
(Berlin, 15. Oktober 2026) Länder, in denen hohe Klimarisiken, Armut und Konflikte zusammentreffen, erhalten besonders wenig Anpassungsfinanzierung. Der neue Klimaanpassungsindex (Climate Adaptation Finance Index ‑ CAFI) von Brot für die Welt zeigt, dass 92 von 129 untersuchten Ländern stark oder extrem unterfinanziert sind. Dort leben über 6,3 Milliarden Menschen. Zugleich drohen Kredite neue Schuldenlasten zu schaffen.
„Wir brauchen eine Trendumkehr. Wer am stärksten gefährdet ist, muss zuerst Unterstützung erhalten“, fordert Dagmar Pruin, Präsidentin von Brot für die Welt. „Als größter bilateraler Geber von Anpassungsfinanzierung muss Deutschland politisch vorangehen und gemeinsam mit anderen Gebern strukturelle Zugangshürden abbauen.“ Dazu zählen komplizierte Verfahren und Anforderungen, die den Bedingungen in fragilen Staaten nicht gerecht werden. „Die Bundesregierung muss ihre Zusagen einlösen und sowohl in ihrer bilateralen Zusammenarbeit als auch in Klimafonds und Entwicklungsbanken eine risikogerechtere Mittelverteilung vorantreiben. Wir brauchen einfachere Verfahren und direkte Zugänge für lokale Organisationen – gerade in Krisenregionen“, betont Dagmar Pruin.
Nach Zuwächsen bis 2022 stockt der Finanzierungsaufwuchs für die Anpassungsfinanzierung im jüngsten Datenjahr 2023. Afghanistan, Tschad und Südsudan bleiben wie in den Vorjahren Schlusslichter. Sie bestätigen einen Trend: Dieselben armen, fragilen und besonders gefährdeten Staaten bleiben bei der Klimaanpassungsfinanzierung zurück, was auf strukturelle Zugangsbarrieren hindeutet. Inselstaaten wie Tuvalu und Nauru schneiden besser ab. Allerdings erfassen die Risikoindikatoren Gefahren wie den Meeresspiegelanstieg nur teilweise.
Der Climate Adaptation Finance Index ‑ CAFI von Brot für die Welt
Der CAFI von Brot für die Welt erscheint zum vierten Mal. Er bewertet die risikogerechte Verteilung verfügbarer Anpassungsmittel für 129 Länder des Globalen Südens. Grundlage sind OECD-Finanzierungszusagen pro Kopf für 2017 bis 2023 und Klimarisiken auf Basis des INFORM-Risikoindex. Die absolute Finanzierungslücke misst er nicht.
In seiner vierten Ausgabe untersucht der CAFI erstmals die langfristige Verschiebung von Zuschüssen hin zu Krediten. Der Zuschussanteil sank von knapp 58 Prozent 2016 auf rund 45 Prozent 2023, während mehr finanzielle Mittel über Kredite bereitgestellt wurden. „Klimaanpassung auf Pump belastet besonders verletzliche Länder doppelt: Sie müssen sich vor Klimafolgen schützen und dafür zusätzliche Schuldenlasten stemmen. Sie brauchen mehr Zuschüsse, keine Kredite“, sagt Sabine Minninger, Expertin für Klimapolitik bei Brot für die Welt.
Damit sichtbar wird, wie viel Geld tatsächlich in die Bewältigung wachsender Klimaschäden fließt – etwa nach der jüngsten Sturzflut in Nepal –, müssen diese Mittel getrennt von Anpassungsfinanzierung und humanitärer Hilfe erfasst und ausgewiesen werden. „Die Finanzierung zur Bewältigung klimabedingter Schäden und Verluste bleibt ein blinder Fleck der OECD-DAC-Berichterstattung im Rahmen der Klimafinanzierung. Doch nur mit einem Gesamtbild kann realistisch erfasst werden, welche Unterstützung die Betroffenen erreicht oder wie groß die Lücke ist“, sagt Sabine Minninger.
Sabine Minninger ist Referentin für Klimapolitik bei Brot für die Welt mit dem Schwerpunkt Klimawandel und Entwicklungsfragen.

Der „Klimaanpassungsindex 2026“ steht über diesen Link als PDF-Datei bereit.

