{"id":67,"date":"2018-10-05T11:30:04","date_gmt":"2018-10-05T09:30:04","guid":{"rendered":"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/klima\/?page_id=67"},"modified":"2020-09-09T15:26:35","modified_gmt":"2020-09-09T13:26:35","slug":"climate-engineering","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/klima\/climate-engineering\/","title":{"rendered":"Climate Engineering"},"content":{"rendered":"<p><strong>von Wolfgang Osterhage<\/strong><\/p>\n<p><em>Climate-Engineering-Ma\u00dfnahmen sind \u2013 thermodynamisch gesehen \u2013 irreversible Prozesse, sie k\u00f6nnen die empfindliche Feinabstimmung unseres Lebensraumes st\u00f6ren und eine chaotische Dynamik entwickeln. Am Ende k\u00f6nnte das Ergebnis stehen, was durch Climate Engineering verhindert werden soll: die Gef\u00e4hrdung des Lebens auf diesem Planeten. Dem gegen\u00fcber steht die einfache \u00dcberlegung, dass wir kein geeignetes Testsystem besitzen, um alle Auswirkungen vor der Scharfschaltung zu pr\u00fcfen, wie das zum Beispiel bei der Einf\u00fchrung neuer Software standardm\u00e4\u00dfig der Fall ist. Wir haben immer nur einen Schuss. Wenn der daneben geht, gibt es keinen Weg mehr zur\u00fcck.<\/em><\/p>\n<hr>\n<p><img decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-313\" title=\"Foto: Nata Uchava, Freiburg.\" src=\"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/klima\/wp-content\/uploads\/sites\/17\/2018\/10\/NU-Climate-Engineering.jpg\" alt=\"\" width=\"1024\"><\/p>\n<hr>\n<p>&nbsp;<br \/>\nIm Rahmen der Klimadiskussion sind Bef\u00fcrchtungen entstanden, dass die bisher eingeleiteten und zuk\u00fcnftig vielleicht noch zu versch\u00e4rfenden Reduzierungen von so genannten Treibhausgasen m\u00f6glicherweise nicht ausreichen werden, um die gew\u00fcnschten Effekte einer Klimastabilisierung zu erreichen. Deshalb werden jetzt Ma\u00dfnahmen vorgeschlagen, die durch ein pro-aktives, massives Eingreifen im Rahmen eines Climate Engineering das Erdklima nachhaltig ver\u00e4ndern sollen.<\/p>\n<p>Um die allgemeine Diskussion einzuengen, ist es erforderlich, sich auf einen Konsens zu einigen, auf dessen Basis die weiteren Betrachtungen stattfinden. Andererseits wollen wir hier keine Grundsatzdebatte \u00fcber den Klimawandel f\u00fchren. Das ist nicht Gegenstand dieses Beitrags. Also nehmen wir zur Kenntnis:<\/p>\n<ul>\n<li>Kurzfristige Wahrnehmungen (im Rahmen von einigen Dekaden, zumindest seit systematischer Datenerhebung mit akzeptabler Qualit\u00e4t) lassen darauf schlie\u00dfen, dass das planetare Klima sich ver\u00e4ndert.<\/li>\n<li>Vergleiche mit groben Daten aus der Vergangenheit, die weiter zur\u00fcckliegen, unterst\u00fctzen diese Trendanalyse.<\/li>\n<li>Auf Basis dieser Entwicklungen wurden umfangreiche Modellrechnungen angestellt, die die weitere klimatische Entwicklung in die Zukunft hinein zu projizieren versuchen.<\/li>\n<li>Man kann jetzt hingehen \u2013 wie es auch gemacht wird \u2011 und theoretisch zwischen nat\u00fcrlichen Zyklen und dem Einfluss menschlicher T\u00e4tigkeiten unterscheiden. Diese Gewichtung steht hier allerdings nicht im Vordergrund. Die Basis f\u00fcr die folgenden Ausf\u00fchrungen ist: Es gibt einen Klimawandel, und es gibt \u00dcberlegungen, ihn bewusst und k\u00fcnstlich zu beeinflussen. Was sind die Konsequenzen solchen Handelns? Welche M\u00f6glichkeiten gibt es \u00fcberhaupt mit welchen Risiken? Wie sehen die physikalischen Vorg\u00e4nge in diesem Zusammenhang aus?