{"id":317,"date":"2020-07-16T17:44:47","date_gmt":"2020-07-16T15:44:47","guid":{"rendered":"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/klima\/?page_id=317"},"modified":"2020-09-09T14:35:56","modified_gmt":"2020-09-09T12:35:56","slug":"investoren-und-banken-verschwenden-milliarden-an-europas-kohleriesen","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/klima\/investoren-und-banken-verschwenden-milliarden-an-europas-kohleriesen\/","title":{"rendered":"Investoren und Banken verschwenden Milliarden an Europas Kohleriesen"},"content":{"rendered":"\n<p><em>Die internationale NGO-Allianz Europe Beyond Coal hat untersucht, welche Banken und Investoren die wichtigsten acht Kohlekonzerne in Europa am st\u00e4rksten finanziell unterst\u00fctzen, die f\u00fcr die H\u00e4lfte aller kohlebasierten CO2-Emissionen in der EU stehen. Der insgesamt wichtigste Investor der gr\u00f6\u00dften europ\u00e4ischen Kohlekraftwerksbetreiber ist BlackRock aus den USA. BlackRock ist in alle untersuchten Unternehmen \u00fcber Aktien und Anleihen im Wert von 7 Milliarden Euro investiert \u2013 mehr als die vier gr\u00f6\u00dften europ\u00e4ischen Investoren zusammen.<\/em><\/p>\n\n\n\n<hr>\n<img decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-313\" title=\"Grafik: Nata Uchava, Michael Wildberger.\" src=\"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/klima\/wp-content\/uploads\/sites\/17\/2020\/07\/NU-200716-urgewald-Kohleinvestoren.jpg\" alt=\"\" width=\"1024\">\n<hr>\n&nbsp;\n\n\n\n<p><strong>(Berlin, Br\u00fcssel 15. Juli 2020)<\/strong> Trotz versch\u00e4rfter Kohlerichtlinien in der Finanzindustrie und eines zunehmend schw\u00e4chelnden Kohlesektors erhalten die gr\u00f6\u00dften europ\u00e4ischen Kohlekonzerne, darunter RWE und Uniper, nach wie vor Milliardensummen von Banken und Investoren. Das ist das Ergebnis der neuen <a aria-label=\"Studie \u201eFool\u2019s Gold \u2013 The financial institutions risking our renewable energy future with coal\u201c der europ\u00e4ischen NGO-Allianz Europe Beyond Coal (opens in a new tab)\" rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/beyond-coal.eu\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/FoolsGold2020_final.pdf\" target=\"_blank\" class=\"rank-math-link\">Studie \u201eFool\u2019s Gold \u2013 The financial institutions risking our renewable energy future with coal\u201c der europ\u00e4ischen NGO-Allianz Europe Beyond Coal<\/a>, mitherausgegeben von urgewald und elf weiteren europ\u00e4ischen und internationalen Nichtregierungsorganisationen.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignright size-large is-resized\"><a href=\"https:\/\/beyond-coal.eu\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/FoolsGold2020_final.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/klima\/wp-content\/uploads\/sites\/17\/2020\/07\/FoolsGold2020_final-T.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-313\" width=\"320\"\/><\/a><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>Die Studie erscheint seit 2018 im j\u00e4hrlichen Rhythmus. Sie hat untersucht, welche europ\u00e4ischen Banken und Investoren die wichtigsten acht Kohlekonzerne in Europa am st\u00e4rksten finanziell unterst\u00fctzen (sie stehen f\u00fcr die H\u00e4lfte aller kohlebasierten CO\u2082-Emissionen in der EU):<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\"><li>RWE (Deutschland),<\/li><li>PGE (Polen),<\/li><li>EPH (Tschechien),<\/li><li>\u010cEZ (Tschechien),<\/li><li>Enel\/Endesa (Italien\/Spanien) und<\/li><li>Fortum\/Uniper (Finnland\/Deutschland).