{"id":659,"date":"2022-07-28T16:55:34","date_gmt":"2022-07-28T14:55:34","guid":{"rendered":"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/klima\/?page_id=659"},"modified":"2022-07-28T17:01:41","modified_gmt":"2022-07-28T15:01:41","slug":"weniger-licht-mehr-erleuchtung","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/klima\/weniger-licht-mehr-erleuchtung\/","title":{"rendered":"Weniger Licht. Mehr Erleuchtung"},"content":{"rendered":"\n<p><em>Sowohl in Hamburg (&#8222;Hamburg Werbefrei&#8220;) wie in Berlin (&#8222;Volksentscheid Berlin Werbefrei&#8220;) gibt es Initiativen, die der Bev\u00f6lkerung ein Verbot von Leuchtreklamen zum Entscheid vorlegen wollen. Neben einer substanziellen Energieeinsparung nimmt ein Verbot die \u00dcberkommerzialisierung im \u00f6ffentlichen Raum zur\u00fcck, vermindert die insekten- und v\u00f6gelgef\u00e4hrdende Lichtverschmutzung und verbessert die Verkehrssicherheit. Die Initiativen rechnen vor, dass eine einzige beidseitig betriebene digitale Werbeanlage im CityLightPoster-Format (etwa zwei Quadratmeter Werbefl\u00e4che) bei einem durchg\u00e4ngigen Betrieb einen j\u00e4hrlichen Energieverbrauch von gut 15.000 kWh hat \u2013 das entspr\u00e4che etwa dem von 10 Einpersonenhaushalten oder 100 K\u00fchlschr\u00e4nken,<\/em> von Gerd Gr\u00f6zinger.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"413\" src=\"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/klima\/wp-content\/uploads\/sites\/17\/2022\/07\/NU-220728-groezinger.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-658\" title=\"Foto: Nata Uchava, Freiburg\"\/><\/figure>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p>Nicht unerwartet, wackeln die Gr\u00fcnen jetzt auch beim Weiterbetrieb von Atomkraftwerken. In M\u00fcnchen trommeln sie schon daf\u00fcr, dass ihr bayerisches AKW ruhig einige Monate mehr laufen k\u00f6nnte. <a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/meinung\/muenchen-atomkraft-habenschaden-streckbetrieb-isar-2-1.5627592?reduced=true\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Es \u201edarf ein Streckbetrieb von Isar 2 kein Tabu sein\u201c hei\u00dft es etwa von der Zweiten B\u00fcrgermeisterin<\/a>. Aber es war nie ein Tabu. Sondern <a href=\"https:\/\/www.wirtschaftsdienst.eu\/inhalt\/jahr\/2022\/heft\/1\/beitrag\/atomkraft-nachhaltig-ein-oxymoron.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">der Ausstieg aus der Kernenergie war eine vernunftgeleitete Entscheidung, weil diese eine zu teure und zu gef\u00e4hrliche Technologie darstellt<\/a>. Aber mit einem Denkverbot ist daf\u00fcr etwas anderes belegt. So kommt in der \u00f6ffentlichen Diskussion praktisch nicht vor, statt der Produktionssteigerung von Elektrizit\u00e4t durch stets waghalsige Nuklearanlagen lieber systematisch den Verbrauch zu senken. Man k\u00f6nnte vor allem damit anfangen Leuchtreklamen zu verbieten. Und folgte damit einem neuen Trend der Achtsamkeit f\u00fcr das Leben im urbanen Raum. Denn sowohl in Hamburg (\u201a<a href=\"https:\/\/www.hamburg-werbefrei.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Hamburg Werbefrei<\/a>\u2018) wie in Berlin (\u201a<a href=\"https:\/\/berlin-werbefrei.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Volksentscheid Berlin Werbefrei<\/a>\u2018) gibt es bereits Initiativen, die das der Bev\u00f6lkerung zum Entscheid vorlegen wollen.<\/p>\n\n\n\n<p>Sie haben gute Argumente daf\u00fcr. Neben einer substanziellen Energieeinsparung nimmt ein Verbot die \u00dcberkommerzialisierung im \u00f6ffentlichen Raum zur\u00fcck, vermindert die insekten- und v\u00f6gelgef\u00e4hrdende Lichtverschmutzung und verbessert die Verkehrssicherheit. Ist denn die eingesparte Energie relevant? Oh ja. Die Initiativen rechnen vor, dass eine einzige beidseitig betriebene digitale Werbeanlage im CityLightPoster-Format (etwa zwei Quadratmeter Werbefl\u00e4che) bei einem durchg\u00e4ngigen Betrieb einen j\u00e4hrlichen Energieverbrauch von gut 15.000 kWh hat. Das entspr\u00e4che etwa dem von 10 Einpersonenhaushalten oder 100 K\u00fchlschr\u00e4nken.