<\/li>\n<\/ul>\n<p><strong>Problemstellung&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; <\/strong><\/p>\n<p>Die Frage, die sich stellt, lautet ganz banal: Was ist zu tun vor dem oben beschriebenem Hintergrund? Dazu gibt es drei m\u00f6gliche Antworten:<\/p>\n<ol>\n<li>Nichts tun und abwarten, ob sich das Problem von alleine l\u00f6st und zum Beispiel hoffen, dass die Vorteile f\u00fcr die Einen (geografisch gesehen) die Nachteile der Anderen aufwiegen.<\/li>\n<li>Ma\u00dfnahmen zur Reduzierung von zum Beispiel Treibhausgasen weiterf\u00fchren, gegebenenfalls beschleunigen, in der Hoffnung, dass diese Ma\u00dfnahmen ausreichen, sofern sich eine Verst\u00e4rkung dieser Ma\u00dfnahmen politisch durchsetzen l\u00e4sst.<\/li>\n<li>Pro-aktive Eingriffe in die Klimadynamik durchf\u00fchren; dies ist Gegenstand der Er\u00f6rterungen in diesem Beitrag.<\/li>\n<\/ol>\n<p>Alle drei, aber insbesondere die letzteren Ma\u00dfnahmen m\u00fcssen einer Risikoanalyse unterzogen werden mit Blick auf zu erwartende Erfolge.<\/p>\n<p><strong>Gezielte Eingriffe in das Klimasystem<\/strong><\/p>\n<p>Wir wollen uns weiter besch\u00e4ftigen mit den pro-aktiven Eingriffen in das Klimasystem, um die es ja hier geht. Es gibt in diesem Zusammenhang zwei grunds\u00e4tzlich verschiedene technologische Ans\u00e4tze, die erl\u00e4utert werden sollen:<\/p>\n<ul>\n<li>Technologien zur urs\u00e4chlichen R\u00fcckf\u00fchrung und<\/li>\n<li>Technologien zur symptomatischen Kompensation des Klimawandels.<\/li>\n<\/ul>\n<p><strong><em>Technologien zur urs\u00e4chlichen R\u00fcckf\u00fchrung:<\/em><\/strong><\/p>\n<p>Wie auch die Technologien zur Kompensation werden diese Ma\u00dfnahmen im Einzelnen noch angesprochen. Hier nur ein kurzer \u00dcberblick. Der Hauptansatz ist der so genannte CDR-Ansatz. CDR steht f\u00fcr \u201eCarbon Dioxide Removal\u201c \u2013 also dem Eliminieren beziehungsweise Entfernen von Kohlendioxid. Dieses Ziel soll erreicht werden durch unterschiedliche<\/p>\n<ul>\n<li>biologische,<\/li>\n<li>chemische und<\/li>\n<li>physikalische Prozesse,<\/li>\n<\/ul>\n<p>mit deren Hilfe versucht wird, CO<sub>2<\/sub> von den Ozeanen und der Biosph\u00e4re aufnehmen zu lassen.<\/p>\n<p><strong><em>Technologien zur symptomatischen Kompensation des Klimawandels:<\/em><\/strong><\/p>\n<p>Die Technologien zur Kompensation lassen sich unter dem Begriff \u201eRadiation Management\u201c (RM) zusammenfassen. Gemeint ist damit die Einflussnahme auf die Sonneneinstrahlung auf die Erde. Das k\u00f6nnte \u00fcber drei Ans\u00e4tze erreicht werden:<\/p>\n<ul>\n<li>die Reduzierung des kurzwelligen Sonnenlichtes,<\/li>\n<li>einer Erh\u00f6hung der Reflexion in der Atmosph\u00e4re oder von der Erdoberfl\u00e4che aus,<\/li>\n<li>einer Erh\u00f6hung langwelliger thermischer Abstrahlung zur\u00fcck in den Weltraum.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Die \u00f6ffentliche Diskussion, aber auch die Fachdiskussion befindet sich noch in einem fr\u00fchen Stadium. Weite Teile der \u00d6ffentlichkeit sind mit der Thematik \u00fcberhaupt nicht vertraut. Man findet nur gelegentlich Berichte in den einschl\u00e4gigen Medien. Die eigentliche Debatte spielt sich in einem kleinen Kreis von Experten ab. Zu den Stakeholdern geh\u00f6ren bisher Teilnehmer aus der Forschung, einige NGOs, interessierte Unternehmen, aus der Politik.