<\/li><\/ul>\n\n\n\n<p>Untersucht im Rahmen der Studie wurden die gehaltenen Aktien und Anleihen der Investoren zum Stand Februar 2020. Bei den Banken wurden die Kreditvergabe und Investmentbanking-Dienstleistungen im Zeitraum November 2018, kurz nachdem der 1,5-Grad-Sonderbericht des Weltklimarats IPCC ver\u00f6ffentlicht wurde, bis Dezember 2019 analysiert. Der IPCC-Bericht hat wie kein zweiter die Dringlichkeit eines schnellen Kohleausstiegs wissenschaftlich untermauert. Die gr\u00f6\u00dfte Unterst\u00fctzung europ\u00e4ischer Banken in Form von Krediten oder Unterst\u00fctzung bei Aktien- und Anleihe-Gesch\u00e4ften kam von<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\"><li>UniCredit (2,8 Milliarden Euro),<\/li><li>BNP Paribas (2,1 Milliarden Euro),<\/li><li>Barclays (1,7 Milliarden Euro) und<\/li><li>Soci\u00e9t\u00e9 G\u00e9n\u00e9rale (1,3 Milliarden Euro), gleichauf mit<\/li><li>Deutsche Bank (1,3 Milliarden Euro).<\/li><\/ul>\n\n\n\n<p>Gr\u00f6\u00dfter europ\u00e4ischer Investor im Untersuchungszeitraum ist mit 1,5 Milliarden Euro der Norwegische Pensionsfonds. Dies wird sich aufgrund der im Juni 2020 deutlich versch\u00e4rften Kohleausschluss-Richtlinie des Fonds allerdings bald \u00e4ndern \u2013 unter anderem teilte der Fonds mit, seine RWE-Anteile verkaufen zu wollen. Rechnet man diesen Posten heraus, liegt der Fonds auf Platz zwei mit 1,2 Milliarden Euro. Neue Nummer eins w\u00e4re dann die bisher zweitplatzierte Cr\u00e9dit Agricole mit 1,4 Milliarden Euro. Die franz\u00f6sische Bank hat zwar ebenfalls einen umfassenden Kohleausstieg beschlossen, diesen allerdings noch nicht umgesetzt. Es folgen auf Rang drei die Allianz mit 1,1 Milliarden und auf Rang vier die Deutsche Bank mit 1 Milliarde Euro an gehaltenen Aktien und Anleihen.<\/p>\n\n\n\n<p>Der insgesamt wichtigste Investor der gr\u00f6\u00dften europ\u00e4ischen Kohlekraftwerksbetreiber kommt allerdings aus den USA. BlackRock ist in alle untersuchten Unternehmen \u00fcber Aktien und Anleihen im Wert von 7 Milliarden Euro investiert \u2013 mehr als die vier gr\u00f6\u00dften europ\u00e4ischen Investoren zusammen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Ergebnisse wirken mit Blick auf die zahlreichen neuen Kohleausschluss-Richtlinien von Banken und Investoren zun\u00e4chst \u00fcberraschend. Allein zwischen Januar und Juni 2020 haben europ\u00e4ische Finanzinstitutionen im Schnitt fast eine neue Richtlinie pro Woche ver\u00f6ffentlicht, die deren finanzielle Verbindungen zur Kohleindustrie begrenzen. Insbesondere die Banken gehen jedoch nicht konsequent genug gegen ihre Kohlegesch\u00e4fte vor.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Beispiel Allianz<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Europas gr\u00f6\u00dfte Verm\u00f6gensverwalterin hat in den Jahren 2015 und 2018 Kohlerichtlinien beschlossen: Die nun entdeckten Kohleinvestitionen hat die Allianz vor allem f\u00fcr externe Kund*innen get\u00e4tigt, die sie \u00fcber ihre Tochtergesellschaften Allianz Global Investors und PIMCO abwickelt. Die Allianz-Kohlerichtlinien greifen f\u00fcr solche Investitionen f\u00fcr Dritte nicht. Die eingef\u00fchrten Kohle-Ausschl\u00fcsse gelten nur f\u00fcr die Eigenanlagen des Konzerns. Diese machen nur gut ein Viertel des gesamten verwalteten Verm\u00f6gens in H\u00f6he von rund 2,3 Billionen Euro aus.<\/p>\n\n\n\n<p>Katrin Ganswindt, Kohle-Campaignerin bei urgewald, kommentiert: \u201eDie Allianz hat gro\u00dfe Schritte im Kohlebereich gemacht, aber l\u00e4ngst nicht genug getan. Wenn ihre Klimapl\u00e4ne glaubw\u00fcrdig sein sollen, darf sie auch im Auftrag f\u00fcr externe Kund*innen keine fossilen Gesch\u00e4fte mehr machen.