{"id":701,"date":"2022-11-18T00:08:36","date_gmt":"2022-11-17T23:08:36","guid":{"rendered":"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/klima\/?page_id=701"},"modified":"2022-11-18T00:08:37","modified_gmt":"2022-11-17T23:08:37","slug":"2022-update-der-global-oil-gas-exit-list-gogel-die-oel-und-gasindustrie-will-offensichtlich-keine-transformation","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/klima\/2022-update-der-global-oil-gas-exit-list-gogel-die-oel-und-gasindustrie-will-offensichtlich-keine-transformation\/","title":{"rendered":"2022 Update der Global Oil &#038; Gas Exit List (GOGEL): Die \u00d6l- und Gasindustrie will offensichtlich keine Transformation"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>\u00d6l- und Gasunternehmen planen nicht nur kurzfristig neue F\u00f6rderprojekte an den Start zu bringen; der derzeitige massive Bau neuer Infrastruktur f\u00fcr fossile Brennstoffe droht die Welt auch l\u00e4ngerfristig auf einen Pfad mit hohen Emissionen festzulegen. Die derzeitigen Midstream-Expansionspl\u00e4ne werden insbesondere die weltweiten Exportkapazit\u00e4ten f\u00fcr Fl\u00fcssigerdgas (LNG) mehr als verdoppeln. Neue Megapipeline-Projekte wie die Trans-Sahara-Pipeline w\u00fcrden sich \u00fcber ganze Kontinente erstrecken; der Bau solcher \u00d6l- und Gasinfrastruktur ist teuer und ihre geplante Betriebsdauer entspricht Jahrzehnten \u2013 ein Zeithorizont, der mit dem 1,5-Grad-Limit nicht vereinbar ist.<\/em><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"412\" src=\"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/klima\/wp-content\/uploads\/sites\/17\/2022\/11\/NU-221117-urgewald.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-700\" title=\"Grafik: Nata Uchava, Michael Wildberger\"\/><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>(Berlin \/ Sharm El-Sheikh, 10. November 2022)<\/strong> Auf dem UN-Klimagipfel in Sharm el-Sheikh haben urgewald und 50 NGO-Partner heute <a href=\"https:\/\/gogel.org\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">das erste Update der \u201eGlobal Oil &amp; Gas Exit List\u201c (GOGEL)<\/a> ver\u00f6ffentlicht. GOGEL wurde 2021 auf der COP26 im schottischen Glasgow erstmalig pr\u00e4sentiert und ist eine \u00f6ffentliche Datenbank, die 901 Unternehmen umfasst, die f\u00fcr 95 Prozent der weltweiten \u00d6l- und Gasproduktion verantwortlich sind. <a href=\"https:\/\/gogel.org\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">GOGEL<\/a> bietet nicht nur detaillierte Informationen \u00fcber die derzeitige konventionelle und unkonventionelle \u00d6l- und Gasf\u00f6rderung aller relevanten Produzenten, sondern erm\u00f6glicht den Nutzer*innen auch einen \u201eBlick in die Zukunft\u201c, indem sie Upstream- und Midstream-Expansionspl\u00e4ne aufzeigt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u201eSeit dem Start von GOGEL haben \u00fcber 20 europ\u00e4ische Banken, Versicherer und Investoren vielversprechende \u00d6l- und Gasrichtlinien ver\u00f6ffentlicht. Acht von ihnen verweisen dabei explizit auf GOGEL\u201c, sagt Katrin Ganswindt, Finanzkampaignerin bei urgewald. \u201eAber Hunderte von Finanzinstituten m\u00fcssen immer noch dringend strenge Ausschlusskriterien f\u00fcr \u00d6l- und Gasunternehmen einf\u00fchren, um im Einklang mit der Klimawissenschaft zu sein. Sprich: Insbesondere Unternehmen, die Expansionspl\u00e4ne verfolgen, m\u00fcssen ausgeschlossen werden. GOGEL wurde entwickelt, um Investoren, Versicherern und Banken dabei zu helfen, wirklich wirksame Richtlinien f\u00fcr fossile Energien zu entwickeln.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u00d6l- und Gasunternehmen sind weltweit immer noch auf einem massiven Expansionskurs:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\"><li>655 von 685 Upstream-Unternehmen auf der GOGEL (sprich 96 Prozent) haben derzeit Pl\u00e4ne ihre F\u00f6rderung auszubauen beziehungsweise neue Ressourcen zu erschlie\u00dfen.