{"id":940,"date":"2024-02-05T16:22:38","date_gmt":"2024-02-05T15:22:38","guid":{"rendered":"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/buerger\/?page_id=940"},"modified":"2024-02-05T16:22:39","modified_gmt":"2024-02-05T15:22:39","slug":"die-inhumanitaet-waechst-und-bedroht-die-demokratie","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/buerger\/die-inhumanitaet-waechst-und-bedroht-die-demokratie\/","title":{"rendered":"Die Inhumanit\u00e4t w\u00e4chst und bedroht die Demokratie"},"content":{"rendered":"\n<p><em>Die Erkenntnisse, wie Schule sein m\u00fcsste in einer demokratischen Gesellschaft und wie sie auf den Einzelnen und die Gesellschaft insgesamt wirken, ist neben den Erkenntnissen zu den Folgen der menschengemachten Klimaerw\u00e4rmung der zweite Bereich, in dem Politik beharrlich wider besseres Wissen handelt und somit versagt, ungestraft und ohne die Hoffnung, dass sich dies \u00e4ndern w\u00fcrde. Im Gegenteil, wir erleben derzeit bitter, dass die Kr\u00e4fte wachsen, die sich machtvoll diesen Erkenntnissen entgegenstellen.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Ein Essay von Frieder Bechberger-Derscheidt.<\/em><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"413\" src=\"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/buerger\/wp-content\/uploads\/sites\/18\/2024\/02\/240205-NU-Frieder-Essay-1.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-941\" title=\"Foto: Nata Uchava, Freiburg\"\/><\/figure>\n\n\n\n<p>Das be\u00e4ngstigende Abschmelzen der demokratischen Substanz unserer Gesellschaft f\u00fchlen wir t\u00e4glich mehr, insbesondere die Ressource der Mitmenschlichkeit, der integrierenden Gemeinsamkeit scheint verloren zu gehen. Dieser Verlust begegnet uns allt\u00e4glich, auf der politischen Ebene wie im allt\u00e4glichen Umfeld. Dass sich seit einem Jahrzehnt eine antidemokratische und gewaltbereite Partei fast ohne Gegenwehr von Staat und Zivilgesellschaft ausbreiten konnte, zeigt vielleicht am gravierendsten diesen demokratischen Substanzverlust. Ihre Wirkung geht aber weit \u00fcber die Anzahl ihrer Mandate in den deutschen Parlamenten hinaus. Ihr aggressiver Diskurs wird viel zu wenig im Widerspruch aufgefangen oder abgeschw\u00e4cht, sondern schafft es, die Schw\u00e4che der Parteien nutzend, in deren Programmatik und Sprache einzudringen. Besonders deutlich wird dies in der Migrationsdebatte. \u201eWir m\u00fcssen endlich in gro\u00dfem Stil abschieben\u201c, \u00fcberschl\u00e4gt sich der Bundeskanzler mitleidlos und aggressiv, das Vokabular der AfD offenbar l\u00e4ngst verinnerlicht. \u00dcber Lindners und Forderungen anderer Populisten, nur noch Sachleistungen zu gew\u00e4hren bis hin zu den Vorhaben, Migranten zu zwingen, bereits an den EU-Au\u00dfengrenzen Asylantr\u00e4ge zu stellen und in Lager einzusperren oder sie f\u00fcr viel Geld in afrikanische Staaten in Sammellagern festzuhalten, sind nur weitere Symptome f\u00fcr die wachsende Mitleidlosigkeit und Gewaltbereitschaft unserer Gesellschaft. Ausgrenzung, Diskriminierung und Trennung in Wir und Die bestimmen den gesellschaftlichen und politischen Diskurs nach innen wie nach au\u00dfen.