{"id":86,"date":"2018-11-14T14:21:27","date_gmt":"2018-11-14T13:21:27","guid":{"rendered":"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/klima\/?page_id=86"},"modified":"2020-09-09T15:24:16","modified_gmt":"2020-09-09T13:24:16","slug":"g20-noch-nicht-auf-kurs-zu-pariser-klimazielen-kohle-und-verkehr-sind-groesste-problembereiche","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/klima\/g20-noch-nicht-auf-kurs-zu-pariser-klimazielen-kohle-und-verkehr-sind-groesste-problembereiche\/","title":{"rendered":"G20 noch nicht auf Kurs zu Pariser Klimazielen \u2013 Kohle und Verkehr sind gr\u00f6\u00dfte Problembereiche"},"content":{"rendered":"<p><em>82 Prozent ihrer Energie beziehen die G20-Staaten noch immer aus Kohle, \u00d6l und Gas. Bezogen auf den gesamten Energiemix sind die G20 also noch deutlich mehr braun als gr\u00fcn. Gerade beim Kohleausstieg hakt es: Die L\u00e4nder mit der h\u00f6chsten Kohleabh\u00e4ngigkeit haben die gr\u00f6\u00dften Schwierigkeiten, beim Zur\u00fcckfahren der Kohleverstromung schnell voranzukommen. Dies sind einige Kernaussagen des im Vorfeld des G20-Gipfels vorgestellten \u201cBrown to Green\u201d-Reports der internationalen Initiative Climate Transparency.<\/em><\/p>\n<p><strong>(Berlin,<\/strong><strong> 14. November 2018)<\/strong> Die G20-Staaten kommen bei der Umsetzung des Pariser Klimaabkommens bisher nicht ausreichend voran \u2011 der notwendige Ausstieg aus Kohle, \u00d6l und Gas bis 2050 w\u00fcrde bei Fortsetzung dieser schwachen Dynamik klar verfehlt. Dennoch gibt es in einigen Bereichen erste Fortschritte, die in den kommenden Jahren ausgebaut und beschleunigt werden m\u00fcssten. Dies sind einige Kernaussagen des heute im Vorfeld des G20-Gipfels vorgestellten <a href=\"https:\/\/www.climate-transparency.org\/g20-climate-performance\/g20report2018\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">\u201eBrown to Green\u201c-Reports<\/a> der internationalen Initiative <a href=\"https:\/\/www.climate-transparency.org\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Climate Transparency<\/a>. Die G20-Staaten spielen die Schl\u00fcsselrolle, um einen gef\u00e4hrlichen Klimawandel zu vermeiden. Sie sind f\u00fcr rund 80 Prozent der weltweiten Emissionen verantwortlich.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/klima\/wp-content\/uploads\/sites\/17\/2018\/11\/Brown-to-Green-Report-2018_rev.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright wp-image-84\" src=\"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/klima\/wp-content\/uploads\/sites\/17\/2018\/11\/Brown-to-Green-Report-2018_rev-T-212x300.jpg\" alt=\"\" width=\"320\" height=\"452\"><\/a>Die Defizite der G20-Staaten liegen auf zwei Ebenen: Zum einen reichen ihre Klimaziele noch nicht aus, um die Erderw\u00e4rmung auf deutlich unter zwei oder gar auf die zur Abwendung eines gef\u00e4hrlichen Klimawandels empfohlenen 1,5 Grad zu begrenzen. Wenn sich alle L\u00e4nder \u00e4hnlich schwache Ziele wie die bis jetzt unambitioniertesten G20-L\u00e4nder Russland, Saudi-Arabien und T\u00fcrkei gesetzt h\u00e4tten, w\u00fcrde die Welt sogar auf einen Temperaturanstieg um vier bis f\u00fcnf Grad zusteuern. Lediglich Indien hat bis jetzt Klimaziele beschlossen, die dem angemessenen Beitrag des Landes zur Begrenzung der Erw\u00e4rmung auf unter zwei Grad zumindest nahe kommen w\u00fcrden.<\/p>\n<p>Zum anderen werden zu wenige der notwendigen Klimaschutzma\u00dfnahmen bisher durchgef\u00fchrt \u2011 die Mehrheit der Staaten droht sogar ihre zu schwachen Klimaziele zu verfehlen. Die Emissionen der G20 sind im vergangenen Jahr erneut gestiegen. 82 Prozent ihrer Energie beziehen die G20-Staaten noch immer aus Kohle, \u00d6l und Gas.