Investitionen in fossile Anleihen laufen teilweise bis ins 22. Jahrhundert

(Berlin/London, 23. Juni 2026) Heute erscheint die neue urgewald-Studie „Investing in Climate Chaos 2026“, die umfassendste öffentlich zugängliche Analyse zu den institutionellen Investitionen in Unternehmen aus dem Kohle-, Öl- und Gassektor. Sie enthüllt: Investoren weltweit halten Aktien und Anleihen fossiler Unternehmen im Wert von über 6,5 Billionen US-Dollar – was dem jährlichen BIP von Frankreich und Großbritannien zusammen entspricht.

Besonders brisant: Anleihen fossiler Konzerne mit extrem langen Laufzeiten – im Fall von Petrobras, dem größten halbstaatlichen Energie- und Mineralölkonzern Brasiliens, bis ins Jahr 2115 – binden Kapital über viele Jahrzehnte an die fossile Wirtschaft.

  • In Deutschland dominieren die Deutsche-Bank-Tochter DWS, Allianz, Union Investment und Deka Group den Markt der fossilen Investments.
  • In Österreich: Erste Group, die Raiffeisen Banking Group und die Vienna Insurance Group (VIG)
  • In der Schweiz: UBS, Pictet und die Schweizer Nationalbank

Unter europäischen Investoren gibt es jedoch auch positive Entwicklungen: Der Schweizer Anlageverein SVVK-ASIR empfiehlt seinen Mitgliedern erstmals, keine Anleihen mehr von Konzernen wie ExxonMobil, Chevron oder Saudi Aramco zu kaufen. Noch weiter gegangen sind unter anderem Nordea Asset Management, BNP Paribas Asset Management oder Ofi Invest.

Die Studie „Investing in Climate Chaos 2026“, die Website Investing-in-Climate-Chaos

Die Umwelt- und Menschenrechtsorganisation urgewald veröffentlicht die Studie gemeinsam mit 28 NGO-Partnern und macht damit die Rolle tausender institutioneller Investoren bei fossilen Aktivitäten transparent. Die Investing-in-Climate-Chaos-Website legt offen, welche Vermögensverwalter, Pensionsfonds, Staatsfonds, Versicherungsgesellschaften, Stiftungen und Hedgefonds weiterhin in Kohle-, Öl- und Gasunternehmen investiert sind, die die Klimakrise vorantreiben.

Die betrachteten institutionellen Investoren halten weltweit Anteile an fossilen Unternehmen mit einem Marktwert, der dem jährlichen BIP von Frankreich und Großbritannien zusammen entspricht. Mehr als 95 Prozent dieser Investitionen fließen in Unternehmen, die fossile Aktivitäten ausweiten, zum Beispiel solche, die neue Öl- und Gasquellen erschließen oder den Bau neuer fossiler Infrastruktur vorantreiben, darunter Pipelines, LNG-Terminals oder Kohle- und Gaskraftwerke. Investing in Climate Chaos erfasst die Aktien- und Anleihebestände von mehr als 8.400 institutionellen Investoren in Unternehmen, die in den anerkannten urgewald-Datenbanken zu fossilen Industrien aufgelistet sind:

Hunderte Finanzinstitute weltweit nutzen diese Datenbanken. Dank ihrer umfassenden Kennzahlen zu den Expansions- sowie den Dekarbonisierungsplänen fossiler Unternehmen können Investoren erkennen, welche Unternehmen ihre fossilen Aktivitäten verstärken und welche diese zurückfahren.

Größte Inverstoren weltweit

Die 21 größten Investoren weltweit in Unternehmen aus fossilen Industrien halten 50 Prozent des Volumens der in der urgewald-Studie analysierten Aktien und Anleihen von Unternehmen aus fossilen Industrien (die Werte sind auf die jeweils nächste Million gerundet):

  1. Vanguard aus den USA mit Gesamtinvestitionen von 659.451 Millionen US-Dollar
  2. BlackRock, USA, mit 553.299 Millionen US-Dollar
  3. Public Investment Fund, Saudi-Arabien, mit 283.676 Millionen US-Dollar
  4. State Street, USA, mit 257.273 Millionen US-Dollar
  5. Capital Group, USA, mit 197.275 Millionen US-Dollar
  6. Fidelity Investments, USA, mit 149.274 Millionen US-Dollar
  7. Geode Capital Holdings, USA, mit 131.661 Millionen US-Dollar
  8. JPMorgan Chase, USA, mit 105.696 Millionen US-Dollar
  9. Government Pension Fund Global (GPFG), Norwegen, mit 91.293 Millionen US-Dollar
  10. Morgan Stanley, USA, mit 85.134 Millionen US-Dollar
  11. Berkshire Hathaway, USA, mit 83.255 Millionen US-Dollar
  12. Franklin Resources, USA, mit 75.524 Millionen US-Dollar
  13. T. Rowe Price, USA, mit 74.057 Millionen US-Dollar
  14. UBS, Schweiz, mit 71.651 Millionen US-Dollar
  15. Invesco, USA, mit 69.930 Millionen US-Dollar
  16. Dimensional Fund Advisors, USA, mit 67.630 Millionen US-Dollar
  17. Royal Bank of Canada, Kanada, mit 67.175 Millionen US-Dollar
  18. Wellington Management, USA, mit 63.957 Millionen US-Dollar
  19. Government Pension Investment Fund (GPIF), Japan, mit 63.826 Millionen US-Dollar
  20. Charles Schwab, USA, mit 62.568 Millionen US-Dollar
  21. Bank of America, USA, mit 60.326 Millionen US-Dollar