<\/p>\n\n\n\n<p>Wie stark dieses Gift der Ausgrenzung schon bis zur Basis durchgesickert ist, zeigt ein Vorfall im beschaulichen Kreisst\u00e4dtchen Kusel in der Westpfalz. Die sich kunstsinnig gebende Leitung der Kreissparkasse lud eine Fotografin ein, ihre Portraitserie betagter Menschen in der Kundenhalle der Sparkasse auszustellen. Nicht allen Kund*innen gefiel es jedoch, die Fotos alter Menschen anschauen zu m\u00fcssen, deren Gesichter st\u00f6rten die Weihnachtsstimmung, lie\u00dfen sie die Leitung der Sparkasse wissen. Kundenfreundlich schnell reagierte die Sparkassenleitung und lie\u00df die Fotos, ohne die Autorin zu informieren, wieder abh\u00e4ngen. Zum Gl\u00fcck l\u00f6ste das einen Sturm der Emp\u00f6rung aus. Die Sparkasse wolle, so ihre nachtr\u00e4gliche Erkl\u00e4rung f\u00fcr diese Zensurma\u00dfnahme, \u201ein der vorweihnachtlichen Zeit einen positiven Ort f\u00fcr unsere Kundinnen und Kunden schaffen\u201c, deshalb habe sie die Portraits wieder abgeh\u00e4ngt, versuchte die Bank zu erkl\u00e4ren, was ihr Verhalten nur noch verschlimmerte. Langatmige, peinliche Entschuldigungen f\u00fcr diesen Missgriff folgten. Alte Menschen wolle man keineswegs diskriminieren, im Gegenteil, die Bank sei f\u00fcr Senioren da, \u201edas ist Unternehmenspolitik\u201c, weist die Bank solche Verd\u00e4chtigungen zur\u00fcck. Aber genau das hatte sie getan. Erfreulich, dass eine Nachbargemeinde sofort einsprang und die Fotos beim Neujahrsempfang zeigte, auch das Sozialministerium in Mainz k\u00fcndigte an, die Portraits in seinen R\u00e4umen auszustellen.<\/p>\n\n\n\n<p>Widerspreche ich mit diesem Vorfall, der letztlich ein mitf\u00fchlendes und empathisches Ende fand und die Diskriminierung zu kompensieren versuchte, meiner vorherigen Behauptung, unser Umgang miteinander sei aggressiver, mitleidloser, inhumaner und spalterischer geworden? Auf den ersten Blick vielleicht. Das vermeintlich Gesch\u00e4ftsinteressen dienende Verhalten der Verantwortlichen best\u00e4tigt mich aber und ersch\u00fcttert mich immer noch. Wie kann ein dienstleistendes Unternehmen, das t\u00e4glich mit Menschen der unterschiedlichsten Art umgehen muss, sich zu einer solchen Handlung offener Diskriminierung entschlie\u00dfen, nur weil einige Kund*innen die Gesichter alter Menschen als \u201eunweihnachtlich\u201c bezeichnen und sich angegriffen und gest\u00f6rt f\u00fchlen? Es ist der Ungeist der Ausgrenzung, der zu solchem Verhalten f\u00fchrt. Er sitzt nicht mehr nur tief in uns, eingekapselt und versteckt, nein, diese die Demokratie und die Menschlichkeit gef\u00e4hrdende Haltung ist zur miesen Handlung parat, sofort pr\u00e4sent und spontan abrufbar.<\/p>\n\n\n\n<p>Angestachelt durch die tagt\u00e4gliche Hetze der Rechten, vor der auch die Parteioberen der sogenannten b\u00fcrgerlichen Parteien nicht zur\u00fcckschrecken, sind immer mehr Menschen bereit, andere als minderwertig und gering einzusch\u00e4tzen, sie zu diskriminieren. Wilhelm Heitmeyer hat schon 2011 in einem ZEIT-Artikel von \u201eRoher B\u00fcrgerlichkeit\u201c gesprochen, die \u201esich aus dem Zusammenspiel von glatter Stilfassade, vornehm rabiater Rhetorik sowie autorit\u00e4re aggressive Einstellungen und Haltungen (ergibt). Sie findet ihren Ausdruck in einem Jargon der Verachtung gegen\u00fcber schwachen Gruppen und der rigorosen Verteidigung bzw. Einforderung eigener Etabliertenvorrechte im Duktus der \u00dcberlegenheit. Sie artikuliert sich \u00fcber eine Ideologie der Ungleichwertigkeit\u201c. Die \u201erohe B\u00fcrgerlichkeit\u201c komme verdeckt daher und habe \u201eviel \u00f6ffentlichen Einfluss [\u2026] in Institutionen, Clubs und Medien, also auf das \u00f6ffentliche Klima. Der rohen B\u00fcrgerlichkeit entgeht vielfach das Gef\u00fchl der verschiedenen Formen von Gerechtigkeit, Solidarit\u00e4t und Fairness, die nicht an Effizienz, N\u00fctzlichkeit und Verwertbarkeit gekoppelt ist\u201c (DIE ZEIT\/39\/2011).<\/p>\n\n\n\n<p>Die nun 13 Jahre alte Diagnose kann nur best\u00e4tigt werden beziehungsweise hat sich weiter versch\u00e4rft. Die Forderung nach \u201eRemigration\u201c, diesem verschleiernden Begriff f\u00fcr Vertreibung und Verdr\u00e4ngung, der aber nichts weiter formuliert, was AfD und ihre rechten und faschistischen Gesinnungsgenoss*innen immer schon forderten, hat die demokratisch Gesinnten der Republik im Januar 2024 aufgeschreckt und vielleicht auch ein wenig zusammenr\u00fccken und abwehrbereiter werden lassen. Die Heuchelei in den Reaktionen sollte aber nicht \u00fcbersehen werden, denn sowohl die Ampelparteien wie auch die CDU haben sich in den letzten Monaten in gruseligen Vorschl\u00e4gen geradezu \u00fcberschlagen, was alles unternommen werden m\u00fcsse, um der \u201eAsylantenflut\u201c Herr zu werden. Vom Recht auf Asyl ist jedenfalls nicht mehr viel \u00fcbrig geblieben. Insofern bin ich nicht \u00fcberzeugt, dass die \u201erohe B\u00fcrgerlichkeit\u201c nur die Gesinnung der AfD-W\u00e4hler*innen und deren rechtsextreme Verb\u00fcndete beherrscht.<\/p>\n\n\n\n<p>Dieses Denken zu \u00fcberwinden, ist in besonderer Weise ein Auftrag der Bildung, ihrer Organisation und ihrer Inhalte. Hier auf die ersten Paragraphen des geltenden rheinland-pf\u00e4lzischen Schulgesetzes hinzuweisen, liegt nahe. Dort ist vieles formuliert, was grundlegend sein sollte f\u00fcr eine menschliche und solidarische Gesellschaft. Was die Inhalte von Schule angeht, so erschrickt die Feststellung des Bildungsforschers Thomas Kliche in einem Rheinpfalz-Interview zur Radikalisierung und dem Anwachsen der AfD. Die Rheinpfalz fragt Kliche, was in unserer Gesellschaft \u201ein Schieflage\u201c geraten sei und wo es Gegengewichte geben sollte. Kliche nimmt in seiner Antwort auch das Bildungssystem in die Pflicht, stellt ihm diesbez\u00fcglich aber ein miserables Zeugnis aus: \u201eUnser Bildungssystem ist nur ein schwaches Gegengewicht, es hat Moralentwicklung nie als vorrangiges Ziel betrachtet. Das sieht man an der Randstellung von politischer Bildung und autonomem Lernen. Sowieso: Ginge es dieser Gesellschaft um Moral, h\u00e4tten wir eine ganz andere, f\u00fcrsorgliche, solidarische Lebensweise statt weltweiter Zerst\u00f6rung der Biosph\u00e4re. Egoismus ist ein Fundament unserer Konkurrenz- und Konsumgesellschaft und den radikalisieren die Extremisten einfach\u201c (Die Rheinpfalz\/17.01.2024).