\u201c<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-table\"><table class=\"has-subtle-light-gray-background-color has-background\"><tbody><tr><td width=\"25%\"><a rel=\"noopener noreferrer\" href=\"https:\/\/urgewald.org\/team\/katrin-ganswindt\" target=\"_blank\"><img decoding=\"async\" width=\"180\" class=\"aligncenter wp-image-313\" title=\"Foto: urgewald.\" src=\"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/klima\/wp-content\/uploads\/sites\/17\/2018\/11\/Katrin-Ganswindt.png\" alt=\"\"><\/a><\/td><td width=\"75%\">Katrin Ganswindt ist verantwortlich f\u00fcr Kampagnen zum Kohleausstieg in der Energie- und Finanzindustrie bei <a href=\"https:\/\/urgewald.org\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">urgewald<\/a>.<\/td><\/tr><tr><td><\/td><td><a href=\"https:\/\/urgewald.org\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\"><img decoding=\"async\" class=\"aligncenter wp-image-313\" title=\" \" src=\"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/klima\/wp-content\/uploads\/sites\/17\/2018\/11\/urgewaldLogo.jpg\" alt=\"\" width=\"180\"><\/a><\/td><\/tr><\/tbody><\/table><\/figure>\n\n\n\n<p><strong>Beispiel Deutsche Bank<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Wie die Studie zeigt, hat die gr\u00f6\u00dfte Privatbank Deutschlands eine der schw\u00e4chsten Kohle-Richtlinien unter den gro\u00dfen europ\u00e4ischen Finanzinstitutionen. Sie hat keine konkreten Ausschl\u00fcsse f\u00fcr Kohlefirmen formuliert, sondern setzt lediglich auf globale Reduktionsziele f\u00fcr den Sektor insgesamt. So ist es nicht verwunderlich, dass sie zu s\u00e4mtlichen untersuchten kohlebasierten Energieversorgern Gesch\u00e4ftsbeziehungen unterh\u00e4lt.<\/p>\n\n\n\n<p>Dies steht im Widerspruch zum n\u00f6tigen Kohleausstieg. <a href=\"https:\/\/climateanalytics.org\/briefings\/eu-coal-phase-out\/\" target=\"_blank\" aria-label=\"Studien zeigen, dass sich Europa bis 2030 von der Kohle verabschieden muss, will es seinen Beitrag f\u00fcr das Gelingen der Klimaziele von Paris leisten. (opens in a new tab)\" rel=\"noreferrer noopener\" class=\"rank-math-link\">Studien zeigen, dass sich Europa bis 2030 von der Kohle verabschieden muss, will es seinen Beitrag f\u00fcr das Gelingen der Klimaziele von Paris leisten.<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Ganswindt kommentiert: \u201eDie Deutsche Bank bezeichnet sich selbst gern als \u201aKlimabotschafterin\u2018, doch das ist ein Zerrbild. Nicht nur Energieversorger, auch Banken brauchen einen klar formulierten Ausstiegspfad, an dem sich Kunden und Investoren orientieren k\u00f6nnen. Finanzgr\u00f6\u00dfen wie die Weltbank-Tochter IFC machen es vor und wenden die Global Coal Exit List von urgewald an f\u00fcr einen konsequenten und messbaren Kohleausstieg.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p><strong>BlackRock<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Mit Blick auf BlackRock erg\u00e4nzt Ganswindt: \u201eBlackRock hat zwar zu Beginn des Jahres einen ersten Kohleausschluss f\u00fcr seine aktiv gemanagten Investitionen verk\u00fcndet. Die Kriterien sind allerdings so schwach, dass nicht einmal 20 Prozent der Kohleindustrie davon betroffen sind.