Humanitäre Katastrophen, die kaum Schlagzeilen machen

2025 gab es 1.532 Online-Artikel zur Krise in der Zentralafrikanischen Republik, zu Jeff Bezos‘ Hochzeit in Venedig waren es 96.927. Konflikte, Hunger und die Folgen extremer Wetterereignisse zerstören Existenzen in Ländern wie der Zentralafrikanischen Republik, Sambia oder Honduras, dennoch dominieren andere Meldungen die globale Berichterstattung. Und wo Krisen unsichtbar bleiben, fehlt oft auch die finanzielle Unterstützung.

(Bonn, 28. Januar 2026) Zum zehnten Mal veröffentlicht die internationale Hilfsorganisation CARE (Cooperative for Assistance and Relief Everywhere) in Zusammenarbeit mit dem internationalen Medienbeobachtungsdienst Meltwater den CARE-Krisenreport über die zehn humanitären Katastrophen, die jeweils im Vorjahr kaum Schlagzeilen machten. CARE listet zunächst alle humanitären Krisen und Katastrophen auf, von denen jeweils mehr als eine Million Menschen betroffen sind. Anschließend prüft Meltwater, wie häufig über jede dieser Krisen im Zeitraum vom 1. Januar bis 30. September 2025 berichtet wurde.

Insgesamt fünf Millionen Medienberichte wurden erhoben und den Ländern zugeordnet. Daraus ergibt sich die Rangfolge. Berücksichtigt wurde ausschließlich die Online-Berichterstattung in den Sprachen Englisch, Französisch, Deutsch, Spanisch und Arabisch.

2025 gab es 1.532 Online-Artikel zur Krise in der Zentralafrikanischen Republik ‑ zu Jeff Bezos‘ Hochzeit in Venedig waren es 96.927

Konflikte, Hunger und die Folgen extremer Wetterereignisse zerstören Existenzen in Ländern wie der Zentralafrikanischen Republik, Sambia oder Honduras. Dennoch dominieren andere Krisen die globale Berichterstattung. Die CARE-Medienanalyse zeigt: Von fünf Millionen ausgewerteten Online-Artikeln zu humanitären Notlagen handeln rund zwei Millionen, also fast die Hälfte, von dem Konflikt in Gaza und der Westbank. Das Ungleichgewicht in der Berichterstattung ist erheblich – und es hat Folgen.

Denn wo Krisen unsichtbar bleiben, fehlt oft auch die finanzielle Unterstützung. 2025 war geprägt von einer besorgniserregenden Entwicklung: Weltweit wurden und werden Mittel für humanitäre Hilfe und Entwicklungszusammenarbeit gekürzt. Für Menschen in Krisenregionen bedeutet das unter anderem weniger Nahrung, weniger medizinische Versorgung, weniger Hoffnung.

Folgen des Klimawandels

Die Medien können nicht über alle Krisen gleichermaßen berichten. Gleichzeitig häufen sich Notlagen, weil für langanhaltende Krisen keine Lösungen gefunden werden. Das Ergebnis ist, dass einige Krisen vernachlässigt werden. Der Klimawandel verschlimmert die Situation dramatisch.

Heute sind Konflikte der größte Verursacher für Vertreibung, aber in wenigen Jahren könnten klimabedingte Katastrophen diejenigen Krisen, die bereits heute wenig Medienaufmerksamkeit erhalten, weiter isolieren. Fast alle langwierigen humanitären Krisen haben politische Ursachen – und dauern an, weil es keine politischen Lösungen gibt.

Vergessene Krisen

Die Europäische Union definiert eine „vergessene Krise“ als „eine schwere, lang andauernde humanitäre Krise, in der die betroffene Bevölkerung nur unzureichende oder gar keine internationale Hilfe erhält“. Typischerweise fehlt es zudem an politischem Willen zur Beilegung der Krise sowie an medialer Aufmerksamkeit. Die EU identifiziert solche Krisen im Rahmen des sogenannten „Forgotten Crisis Assessment“.

Der aktuelle „CARE-Krisenreport“ steht über diesen Link zum Download als PDF-Datei bereit.