{"id":27,"date":"2018-10-16T14:50:13","date_gmt":"2018-10-16T12:50:13","guid":{"rendered":"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/medien\/?page_id=27"},"modified":"2018-10-16T14:50:13","modified_gmt":"2018-10-16T12:50:13","slug":"olymp-und-pfarrerschmiede","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/medien\/olymp-und-pfarrerschmiede\/","title":{"rendered":"Olymp und Pfarrerschmiede"},"content":{"rendered":"<p>Drecoll, T\u00fcbinger Kirchengeschichtler mit Schwerpunkt Alte Kirche und Ephorus im dortigen Stift, hat hier eine umfassende, beispiellose Untersuchung und einen umfangreichen Tagungsband vorgelegt. Schon vor 50 Jahren hat man beim Gedenken festgestellt, dass nach wie vor zu sozialen Aspekten der Stiftsgeschichte dringender Forschungsbedarf besteht.<\/p>\n<p>2012 j\u00e4hrte sich das Gr\u00fcndungsdatum zum 750. Mal. Zu diesem Anlass fand im T\u00fcbinger Stift eine prominent besetzte Fachtagung statt, deren Beitr\u00e4ge in dem vorliegenden Band dokumentiert sind.<\/p>\n<p>Als die Stadt T\u00fcbingen Anfang 1262 dem Augustinereremitenorden ein Grundst\u00fcck zuwies, handelte es sich um eine minderwertige Randlage. Damit begann die Geschichte; nach der Reformation wurde ab 1547 das \u201eHerzogliche Stipendium\u201c untergebracht, das heutige Evangelische Stift. Damit war dem reformatorischen Anliegen, Kl\u00f6ster f\u00fcr Unterrichtszwecke zu benutzen, in besonderer Weise Rechnung getragen worden. Der monastische Charakter des Hauses blieb \u2013 auch in dem radikalen Umbau Ende des 18. Jahrhunderts \u2013 unverkennbar bis auf den heutigen Tag erhalten.<\/p>\n<p>Die genannte Fachtagung hat die vielf\u00e4ltige Geschichte dieser unverzichtbaren Bildungsinstitution akribisch untersucht und neue Forschungsbeitr\u00e4ge hervorgebracht, neue Perspektiven und Zusammenh\u00e4nge. Beitr\u00e4ge zur Geschichte des Stifts stehen neben solchen zu den Stipendiaten. Beleuchtet werden auch die Bedeutung f\u00fcr die Philosophiegeschichte (Hegel, Schelling), die Theologie (Ferdinand Christian Baur, David Friedrich Strau\u00df) und die Literaturgeschichte (Gustav Schwab, Friedrich H\u00f6lderlin, Eduard M\u00f6rike, Wilhelm Hauff).<\/p>\n<p>Die \u00dcbertragung des \u201eStipendiums\u201c in das Eigentum der Kirche nach 1918, die Zeit des Nationalsozialismus und die Einf\u00fchrung der heute noch geltenden bew\u00e4hrten Stiftsordnung geben Einblick in die massiven Ver\u00e4nderungen der Institution im 20. Jahrhundert.<\/p>\n<p>Der \u201eschw\u00e4bische Olymp und die w\u00fcrttembergische Pfarrerschmiede\u201c ist die Avantgarde der Landeskirche und nicht nur f\u00fcr die Fr\u00fchzeit der Universit\u00e4t von Bedeutung. Das gemeinsame Studieren und Zusammenleben von Lernenden und Lehrenden im Stift soll zu biblisch begr\u00fcndeter, in Begegnung und Auseinandersetzung mit dem Denken der Gegenwart verantworteter theologischer Bildung (, wozu auch die Auseinandersetzung mit anderen Wissenschaften geh\u00f6rt,) und geistlicher Lebensgestaltung helfen, wie es in der g\u00fcltigen Stiftsordnung (von 1974) ausf\u00fchrlich hei\u00dft.<\/p>\n<p>Die ersten Stiftlerinnen zogen im Wintersemester 1968\/69 im Stift ein. \u201eGewisse Ausw\u00fcchse\u201c (zum Beispiel der Versuch, wohl nach dem Abendessen \u201egesellige Vedreinigungen\u201c mit den Damen auf den Stiftsstuben abzuhalten) wurden, \u201esobald sie bemerkt wurden\u201c, durch Verbot des Ephorats beseitigt (so ein zeitgen\u00f6ssischer Bericht des Ephorus). Diese Tendenzen markieren f\u00fcr den Ephorus \u201eVer\u00e4nderungen\u201c, die er meinte, durch \u201eRegelungen\u201c des Stifts pflichtbewusst \u201ebeherrschen\u201c zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p><em>Walter Schmidt.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Drecoll, T\u00fcbinger Kirchengeschichtler mit Schwerpunkt Alte Kirche und Ephorus im dortigen Stift, hat hier eine umfassende, beispiellose Untersuchung und einen umfangreichen Tagungsband vorgelegt. Schon vor 50 Jahren hat man beim Gedenken festgestellt, dass nach wie vor zu sozialen Aspekten der Stiftsgeschichte dringender Forschungsbedarf besteht. 2012 j\u00e4hrte sich das Gr\u00fcndungsdatum zum 750. Mal. 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