<\/p>\n<p><strong>Deutschland in mehreren Kategorien als \u201eschwach\u201c bewertet<\/strong><\/p>\n<p>Auch in Deutschland sind beide Defizite un\u00fcbersehbar. Die CO<sub>2<\/sub>-Emissionen liegen heute sogar etwas h\u00f6her als noch 2009, allein im Verkehrssektor sind sie in den vergangenen f\u00fcnf Jahren um sieben Prozent gestiegen. Pro Kopf steht Deutschland bei den j\u00e4hrlichen CO<sub>2<\/sub>-Emissionen insgesamt schlechter da als der G20-Schnitt (10,5 Tonnen zu 8). Dies gilt auch bei den Pro-Kopf-Emissionen im Verkehr (2,0 zu 1,1).<\/p>\n<p>\u201eDeutschland tut bisher deutlich zu wenig, um seine Klimaziele zu erreichen\u201c, erkl\u00e4rt Jan Burck von Germanwatch, einer der Autoren der Studie. \u201eDer Report unterstreicht die gro\u00dfen Schwachpunkte im Verkehr, bei den hohen CO<sub>2<\/sub>-Emissionen in der Stromproduktion und im Geb\u00e4udebereich bei \u00e4lteren H\u00e4usern. Dort schneidet Deutschland jeweils mit der zweitschlechtesten Note \u201aschwach\u2018 ab. Wir ben\u00f6tigen vor allem eine tats\u00e4chliche Verkehrswende hin zu Verkehrsvermeidung, E-Mobilit\u00e4t und deutlich mehr Bus, Bahn und Fahrrad. Zudem ist ein sozialvertr\u00e4glicher Kohleausstieg bis zirka 2030 unumg\u00e4nglich.\u201c Gro\u00dfbritannien und Frankreich seien da immerhin weiter. Sie haben Ziele zum Ausstieg aus der Kohle und aus dem Verbrennungsmotor vorgelegt.<\/p>\n<p>Zu schwach ist Deutschland auch bei den Klimazielen selbst. Burck: \u201eDie Bundesregierung hat zwar mit dem Klimaschutzplan 2050 eine langfristige Vision vorgelegt, aber diese ist noch nicht mit den Pariser Klimazielen vereinbar.\u201c<\/p>\n<p>Doch es gibt auch in Deutschland Lichtblicke: Der Plan, dass neue Geb\u00e4ude nahezu klimaneutral gebaut werden m\u00fcssen, wird als sehr gut bewertet. Derzeit sind auch die Noten im Bereich Erneuerbare Energien noch gut. 34 Prozent des Stroms kamen 2017 aus erneuerbaren Quellen, im G20-Schnitt sind es 24 Prozent. \u201eDiese Zahlen verdanken wir aber guten Ausbauzahlen aus fr\u00fcheren Jahren. Die j\u00fcngste Entwicklung bei Erneuerbaren Energien gibt Anlass zu gro\u00dfer Sorge. Zum Beispiel bricht der Ausbau der Windenergie ein \u2011 ohne Aussicht auf Besserung bis 2020\u201c, warnt Prof. Dr. Niklas H\u00f6hne vom NewClimate Institute, einer der Autoren der Studie.<\/p>\n<figure class=\"wp-block-table\">\n<table class=\"has-subtle-light-gray-background-color has-background\">\n<tbody>\n<tr>\n<td width=\"25%\"><a rel=\"noopener noreferrer\" href=\"https:\/\/www.germanwatch.org\/es\/users\/janburck\" target=\"_blank\"><img decoding=\"async\" class=\"aligncenter wp-image-313\" title=\"Foto: Germanwatch e.V.\" src=\"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/klima\/wp-content\/uploads\/sites\/17\/2018\/11\/Jan-Burck-K-189x300.jpg\" alt=\"\" width=\"180\"><\/a><\/td>\n<td width=\"75%\">Jan Burck ist Referent f\u00fcr Klimaschutz &amp; Energie bei <a href=\"https:\/\/www.germanwatch.org\/de\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Germanwatch e.V.<\/a><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td><\/td>\n<td><a href=\"https:\/\/www.germanwatch.org\/de\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\"><img decoding=\"async\" class=\"aligncenter wp-image-313\" title=\" \" src=\"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/klima\/wp-content\/uploads\/sites\/17\/2018\/08\/logoGermanwatch.png\" alt=\"\" width=\"180\"><\/a><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/figure>\n<p><strong>Kohleausstieg in Deutschland k\u00f6nnte Signalwirkung entfalten<\/strong><\/p>\n<p>Bezogen auf den gesamten Energiemix sind die G20 noch deutlich mehr braun als gr\u00fcn. Gerade beim Kohleausstieg hakt es: Die L\u00e4nder mit der h\u00f6chsten Kohleabh\u00e4ngigkeit haben die gr\u00f6\u00dften Schwierigkeiten, beim Zur\u00fcckfahren der Kohleverstromung schnell voranzukommen \u2011 auch wenn erste Bem\u00fchungen erkennbar sind. Jan Burck: \u201eDeutschland mit seiner Kohlekommission wird derzeit international genau beobachtet: Ein ambitionierter und sozialvertr\u00e4glicher Ausstieg kann hier ein wichtiges Signal f\u00fcr andere G20-Staaten setzen.