<\/p>\n<p>Die Forschung besch\u00e4ftigt sich zum Einen mit allgemeinen Betrachtungen zur Strahlungsbilanz, zum anderen mit der Entwicklung konkreter Technologien. Das bedeutet, dass die erwarteten Wirkungsweisen, deren Effizienz vor dem genannten Ziel und die dadurch resultierenden gesellschaftlichen Auswirkungen \u2013 seien es w\u00e4hrend der Vorbereitungsphase durch Akzeptanzprobleme oder durch klimatische Ver\u00e4nderungen nach dem Einsatz \u2013 von den Beteiligten v\u00f6llig unterschiedlich bewertet werden.<\/p>\n<p>In Deutschland herrscht zurzeit (2016) eine weitgehende Intransparenz, was Planungen und Ziele angeht. Die damit verbundene Unsicherheit, die sich noch nicht h\u00f6rbar artikuliert, ist m\u00f6glicherweise konflikttr\u00e4chtig und birgt in sich ein Potential zur Polarisierung. Es ist zu erwarten, dass ein gesamtgesellschaftlicher Konsens eher unwahrscheinlich ist. Auf jeden Fall ist eine komplexe Debatte zu erwarten. Obwohl wir uns diesbez\u00fcglich noch im Fr\u00fchstadium befinden, gibt es bereits Bef\u00fcrworter und Gegner.<\/p>\n<p>Bei den Gegnern spielt unter anderem die Sorge eine Rolle, dass durch die Akzeptanz von Climate Engineering die aktuell forcierte Emissionskontrolle nicht mehr ernst genommen wird. Deshalb meinen einige Leute, Climate Engineering durch eine Versch\u00e4rfung der Emissionskontrolle \u00fcberfl\u00fcssig machen zu k\u00f6nnen. Au\u00dferdem bezweifelt man die Wirksamkeit von Climate Engineering-Ma\u00dfnahmen und hat Bedenken bez\u00fcglich der \u00f6konomischen Effizienz. Man bef\u00fcrchtet zudem hohe Risiken durch unerw\u00fcnschte Nebenwirkungen (dieses Argument wird weiter unten ausf\u00fchrlicher behandelt). Und schlie\u00dflich spielen ethische Einw\u00e4nde in der Ablehnung von Climate Engineering eine wichtige Rolle.<\/p>\n<p>Die Bef\u00fcrworter argumentieren, dass Climate Engineering auf jeden Fall effizienter sein w\u00fcrde als Emissionskontrolle. Weiterhin wird angef\u00fchrt, dass die Klimaziele, die sich die Welt gesteckt hat, ohne Climate Engineering niemals zu erreichen sein werden. Auf jeden Fall sollte man sich Climate Engineering als Notfalloption vorbehalten, wenn es zu einer Klimakatastrophe kommen w\u00fcrde (da manche Climate Engineering -Ans\u00e4tze aber lange Zeitr\u00e4ume ben\u00f6tigen, bevor sie wirksam werden, erscheint dieses Argument unplausibel).<\/p>\n<p>Die wichtigste Frage, die beantwortet werden will, lautet: Was soll \u00fcberhaupt kompensiert werden? Dazu muss man sich die beiden Technologie-Ans\u00e4tze im Einzelnen ansehen. Radiation Management-Technologien erm\u00f6glichen theoretisch eine rasche Absenkung der globalen Temperatur, sind allerdings wenig wirkungsvoll zur Absenkung von zum Beispiel Niederschlagsverteilungen. Au\u00dferdem m\u00fcssten sie aus Gr\u00fcnden der Nachhaltigkeit f\u00fcr lange Zeitr\u00e4ume im Einsatz bleiben.<\/p>\n<p>Soll das Ziel aber darin bestehen, den bereits erfahrenen beziehungsweise noch zu erfahrenden Klimawandel zu einem noch zu definierenden Zustand zur\u00fcckzuf\u00fchren, so ist das nur erreichbar durch den Einsatz von Carbon Dioxide Removal-Technologien. Dabei ist allerdings keine schnelle Absenkung der globalen Durchschnittstemperatur zu erwarten.