<\/li><li>Seit dem letzten GOGEL-Update 2021 haben die kurzfristigen Expansionspl\u00e4ne der Branche um 20 Prozent zugenommen. Derzeit verfolgen 512 \u00d6l- und Gasunternehmen aktive Schritte, um 230 Milliarden Barrel \u00d6l\u00e4quivalent (bboe) an bislang unerschlossenen Ressourcen innerhalb der n\u00e4chsten ein bis sieben Jahre in Produktion zu bringen. Der genaue Zeitrahmen h\u00e4ngt von der Art der Anlage ab. Offshore-Anlagen haben in der Regel l\u00e4ngere Entwicklungszeitr\u00e4ume als beispielsweise Fracking-Anlagen.<\/li><li>Die F\u00f6rderung und Verbrennung dieser Ressourcen wird etwa 115 Gt CO2e (CO2-\u00c4quivalente) in die Atmosph\u00e4re freisetzen. <a href=\"https:\/\/ec.europa.eu\/eurostat\/databrowser\/view\/ENV_AC_AIGG_Q\/default\/table?lang=en&amp;category=env.env_air.env_air_aa\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Das ist 30 Mal so viel wie die j\u00e4hrlichen Treibhausgasemissionen der EU<\/a>.  Wenn die \u00d6l- und Gasindustrie ihr 2021-Produktionsniveau von 56,3 Milliarden Barrel konstant halten w\u00fcrde, w\u00e4re unser verbleibendes CO2e-Budget allein hierdurch innerhalb von 15,5 Jahren ersch\u00f6pft.<\/li><\/ul>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Mit GOGEL erstmalig systematische Bewertung von Net Zero-Konformit\u00e4t m\u00f6glich<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">2021 ver\u00f6ffentlichte die Internationale Energieagentur (IEA) den Bericht <a href=\"https:\/\/www.iea.org\/reports\/net-zero-by-2050\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">\u201eNet Zero by 2050\u201c<\/a>, der f\u00fcr den Energiesektor einen Pfad zur Begrenzung des globalen Temperaturanstiegs auf 1,5 Grad Celsius aufzeigt. <a href=\"https:\/\/www.iea.org\/reports\/net-zero-by-2050\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">In dem Bericht<\/a> hei\u00dft es ganz klar: \u201eNo fossil fuel exploration is required in the NZE [Net-Zero Emissions Scenario] as no new oil and natural gas fields are required beyond those that have already been approved for development.\u201d (Seite 160) Die urgewald-Daten zeigen jedoch, dass die Industrie immer noch im gro\u00dfen Stil neue \u00d6l- und Gasvorkommen sucht und neue Felder entwickelt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">GOGEL ist das erste Instrument, mit dem sich nun systematisch beurteilen l\u00e4sst, ob die Aktivit\u00e4ten eines Unternehmens mit dem IEA-NZE-Szenario \u00fcbereinstimmen. Hierf\u00fcr wurden die Expansionspl\u00e4ne der in der Datenbank enthaltenen Unternehmen analysiert und der genaue Anteil der Ressourcen, die das IEA-Szenario beziehungsweise den hierin kalkulierten 1,5-Grad-Pfad \u201e\u00fcberschreiten\u201c, ermittelt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u201eDas Ergebnis unserer Berechnungen ist wirklich erschreckend: 51,6 Prozent der kurzfristigen Expansionspl\u00e4ne von \u00d6l- und Gasunternehmen entsprechen nicht dem Netto-Null-Emissionspfad der IEA\u201c, sagt Fiona Hauke, Senior \u00d6l- und Gas-Researcherin bei urgewald. \u201eUm das 1,5-Grad-Limit halten zu k\u00f6nnen, m\u00fcssen diese \u00d6l- und Gasressourcen unbedingt im Boden bleiben.\u201c Die Unternehmen mit der h\u00f6chsten absoluten \u00dcberschreitung des IEA-NZE-Szenarios sind<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\"><li>Saudi Aramco (+11,4 bboe),<\/li><li>QatarEnergy (+7,6 bboe) und<\/li><li>Abu Dhabi National Oil Company (+6,8 bboe), gefolgt von<\/li><li>Exxon Mobil Corporation (+3,7 bboe),<\/li><li>TotalEnergies (+3,3 bboe) und<\/li><li>Chevron Corporation (+2,8 bboe).<\/li><\/ul>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u201eDie \u00d6l- und Gaskonzerne wetten gegen unsere Zukunft auf diesem Planeten. Ihr Verhalten birgt auch ein hohes wirtschaftliches Risiko f\u00fcr ihre Geldgeber und f\u00fcr sie selbst\u201c, sagt Katrin Ganswindt. \u201eEin Finanzinstitut, das seine Net Zero-Verpflichtungen ernst nimmt, muss Unternehmen kategorisch ausschlie\u00dfen, die unser verbleibendes Klimabudget r\u00fccksichtslos sprengen wollen.