\u201c Der Verkehr ist der zweite gro\u00dfe Problemsektor der G20, die CO<sub>2<\/sub>-Emissionen sind in den letzten f\u00fcnf Jahren um gut f\u00fcnf Prozent gestiegen.<\/p>\n<p>\u201eUnser Report zeigt aber auch einige Beispiele f\u00fcr zunehmende Dynamik auf: S\u00fcdafrika will seine hohe Kohlenutzung deutlich verringern und investiert in Erneuerbare Energien, S\u00fcdkorea hat ein neues Programm f\u00fcr Elektrofahrzeuge eingef\u00fchrt und Mexiko plant ein Emissionshandelssystem. Paris hat da etwas angesto\u00dfen, aber diese Dynamik muss sich ausbreiten und verst\u00e4rken\u201c, so Dr. Gerd Leipold, Direktor der Initiative Climate Transparency und Co-Autor der Studie.<\/p>\n<p><strong>Hintergrund<\/strong><\/p>\n<p>Der \u201eBrown to Green\u201c-Report erscheint seit 2015 j\u00e4hrlich. Es ist der weltweit umfassendste \u00dcberblick \u00fcber den Klimaschutz in den G20-Staaten und vergleicht diese untereinander. Er wird erstellt von der internationalen Initiative \u201eClimate Transparency\u201c; sie besteht aus 14 Forschungseinrichtungen und NGOs aus der Mehrheit der G20-Staaten, viele aus Schwellenl\u00e4ndern. Der Report beruht auf den aktuellsten verf\u00fcgbaren Daten (2017) und betrachtet 80 Indikatoren von Dekarbonisierung \u00fcber Klimapolitik und Klimawirkungen des Finanzwesens bis hin zur Verwundbarkeit durch Folgen des Klimawandels. Aus Deutschland sind Germanwatch, Humboldt-Viadrina Governance Platform, NewClimate Institute und Climate Analytics Teil der Initiative.<\/p>\n<figure class=\"wp-block-table\">\n<table class=\"has-subtle-light-gray-background-color has-background\">\n<tbody>\n<tr>\n<td width=\"25%\"><a rel=\"noopener noreferrer\" href=\"https:\/\/www.climate-transparency.org\/wp-content\/uploads\/2018\/11\/Brown-to-Green-Report-2018_rev.pdf\" target=\"_blank\"><img decoding=\"async\" title=\" \" class=\"aligncenter wp-image-313\" src=\"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/klima\/wp-content\/uploads\/sites\/17\/2018\/11\/Brown-to-Green-Report-2018_rev-T-212x300.jpg\" alt=\"\" width=\"180\"><\/a><\/td>\n<td width=\"75%\">Der &#8222;Brown to Green&#8220;-Report erscheint seit 2015 j\u00e4hrlich. Es ist der weltweit umfassendste \u00dcberblick \u00fcber den Klimaschutz in den G20-Staaten und vergleicht diese untereinander. Er wird erstellt von der internationalen Initiative <a href=\"https:\/\/www.climate-transparency.org\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">\u201eClimate Transparency\u201c<\/a>; sie besteht aus 14 Forschungseinrichtungen und NGOs aus der Mehrheit der G20-Staaten, viele aus Schwellenl\u00e4ndern. Der Report beruht auf den aktuellsten verf\u00fcgbaren Daten (2017) und betrachtet 80 Indikatoren von Dekarbonisierung \u00fcber Klimapolitik und Klimawirkungen des Finanzwesens bis hin zur Verwundbarkeit durch Folgen des Klimawandels. Aus Deutschland sind Germanwatch, Humboldt-Viadrina Governance Platform, NewClimate Institute und Climate Analytics Teil der Initiative.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/figure>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>82 Prozent ihrer Energie beziehen die G20-Staaten noch immer aus Kohle, \u00d6l und Gas. Bezogen auf den gesamten Energiemix sind die G20 also noch deutlich mehr braun als gr\u00fcn. 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