<\/p>\n<p>In die Gesamtbetrachtung aller m\u00f6glichen Szenarien werden grunds\u00e4tzlich immer alle beteiligten Stoff- und Energiestr\u00f6me einbezogen. Diese Kreisl\u00e4ufe reagieren von Natur aus umso sensibler, je gro\u00dfkalibriger der technologische Einsatz ist.<\/p>\n<p>Radiation Management-Technologien greifen in die globale Strahlungsbilanz ein. Noch v\u00f6llig unbekannt ist dabei die R\u00fcckkopplung zum \u00fcbrigen Erdsystem, genauso wie m\u00f6gliche Auswirkungen auf die Biosph\u00e4re. R\u00fcckkopplungen auf biologische Kreisl\u00e4ufe sind ebenfalls denkbar durch Carbon Dioxide Removal-Technologien. Dazu sind durch Letztere ausgel\u00f6ste meteorologische Nebeneffekte noch unvorhersehbar.<\/p>\n<p>Das Erdsystem ist so komplex, dass Erkenntnisse, die auf regionaler Ebene gewonnen werden, keine spezifischen Aussagen \u00fcber die tats\u00e4chlich global zu erwartenden Wirkungen und Nebeneffekte gemacht werden k\u00f6nnen. Schon aus diesem Grunde ist ein Risiko freies Climate Engineering nicht denkbar. Wir h\u00e4tten es also mit einer weiteren anthropogenen Qualit\u00e4t bei der Klimagestaltung zu tun. Nat\u00fcrlich macht man sich Gedanken \u00fcber gro\u00dffl\u00e4chige Feldversuche. Solche Versuche ben\u00f6tigen allerdings \u2013 je nach eingebrachter Technologie \u2013 lange Beobachtungszeitr\u00e4ume, teilweise bis zu Jahrzehnten. Das damit einhergehende gro\u00df angelegte Monitoring muss in der Lage sein, zwischen nat\u00fcrlichen und k\u00fcnstlichen Langzeitwirkungen zu unterscheiden. Dazu m\u00fcssen insbesondere die nat\u00fcrlichen Klimazyklen genau bekannt sein, was bisher noch nicht der Fall ist. Auf jeden Fall k\u00e4men auf die Gesellschaften in den beteiligten L\u00e4ndern gewaltige Belastungen zu. Die damit einhergehenden Diskussionen w\u00e4ren vergleichbar mit denen \u00fcber Kernenergie oder Gentechnik.<\/p>\n<p><strong>Konfliktpotential<\/strong><\/p>\n<p>Kaum begann man das Nachdenken \u00fcber Climate Engineering, gingen bereits \u00dcberlegungen in eine ganz andere Richtung \u2013 das \u00fcbliche dual use Potential: Kann man Climate Engineering-Technologien auch milit\u00e4risch einsetzen. Die Idee der Klima-Waffe war geboren. Dazu hat die Bundeswehr bereits Machbarkeitsanalysen durchgef\u00fchrt. Die Milit\u00e4rs sind zu folgenden vorl\u00e4ufigen Ergebnissen gekommen:<\/p>\n<p>Der Einsatz einer Klimawaffe ist nicht v\u00f6llig unwahrscheinlich, insbesondere, wenn man glaubt, im Gefechtsfeld lokal begrenzte Wettermodifikationen zu erreichen, die dem Gegner nachteilig sein k\u00f6nnten. Gleichzeitig wird jedoch der milit\u00e4rische Nutzen als vernachl\u00e4ssigbar eingestuft. Au\u00dferdem ist, wie bereits oben angedeutet, eine regionale Begrenzung schwierig bis unm\u00f6glich. Da es sich beim Einsatz einer Klimawaffe um einen Bruch des V\u00f6lkerrechts handeln w\u00fcrde, sind die einhergehenden politischen Kosten hoch, sodass eigentlich nur irrationale nicht-staatliche Akteure potentiell infrage kommen. Da heutzutage die meisten internationalen Konflikte von Letzteren bestimmt werden, ist eine solche Gefahr doch nicht zu untersch\u00e4tzen.