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Langfristige Expansion: Blick in eine fossile Zukunft<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u00d6l- und Gasunternehmen planen nicht nur kurzfristig neue F\u00f6rderprojekte an den Start zu bringen. Der derzeitige, massive Bau neuer Infrastruktur f\u00fcr fossile Brennstoffe droht die Welt auch l\u00e4ngerfristig auf einen Pfad mit hohen Emissionen festzulegen. Die derzeitigen Midstream-Expansionspl\u00e4ne werden insbesondere die weltweiten Exportkapazit\u00e4ten f\u00fcr Fl\u00fcssigerdgas (LNG) mehr als verdoppeln. Neue Megapipeline-Projekte wie die Trans-Sahara-Pipeline w\u00fcrden sich \u00fcber ganze Kontinente erstrecken. Der Bau solcher \u00d6l- und Gasinfrastruktur ist teuer und ihre geplante Betriebsdauer entspricht Jahrzehnten \u2013 ein Zeithorizont, der mit dem 1,5-Grad-Limit nicht vereinbar ist.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">GOGEL f\u00fchrt 289 Unternehmen auf, die neue \u00d6l- und Gaspipelines oder LNG-Terminals bauen beziehungsweise entsprechende Pl\u00e4ne f\u00fcr die kommenden Jahre haben. Ab 2022 sind neue Import- und Export-LNG-Terminals mit einer Gesamtkapazit\u00e4t von 1.391,5 Mtpa (Millionen Tonnen pro Jahr) geplant. Der Anstieg der LNG-Exportkapazit\u00e4t w\u00fcrde bei voller Nutzung der Kapazit\u00e4ten f\u00fcr Verfl\u00fcssigung und Regasifizierung fast doppelt so viele Treibhausgase (CO2e) pro Jahr freisetzen wie alle aktuell in Betrieb befindlichen Kohlekraftwerke in Nordamerika, S\u00fcdamerika, Europa und Afrika zusammen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Vom Regen in die Traufe<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Verknappung auf den Gasm\u00e4rkten, die durch den Einmarsch Russlands in die Ukraine ausgel\u00f6st wurde, hat LNG ins Rampenlicht ger\u00fcckt. Obwohl Europa zu den Regionen geh\u00f6rt, die am schnellsten aus den fossilen Brennstoffen aussteigen m\u00fcssen, befinden sich fast 20 Prozent der in Entwicklung befindlichen LNG-Importterminalkapazit\u00e4ten in europ\u00e4ischen L\u00e4ndern, speziell Deutschland.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u201eFl\u00fcssiggas ist ein massives Problem und eine \u201afalse solution\u2018\u201c, warnt Lucie Pinson von der NGO Reclaim Finance. \u201eDie neu geplanten Projekte werden zu sp\u00e4t kommen, um die aktuelle Energiekrise in Europa zu l\u00f6sen. Aber sie werden uns in eine Zukunft mit hohen Emissionen f\u00fchren und ein hohes Risiko f\u00fcr \u201astranded assets\u2018 mit sich bringen. Finanzinstitute m\u00fcssen Verantwortung zeigen und die Unterst\u00fctzung f\u00fcr neue fossile Infrastrukturprojekte einstellen.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die \u00d6l- und Gasindustrie nutzt die derzeitige geopolitische Situation aus. Mehr als die H\u00e4lfte der weltweit in Entwicklung befindlichen Verfl\u00fcssigungskapazit\u00e4t befindet sich in den USA (44 Prozent) und Kanada (11 Prozent). Der Gro\u00dfteil soll durch Fracking gewonnen werden. Fracking ist eine der schmutzigsten und sch\u00e4dlichsten F\u00f6rdermethoden, um an Gas und \u00d6l zu gelangen, das in tiefen Gesteinsschichten eingeschlossen ist. Es erh\u00f6ht das Risiko von Erdbeben und die dabei verwendeten Chemikalien k\u00f6nnen Grund- und Oberfl\u00e4chenwasser vergiften. Forscher*innen aus Yale haben herausgefunden, dass <a href=\"https:\/\/ehp.niehs.nih.gov\/doi\/full\/10.1289\/EHP11092\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Kinder, die in der N\u00e4he von Fracking-Standorten leben, ein zwei- bis dreifach h\u00f6heres Risiko haben, an Leuk\u00e4mie zu erkranken<\/a>.  81 Prozent des weltweiten Frackings findet in den USA statt. <a href=\"https:\/\/gogel.org\/fracking-permian-basin\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Insgesamt kommen die USA auf 53,5 Prozent der weltweiten kurzfristigen Expansion im Bereich der unkonventionellen F\u00f6rderung<\/a>. