{"id":154,"date":"2023-05-02T15:01:19","date_gmt":"2023-05-02T13:01:19","guid":{"rendered":"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/medien\/?page_id=154"},"modified":"2023-05-02T15:01:20","modified_gmt":"2023-05-02T13:01:20","slug":"du-wirst-noch-an-mich-denken","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/medien\/du-wirst-noch-an-mich-denken\/","title":{"rendered":"\u00bbDu wirst noch an mich denken\u00ab"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Dorothee R\u00f6hrig, \u00bbDu wirst noch an mich denken\u00ab \u2011 Liebeserkl\u00e4rung an eine schwierige Mutter, 4. Auflage, 2023, dtv, M\u00fcnchen, 256 Seiten, 24.00 Euro.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wenn man sich in die Lekt\u00fcre dieses Buches hineingibt, stellt sich bald die Frage: F\u00fcr wen ist dieses Buch geschrieben? Die Antwort erh\u00e4lt man auch in diesem Buch, das ist sch\u00f6n. Dorothee R\u00f6hrig schreibt: \u201eMit dem Buch habe ich mir ein Geschenk gemacht. Zwei Jahre mehr mit meiner Mutter. Es ist ein Geschenk an uns beide.\u201c (s. 233)<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Buch ist aber durchaus auch ein Geschenk f\u00fcr mich, die ich zwei Jahre j\u00fcnger als R\u00f6hrig bin und \u00e4hnliches erlebt habe mit meiner Mutter, ohne dass so namhafte Familienmitglieder wie Bonhoeffer und Dohnanyi mit im Spiel waren. Es ist die Art und Weise wie Menschen vom Schicksal getroffen wurden und wie sie damit umgegangen sind. Heute sprechen wir von Traumatisierung.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Was nicht zu bew\u00e4ltigen scheint, wird beiseitegelegt, \u201czum \u00dcbrigen gelegt\u201c (S.69), unter den Teppich gekehrt; sowohl Fremdes, das widerf\u00e4hrt als auch Eigenes, in der Person oder Familie Erlebtes. Wie ist Gro\u00dfmutter gestorben? Kann es Selbstmord gewesen sein? (S.63). Diese Frage darf erst gar nicht aufkommen. Gef\u00fchle werden nicht \u201egef\u00fchlt\u201c, nicht zugelassen. \u201eMan l\u00e4sst sich nicht von den eigenen Gef\u00fchlen \u00fcberw\u00e4ltigen. Dieses Versteckspiel der Emotionen wird in unserer Familie fr\u00fch erlernt und an die Kinder weitergegeben. An meine Mutter. Und an mich.\u201c (S.90). \u201eBlo\u00df keine direkte Konfrontation.\u201c (S.112) Die Angst vor der Auseinandersetzung geh\u00f6rt auch dazu. Das f\u00fchrt zu vielen und gro\u00dfen Familiengeheimnissen, Erwartungen und Anspr\u00fcchen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das schwere Leben wurde vermeintlich ertr\u00e4glicher gemacht durch Be- und Verurteilungen. \u201eMan urteilt und verurteilt. \u201aDu bist ja nicht bei Trost.\u2018\u201c (S.101) \u201eWir beurteilen und verurteilen, sch\u00e4tzen gering oder sch\u00e4tzen wert, haben zu allem und jedem eine Meinung. So entstehen H\u00e4rte und ein ewiges Ringen um Bedeutung.\u201c (S. 203)<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u201eEs bleibt ein Traum, dass ich meiner Mutter zu sagen wage, was ich denke\u2026.Gef\u00fchle sind in der Familie deutlich abgegrenzte Sperrzonen. Schw\u00e4chen erst recht.\u201c (S.158) Die N\u00f6te der Tochter mit der, von der Mutter gelebten Ambivalenz umzugehen, werden deutlich.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u201eObwohl ich wei\u00df, dass sie nicht immer loyal ist, mich nicht versteht, mich ablehnen und mit mir wetteifern wird. Obwohl ich ihre doppelte Zunge kenne.\u2026 Ich sp\u00fcre ihre Distanz und buhle aus diesem Grund um ihr Vertrauen. Diese fatale Ambivalenz der Gef\u00fchle, die unserem Gl\u00fcck im Weg steht.\u201c (S.176)<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Vieles Erlebtes ist anders, vieles Erlebtes ist gleich oder \u00e4hnlich mit dem von mir Erlebtem. W\u00e4re das richtige Fazit zu sagen, dass das, was uns in der Erfahrung mit unseren M\u00fcttern qu\u00e4lte, nicht unbedingt etwas durch die Person Bestimmtes ist? Vieles an dem Umgang mit der nachwachsenden Generation war zeitbedingt, der Situation geschuldet und den M\u00f6glichkeiten, die diese M\u00fctter hatten, um mit dem ihnen zugeteilten Schicksal umzugehen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Dr. Heiderose G\u00e4rtner-Schultz<\/em><\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-8f761849 wp-block-columns-is-layout-flex\">\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\" style=\"flex-basis:33.33%\">\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><a href=\"https:\/\/www.dtv.de\/buch\/du-wirst-noch-an-mich-denken-29044\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"620\" height=\"1024\" src=\"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/medien\/wp-content\/uploads\/sites\/21\/2023\/05\/dorothee-roehrig-620x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-153\"\/><\/a><\/figure>\n<\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\" style=\"flex-basis:66.66%\">\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><a href=\"https:\/\/www.dtv.de\/buch\/du-wirst-noch-an-mich-denken-29044\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Dorothee R\u00f6hrig, \u00bbDu wirst noch an mich denken\u00ab \u2011 Liebeserkl\u00e4rung an eine schwierige Mutter, 4. 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