<\/p>\n\n\n\n<p>Sch\u00fcler*innen von Anfang an so zu bilden, dass sie resistent gegen Menschenfeindlichkeit und Diskriminierung werden, ist ein zentraler Auftrag der Schule insgesamt, nicht nur der vermeintlich daf\u00fcr vorgesehenen F\u00e4cher. Dazu sollte zum Beispiel auch der j\u00e4hrlich stattfindende sogenannte Schulbesuchstag von Abgeordneten jeweils am 9. November dienen. Im November 2017 \u2013 ja, es liegt schon einige Jahre zur\u00fcck, erscheint mir aber dennoch symptomatisch \u2013 hatten sich einige Schulen geweigert, AfD-Abgeordnete einzuladen, wor\u00fcber diese sich mit dem Argument beim Bildungsministerium beschwerten, die Schulen h\u00e4tten das Neutralit\u00e4tsgebot verletzt. Statt die Schulen zu unterst\u00fctzen, die keinen Demokratiefeinden Raum geben wollten, war das Ministerium eilfertig bereit, der AfD zu versichern, die Schulen w\u00fcrden belehrt, wie sie im n\u00e4chsten Jahr zu verfahren h\u00e4tten. Das hochpolitische und ganz im Sinne unserer Demokratie dienende Verhalten der Schulen, Verfassungsgegnern keine Plattform zu bieten, fand in Regierung und Verwaltung weder Anerkennung noch Unterst\u00fctzung, sondern f\u00fchrte zu Resignation und mehrfach zu dem Beschluss, sich nicht mehr an diesem Schulbesuchstag zu beteiligen.<\/p>\n\n\n\n<p>Kliche hat schon recht: Dieser Auftrag ist randst\u00e4ndig, der Erwerb sozialer Kompetenzen ebenso, der Primat der fachlichen Kompetenz ist unerbittliche Priorit\u00e4t. Symptomatisch daf\u00fcr stehen gerade auch die PISA-Vergleichsstudien. Hier werden seit zwei Jahrzehnten Leistungsvergleiche in den sogenannten Kernf\u00e4chern durchgef\u00fchrt, nichts sonst. Die deutschen Sch\u00fcler*innen schnitten bei der letzten Untersuchung wiederum schlecht ab. F\u00fcr diesen Niedergang mussten also schnell Schuldige gesucht werden: Die Kinder der Migrant*innen seien das \u00dcbel, br\u00fcllten viele Kommentator*innen den Bildungsminister*innen ins Gesicht. Raus aus den Schulen mit diesen Kindern, damit die deutschen Kinder und Jugendlichen nicht weiter in ihrem Lernprozess gest\u00f6rt und aufgehalten werden. Den \u00fcbelsten Kommentar, den ich in der Berichterstattung zu PISA 2022 lesen musste, lieferte Kerstin M\u00fcnstermann vom Trierischen Volksfreund ab. Sie betitelte ihn in BILD-Manier \u201eDas alarmierende deutsche Bildungsdesaster\u201c und benennt zwar zuerst die \u201eSchulschlie\u00dfungen w\u00e4hrend der Corona-Pandemie\u201c als \u201enoch entschuldbaren\u201c Fehler. Der n\u00e4chste Fehler als Ursache f\u00fcr das schlechte Abschneiden aber ist f\u00fcr sie unverzeihlich, f\u00fcr ihn tr\u00e4gt allein \u201edie Politik die Verantwortung: die sogenannte Heterogenit\u00e4t der Sch\u00fcler. Das Migrationsproblem wird in Deutschland an die Schulen verlagert, Lehrer, Rektoren, Eltern und vor allem die Sch\u00fcler m\u00fcssen es ausbaden\u201c. Ihre Schlussfolgerungen l\u00e4sst keine andere L\u00f6sung zu: \u201eAuch f\u00fcr das Bildungswesen gilt: Die Eind\u00e4mmung der Migration hilft auch den Schulen. Und die Idee, die Klassen nicht aufzuteilen nach Sprach- und Leistungsstufen, hat sich erledigt. Sonst fallen alle zur\u00fcck\u201c (Trierischer Volksfreund\/8.12.23). Mal abgesehen von ihrem p\u00e4dagogischen Stammtischwissen, w\u00e4re sie als Sprecherin der \u201erohen B\u00fcrgerlichkeit\u201c bestens geeignet. Trennung und Abweisung vor allem fallen dieser Bildungsexpertin ein, aggressiv, unmenschlich, mitleidlos.