Top-Banken finanzieren weiterhin mit Milliarden den Ausbau fossiler Brennstoffe

 

Der 14. Bericht „Banking on Climate Chaos“ listet drei deutsche Banken unter die 60 größten Finanzierer der fossilen Industrie weltweit. Nahezu drei Viertel der untersuchten Banken haben im Rahmen der Net-Zero Banking Alliance zur Dekarbonisierung ihres Portfolios Versprechen gemacht, die jedoch in den seltensten Fällen mit Ausschlusskriterien für fossile Expansionisten einhergehen. Existierende Richtlinien sind oft so vage, dass sie den Banken erlauben weiter Unternehmen mit massiven Expansionsplänen zu finanzieren; das trifft auch auf die Deutsche Bank zu.

(Berlin/ San Francisco, 13. April 2023) Der heute veröffentlichte 14. „Banking on Climate Chaos” Bericht zeigt: In den sieben Jahren seit der Verabschiedung des Klimaabkommens von Paris am 12. Dezember 2015 haben die 60 größten Privatbanken der Welt fossile Brennstoffe mit 5,5 Billionen US-Dollar finanziert.

Allein 2022 waren es 673 Milliarden Dollar, die im Rahmen von Konsortialkrediten und Wertpapieremissionen an Unternehmen der fossilen Energiebranche flossen. Hiervon gingen 150 Milliarden Dollar an die 100 Unternehmen, die am meisten zur fossilen Expansion beitragen, unter anderem TC Energy, TotalEnergies, Venture Global, ConocoPhillips, und Saudi Aramco.

„Kohle-, Öl- und Gasunternehmen, die weiterhin neue fossilen Quellen erschließen oder Infrastruktur ausbauen, arbeiten gegen die Pariser Klimaziele. Banken müssen sich endlich von Energieunternehmen verabschieden, die nicht bereit sind, ihr zerstörerisches Geschäftsmodell grundlegend zu verändern“, sagt Katrin Ganswindt, Finanzkampaignerin bei urgewald.

Die Dringlichkeit ist unbestritten, wie der Weltklimarat (IPCC) in seinem letzten Bericht von März 2023 klar gemacht hat. Fossile Expansion muss aufhören und gleichzeitig der Verbrauch fossiler Brennstoffe rapide zurück gehen, um die schwindende Chance, dass 1,5 Grad Celsius-Limit einzuhalten, zu nutzen.

Banking on Climate Chaos zeigt, dass die Finanzierung fossiler Unternehmen weiterhin von US-Banken dominiert wird: Sie waren im Jahr 2022 für 28 Prozent aller Finanzierungen fossiler Unternehmen verantwortlich. JPMorgan Chase ist seit dem Pariser Abkommen der weltweit größte Geldgeber für fossile Energien. Kanadische Banken holen allerdings auf und haben seit dem Pariser Abkommen fossile Unternehmen mit 862 Milliarden Dollar versorgt. Die Royal Bank of Canada (RBC) hat JPMorgan Chase 2022 im Ranking an Platz 1 abgelöst.

Deutsche Banken

Drei deutsche Banken gehören zu den 60 größten Finanzierern der fossilen Industrie. Dabei liegen die Commerzbank und die DZ Bank ähnlich wie in der Vergangenheit im Jahr 2022 auf Platz 49 mit 14,6 Milliarden Dollar beziehungsweise auf Platz 59 mit 1,9 Milliarden Dollar.

Die Deutsche Bank belegt für das Jahr 2022 bei der Summe fossiler Finanzierungen Platz 31 (7,4 Milliarden Dollar), bei Finanzierungen für Unternehmen mit Expansionsplänen Platz 29 (2 Milliarden Dollar). Die Bank ist besonders aktiv bei der Finanzierung von Firmen, die neue Export-Flüssiggasterminals (LNG-Terminals) bauen. Von 2021 auf 2022 hat die Deutsche Bank ihre Finanzierungen hier von 340 Millionen Dollar auf 907 Millionen Dollar fast verdreifacht und liegt damit in der LNG-Rangliste auf Platz 11. Die Deutsche Bank hat sich 2022 unter anderem mit über 750 Millionen Dollar an einem Kredit für „Venture Global Plaquemines LNG“ beteiligt. Venture Global will mit dem Plaquemines Flüssiggasterminal in Louisiana neue Exportkapazitäten für gefracktes US-Gas schaffen, mit massiven Auswirkungen auf lokale Natur und Bevölkerung. Neben der Umweltverschmutzung durch Fracking würde der Bau von Plaquemines Feuchtgebiete zerstören, die als Sturmschutz für die umliegenden Gemeinden dienen.

