{"id":961,"date":"2024-10-23T19:18:57","date_gmt":"2024-10-23T17:18:57","guid":{"rendered":"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/klima\/?page_id=961"},"modified":"2024-10-23T22:20:28","modified_gmt":"2024-10-23T20:20:28","slug":"blick-auf-den-cop-29-gastgeber-aserbaidschan-der-staatliche-oel-und-gaskonzern-ist-fossiles-rueckgrat-eines-regimes-mit-null-toleranz-gegenueber-andersdenkenden","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/klima\/blick-auf-den-cop-29-gastgeber-aserbaidschan-der-staatliche-oel-und-gaskonzern-ist-fossiles-rueckgrat-eines-regimes-mit-null-toleranz-gegenueber-andersdenkenden\/","title":{"rendered":"Blick auf den COP 29-Gastgeber Aserbaidschan: Der staatliche \u00d6l- und Gaskonzern ist fossiles R\u00fcckgrat eines Regimes mit null Toleranz gegen\u00fcber Andersdenkenden"},"content":{"rendered":"\n<p><em>Vom 11. bis 24. November 2024 findet die diesj\u00e4hrige Weltklimakonferenz COP 29 in Aserbaidschan statt. Der von den Umwelt- und Menschenrechts-NGOs urgewald und CEE Bankwatch erarbeitete Bericht &#8222;SOCAR \u2013 Azerbaijan\u2019s Fossil Fuel Proxy&#8220; \u00fcber den aserbaidschanischen staatlichen \u00d6l- und Gaskonzern SOCAR (State Oil Company of Azerbaijan) nimmt den Konzern in den Blick, dem das dortige Regime einen Gro\u00dfteil seiner Macht verdankt.<\/em><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"413\" src=\"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/klima\/wp-content\/uploads\/sites\/17\/2024\/10\/241023-NU-urgewald.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-957\" title=\"Foto: Nata Uchava, Freiburg\"\/><\/figure>\n\n\n\n<p><strong>(Berlin\/Baku, 23. Oktober 2024)<\/strong> Heute ver\u00f6ffentlichen die Umwelt- und Menschenrechts-NGOs urgewald und CEE Bankwatch den Bericht \u201eSOCAR \u2013 Azerbaijan\u2019s Fossil Fuel Proxy\u201c \u00fcber den aserbaidschanischen staatlichen \u00d6l- und Gaskonzern SOCAR (State Oil Company of Azerbaijan). Kurz vor der in Aserbaidschan stattfindenden Weltklimakonferenz COP 29 vom 11. bis 24. November 2024 nimmt dieser Bericht den Konzern in den Blick, dem das dortige Regime einen Gro\u00dfteil seiner Macht verdankt.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Bericht zeigt unter anderem die gewachsenen Abh\u00e4ngigkeiten der Europ\u00e4ischen Union als Ganzes sowie verschiedener europ\u00e4ischer L\u00e4nder vom \u00d6l- und Gaskonzern SOCAR. So betreibt SOCAR etwa ein Tankstellennetz in der Schweiz und spielt eine zentrale Rolle bei Aserbaidschans politischer Einflussnahme in L\u00e4ndern wie Deutschland. Der Bericht zeigt, dass die aserbaidschanische Volkswirtschaft massiv abh\u00e4ngig ist von den SOCAR-Einnahmen, die fast ausschlie\u00dflich auf fossilen Energietr\u00e4gern beruhen. Nach Angaben der Internationalen Energieagentur machen fossile Brennstoffe<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>90 Prozent der Exporteinnahmen,<\/li>\n\n\n\n<li>60 Prozent der Staatseinnahmen und<\/li>\n\n\n\n<li>30 bis 50 Prozent des Bruttoinlandprodukts von Aserbaidschan aus.<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p>W\u00e4hrend die \u00d6lproduktion des Landes seit 2010 r\u00fcckl\u00e4ufig ist, steigt die Gasproduktion ungebremst an. <a href=\"https:\/\/www.bundesregierung.de\/breg-de\/aktuelles\/pressekonferenz-von-bundeskanzler-scholz-und-dem-praesidenten-der-republik-aserbaidschan-alijew-am-26-april-2024-in-berlin-2274882\" target=\"_blank\" data-type=\"link\" data-id=\"https:\/\/www.bundesregierung.de\/breg-de\/aktuelles\/pressekonferenz-von-bundeskanzler-scholz-und-dem-praesidenten-der-republik-aserbaidschan-alijew-am-26-april-2024-in-berlin-2274882\" rel=\"noreferrer noopener\">Als \u201eGeschenk Gottes\u201c bezeichnete Aserbaidschans Machthaber Ilham Alijew die \u00d6l- und Gasvorkommen seines Landes beim Petersberger Klimadialog im April 2024<\/a>. Ausgerechnet Mukhtar Babayev wurde zum Pr\u00e4sidenten des im November 2024 stattfindenden Weltklimagipfels bestimmt. Er ist ehemaliger leitender Angestellter bei SOCAR mit einer 26-j\u00e4hrigen Karriere beim Konzern.