{"id":57,"date":"2018-09-28T14:16:30","date_gmt":"2018-09-28T12:16:30","guid":{"rendered":"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/klima\/?page_id=57"},"modified":"2020-09-09T15:27:43","modified_gmt":"2020-09-09T13:27:43","slug":"wachstum-in-der-klimawissenschaft-ein-blinder-fleck","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/klima\/wachstum-in-der-klimawissenschaft-ein-blinder-fleck\/","title":{"rendered":"Wachstum in der Klimawissenschaft: Ein blinder Fleck"},"content":{"rendered":"<p><em>Nicht-wachstumsbasierte Klimaschutzma\u00dfnahmen wie etwa eine nachhaltige und naturnahe Waldbewirtschaftung, Agrar\u00f6kologie oder eine echte Zero-Waste-Kreislaufwirtschaft werden in die Modellszenarien des Weltklimarates nicht einbezogen. Diese Ma\u00dfnahmen k\u00f6nnen einen gewaltigen Beitrag zu Kohlendioxid-Emissionsreduktionen leisten und nebenbei die Funktionen nat\u00fcrlicher Senken st\u00e4rken. Die mangelhaften Modellrechnungen des Weltklimarates k\u00f6nnten so zur Steilvorlage f\u00fcr die Erforschung und Erprobung riskanter Geoengineering-Technologien werden.<\/em><\/p>\n<p><strong>(Berlin, 27.September 2018)<\/strong> Eine heute ver\u00f6ffentlichte Studie der Heinrich-B\u00f6ll-Stiftung und des Konzeptwerk Neue \u00d6konomie e.V. kritisiert die in den Berichten des Weltklimarats (Intergovernmental Panel on Climate Change \u2011 IPCC) ber\u00fccksichtigten Klimaschutzszenarien als unzureichend. Die von Kai Kuhnhenn vom Konzeptwerk erstellte Untersuchung bem\u00e4ngelt, dass die vorgeschlagenen Ma\u00dfnahmen weiterhin ausschlie\u00dflich auf konventionellen Wachstumsmodellen basieren und zeitweise \u00dcberschreitungen der Erw\u00e4rmungsgrenzen von 1,5\u00b0C oder 2\u00b0C zulassen. Die zu viel ausgesto\u00dfenen Emissionen sollen nachtr\u00e4glich mit riskanten Technologien zur CO<sub>2<\/sub>-Entnahme wieder eingefangen werden. Effektive politische Ma\u00dfnahmen jenseits der Wachstumslogik, etwa weniger Produktion und Konsum in bestimmten Bereichen wie zum Beispiel der Schwerindustrie, f\u00e4nden somit kaum Eingang in die klimapolitischen und gesellschaftlichen Diskussionen.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.boell.de\/de\/2018\/09\/27\/wachstum-der-klimawissenschaft-ein-blinder-fleck\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright wp-image-59\" src=\"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/klima\/wp-content\/uploads\/sites\/17\/2018\/09\/wachstum_in_der_klimawissenschaft_ein_blinder_fleck_heinrich_boell_stiftung-T.jpg\" alt=\"\" width=\"320\" height=\"451\"><\/a>Kai Kuhnhenn zur Studie: &#8222;Grunds\u00e4tzlich sind die IPCC-Berichte und ihre globalen Klimaschutzszenarien wichtige Instrumente, um m\u00f6gliche Wege hin zu einer klimafreundlichen Welt zu entwickeln, denn sie bilden die zentrale Grundlage f\u00fcr politische und gesellschaftliche Aushandlungen zum Klimaschutz. Doch die derzeitigen globalen Klimaschutzszenarien gehen vor allem von weiterem Wirtschaftswachstum aus, auch im globalen Norden. Ma\u00dfnahmen, die zu weniger Produktion und Konsum f\u00fchren, kommen darin nicht vor. Damit wird ein Wandel hin zu einer Gesellschaft ohne Wirtschaftswachstum als M\u00f6glichkeit ausgeblendet.&#8220;<\/p>\n<p>Linda Schneider, Referentin f\u00fcr Internationale Klimapolitik bei der Heinrich-B\u00f6ll-Stiftung erg\u00e4nzt die Kritik am Weltklimarat (IPCC): \u201eDie Potentiale hocheffektiver, nicht-wachstumsbasierter Klimaschutzma\u00dfnahmen werden vorneherein verschenkt, wenn sie in den Modellszenarien des IPCC nicht einmal erw\u00e4hnt werden. Dabei k\u00f6nnen zum Beispiel eine nachhaltige und naturnahe Waldbewirtschaftung, Agrar\u00f6kologie oder eine echte Zero-Waste-Kreislaufwirtschaft einen gewaltigen Beitrag zu Emissionsreduktionen leisten und nebenbei die Funktionen nat\u00fcrlicher Senken st\u00e4rken. Das zeigen auch <a href=\"https:\/\/www.boell.de\/de\/2018\/09\/17\/radikaler-realismus-fuer-klimagerechtigkeit?dimension1=ds_radicalrealism\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">zahlreiche Erfahrungen von konkreten Projekten und sektoralen Studien aus der ganzen Welt<\/a>, die die Heinrich-B\u00f6ll-Stiftung erst j\u00fcngst vorgestellt hat.