieren auf der Anwendung technologiespezifischer Kapital- und Betriebskosten sowie Realisierungswahrscheinlichkeiten (20 Prozent f\u00fcr Wind, 25 Prozent f\u00fcr PV und Speicher, reduziert auf zehn Prozent in F\u00e4llen, wo Anschlusswarteschlangen technologiespezifische Ausbauziele \u00fcberschreiten).<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-8f761849 wp-block-columns-is-layout-flex\">\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\" style=\"flex-basis:33.33%\">\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><a href=\"https:\/\/www.germanwatch.org\/de\/user\/henrischmitz\" target=\"_blank\" rel=\" noreferrer noopener\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"176\" height=\"240\" src=\"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/klima\/wp-content\/uploads\/sites\/17\/2026\/06\/Henri-Schmitz-germanwatch.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1175\" title=\"Foto: germanwatch\"\/><\/a><\/figure>\n<\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\" style=\"flex-basis:66.66%\">\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Henri Schmitz ist Referent f\u00fcr Energiepolitik bei der Umwelt- und Entwicklungsorganisation <a href=\"https:\/\/www.germanwatch.org\/de\" target=\"_blank\" data-type=\"link\" data-id=\"https:\/\/www.germanwatch.org\/de\" rel=\"noreferrer noopener\">Germanwatch<\/a>.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full is-resized\"><a href=\"https:\/\/www.germanwatch.org\/de\" target=\"_blank\" rel=\" noreferrer noopener\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"200\" height=\"73\" src=\"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/klima\/wp-content\/uploads\/sites\/17\/2018\/08\/logoGermanwatch.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-39\" style=\"width:155px;height:auto\"\/><\/a><\/figure>\n<\/div>\n<\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-8f761849 wp-block-columns-is-layout-flex\">\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\" style=\"flex-basis:33.33%\">\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><a href=\"https:\/\/beyondfossilfuels.org\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/AFRY_BFF_Grid-expectations-The-distribution-backlog-stalling-Europes-energy-transition-report.pdf\" target=\"_blank\" rel=\" noreferrer noopener\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"964\" height=\"544\" src=\"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/klima\/wp-content\/uploads\/sites\/17\/2026\/06\/Grid-expectations-Report-260603-T.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1176\"\/><\/a><\/figure>\n<\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\" style=\"flex-basis:66.66%\">\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Studie &#8222;Grid expectations: The distribution backlog stalling Europe\u2019s energy transition&#8220; von Juni 2026 steht <a href=\"https:\/\/beyondfossilfuels.org\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/AFRY_BFF_Grid-expectations-The-distribution-backlog-stalling-Europes-energy-transition-report.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">\u00fcber diesen Link als PDF-Datei <\/a>bereit.<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eine Studie vom Juni 2026 zeigt: Stockende Verteilnetzanschl\u00fcsse verz\u00f6gern in acht europ\u00e4ischen Staaten Investitionen in Erneuerbare und Speicher im Wert von rund 100 Milliarden Euro \u2013 allein in Deutschland stecken sch\u00e4tzungsweise 40.000 Projekte in Warteschlangen. 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