<\/p>\n\n\n\n<p>Nach Sch\u00e4tzungen der Organisation Global Witness will Aserbaidschan in den n\u00e4chsten zehn Jahren voraussichtlich 411 Milliarden Kubikmeter Gas f\u00f6rdern. Dadurch w\u00fcrden 781 Millionen Tonnen Kohlendioxid freigesetzt \u2013 <a href=\"https:\/\/www.bundesregierung.de\/breg-de\/aktuelles\/treibhausgasbilanz-2023-2265440\" target=\"_blank\" data-type=\"link\" data-id=\"https:\/\/www.bundesregierung.de\/breg-de\/aktuelles\/treibhausgasbilanz-2023-2265440\" rel=\"noreferrer noopener\">deutlich mehr als die Kohlendioxidemissionen Deutschlands im gesamten Jahr 2023<\/a>.<\/p>\n\n\n\n<p>Um sein Image aufzubessern, hat SOCAR im Dezember 2023 SOCAR Green gegr\u00fcndet. Diese Unternehmenstochter will in Wind, Solar, gr\u00fcnen Wasserstoff und CCS investieren. Ein Teil der Erneuerbaren-Projekte soll in der bis vor kurzem umk\u00e4mpften Region Bergkarabach entstehen. Dem Klimaschutz soll dies allerdings nicht dienen: SOCARs Plan sieht vor, durch den Ausbau Erneuerbarer Energietr\u00e4ger den heimischen Gasverbrauch zu senken, um somit mehr Gas exportieren zu k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p>Regine Richter (urgewald), eine der Autorinnen des SOCAR-Reports, kritisiert: \u201eSOCAR ist das fossile R\u00fcckgrat des Alijew-Regimes. Die klimasch\u00e4dlichen Expansionspl\u00e4ne von SOCAR zeigen, dass der Konzern daran auch nichts \u00e4ndern will. Umso verantwortungsloser ist das Umwerben Aserbaidschans durch die Europ\u00e4ische Union und durch L\u00e4nder wie Deutschland beim Versuch, sich neue fossile Gaslieferwege zu erschlie\u00dfen. Es ist fatal, dass sich erneut ein auf fossilem Wohlstand erbautes Regime anschickt, den Ton bei den Klimaverhandlungen vorzugeben. Die L\u00e4nder mit Klima-Ehrgeiz m\u00fcssen umso st\u00e4rker ihren Einfluss geltend machen, sonst wird es eine verlorene COP.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Europ\u00e4ische L\u00e4nder und Energiekonzerne unterst\u00fctzen SOCAR bei seinen Gasexporten: Laut Abkommen mit der EU soll Aserbaidschan seine Gaslieferungen nach Europa bis 2027 verdoppeln. Schon jetzt betreiben Unternehmen wie BP, Eni und Total zusammen mit SOCAR Pipelines. Das Megaprojekt Southern Gas Corridor, das aserbaidschanisches Gas aus dem Kaspischen Meer nach Italien leitet, erhielt F\u00f6rdergelder von multilateralen Banken wie Weltbank, Europ\u00e4ische Investitionsbank, EBRD, Asiatische Entwicklungsbank und Asiatische Infrastruktur-Investitionsbank.<\/p>\n\n\n\n<p>Recherchen f\u00fcr den Bericht \u201eBanking on Climate Chaos 2024\u201d zeigen zudem, welche internationalen Banken SOCAR durch Kredite und die Begleitung bei Wertpapiergesch\u00e4ften unterst\u00fctzen. Folgende europ\u00e4ischen Banken z\u00e4hlen demnach zu den Geldgebern:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>ING Group,<\/li>\n\n\n\n<li>Banque Cantonale de Gen\u00e8ve,<\/li>\n\n\n\n<li>Cr\u00e9dit Agricole,<\/li>\n\n\n\n<li>Raiffeisen Banking Group,<\/li>\n\n\n\n<li>Banco Finantia Spain,<\/li>\n\n\n\n<li>DZ Bank,<\/li>\n\n\n\n<li>Erste Group und<\/li>\n\n\n\n<li>Rabobank.<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p>Der vorliegende Bericht zeigt auch: Der Staatskonzern SOCAR diente dem Alijew-Regime als Propaganda-Instrument im j\u00fcngsten Krieg in Bergkarabach und war an der Bestechung von Politiker*innen in den USA und in Deutschland beteiligt. SOCAR sieht sich zudem mit Vorw\u00fcrfen der Missachtung von Menschenrechten konfrontiert. Im Jahr 2022 stellte die Organisation zum Schutz der Rechte von \u00d6larbeitern in Aserbaidschan zahlreiche Verst\u00f6\u00dfe im \u00d6lsektor fest, darunter Lohnverz\u00f6gerungen, Diskriminierung am Arbeitsplatz, illegale Vertragsk\u00fcndigungen, Verst\u00f6\u00dfe gegen Gesundheits- und Sicherheitsvorschriften sowie Umweltverschmutzung.<\/p>\n\n\n\n<p>Manana Kochladze, Co-Autorin und Regionalkoordinatorin bei der Organisation CEE Bankwatch, kommentiert: \u201eDie aserbaidschanische Regierung zeigt null Toleranz gegen\u00fcber Andersdenkenden und ist nicht an einem zivilen Dialog interessiert. Der Staat begegnet Widerstand mit brutaler Gewalt und Verfolgung, sowohl im Inland als auch international. Die F\u00e4lle von Gubad Ibadoghlu, einem Akademiker und Experten f\u00fcr fossile Brennstoffe, und Afgan Sadiqov, dem Chefredakteur des aserbaidschanischen Mediums Azel.TV, der derzeit in Georgien auf seine Auslieferung wartet, veranschaulichen dieses d\u00fcstere Muster. W\u00e4hrend andere Regierungen mit der Zivilgesellschaft zusammenarbeiten, um die monumentale Herausforderung der Klimakrise zu bew\u00e4ltigen, bedroht und schikaniert das Alijew-Regime systematisch Umwelt- und Menschenrechtsaktivist*innen. Diese Bedingungen wecken nicht gerade Zuversicht f\u00fcr die bevorstehenden Verhandlungen in Baku.