KI-Suchmaschinen fressen die Medien und uns gleich mit – weil Daten noch immer als herrenloser Rohstoff behandelt werden

Ein Essay von Michael Detjen

Wolfram Weimer warnt vor der Pleitewelle bei privaten Medien. Zu Recht. Aber sinkende Klickzahlen sind nur das Symptom. Das eigentliche Problem: Medien stecken mit Aufwand, Geld und menschlicher Intelligenz hochwertige Inhalte in die Welt. KI-Suchmaschinen klauen sie sich, verarbeiten sie zu eigenen Antworten und kassieren damit Aufmerksamkeit und Erlöse.

Die Verlage tragen die Kosten. Die Tech-Konzerne streichen den Gewinn ein. Genau wie bei der Werbeindustrie üblich: Den Produzenten wird das Nutzungsrecht letztlich durch technische Übermacht faktisch einfach entzogen. Die Nutzungsbedingungen? Ein schlechter Witz zur pseudo juristischen Rechtfertigung.

Genau hier setzt Dateneigentum an.

Journalistische Inhalte sind kein Freigut für fremde Geschäftsmodelle. Und wir dürfen nicht bei Medien haltmachen. Wer Daten, Texte, Bilder oder Erkenntnisse erzeugt, muss bestimmen können:

  • Wer darf sie nutzen?
  • Zu welchem Zweck?
  • Unter welchen Bedingungen?
  • Und zu welchem Preis?

Urheberrecht und Leistungsschutzrecht? Das reicht nicht. Sie schützen zwar einzelne Werke, aber nicht die massenhafte, maschinelle Ausbeutung durch KI. Jede Form der Echtzeit-Datenverarbeitung ist hier nicht im Ansatz erfasst. Und die Masche, sich die Rechte mit langen, oft unverständlichen Nutzungsbedingungen zu erschleichen, wird noch von vielen Nutzern akzeptiert, da sie nicht verstanden werden. Das darf nicht so bleiben.

Das Problem wird noch brutaler, wenn es um den Menschen selbst geht.

Denn was den Medien heute passiert, ist nur der Anfang. Der Staatsminister hat das verstanden, doch das reicht nicht aus. Der wirtschaftliche Schaden wird noch viel größer, denn was KI-Suchmaschinen mit journalistischen Inhalten machen, das tun KI-Companions mit unseren intimsten Daten: Sie sammeln nicht nur Informationen, sondern dringen auch in unsere Ängste, Bedürfnisse und Beziehungen ein – in das, was uns ausmacht.

Deshalb: Dateneigentum als gesetzlich abgesichertes Verfügungs-, Lizenzierungs- und Vergütungsrecht.

Das heißt:

  • Keine kommerzielle KI-Nutzung ohne Lizenz.
  • Keine Verarbeitung ohne nachvollziehbare Herkunft.
  • Keine Wertschöpfung ohne Beteiligung derer, die den Rohstoff erzeugen.
  • Und vor allem: Kein Zugriff auf unsere Intimsphäre ohne unsere Zustimmung.

China und Brasilien haben die Probleme erkannt und ziehen Grenzen. Europa? Noch immer im Dämmerlicht des politischen Unverständnisses gefangen. Lieber lässt man Firmen zugrunde gehen als die Vasallen-Gefolgschaft zu Big Tech zu kündigen. Dabei brauchen wir klare Regeln für manipulative KI-Designs und echte Rechte auf Auskunft, Löschung, Übertragung und Verfügung über die eigenen Daten – Dateneigentum!

Wir sind der Meinung:

Ohne Dateneigentum bleibt die digitale Wirtschaft ein Ausbeutungsmodell: Wir alle erzeugen ständig in Echtzeit Wert, der von wenigen Konzernen angeeignet wird. Ob Medieninhalte oder persönliche Daten – wer Daten in Echtzeit produziert, muss auch über ihre wirtschaftliche Nutzung bestimmen können. Wir müssen die Kraft des Eigentums entfesseln – für Innovation und Fortschritt überall, nicht nur bei Big Tech.

Das ist kein Medienproblem.
Das ist kein KI-Problem.
Das ist die Frage, wer in der digitalen Welt noch die Hosen anhat.

Michael Detjen, Juli 2026.

#Dateneigentum #KI #Medienvielfalt #DigitaleSouveränität #Demokratie #Plattformmacht #Datenökonomie

Ergänzende Informationen:

https://www.linkedin.com/pulse/europa-darf-die-menschliche-seele-nicht-zum-rohstoff-der-detjen-kpxce

https://www.linkedin.com/posts/michaeldetjen_dateneigentum-kaesnstlicheintelligenz-journalismus-share-7483037346658131968-zFtJ/?utm_source=social_share_send&utm_medium=member_desktop_web&rcm=ACoAAB180vABsuaxvVo8PyYy2tHpWRiO7AgGvaA