Die wichtigsten Investorenländer

Auf institutionelle Investoren aus den zehn wichtigsten Investorenländern entfallen 90 Prozent der in der urgewald-Studie analysierten Investitionen (die Werte sind auch hier in Millionen Millionen US-Dollar angegeben und auf die jeweils nächste Million gerundet):

  1. USA mit Gesamtinvestitionen von 4.030.916 Millionen US-Dollar
  2. Kanada mit 377.140 Millionen US-Dollar
  3. Japan mit 310.436 Millionen US-Dollar
  4. Saudi-Arabien mit 291.544 Millionen US-Dollar
  5. Vereinigtes Königreich mit 98.811 Millionen US-Dollar
  6. Indien mit 148.677 Millionen US-Dollar
  7. Frankreich mit 131.883 Millionen US-Dollar
  8. Schweiz mit 126.885 Millionen US-Dollar
  9. Deutschland mit 114.196 Millionen US-Dollar
  10. China mit 113.722 Millionen US-Dollar

Es gibt einen besseren Weg

Im Juni 2026 sprach der Schweizer Verein für verantwortungsbewusste Kapitalanlagen (SVVK-ASIR), in dem zwölf große Schweizer Pensionskassen und Versicherer mit einem verwalteten Gesamtvermögen von über 350 Milliarden US-Dollar zusammengeschlossen sind, eine Empfehlung an seine Mitglieder aus: Diese sollten den Erwerb von Anleihen der Unternehmen ExxonMobil, Chevron, Marathon Petroleum, Saudi Aramco, PBF Energy, Philips 66 und Valero Energy Corporation einstellen. Dies ist das erste Mal, dass der SVVK-ASIR eine solche Empfehlung ausgesprochen hat.

Andere institutionelle Anleger sind noch weiter gegangen. Nordea Asset Management beteiligt sich nicht länger an Anleiheemissionen von Unternehmen, die ihre Öl- und Gasförderung ausweiten. Europas drittgrößter Vermögensverwalter BNP Paribas Asset Management tätigt keine Investitionen in neue Anleihen von Unternehmen, die nach neuen Öl- und Gasquellen suchen beziehungsweise Öl und Gas fördern. Frankreichs viertgrößter Vermögensverwalter Ofi Invest schließt den Kauf von Unternehmensanleihen aus, wenn Firmen an der Förderung unkonventioneller fossiler Brennstoffe, an fossilen Expansions- oder Explorationsprojekten sowie an LNG-Exporten beteiligt sind.

Der französische Rückversicherer SCOR, eines der führenden Unternehmen seiner Branche, investiert nicht länger in Aktien und Anleihen von Öl- und Gasunternehmen mit Expansionsplänen im Upstream-Bereich. PFZW aus den Niederlanden – unter den weltweit größten Pensionsfonds auf Rang 14 – hat im Jahr 2024 Investitionen in 310 globale Öl- und Gasproduzenten veräußert, darunter Shell, BP und TotalEnergies. Nur sieben Öl- und Gasförderer verbleiben im PFZW-Portfolio. Joanne Kellerman, Vorstandsvorsitzende von PFZW, erklärte dazu: „Der intensive Dialog mit dem Öl- und Gassektor zu Klimathemen in den vergangenen zwei Jahren hat uns klargemacht, dass die meisten fossilen Unternehmen nicht bereit sind, ihre Geschäftsmodelle an das Pariser Abkommen anzupassen.“ Im Jahr 2025 stellte PFZW zudem Investitionen in von BlackRock verwaltete Aktienfonds ein und begründete dies mit mangelnder Übereinstimmung in Klimafragen.

Zusammenfassend sagt Heffa Schücking, die Geschäftsführerin von urgewald: „Während einige Institutionen bedeutende Fortschritte erreicht haben, zeigt unsere Studie, dass die meisten institutionellen Investoren sowohl unseren Klimazielen als auch ihrer langfristigen treuhänderischen Pflicht nicht gerecht werden. Investitionen in die alte Energiewelt machen in der Regel weniger als fünf Prozent des Portfolios eines Investors aus, aber sie schüren eine Krise, die 95 Prozent der Investitionen gefährdet. In einer Welt im Klimakollaps gibt es keine sicheren Renten, keine sicheren Ersparnisse und keine sicheren Renditen.“

Heffa Schücking ist Geschäftsführerin der Umwelt- und Menschenrechtsorganisation urgewald.

Die 65 größten Banken der Welt haben sich verpflichtet, 8.700.000.000.000 US-Dollar über zehn Jahre für die fossile Brennstoffindustrie, die Klimachaos und tödliche gesundheitliche Folgen verursacht, bereitzustellen. Der entsprechende Bericht „Banking on Climate Chaos 2026“ steht über diesen Link als PDF-Datei bereit.