EU-Landwirtschaft verursacht Klimaschäden von 77 Milliarden Euro

 

(Berlin, 18. September 2019) Die Landwirtschaft in der Europäischen Union verursacht enorme Klima- und Umweltschäden. Allein die CO2-Emissionen der Landwirtschaft haben Klimakosten in Höhe von 77 Milliarden Euro pro Jahr zur Folge. Das zeigt eine im Auftrag der Verbraucherorganisation foodwatch durchgeführte Auswertung zahlreicher wissenschaftlicher Studien. Diese Umweltkosten spielten in der Agrarpolitik allerdings bisher kaum eine Rolle, heißt es in der Studie. foodwatch forderte die Bundesregierung vor der Sitzung des Klimakabinetts und dem globalen Klimastreik am Freitag, den 20. September 2019, auf, konkrete CO2-Einsparvorgaben für die Landwirtschaft zu formulieren. Um Anreize zu schaffen, möglichst klimafreundlich zu produzieren, müsse zudem das Verursacherprinzip angewendet werden: Die Landwirtschaft müsse für die von ihr verursachten Klima- und Umweltschäden aufkommen. Das würde umweltfreundlich erzeugte Produkte günstiger machen als solche, deren Produktion hohe Umweltschäden verursacht, so foodwatch.

„Die Klimadebatte darf nicht nur um Flugreisen und SUVs kreisen, sondern wir müssen auch die Landwirtschaft ins Visier nehmen. Mit ihrer Überproduktion an Fleisch und mit unnötig klimaschädlichen Anbaumethoden ist die heutige Landwirtschaft eine riesige CO2-Schleuder ‑ und der Staat fördert das fehlgeleitete Wirtschaften auch noch mit Milliardensubventionen. Dass es bis heute keine verbindlichen Einsparziele für die Agrarbranche gibt, ist ein Skandal“, kritisierte foodwatch-Geschäftsführer Martin Rücker. Mit kleinteiligen Umschichtungen der Subventionen im Agrarhaushalt lasse sich die Landwirtschaft nicht klimagerecht umbauen. „Die Agrarpolitik muss endlich Teil der Klimapolitik werden! Für eine klima- und umweltgerechte Landwirtschaft muss das in der Umweltpolitik längst etablierte Verursacherprinzip auch in der Agrarpolitik gelten: Wer Klima- und Umweltkosten verursacht, muss diese auch bezahlen. Die Verursacher von vermeidbaren Umweltschäden dürfen nicht auch noch mit Subventionen aus Steuergeldern belohnt werden.“

foodwatch hatte in einer Meta-Studie zahlreiche wissenschaftliche Untersuchungen zu den sogenannten negativen externen Effekten der Landwirtschaft analysieren lassen. Darunter versteht man Kosten, die durch landwirtschaftliche Produktion zum Beispiel in der Umwelt entstehen ‑ die aber nicht von den Verursachern, sondern von der Allgemeinheit getragen werden. Die Studienauswertung zeige, „wie enorm die externen Effekte der Landwirtschaft“ seien, insbesondere auf das Klima. Allein durch den CO2-Effekt der EU-Landwirtschaft würden sich umgerechnet externe Kosten in Höhe von etwa 77 Milliarden Euro pro Jahr ergeben, wenn man den vom Umweltbundesamt vorgeschlagenen CO2-Preis von 180 Euro pro Tonne zugrunde legt. Zum Vergleich: Das sind weit mehr als die jährlich in der EU ausgeschütteten 55 Milliarden Euro Steuergelder für Agrarsubventionen.

Aber auch Grundwasser oder Flüsse und Seen würden zum Beispiel durch Pestizide oder Gülle aus der landwirtschaftlichen Produktion belastet. Wasserbetrieben und Kläranlagen würden so hohe Mehrkosten entstehen. Hauptverursacher der Umweltkosten seien Betriebe der hochintensiven konventionellen Landwirtschaft, insbesondere im Bereich Tierhaltung. Hier seien zum Beispiel der energieintensive Futtermittelanbau und die Betreibung von Ställen und Belüftungssystemen ein Problem. Bei pflanzlichen Produkten seien die negativen externen Effekte deutlich geringer, heißt es in der Studie.

Bereits 2008 hatte foodwatch in einer umfangreichen Studie belegt, dass die Bio-Landwirtschaft allein allerdings keine Lösung sei. Insgesamt hat die Bio-Landwirtschaft zwar ökologische Vorteile gegenüber der konventionellen, die Klimabilanz etwa in der Bio-Fleischproduktion kann zum Teil jedoch sogar schlechter sein als in der konventionellen Produktion. Anstelle von System-Debatten fordert die Verbraucherorganisation die Bundesregierung daher auf, die Ökologisierung der gesamten landwirtschaftlichen Produktion voranzutreiben, indem konsequent das Verursacherprinzip angewendet wird.