<\/p>\n<p><strong>Konkrete technologische Ma\u00dfnahmen<\/strong><\/p>\n<p>Die Energiebilanz des Erdsystems wird bestimmt durch zwei Gr\u00f6\u00dfen: Solarkonstante (einfallende kurzwellige Strahlung) und Albedo (Gesamtreflektion von Sonnenstrahlung durch das Erdsystem. Wie kann man nun die Strahlungsbilanz beeinflussen? Daf\u00fcr sind grunds\u00e4tzlich drei Ans\u00e4tze denkbar:<\/p>\n<ul>\n<li>die Verringerung der Solarkonstante oder<\/li>\n<li>Erh\u00f6hung der Albedo<\/li>\n<li>Erh\u00f6hung der thermischen Ausstrahlung des Erdsystems.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Und daraus ergeben sich dann die beiden Methodenklassen, die diskutiert werden:<\/p>\n<ul>\n<li>Solar Radiation Management (SRM)<\/li>\n<li>Thermal Radiation Management (TMR).<\/li>\n<\/ul>\n<p>Um die Reduktion der Einstrahlung auf die Erde zu erreichen, werden folgende Ans\u00e4tze diskutiert:<\/p>\n<ul>\n<li>Installation von Millionen von Spiegeln am Lagrange-Punkt zwischen Sonnen und Erde (1,6 Millionen Kilometer entfernt) \u00fcber mehrere Jahrzehnte. Der Lagrange-Punkt ist die Stelle in unserem Sonnensystem, an dem sich Erd- und Sonnenanziehung aufheben. Diese Ma\u00dfnahme w\u00fcrde eine spiegelnde Wolke 100.000 mal 13.000 km<sup>2<\/sup><\/li>\n<li>Installation von reflektierenden Schirmen auf der Erdumlaufbahn<\/li>\n<li>Erzeugung einer feinen Staubschicht mit einer Gesamtmasse eines mittleren Asteroiden im erdnahen Bereich.<\/li>\n<\/ul>\n<p>F\u00fcr all diese Ma\u00dfnahmen gibt es Modellrechnungen, die jedoch die unterschiedlichsten Effekte in allen Richtungen aufweisen \u2013 je nach Wahl der zur Verf\u00fcgung stehenden Parameter.<\/p>\n<p>Alternativ (oder in Kombination?) dazu stehen Ans\u00e4tze zur Erh\u00f6hung der Albedo. Das soll durch gezielte Oberfl\u00e4chen\u00e4nderungen erreicht werden.<\/p>\n<p>Die Erh\u00f6hung der Albedo kann durch unterschiedliche Ma\u00dfnahmen erreicht werden:<\/p>\n<ul>\n<li>Erh\u00f6hung der Albedo durch reflektierende Staubpartikel: Eine Methode besteht darin, Schwefeldioxid in die Stratosph\u00e4re einzubringen. Neben den erwarteten Folgen bez\u00fcglich der Albedo gibt es aber ernsthafte Warnungen. So wird die Entstehung von Schwefels\u00e4uretr\u00f6pfchen bef\u00fcrchtet. Das kann zu einer m\u00f6glichen Erw\u00e4rmung der Stratosph\u00e4re f\u00fchren sowie zu einer Azidit\u00e4t von Niederschl\u00e4gen mit zugeh\u00f6rigen negativen Effekten auf den globalen<\/li>\n<li>Modifikation mariner Schichtwolken: Als marine Schichtwolken werden solche Wolken benannt, die sich niedrig \u00fcber den Ozeanoberfl\u00e4chen lagern. Um den geplanten Effekt zu erzielen, ist vorgesehen, dass Schiffe eingesetzt werden, die Seewasser durch Pumpen aufnehmen und dieses Wasser \u00fcber besondere Syphone in die niedrig gelagerten Wolken verspr\u00fchen. Dabei sollen die Salze als Konzentrationskerne f\u00fcr die Bildung von Wassertr\u00f6pfchen in den Wolken diesen. Das w\u00fcrde schlie\u00dflich zu einer Erh\u00f6hung der Wolkenalbedo f\u00fchren.