{"id":281,"date":"2026-04-03T14:50:27","date_gmt":"2026-04-03T12:50:27","guid":{"rendered":"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/medien\/?page_id=281"},"modified":"2026-04-03T14:51:01","modified_gmt":"2026-04-03T12:51:01","slug":"der-wert-der-verlusterfahrung","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/medien\/der-wert-der-verlusterfahrung\/","title":{"rendered":"Der Wert der Verlusterfahrung"},"content":{"rendered":"\n<p><em>Dieter Funke: Der Wert der Verlusterfahrung. Ein Essay zur Psychologie und Spiritualit\u00e4t der Trauerarbeit, Gie\u00dfen, Psychosozial Verlag, 2025, 122 Seiten, 24,90 Euro (Printausgabe).<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Provokant kommt der Titel des Buches: \u201eDer Wert der Verlusterfahrung\u201c daher. Die Lebenswelten der Menschen sind von Verlusterfahrungen gepr\u00e4gt. Die bedrohliche Weltlage f\u00f6rdert kollektive \u00c4ngste. Pers\u00f6nliche Erlebnisse von Defiziten werden dadurch eher an den Rand des Erlebens und Nachdenkens gedr\u00e4ngt.<\/p>\n\n\n\n<p>Umso mehr, meint Autor Dieter Funke, sollte man sich Raum geben, um mit den pers\u00f6nlichen Verlusterfahrungen umzugehen. Funke will sich ihnen zuwenden, denn in deren Bew\u00e4ltigung k\u00f6nnte auch eine Chance liegen mit den kollektiven Verlusterfahrungen umzugehen. \u00dcber die allgemeinen Defiziterfahrungen, Zeitenwende, Verlust von Beziehungssicherheit, Verlust des Verbundenheitsgef\u00fchls mit einem \u00fcbergeordneten Ganzen, das den Einzelnen h\u00e4lt, kommt der Autor zu Bearbeitung des Verlustes.<\/p>\n\n\n\n<p>Verarbeitungsformen der Verlusterfahrung pr\u00e4gen das zweite Kapitel. Funke beschreibt, wie sozialpsychologische Arbeiten der letzten Jahre sich mit diesem Ph\u00e4nomen auseinandergesetzt haben. Eine Form des Umgangs mit Verlust ist das \u201eleere Selbst\u201c. Das Individuum muss sich selbst halten und scheitert daran. (S. 30).<\/p>\n\n\n\n<p>Das \u201cersch\u00f6pfte Selbst\u201c: Es wird gepr\u00e4gt von \u00dcberforderung und Ich-Ideal. Das \u201eentfesselte Selbst\u201c: Der Ausfall von Grenzen und Beschr\u00e4nkungen f\u00fchrt zu einer Art entgrenzter Freiheit, die mehr Stress als Befreiung erzeugt, weil der Einzelne meint, alles zu k\u00f6nnen und zu d\u00fcrfen und er sich st\u00e4ndig entscheiden muss, was er denn will. Das \u201everlustsensible Selbst\u201c: Die Verlustsensibilisierung der Sp\u00e4tmoderne setzt eine Zentrierung auf das eigene Selbst voraus.<\/p>\n\n\n\n<p>Im dritten Kapitel geht es um konstruktive Wege, Verluste zu verarbeiten, um lebendig und ganz zu bleiben. Grundmuster der Verlustbew\u00e4ltigung werden sichtbar gemacht.<\/p>\n\n\n\n<p>Verdr\u00e4ngung, Trauer, Wut, Angst, Schamgef\u00fchle, Kr\u00e4nkungen werden angesprochen, es sind Gef\u00fchle, die sich bei Verlust einstellen. Auch der Modus, den Verlust als Chance zu sehen, wird thematisiert.<\/p>\n\n\n\n<p>Die \u00dcberwindung der dualistischen Sichtweise ist dem Autor wichtig. Er bietet an, das leere Grab als Metapher f\u00fcr den Zustand des inneren Leer- und Freiwerdens zu verstehen. (S.87)<\/p>\n\n\n\n<p>Das Kapitel: \u201eDie Leere als Neubeginn\u201c, skizziert die spirituelle Form der Verlustbew\u00e4ltigung. Wenn in den Bereich des Transdualen vorgedrungen wird, stellt sich die Erkenntnis ein, dass die Getrenntheit eine Illusion des Geistes ist, und dass das Verbundenheitsgef\u00fchl mit dem gr\u00f6\u00dferen Ganzen erlebbar wird. (S 90)<\/p>\n\n\n\n<p>Im letzten Kapitel: \u201eLebendig bleiben trotz Verlust\u201c, dreht es sich um das Zulassen von Fremdheit und Angst, um den Verlust der Illusion als Weg zum Lebendigsein, um das Alleinseink\u00f6nnen als Hilfe zur Verbundenheit, um die Selbstbezogenheit und den Pfad zur Selbst\u00fcberschreitung, um Schuldgef\u00fchl und der Suche nach innerer Freiheit.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Buch fasst viele Erkenntnisse gut zusammen, es l\u00e4sst sich fl\u00fcssig lesen. Der Wert der Verlusterfahrung \u2013 es ist kein Verlust dieses Buch zu lesen. Das von seiner Frau Renate Paus gestaltet Buchlayout ist spannend und gelungen.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Dr. Heiderose G\u00e4rtner-Schultz<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"http:\/\/www.gaertner-schultz.de\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">www.gaertner-schultz.de<\/a><\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-9d6595d7 wp-block-columns-is-layout-flex\">\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\" style=\"flex-basis:33.33%\">\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><a href=\"https:\/\/psychosozial-verlag.de\/programm\/2000\/2800\/3464-detail\" target=\"_blank\" rel=\" noreferrer noopener\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"789\" height=\"1200\" src=\"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/medien\/wp-content\/uploads\/sites\/21\/2026\/04\/Dieter-Funke-Der-Wert-der-Verlusterfahrung-1200.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-280\"\/><\/a><\/figure>\n<\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\" style=\"flex-basis:66.66%\">\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><em><a href=\"https:\/\/psychosozial-verlag.de\/programm\/2000\/2800\/3464-detail\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Dieter Funke: Der Wert der Verlusterfahrung. 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