Hans-Jochen Luhmanns Kolumne: Energie

 

 

„Heizen ist der Ausgleich von Baumängeln“

Gegenwärtig beanspruchen die Gebäude in Deutschland etwa 40 Prozent des nationalen Energiebedarfs. Dessen Deckung mit Hilfe von zugeführten kommerziellen Energieträgern ist ein Riesengeschäft und entspricht Kosten für Endverbraucher in Höhe von rund 100 Milliarden Euro pro Jahr. Im Fortschreiten der Energiewende geht es also um viel Geld. (März 2017)

 

Die Sicherheit der europäischen Gasversorgung

Das aktuelle russisch-ukrainische Verhältnis ist mit „zerrüttet“ noch übertrieben warmherzig bezeichnet. Und der Vertrag zur „Durchleitung“ russischen Erdgases via Ukraine nach Europa läuft Ende 2019 aus, also in gut drei Jahren. Wann es zu einem neuen Vertrag kommen kann, steht in den Sternen. Die Sicherheit der Gasversorgung Europas von Russland aus steht somit auf der Kippe – und das recht präzise „auf Termin“. (April 2016)

 

Die Fußangeln der vertraglichen Ausgangslage bei der Lieferung russischen Gases nach Europa

Der Großteil des Erdgases, welches Russland via Gazprom nach Europa exportiert, wird geliefert gemäß bestehenden langfristigen Versorgungsverträgen (LTSC). Die Auslaufdaten der LTSC erstrecken sich bis zum Jahre 2035. Auf Basis solcher Verträge wurden vor Jahrzehnten die erheblichen und langfristigen Investitionen in Gastransport-Infrastrukturen gestemmt. (April 2016)

 

Sigmar Gabriels „Hosenträger zum Gürtel“

Schalten RWE und Vattenfall Braunkohlekraftwerke ab, so werden sie weniger zu verkaufen haben. Produzieren sie jedoch lediglich keinen Strom damit, halten diese Kraftwerke allerdings ständig in Bereitschaft, um mit ihnen Lieferengpässe auf dem Strommarkt zu überbrücken, sind sie dafür zu „entschädigen“ – ob ein ausgleichswürdiger „Schaden“ vorliegt, wurde gar nicht erst geprüft. (September 2015)

 

Ursache des dreifachen Reaktoren-Unglücks in Fukushima

Die Produktion von Nachzerfallswärme eines Kernreaktors geht nach der Schnellabschaltung über die Zeit exponentiell zurück. In den Fukushima-Kraftwerken hat die Zeitspanne zwischen dem Erdbeben und dem später auflaufenden Tsunami auf die Menge der noch abzuführenden Wärme daher einen wesentlichen Einfluss. (August 2015)

 

Die Nukleare Sicherheitskonvention und ihre Durchsetzbarkeit

Im Jahr 2011 geschah die geballte Katastrophe: An der Nordostküste Honshus gingen am Standort Fukushima II gleich drei Reaktoren durch. Danach stand die Frage im Raum: „Was können wir aus diesem opferreichen Geschehen, das Japan bedauerlicherweise getroffen hat, dem Offenbarwerden von Sicherheitsmängeln, Gutes für den Rest der Welt gewinnen?“ War das ernst gemeint? Oder verbalisierte sich hier eine Haltung, die Hillary Clinton einmal in den schönen Wahlspruch gefasst hat: „Never waste a good crisis!“? (Juli 2015)