<\/li>\n<li>Albedoerh\u00f6hung durch reflektierende Landoberfl\u00e4chen: Um die Albendo von reflektierenden Landoberfl\u00e4chen zu erh\u00f6hen, sind zwei Methoden denkbar: die Ver\u00e4nderung des landwirtschaftlichen Kulturlandes und die bewusste Ver\u00e4nderung von urbanen Fl\u00e4chen. W\u00e4hrend die letztere Option technisch relativ einfach umsetzbar w\u00e4re (abgesehen von den Kosten und den Konsequenzen f\u00fcr die Bewohner von St\u00e4dten), birgt der zweite Ansatz andere Schwierigkeiten. Um die Albedo zu erh\u00f6hen, ist die Verwendung von Pflanzen mit h\u00f6herem Blattglanz notwendig. Mit herk\u00f6mmlichen Nutzpflanzen ist dieser Effekt nicht erreichbar, deshalb geht das nur \u00fcber die Ausweitung unfruchtbarer Fl\u00e4chen. Das h\u00e4tte als Konsequenzen zum einen die Gef\u00e4hrdung der Biodiversit\u00e4t und zum anderen einen entsprechenden, schwer kalkulierbaren Einfluss auf den Kohlenstoffkreislauf.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Der n\u00e4chste gr\u00f6\u00dfere Methodenkomplex zielt ganz allgemein auf die Erh\u00f6hung der thermischen Ausstrahlung. Dazu bieten sich folgenden Varianten an:<\/p>\n<ul>\n<li>Modifikation dieses Mal von Zirruswolken: F\u00fcr diesen Zweck sollen dieses Mal Flugzeuge eingesetzt werden. Von diesen aus sollen Eiskerne in die kalten hohen Eiswolken einges\u00e4t werden. Das h\u00e4tte eine Ver\u00e4nderung des Ausstrahlungseffektes zur Folge. Heutige Kenntnisse deuten an, dass eine erhebliche Unsicherheit bez\u00fcglich der Dynamik zwischen Eiskerneigenschaften und Eiswolken besteht. Da Zirruswolken aber nicht stabil und an einem Ort bleiben, w\u00e4re eine h\u00e4ufige Wiederholung dieses Eins\u00e4ens erforderlich.<\/li>\n<li>Beschleunigung der physikalischen Kohlenstoffpumpe im Ozean: Ozeane gelten als CO<sub>2<\/sub>-Senken. Man plant nun, durch diverse Technologien absinkende Meeresstr\u00f6mungen so zu modifizieren, dass die Aufnahme von CO<sub>2<\/sub> in die Tiefsee verst\u00e4rkt wird.<\/li>\n<li>Beschleunigung der physikochemischen Kohlenstoffpumpe im Ozean: Bei der physikochemischen Kohlenstoffpumpe soll die Ausnutzung der L\u00f6slichkeit von CO<sub>2<\/sub> in Wasser ins Spiel gebracht werden. Das soll gew\u00e4hrleistet werden durch das Einbringen von Kalkmineralien in die Meere, um deren Alkalit\u00e4t zu erh\u00f6hen und somit eine Verst\u00e4rkung der L\u00f6slichkeit zu erreichen.<\/li>\n<li>Beschleunigung der biologischen Kohlenstoffpumpe im Ozean: Mit diesem Ansatz wird direkt in die Nahrungskette eingegriffen. Zun\u00e4chst m\u00f6chte man die Bakterien- und Algenmassen erh\u00f6hen, was in direkter Folge ebenfalls eine Erh\u00f6hung der globalen Photosynthese nach sich z\u00f6ge. Eine weitere Komponente ist dann die Einbringung von Eisen und Stickstoff in die Ozeane, um das Planktonwachstum zu steigern. Durch beide Ma\u00dfnahmen w\u00fcrde die nat\u00fcrliche Nahrungskette modifiziert. Es ist auch nicht auszuschlie\u00dfen, dass die Anzahl von toxischen Mikroorganismen ebenfalls anw\u00e4chst.<\/li>\n<li>Erh\u00f6hung der Kohlenstoffbindung: Im Grunde genommen geht es bei diesen Vorhaben um nichts anderes als Verbrennung von Holz. Zun\u00e4chst ist geplant, die Sahara aufzuforsten. Ist das einmal gelungen, m\u00f6chte man das dann zu erntende Holz durch Pyrolyse zu Holzkohle verarbeiten, um somit das CO<sub>2<\/sub> zu binden. Die Produkte des Pyrolyse-Prozessen m\u00fcssten sodann in Langzeitendlager verbracht und gehortet werden.