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Die \u00d6l- und Gasindustrie will keine Transformation<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Berechnungen auf Basis von GOGEL ergeben f\u00fcr den Zeitraum 2020 bis 2022 Investitionen in die Exploration neuer \u00d6l- und Gasvorkommen (CAPEX = Capital Expenditure) von weltweit mehr als 160 Milliarden USD. Kein einziger Cent dieser Ausgaben steht im Einklang mit dem NZE-Szenario der IEA. Nichtsdestotrotz \u00fcbersteigen die voraussichtlichen globalen Ausgaben f\u00fcr Exploration in 2022 die Ausgaben aus dem Vorjahr um 12,4 Prozent.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u00c4gypten, das Gastgeberland der COP27, ist das perfekte Beispiel f\u00fcr die v\u00f6llige Diskrepanz zwischen den erforderlichen Ma\u00dfnahmen zur Verhinderung der Klimakatastrophe und der Realit\u00e4t vor Ort. 55 Unternehmen, darunter auch die deutsche Wintershall Dea, suchen in ganz \u00c4gypten nach neuen \u00d6l- und Gasvorkommen, w\u00e4hrend die Regierungen der Welt in Sharm el-Sheikh zusammenkommen, um die Klimakrise zu l\u00f6sen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u201eIm vergangenen Jahr sind die Einnahmen und Gewinne aus der \u00d6l- und Gasf\u00f6rderung in die H\u00f6he geschnellt. Damit werden in der Regel neue Projekte f\u00fcr fossile Brennstoffe finanziert \u2011 und nicht die Energiewende, wie die Branche oft behauptet\u201c, sagt Fiona Hauke.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Die altbekannten Gesichter hinter der \u00d6l- und Gasexpansion<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In fast allen Teilen der Welt sind gro\u00dfe Unternehmen aus Europa und Nordamerika wichtige Akteure f\u00fcr die Expansion der \u00d6l- und Gasindustrie. Um drei Beispiele zu nennen: TotalEnergies aus Frankreich, ExxonMobil aus den USA und Shell aus den Niederlanden\/dem Vereinigten K\u00f6nigreich sind an der \u00d6l- und Gasexpansion auf sechs Kontinenten beteiligt. Sie sind verantwortlich f\u00fcr Explorationsvorhaben in 69 von insgesamt 159 L\u00e4nder, in denen aktuell nach neuen \u00d6l- und Gasressourcen gesucht wird. Kurzfristig haben diese Unternehmen Upstream-Expansionspl\u00e4ne in 31 verschiedenen L\u00e4ndern und sind an Pipeline- und LNG-Expansionsprojekten in 22 verschiedenen L\u00e4ndern beteiligt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u201eEs ist h\u00f6chste Zeit, dass Finanzinstitute die einfache Wahrheit hinter diesen Zahlen erkennen. Jede \u00d6l- und Gasrichtlinie, die sich scheut, gro\u00dfe europ\u00e4ische und nordamerikanische Unternehmen auszuschlie\u00dfen, geht am Kern des Problems vorbei\u201c, sagt Katrin Ganswindt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u00dcberall auf der Welt, von Uganda bis zu den Philippinen, protestieren lokale Gemeinschaften und Aktivist*innen gegen \u00d6l- und Gasunternehmen wegen ihrer r\u00fccksichtslosen Expansionspl\u00e4ne. Wie Omar Elmawi, Koordinator der Stop EACOP-Kampagne und Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer von Muslims for Human Rights, sagt: \u201eDie unverantwortlichen, von Gier getriebenen Expansionspl\u00e4ne der \u00d6l- und Gasunternehmen zerst\u00f6ren lokale Gemeinschaften und ganze \u00d6kosysteme. Sie f\u00fchren zu Verfolgung, Vertreibung und allen m\u00f6glichen \u00f6kologischen und sozialen Sch\u00e4den. Die Menschen in Afrika wollen das alles nicht. Erneuerbare Energien sind der Schl\u00fcssel f\u00fcr universellen Zugang zu Energie und eine gerechte Transition. Wir protestieren gegen die weitere kolonialistische Pl\u00fcnderung der nat\u00fcrlichen Ressourcen unserer Heimat durch gierige \u00d6l- und Gaskonzerne, die Regierungen korrumpieren und ganze L\u00e4nder ins Chaos st\u00fcrzen. Afrika hat etwas Besseres verdient. Unser Planet verdient etwas Besseres.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>GFANZ: Eine Lizenz zum Greenwashing?