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Gesamtergebnisse<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Kaarina Kolle, Autorin der Studie, sagt mit Blick auf die Gesamtergebnisse: \u201eAlle Finanzinstitutionen, die wir untersucht haben, behaupten, sie w\u00fcrden ihre Kohlegesch\u00e4fte einschr\u00e4nken. Doch die Zahlen sprechen eine andere Sprache. Die Banken und Investoren geben sich oft viel M\u00fche ihre Kohlerichtlinien positiv aussehen zu lassen. Und doch lassen sie weiter Geld f\u00fcr den schmutzigen Energietr\u00e4ger flie\u00dfen. Es ist an der Zeit, einen Schlussstrich zu ziehen. Wenn Unternehmen keinen Kohleausstiegsplan bis 2030 haben, m\u00fcssen Investoren und Banken sie sofort ausschlie\u00dfen.\u201c<\/p>\n\n\n\n<!-- Die Studie \u201cFool\u2019s Gold\u201d zum Download -->\n<figure class=\"wp-block-table\"><table class=\"has-subtle-light-gray-background-color has-background\"><tbody><tr><td width=\"25%\"><a rel=\"noopener noreferrer\" href=\"https:\/\/beyond-coal.eu\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/FoolsGold2020_final.pdf\" target=\"_blank\"><img decoding=\"async\" title=\" \" width=\"180\" class=\"aligncenter wp-image-313\" src=\"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/klima\/wp-content\/uploads\/sites\/17\/2020\/07\/FoolsGold2020_final-T.jpg\" alt=\"\"><\/a><\/td><td width=\"75%\">Die Studie &#8222;Fool\u2019s Gold \u2013 The financial institutions risking our renewable energy future with coal&#8220; steht <a href=\"https:\/\/beyond-coal.eu\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/FoolsGold2020_final.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">\u00fcber diesen Link zum Download als PDF-Datei<\/a> bereit.<\/td><\/tr><\/tbody><\/table><\/figure>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die internationale NGO-Allianz Europe Beyond Coal hat untersucht, welche Banken und Investoren die wichtigsten acht Kohlekonzerne in Europa am st\u00e4rksten finanziell unterst\u00fctzen, die f\u00fcr die H\u00e4lfte aller kohlebasierten CO2-Emissionen in der EU stehen. Der insgesamt wichtigste Investor der gr\u00f6\u00dften europ\u00e4ischen Kohlekraftwerksbetreiber ist BlackRock aus den USA. BlackRock ist in alle untersuchten Unternehmen \u00fcber Aktien und &hellip; <\/p>\n<p class=\"link-more\"><a href=\"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/klima\/investoren-und-banken-verschwenden-milliarden-an-europas-kohleriesen\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">\u201eInvestoren und Banken verschwenden Milliarden an Europas Kohleriesen\u201c<\/span> weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"parent":0,"menu_order":91,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":{"footnotes":""},"class_list":["post-317","page","type-page","status-publish","hentry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/klima\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/317","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/klima\/wp-json\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/klima\/wp-json\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/klima\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/klima\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=317"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/klima\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/317\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":329,"href":"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/klima\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/317\/revisions\/329"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/klima\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=317"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}