<\/li>\n<li>Beschleunigung von Verwitterung: Der nat\u00fcrliche Verwitterungsprozess soll vorangetrieben werden. Diese Ideen beruht auf der Erkenntnis, dass auch Kohles\u00e4ureverwitterung auf der geologischen Zeitskala als CO<sub>2<\/sub>-Senke eine wichtige Rolle spielt. Die Silikatverwitterung, die hier gemeint ist, k\u00f6nnte verst\u00e4rkt werden durch das Einbringen von Olivinpulver in tropische W\u00e4lder oder in K\u00fcstengew\u00e4sser. Eine erste Sch\u00e4tzung bez\u00fcglich der erforderlichen Menge beziffert diese als \u00c4quivalent zur gegenw\u00e4rtigen Weltkohleproduktion. Eine andere M\u00f6glichkeit w\u00e4re der Einsatz von Salzs\u00e4ure an Land, um die Verwitterung zu beeinflussen. Die erforderliche Menge an Salzs\u00e4ure erhofft man sich durch elktrochemische Entnahme dieses Stoffs aus den Weltmeeren.<\/li>\n<li>kontrolliertes Entfernung von CO<sub>2<\/sub>: das so genannte Air Capture Verfahren sieht zun\u00e4chst vor, das Luft \u00fcber einen Absorber geleitet wird (in diesem Falle Natriumhydroxid), sodass reines CO<sub>2<\/sub> als R\u00fcckstand verbleibt. Dieses CO<sub>2<\/sub> m\u00fcsste dann wiederum in entsprechende Endlager verbracht und gehortet werden.<\/li>\n<\/ul>\n<p><strong>Nebenwirkungen<\/strong><\/p>\n<p>Angesichts der teilweise abenteuerlich anmutenden Vorschl\u00e4ge stellt sich nat\u00fcrlich die Frage nach den m\u00f6glichen Begleiterscheinungen beim Einsatz der angedachten Technologien. Diese Nebenwirkungen k\u00f6nnen selbstverst\u00e4ndlich unterschiedlich sein entsprechend der Art der Ma\u00dfnahmen. Die folgende Liste gibt nur einen Aufriss der M\u00f6glichkeiten wieder, ohne in die Details zu gehen:<\/p>\n<ul>\n<li>Abk\u00fchlung der Tropen (Albedo-Ma\u00dfnahmen)<\/li>\n<li>Erw\u00e4rmung des Meerwassers (Kombination unterschiedlicher Ans\u00e4tze)<\/li>\n<li>Abschw\u00e4chung von Wasserkreisl\u00e4ufen generell<\/li>\n<li>Beeinflussung des gesamten Energiehaushalts der Erde (Albedo- und Abstrahlungsma\u00dfnahmen)<\/li>\n<li>erh\u00f6hte Azidit\u00e4t (Verwitterungsbeschleunigung)<\/li>\n<li>Einfluss auf den Kohlenstoffkreislauf (CO<sub>2<\/sub>-Ma\u00dfnahmen)<\/li>\n<li>Meeresversauerung (Kombination unterschiedlicher Ans\u00e4tze)<\/li>\n<li>Beeinflussung der Nahrungskette (praktisch durch alle Ma\u00dfnahmen)<\/li>\n<li>Beeintr\u00e4chtigung von Landwirtschaft und Fischerei<\/li>\n<li>Erh\u00f6hung der Alkalinit\u00e4t (Kohlenstoffpumpe)<\/li>\n<\/ul>\n<p>Die Kombination von unterschiedlichen Climate Engineering-Ma\u00dfnahmen kann zu Kompensationen, gegenl\u00e4ufigen Effekten oder \u00dcbersteuerung f\u00fchren. Bei einem tats\u00e4chlichen gro\u00dffl\u00e4chigen Einsatz ist das gesamte Problem der \u00dcberwachung und Gegensteuerung vorab zu l\u00f6sen.<\/p>\n<p><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n<p>Climate-Engineering-Ma\u00dfnahmen sind \u2013 thermodynamisch gesehen \u2013 irreversible Prozesse, k\u00f6nnen die empfindliche Feinabstimmung unseres Lebensraumes (quasi-chaotischer Zustand) st\u00f6ren und eine chaotische Dynamik entwickeln. Am Ende k\u00f6nnte das Ergebnis stehen, was durch Climate Engineering verhindert werden soll: die Gef\u00e4hrdung des Lebens auf diesem Planeten. Dem gegen\u00fcber steht die einfache \u00dcberlegung, dass wir kein geeignetes Testsystem besitzen, um alle Auswirkungen vor der Scharfschaltung zu pr\u00fcfen, wie das zum Beispiel bei der Einf\u00fchrung neuer Software standardm\u00e4\u00dfig der Fall ist. Wir haben immer nur einen Schuss. Wenn der daneben geht, gibt es keinen Weg mehr zur\u00fcck.