
Männern wird oft nachgesagt, dass sie Frauen gerne die Welt erklären. Zuletzt wollte ich meiner zweieinhalb-jährigen Enkelin die Welt erklären. Es hat sich herausgestellt, dass das gar nicht so einfach ist. Sie wächst in einer Welt auf, die sich von meiner praktisch völlig unterscheidet. Es ging ums Arbeiten. Die Mama hatte Urlaub, und ich meinte zu ihr, dass sie auch Urlaub hätte, da auch ihr Kindergarten Pause hatte. Sie erkläre mir, dass sie am Computer arbeiten müsse.
Und mir fiel heiß siedend ein, dass der Kindergarten heute nicht mehr Kindergarten heißt, und weil ich nicht genau weiß, welcher Begriff der Richtige ist, versuche ich gar nicht das entsprechende Wort zu finden. Wie erkläre ich meine Welt einem jungen Wesen? Alles ist anders und vieles kennt sie gar nicht.
Und manches kann man wohl auch nicht begreiflich machen. Morgens beim Frühstück sagte mein Mann, dass er unbedingt wieder ordentliche Eier mit einer richtigen Schale essen wolle. Die Eier heutzutage, so erleben wir das, haben eine ganz zarte Schale, die sich kaum pellen lässt. Wir vermuten, dass dies ein gewolltes Zuchtergebnis ist. Wir beide stolpern über den Schalenzustand des Eis bei jedem Frühstück.
Kann man einem Kind erklären, dass zu unserer Zeit die Schale der Eier anders waren? Nun, dieser Tatbestand gehört vielleicht nicht zu den wichtigsten Dingen der Welterklärung, aber er zeigt, wie tiefgreifend Veränderungen sogar an den Frühstückstisch führen.
Für unseren Seelenfrieden aber ist gesorgt. Ein alter Museumhof fiel uns ein, der Zweiwegehühner hat, verkauft ab und an Eier mit der Schale, die wir gewohnt sind.
Dr. Heiderose Gärtner-Schultz, www.gaertner-schultz.de