\u201c<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-9d6595d7 wp-block-columns-is-layout-flex\">\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\" style=\"flex-basis:33.33%\">\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><a href=\"https:\/\/www.urgewald.org\/team\/regine-richter\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"433\" height=\"289\" src=\"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/klima\/wp-content\/uploads\/sites\/17\/2019\/03\/Regine-Richter.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-127\" title=\"Foto: urgewald\"\/><\/a><\/figure>\n<\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\" style=\"flex-basis:66.66%\">\n<p><\/p>\n\n\n\n<p>Regine Richter ist Campaignerin bei <a href=\"https:\/\/www.urgewald.org\/\" target=\"_blank\" data-type=\"link\" data-id=\"https:\/\/www.urgewald.org\/\" rel=\"noreferrer noopener\">urgewald<\/a>.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full is-resized\"><a href=\"https:\/\/www.urgewald.org\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"280\" height=\"144\" src=\"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/klima\/wp-content\/uploads\/sites\/17\/2018\/11\/urgewaldLogo.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-101\" style=\"width:222px;height:auto\"\/><\/a><\/figure>\n<\/div>\n<\/div>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-9d6595d7 wp-block-columns-is-layout-flex\">\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\" style=\"flex-basis:33.33%\">\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><a href=\"https:\/\/www.urgewald.org\/sites\/default\/files\/media-files\/urgewald_Report_SOCAR_2024.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"599\" height=\"846\" src=\"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/klima\/wp-content\/uploads\/sites\/17\/2024\/10\/urgewald_Report_SOCAR_2024-T.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-958\"\/><\/a><\/figure>\n<\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\" style=\"flex-basis:66.66%\">\n<p><\/p>\n\n\n\n<p>Der Bericht &#8222;SOCAR \u2013 Azerbaijan\u2019s Fossil Fuel Proxy&#8220; steht <a href=\"https:\/\/www.urgewald.org\/sites\/default\/files\/media-files\/urgewald_Report_SOCAR_2024.pdf\" target=\"_blank\" data-type=\"link\" data-id=\"https:\/\/www.urgewald.org\/sites\/default\/files\/media-files\/urgewald_Report_SOCAR_2024.pdf\" rel=\"noreferrer noopener\">\u00fcber diesen Link zum Download als PDF-Datei<\/a> bereit.<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vom 11. bis 24. November 2024 findet die diesj\u00e4hrige Weltklimakonferenz COP 29 in Aserbaidschan statt. Der von den Umwelt- und Menschenrechts-NGOs urgewald und CEE Bankwatch erarbeitete Bericht &#8222;SOCAR \u2013 Azerbaijan\u2019s Fossil Fuel Proxy&#8220; \u00fcber den aserbaidschanischen staatlichen \u00d6l- und Gaskonzern SOCAR (State Oil Company of Azerbaijan) nimmt den Konzern in den Blick, dem das dortige Regime einen Gro\u00dfteil seiner Macht verdankt.<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"parent":0,"menu_order":11,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":{"footnotes":""},"class_list":["post-961","page","type-page","status-publish","hentry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/klima\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/961","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/klima\/wp-json\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/klima\/wp-json\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/klima\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/klima\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=961"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/klima\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/961\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":962,"href":"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/klima\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/961\/revisions\/962"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/klima\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=961"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}