<\/p>\n<figure class=\"wp-block-table\">\n<table class=\"has-subtle-light-gray-background-color has-background\">\n<tbody>\n<tr>\n<td width=\"25%\"><img decoding=\"async\" class=\"aligncenter wp-image-313\" title=\" \" src=\"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/klima\/wp-content\/uploads\/sites\/17\/2018\/10\/WO.jpg\" alt=\"\" width=\"180\"><\/td>\n<td width=\"75%\">Dr. Dr. Wolfgang Osterhage war bis Ende 2017 Mitglied im Redaktionsteam von <strong>proprium | sinn schaffen &#8211; horizonte \u00f6ffnen<\/strong>. Dieser Beitrag ist eine Zusammenfassung von <a href=\"https:\/\/www.springer.com\/de\/book\/9783658107666#aboutBook\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">W. Osterhage: &#8222;Climate Enginering&#8220;, Springer Spektrum, Wiesbaden, 2016<\/a>.<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td><\/td>\n<td><a href=\"https:\/\/www.springer.com\/de\/book\/9783658107666#aboutBook\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\"><img decoding=\"async\" class=\"aligncenter wp-image-313\" title=\" \" src=\"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/klima\/wp-content\/uploads\/sites\/17\/2018\/10\/CETitel.jpg\" alt=\"\" width=\"180\"><\/a><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/figure>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Wolfgang Osterhage Climate-Engineering-Ma\u00dfnahmen sind \u2013 thermodynamisch gesehen \u2013 irreversible Prozesse, sie k\u00f6nnen die empfindliche Feinabstimmung unseres Lebensraumes st\u00f6ren und eine chaotische Dynamik entwickeln. Am Ende k\u00f6nnte das Ergebnis stehen, was durch Climate Engineering verhindert werden soll: die Gef\u00e4hrdung des Lebens auf diesem Planeten. Dem gegen\u00fcber steht die einfache \u00dcberlegung, dass wir kein geeignetes Testsystem &hellip; <\/p>\n<p class=\"link-more\"><a href=\"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/klima\/climate-engineering\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">\u201eClimate Engineering\u201c <\/span>weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"parent":0,"menu_order":127,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":{"footnotes":""},"class_list":["post-67","page","type-page","status-publish","hentry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/klima\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/67","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/klima\/wp-json\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/klima\/wp-json\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/klima\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/klima\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=67"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/klima\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/67\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":402,"href":"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/klima\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/67\/revisions\/402"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/klima\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=67"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}