<\/p>\n\n\n\n<p>Nicht ganz so rabiat \u00e4u\u00dfert sich die Bundesvorsitzende des Philologenverbandes, Susanne Lin-Klitzing, in einem Rheinpfalz-Interview. Auch sie verweist als eine der m\u00f6glichen Ursachen des Leistungsabfalls auf die gestiegene Zahl von Migrantenkindern. Aber sie kann hier \u201enur mutma\u00dfen\u201c, h\u00e4lt sich also deutlich zur\u00fcck. Sie legt ihren Schwerpunkt darauf, dass in unserem System die jeweiligen Schularten \u2013 das Gymnasium f\u00fcr die \u201eSpitzenf\u00f6rderung\u201c, die nicht gymnasialen Schularten f\u00fcr \u201eBasiskompetenzen\u201c \u2013 ihre unterschiedlichen Aufgaben nicht zufriedenstellend erf\u00fcllten. F\u00fcr ein dreiz\u00fcgiges Gymnasium(!) schl\u00e4gt sie deshalb vor, \u201edie guten, die mittleren und die schw\u00e4cheren Sch\u00fcler von je einem Lehrer\u201c betreuen zu lassen. Sie glaubt, dass damit \u201eendlich die Spitzenf\u00f6rderung auf eine breitere Ebene gestellt\u201c w\u00e4re. Sie untermauert diesen Gedankengang mit der f\u00fcr sie wohl unumst\u00f6\u00dflichen Feststellung, wonach \u201edie Vorstellung, dass die F\u00f6rderung besser gelingt, wenn alle zusammen sind, sich als Illusion erwiesen\u201c habe. Die Professorin \u201ef\u00fcr Schulp\u00e4dagogik f\u00fcr die gymnasiale Lehrerbildung\u201c an der Uni Marburg, die die Ausgrenzung weicher betreibt, aber eine andere L\u00f6sung will auch sie nicht sehen, oder sie unterliegt einer Wahrnehmungsst\u00f6rung. Denn sie hat bei den PISA-Ergebnissen, auf die sich hier ja alles bezieht, weggeschaut oder sich ihnen einfach verweigert. Sie h\u00e4tte m\u00fchelos feststellen k\u00f6nnen, dass keines der L\u00e4nder, die besser oder viel besser als Deutschland abgeschnitten haben, ein auslesendes Schulsystem hat. Das im europ\u00e4ischen Vergleich beste Land ist Estland, und dort lernen Sch\u00fcler*innen neun Jahre gemeinsam. Ausdr\u00fccklich wird dieses lange gemeinsame Lernen als wesentlicher Grund f\u00fcr das nicht zum ersten Mal gute Ergebnis Estlands genannt. Darum sei die estnische PISA-Expertin zitiert: \u201eWir achten bei unseren Kindern darauf, dass alle hinterherkommen. Diejenigen, die mehr Hilfe brauchen, profitieren von individueller Unterst\u00fctzung.\u201c Dies w\u00fcrde \u201eam Ende dazu f\u00fchren, dass es weniger schwache Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler gebe \u2013 daf\u00fcr eine starke Spitze mit sehr guten akademischen Leistungen\u201c (Tagesschau\/05.12.2023). Frau Lin-Klitzing, wie viele andere, die sich Schule nur als Ausleseapparat, als hierarchische Verteilungsmaschinerie vorstellen k\u00f6nnen mit all den gef\u00e4hrlichen gesellschaftlichen Folgen, verweigert sich der Erkenntnis, dass Schule eigentlich der Ort sein m\u00fcsste, in dem Kinder aus unterschiedlichsten Herk\u00fcnften zusammengef\u00fchrt und m\u00f6glichst lange und individuell gef\u00f6rdert einen gemeinsamen Weg gehen sollten, hoffentlich als k\u00fcnftige Demokraten und nicht nur als Konkurrenten.<\/p>\n\n\n\n<p>Gerade die Heterogenit\u00e4t, mit der wir uns nicht nur in der Schule so schwer tun, ist die p\u00e4dagogische und gesellschaftliche Chance f\u00fcr ein humanes Zusammenleben. Obwohl die verfassungsm\u00e4\u00dfigen Grundlagen und unsere Schulgesetze sich mit Gesetzestexten darauf beziehen, scheint, von wohltuenden Ausnahmen abgesehen, das real existierende Schulsystem z\u00e4h und unverdrossen ihre Umsetzung zu verhindern. Tatkr\u00e4ftig unterst\u00fctzt von feiger Politik und lauten Verb\u00e4nden, denen Interessenvertretung ja zugestanden sei, aber nicht Erkenntnisverweigerung zum einzigen Zweck, die eigene Bastion verteidigen zu wollen und damit die gesellschaftliche Spaltung weiter voranzutreiben.