\u201c<\/p>\n<figure class=\"wp-block-table\">\n<table class=\"has-subtle-light-gray-background-color has-background\">\n<tbody>\n<tr>\n<td width=\"25%\"><a rel=\"noopener noreferrer\" href=\"https:\/\/www.boell.de\/en\/person\/lili-fuhr\" target=\"_blank\"><img decoding=\"async\" class=\"aligncenter wp-image-313\" title=\"Foto: Stephan R\u00f6hl. This image is licensed under Creative Commons License.\" src=\"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/klima\/wp-content\/uploads\/sites\/17\/2018\/09\/lilli-fuhr-K-300.jpg\" alt=\"\" width=\"180\"><\/a><\/td>\n<td width=\"75%\">Lili Fuhr ist Referentin f\u00fcr Internationale Umweltpolitik bei der <a href=\"https:\/\/www.boell.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Heinrich-B\u00f6ll-Stiftung<\/a>.<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td><\/td>\n<td><a href=\"https:\/\/www.boell.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\"><img decoding=\"async\" class=\"aligncenter wp-image-313\" title=\" \" src=\"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/klima\/wp-content\/uploads\/sites\/17\/2018\/05\/LogoHBS.jpg\" alt=\"\" width=\"180\"><\/a><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/figure>\n<p>Lili Fuhr, Referentin f\u00fcr Internationale Umweltpolitik bei der Heinrich-B\u00f6ll-Stiftung: \u201eF\u00fcr eine zukunftsf\u00e4hige und handlungsrelevante Klimapolitik braucht es mehr radikalen Realismus. Damit alternative Zuk\u00fcnfte \u00fcberhaupt vorstellbar werden, muss ein Kurswechsel bereits bei der wissenschaftlichen Modellierung und der Auswahl von Szenarien anfangen. Politik und die Zivilgesellschaft sollten dies in aller Deutlichkeit einfordern und durch spezifische Forschungsprogramme und F\u00f6rdermittel unterst\u00fctzen. Solange dies nicht passiert, muss klar kommuniziert werden, dass aktuelle klima\u00f6konomische Modellergebnisse keine geeignete Grundlage f\u00fcr eine echte sozial-\u00f6kologische Transformation darstellen. Ansonsten besteht die Gefahr, dass sie zur Steilvorlage f\u00fcr die Erforschung und Erprobung riskanter Geoengineering-Technologien werden.\u201c<\/p>\n<p>Die heute vorgestellte Studie \u201eWachstum in der Klimawissenschaft: Ein blinder Fleck\u201c fordert eine st\u00e4rkere Einbeziehung und gezielte Erforschung von Entwicklungspfaden jenseits von ausschlie\u00dflich wachstumsbasierten Szenarien und eine konsequentere Ber\u00fccksichtigung innovativer \u00f6konomischer Denkmodelle.<\/p>\n<figure class=\"wp-block-table\">\n<table class=\"has-subtle-light-gray-background-color has-background\">\n<tbody>\n<tr>\n<td width=\"25%\"><a rel=\"noopener noreferrer\" href=\"https:\/\/www.boell.de\/de\/2018\/09\/27\/wachstum-der-klimawissenschaft-ein-blinder-fleck\" target=\"_blank\"><img decoding=\"async\" title=\" \" class=\"aligncenter wp-image-313\" src=\"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/klima\/wp-content\/uploads\/sites\/17\/2018\/09\/wachstum_in_der_klimawissenschaft_ein_blinder_fleck_heinrich_boell_stiftung-T.jpg\" alt=\"\" width=\"180\"><\/a><\/td>\n<td width=\"75%\">Die Studie &#8222;Wachstum in der Klimawissenschaft: Ein blinder Fleck&#8220; steht <a href=\"https:\/\/www.boell.de\/de\/2018\/09\/27\/wachstum-der-klimawissenschaft-ein-blinder-fleck\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">\u00fcber diesen Link zum Download als PDF-Datei<\/a> bereit.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/figure>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nicht-wachstumsbasierte Klimaschutzma\u00dfnahmen wie etwa eine nachhaltige und naturnahe Waldbewirtschaftung, Agrar\u00f6kologie oder eine echte Zero-Waste-Kreislaufwirtschaft werden in die Modellszenarien des Weltklimarates nicht einbezogen. 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