<\/p>\n\n\n\n<p>Es scheint keine direkte Untersuchung zum Stromverbrauch von Leuchtwerbung in Deutschland insgesamt zu geben. Aber <a href=\"https:\/\/www.umweltbundesamt.de\/daten\/energie\/energieverbrauch-nach-energietraegern-sektoren#entwicklung-des-endenergieverbrauchs-nach-sektoren-und-energietragern\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">man kann \u00fcberschl\u00e4gig den Energiebedarf nach Sektoren und Tr\u00e4gern vom Umweltbundesamt zur Absch\u00e4tzung eines Einsparpotentials zurate ziehen<\/a>. Unterschieden werden hier Haushalte, Verkehr, Industrie und Gewerbe\/Handel Dienstleistungen. Letztere hatten 2020 mit 37 Prozent den relativ h\u00f6chsten Anteil von Strom an allen Energietr\u00e4gern. Absolut machte das 135 Terawattstunden. <a href=\"https:\/\/de.statista.com\/statistik\/daten\/studie\/13121\/umfrage\/verbleibende-reststrommengen-deutscher-kernkraftwerke\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Isar 2 darf bis Ende 2022 noch ganze vier Terawattstunden Reststrommenge erzeugen<\/a>. Oder anders ausgedr\u00fcckt, schon wenn es gel\u00e4nge nur drei Prozent des Elektrizit\u00e4tsverbrauchs von Gewerbe\/Handel\/Dienstleistungen einzusparen, w\u00e4re die zugestandene Restleistung von Isar 2 vollst\u00e4ndig kompensiert. Und man kann darauf wetten, dass der Anteil der Lichtwerbung in diesem Sektor sehr viel h\u00f6her ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Die EU hat sich gerade darauf geeinigt, dass der Gasverbrauch in den n\u00e4chsten Monaten um 15 Prozent sinken soll. Warum nicht etwa \u00e4hnliches f\u00fcr den Stromverbrauch vereinbaren? Und das Abschalten von Leichtreklamen w\u00e4re der einfachste Weg, dies sehr schnell praktisch als ersten Schritt umzusetzen. Oder will man lieber tats\u00e4chlich die Lehren von Tschernobyl und Fukushima verdr\u00e4ngen, nur um abends und nachts in den Innenst\u00e4dten zu noch mehr Konsum angereizt zu werden? Es ist doch kein Zufall, dass die Betreiber ihre \u00fcberalterten und seit Jahren nicht mehr sicherheitsgepr\u00fcften Anlagen \u00fcber das Jahresende hinaus nur weiterlaufen lassen wollen, wenn der Staat die sowieso schon bescheidene Haftung bei Unf\u00e4llen \u00fcbernimmt.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein weitrechendes Werbeverbot h\u00e4tte dazu noch eine Verbesserung der Lebensqualit\u00e4t in den St\u00e4dten zur Folge. Eine Kommune hat das bereits vorgemacht, <a href=\"https:\/\/www.bund.net\/themen\/aktuelles\/detail-aktuelles\/news\/bitte-keine-reklame-grenoble-schafft-als-erste-stadt-europas-werbung-im-oeffentlichen-raum-ab\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">die Stadt Grenoble in Frankreich. Ein B\u00fcrgerb\u00fcndnis aus Gr\u00fcnen, Linken und Zivilgesellschaft begann 2015 Werbung im \u00f6ffentlichen Raum zur\u00fcckzufahren und stattdessen B\u00e4ume zu pflanzen und B\u00e4nke aufzustellen<\/a>. In Frankreich gibt es mittlerweile <a href=\"https:\/\/antipub.org\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">zahlreiche Gruppen mit dem sch\u00f6nen Namen <em>R\u00e9sistance \u00e0 l\u2019Agression Publicitaire<\/em>, die \u00c4hnliches propagieren<\/a>. Auch in der benachbarten Schweiz hat das Vorbild Gefallen gefunden. <a href=\"https:\/\/www.wiwo.de\/unternehmen\/dienstleister\/werbeverbot-in-genf-albtraum-fuer-plakatkleber\/27640758.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Eine rot-gr\u00fcne Mehrheit in Genf hat 2021 beschlossen, die Stadt ab 2025 werbefrei umzugestalten<\/a>. Es gibt sie also noch, die gr\u00fcne Politik, die auch als solche erkennbar ist.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-9d6595d7 wp-block-columns-is-layout-flex\">\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\" style=\"flex-basis:33.33%\">\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><a href=\"https:\/\/www.uni-flensburg.de\/sozial-und-bildungsoekonomik\/wer-wir-sind\/personen\/abteilungsleitung\/prof-dr-gerd-groezinger\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"600\" height=\"600\" src=\"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/klima\/wp-content\/uploads\/sites\/17\/2022\/07\/Gerd-Groezinger.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-657\"\/><\/a><\/figure>\n<\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\" style=\"flex-basis:66.66%\">\n<p>Prof. Dr. Gerd Gr\u00f6zinger (i.R.), Sozial- und Bildungs\u00f6konomik, <a href=\"https:\/\/www.uni-flensburg.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Europa-Universit\u00e4t Flensburg<\/a>.<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Sowohl in Hamburg (&#8222;Hamburg Werbefrei&#8220;) wie in Berlin (&#8222;Volksentscheid Berlin Werbefrei&#8220;) gibt es Initiativen, die der Bev\u00f6lkerung ein Verbot von Leuchtreklamen zum Entscheid vorlegen wollen. Neben einer substanziellen Energieeinsparung nimmt ein Verbot die \u00dcberkommerzialisierung im \u00f6ffentlichen Raum zur\u00fcck, vermindert die insekten- und v\u00f6gelgef\u00e4hrdende Lichtverschmutzung und verbessert die Verkehrssicherheit. Die Initiativen rechnen vor, dass eine einzige &hellip; <\/p>\n<p class=\"link-more\"><a href=\"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/klima\/weniger-licht-mehr-erleuchtung\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">\u201eWeniger Licht. 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