Die Ärmsten der Welt bekommen einen Cent am Tag zum Schutz vor der Klimakrise

 

(Berlin, 23. September 2019) Die tatsächliche Unterstützung, die die am wenigsten entwickelten Länder von reichen Ländern erhalten, um sich vor den verheerenden Auswirkungen der Klimakrise zu schützen, beträgt umgerechnet rund ein Cent pro Kopf und Tag. Das kalkuliert die Nothilfe- und Entwicklungsorganisation Oxfam anlässlich des heute in New York beginnenden Klimagipfels. In einem neuen Bericht beschreibt sie die verheerenden Auswirkungen der Erderwärmung in Mosambik und Ländern am Horn von Afrika. Oxfam fordert darin von den Industrieländern deutlich mehr Anstrengungen beim Klimaschutz sowie erheblich mehr Mittel, um arme Länder bei der Anpassung an den Klimawandel zu unterstützen.

Jan Kowalzig, Klimaexperte bei Oxfam Deutschland: „Die Regierungen reicher Länder wie Deutschland tun sich schwer, ihre Versprechen einzuhalten, arme Länder bei der Anpassung an die lebensbedrohliche Erderwärmung angemessen zu unterstützen. Die ärmsten und oft hoch verschuldeten Länder haben nichts zur Klimakrise beigetragen, werden aber mit der Rechnung alleingelassen. Die finanzielle Unterstützung dieser Länder gilt es massiv aufzustocken. Das ist eine Überlebensfrage. Denn Dürren, Stürme und Überschwemmungen zerstören in den ärmsten Ländern schon heute die Existenzgrundlagen von Millionen Menschen. Der Gipfel von New York wäre die passende Gelegenheit für die Geberländer, die Klima-Hilfen deutlich aufzustocken.“

Große Lücke zwischen Anspruch und Wirklichkeit

Im Jahr 2009 hatten sich die Industrieländer darauf geeinigt, die Klima-Hilfen für ärmere Länder bis 2020 auf jährlich 100 Milliarden US-Dollar zu steigern, um sie zu unterstützen, ihre Emissionen zu senken und sich an die Folgen des Klimawandels anzupassen. Doch nach Angaben der OECD klafft zwischen dem bisher erreichten Niveau der bereitgestellten Mitteln und der Zielmarke 2020 eine große Lücke. Zudem wird nur rund ein Fünftel der Gelder für die Anpassung an den Klimawandel eingesetzt. Das tatsächliche Defizit ist nach Oxfam-Berechnungen allerdings noch wesentlich größer, weil viele der als Klima-Hilfen deklarierten Gelder nur am Rande Klimaschutz oder Anpassung unterstützen. Außerdem sind laut OECD rund zwei Drittel der weltweiten Klima-Hilfen kreditfinanziert und müssen zurückgezahlt werden.

Vor diesem Hintergrund hat Oxfam kalkuliert, dass die 48 am wenigsten entwickelten Länder (LDCs, Least Developed Countries) jährlich nur 2,4 bis 3,4 Milliarden US-Dollar an tatsächlicher Unterstützung für die Klimaanpassung erhalten. Das entspricht rund drei US-Dollar pro Einwohner*in und Jahr oder weniger als ein Cent pro Kopf und Tag.

Verschuldung verschärft Klimakrise

Hohe Verschuldungsraten in Ländern wie Somalia und Mosambik verschärfen die Auswirkungen von Klimaschocks, weil dadurch Ressourcen fehlen, um die Gesellschaften widerstandsfähiger gegen die Folgen des Klimawandels zu machen. Nach den Verwüstungen der Zyklone Idai und Kenneth sah sich beispielsweise Mosambik gezwungen, einen Kredit über rund 120 Millionen Euro vom IWF aufzunehmen, um das zerstörte Land wiederaufzubauen.

Oxfam fordert die Industrieländer auf, deutlich mehr zu tun, um die eigenen Emissionen zu verringern und ihre Klimsachutzziele unter dem Pariser Abkommen nachzuschärfen. Zudem müssen sie mehr Finanzmittel bereitstellen, um arme Länder bei der Anpassung an den Klimawandel zu unterstützen. Dazu sollten die Geberländer ihre Zusagen für den Grünen Klimafonds aus der vergangenen Finanzierungsrunde nun verdoppeln.