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Auf der COP26 im vergangenen Jahr wurde die Glasgow Financial Alliance for Net Zero (GFANZ) ins Leben gerufen. Trotz des Versprechens, die Verpflichtungen der Finanzindustrie zur Verringerung der Treibhausgasemissionen zu beschleunigen, hat es der Gro\u00dfteil der Mitglieder der GFANZ bisher vers\u00e4umt, angemessene Ma\u00dfnahmen zum Ausschluss von \u00d6l und Gas einzuf\u00fchren. Handelsbanken, eine der gr\u00f6\u00dften Banken Skandinaviens, geh\u00f6rt zu den wenigen Finanzinstituten, die positiv hervorstechen. Sie hat vor kurzem eine Aktualisierung ihrer Umwelt- und Klimarichtlinie ver\u00f6ffentlicht. Diese schlie\u00dft nun alle \u00d6l- und Gasunternehmen aus, die \u201eeine Ausweitung ihrer F\u00f6rderung anstreben oder an der F\u00f6rderung von arktischem \u00d6l oder Gas, Tiefseef\u00f6rderung, Teersand, \u00d6lschiefer, Schwer\u00f6l, Schiefer\u00f6l, Schiefergas und der F\u00f6rderung durch Fracking beteiligt sind\u201c. Nur Unternehmen, die sich an konventionelle \u00d6l- und Gasf\u00f6rdermethoden halten und einen guten \u00dcbergangsplan haben, k\u00f6nnen noch Finanzierung erhalten. Jedoch: Handelsbanken ist nur eines von lediglich elf Finanzinstituten mit einer Richtlinie, die sich mit der Expansion von \u00d6l und Gas auf Unternehmensebene befasst. Unter dem Druck der gro\u00dfen US-Banken hat GFANZ nun sogar die Verpflichtung seiner Mitglieder, sich der UN-Kampagne Race to Zero anzuschlie\u00dfen, stillschweigend aufgegeben.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u201eWas hier z\u00e4hlt, sind nicht Politik oder finanzielle Interessen, sondern allein die Klimawissenschaft. Wenn sich Finanzinstitute dem Race to Zero verpflichten, aber weiterhin Unternehmen unterst\u00fctzen, die an der Spitze der Expansion fossiler Brennstoffe stehen, gibt es ein handfestes Glaubw\u00fcrdigkeitsproblem\u201c, sagt Lucie Pinson von der NGO Reclaim Finance. \u201eEine kleine, aber wachsende Zahl von Finanzinstituten zeigt, dass aus ihrer Sicht die Tage des fossilen Zeitalters gez\u00e4hlt sind und sie bereit sind, die Unterst\u00fctzung f\u00fcr die Expansion fossiler Brennstoffe zu beenden. Anstatt zu versuchen, die wissenschaftsfeindlichen Nachz\u00fcgler zu beschwichtigen, muss die GFANZ ihre Mitglieder dazu dr\u00e4ngen, diesen Vorreitern zu folgen\u201c, so Pinson weiter.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-8f761849 wp-block-columns-is-layout-flex\">\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\" style=\"flex-basis:33.33%\">\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><a href=\"https:\/\/www.urgewald.org\/team\/katrin-ganswindt\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"231\" height=\"273\" src=\"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/klima\/wp-content\/uploads\/sites\/17\/2020\/03\/katrin_ganswindt-KT.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-260\" title=\"Foto: urgewald\"\/><\/a><\/figure>\n<\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\" style=\"flex-basis:66.66%\">\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><a href=\"https:\/\/www.urgewald.org\/team\/katrin-ganswindt\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Katrin Ganswindt<\/a> ist Finanzkampaignerin bei <a href=\"https:\/\/www.urgewald.org\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">urgewald<\/a>.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><a href=\"https:\/\/www.urgewald.org\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"280\" height=\"144\" src=\"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/klima\/wp-content\/uploads\/sites\/17\/2018\/11\/urgewaldLogo.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-101\"\/><\/a><\/figure>\n<\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u00d6l- und Gasunternehmen planen nicht nur kurzfristig neue F\u00f6rderprojekte an den Start zu bringen; der derzeitige massive Bau neuer Infrastruktur f\u00fcr fossile Brennstoffe droht die Welt auch l\u00e4ngerfristig auf einen Pfad mit hohen Emissionen festzulegen. Die derzeitigen Midstream-Expansionspl\u00e4ne werden insbesondere die weltweiten Exportkapazit\u00e4ten f\u00fcr Fl\u00fcssigerdgas (LNG) mehr als verdoppeln. 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