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Erkenntnisse, wie Schule sein m\u00fcsste in einer demokratischen Gesellschaft und wie sie auf den Einzelnen und die Gesellschaft insgesamt wirken, ist neben den Erkenntnissen zu den Folgen der menschengemachten Klimaerw\u00e4rmung der zweite Bereich, in dem Politik beharrlich wider besseres Wissen handelt und somit versagt, ungestraft und ohne die Hoffnung, dass sich dies \u00e4ndern w\u00fcrde. Im Gegenteil, wir erleben derzeit bitter, dass die Kr\u00e4fte wachsen, die sich machtvoll diesen Erkenntnissen entgegenstellen. Wenn wir als Demokraten den faschistischen Furor der AfD und ihrer Verb\u00fcndeten zur\u00fcckdr\u00e4ngen wollen, m\u00fcssen wir die Schule als demokratischen und Gemeinschaft stiftenden Kernbereich einer humanen Gesellschaft viel st\u00e4rker in den Blick nehmen, sie unterst\u00fctzen und sie so ausgestalten, dass alle eine Chance haben, sich zu entwickeln und nicht bef\u00fcrchten m\u00fcssen, ausgelesen, weggeschickt, benachteiligt zu werden.<\/p>\n\n\n\n<p><em>22. Januar 2024<\/em><\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-9d6595d7 wp-block-columns-is-layout-flex\">\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\" style=\"flex-basis:33.33%\">\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"861\" height=\"1024\" src=\"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/buerger\/wp-content\/uploads\/sites\/18\/2021\/04\/Frieder-Bechberger-klein-861x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-650\" title=\"Foto: privat\"\/><\/figure>\n<\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\" style=\"flex-basis:66.66%\">\n<p><\/p>\n\n\n\n<p>Frieder Bechberger-Derscheidt ist Ehrenvorsitzender der Unabh\u00e4ngigen rheinland-pf\u00e4lzischen Initiative <a href=\"https:\/\/eine-schule-fuer-alle-rlp.de\/?id=69\" target=\"_blank\" data-type=\"link\" data-id=\"https:\/\/eine-schule-fuer-alle-rlp.de\/?id=69\" rel=\"noreferrer noopener\">&#8222;EINE Schule f\u00fcr ALLE \u2013 l\u00e4nger gemeinsam lernen e.V.&#8220;<\/a><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full is-resized\"><a href=\"https:\/\/eine-schule-fuer-alle-rlp.de\/?id=69\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"439\" height=\"466\" src=\"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/buerger\/wp-content\/uploads\/sites\/18\/2024\/02\/Logo-Eine-Schule.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-939\" style=\"width:258px;height:auto\"\/><\/a><\/figure>\n<\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Erkenntnisse, wie Schule sein m\u00fcsste in einer demokratischen Gesellschaft und wie sie auf den Einzelnen und die Gesellschaft insgesamt wirken, ist neben den Erkenntnissen zu den Folgen der menschengemachten Klimaerw\u00e4rmung der zweite Bereich, in dem Politik beharrlich wider besseres Wissen handelt und somit versagt, ungestraft und ohne die Hoffnung, dass sich dies \u00e4ndern w\u00fcrde. 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