Brasilien brennt: Deutsche Ärztepensionen heizen Landgrabbing und Expansion der Agrarindustrie an

 

(Köln, 9. Dezember 2019) Die heute veröffentlichte Studie „Brasilien: Pensionskassen machen Geschäfte mit Ackerland“ der Menschenrechtsorganisation FIAN stellt dar, wie internationale Investmentfonds und Pensionskassen die Existenz ländlicher Gemeinden im Nordosten Brasiliens zerstören. In Deutschland beteiligt sich die Ärzteversorgung Westfalen-Lippe (ÄVWL) mit 100 Millionen US-Dollar an einem solchen Land-Fonds. Dieser hat alleine in Brasilien 133.000 Hektar Land aufgekauft. Viele der Flächen sind riesige Gensoja-Felder. Die Studie zeigt, wie in Brasilien ganze Gemeinden vertrieben und Böden und Gewässer durch Agrarchemikalien kontaminiert werden. So stieg in der untersuchten Region Piaui die Anzahl der Vergiftungsfälle in nur fünf Jahren um 200 Prozent. Wälder werden gerodet, Menschen verlieren ihre Existenz und wandern in die Städte ab. „Die Fonds sind zwar nicht selbst an der Vertreibung der örtlichen Bevölkerung beteiligt. Sie sind aber ein wesentlicher Bestandteil dieser destruktiven Entwicklung. Denn die Pensionskassen profitieren unmittelbar von Bodenspekulation und steigenden Grundstückspreisen“, so FIAN-Agrarreferent Roman Herre.

Pensionskassen legen weltweit über vierzig Billionen Dollar an. Seit der Finanzkrise 2007 ist verstärkt auch Ackerland in ihren Blick geraten. So ist der nach eigenen Angaben größte Landbesitzer der Welt ein Pensionswerk: der US-amerikanische Fonds TIAA, in den auch die Ärzteversorgung Westfalen-Lippe investiert hat. TIAA hat weltweit rund 850.000 Hektar Land aufgekauft – mehr als die gesamte Ackerfläche von Baden-Württemberg. FIAN versucht seit 2012, die Ärzteversorgung Westfalen-Lippe zu einem Ausstieg aus dem Investment zu bewegen – bislang ohne Erfolg. Trotz vielfacher Kritik, auch von Seiten eigener Pensionäre, hält die Ärzteversorgung Westfalen-Lippe an der Investition fest. „Die brennenden Wälder in Brasilien sollten der Ärztekasse endlich die Augen öffnen, in welchen Strukturen dort investiert wird“, so Herre weiter. „Ärzte sollen eine ordentliche Pension erhalten, aber nicht auf Kosten der Menschenrechte!“.

Problematisch bewertet FIAN auch die Haltung der Aufsichtsbehörde. Das Finanzministerium Nordrhein-Westfalen hat die Aufsicht über die Ärzteversorgung Westfalen-Lippe inne. „Wir haben vergeblich versucht, mit dem Ministerium ins Gespräch zu kommen“, so Roman Herre. „Leider verweigert das Ministerium jegliche Diskussion über seine menschenrechtliche Verantwortung als Aufsichtsbehörde. Dabei hätte das Ministerium die Möglichkeit – und die Pflicht –, solche fatalen Investitionen zu regulieren.“