Der Anstieg bei der Finanzierung von Flüssiggas läuft dem ansonsten erfreulichen Trend zuwider, dass die Deutsche Bank bei gesamten fossilen Finanzierungen, Unterstützung für Expansionisten, Offshore oder Fracking 2022 überall weniger finanziert hat als 2021.

Der Flüssiggassektor hat in der Folge der russischen Invasion in die Ukraine einen Boom erlebt. Der massive Ausbau von Flüssiggasinfrastruktur geht nicht nur mit Umwelt- und Klimazerstörung einher, sondern sorgt gerade in Europa für Überkapazitäten. Dennoch erhielten im Jahr 2022 die Top 30-Unternehmen, die im Flüssiggasbereich expandieren, 22,7 Milliarden Dollar von den 60 untersuchten Banken. Dies ist ein Anstieg von fast 50 Prozent im Vergleich zu 2021 (15,2 Milliarden US-Dollar). Die Top-5 Finanzierer von expandierenden LNGFirmen sind Mizuho, Morgan Stanley, JPMorgan Chase, ING und Citi.

Europäische Banken

Die niederländische Bank ING hat ihre Finanzierung für Flüssiggasfirmen mit 1,2 Milliarden Dollar gegenüber 2021 (283 Millionen) mehr als vervierfacht. ING hat im März dieses Jahres ihre Öl- und Gasrichtlinie überarbeitet. Nachdem sie bereits im vergangenen Jahr die Finanzierung neuer Öl- und Gasfelder auf Projektebene ausgeschlossen hat, verspricht sie nun, zukünftig auch keine Pipelines und Terminals mehr zu finanzieren, die die Erschließung neuer Öl- und Gasfelder unterstützen. ING hat den gleichen Projektkredit für Venture Global mitfinanziert wie die Deutsche Bank. Inwieweit ein solcher Projektkredit in Zukunft ausgeschlossen wäre und die Richtlinie den LNG-Aufwärtstrend der ING beeinflussen wird, bleibt fraglich.

ING liegt im Gesamtranking auf Platz 36 mit 5,2 Milliarden Dollar und damit hinter der Deutschen Bank, die im europäischen Vergleich auf Platz 6 liegt. Folgende europäische Banken haben die fossile Industrie 2022 am stärksten unterstützt: BNP Paribas auf Platz 12 (20 Milliarden Dollar), Barclays auf Platz 16 (16,5 Milliarden Dollar), Crédit Agricole auf Platz 19 (11,6 Milliarden Dollar), Société Générale auf Platz 20 (11,1 Milliarden Dollar), HSBC auf Platz 22 (11 Milliarden Dollar).

Grenzen von Net-Zero-Versprechen                                

43 der 60 untersuchten Banken haben im Rahmen der Net-Zero Banking Alliance zur Dekarbonisierung ihres Portfolios Versprechen gemacht. Diese Net-Zero-Versprechen gehen jedoch in den seltensten Fällen mit Ausschlusskriterien für fossile Expansionisten einher. Existierende Richtlinien sind oft so vage, dass sie den Banken erlauben weiter Unternehmen mit massiven Expansionsplänen zu finanzieren. Das trifft auch auf die Deutsche Bank zu, die etwa Unternehmen wie TotalEnergies und Shell finanziert. TotalEnergies will in Uganda und Tansania die East African Crude Oil Pipeline bauen, die nicht nur zu Naturzerstörung, sondern auch zur Umsiedlung von tausenden Dorfbewohnern führen würde. Shell baut ein neues LNG-Terminal in den Philippinen und bedroht dadurch die Korallengriffe und Fischgründe der Verde Island Passage, dem sogenannten Amazonas der Ozeane. Sieben Millionen Menschen leben von Fischerei und Tauchtourismus in der Verde Island Passage und sind auf eine Intakte Unterwasserwelt angewiesen.

„Gerade Banken, die sich mit der Mitgliedschaft in der Net-Zero Banking Alliance schmücken, müssten fossilen Expansionisten den Geldhahn zuzudrehen. Wir fordern diese Banken auf, Shell die Unterstützung zu versagen sollte die Firma an den Ausbauplänen in der Verde Island Passage festhalten,“ plädiert Gerry Arances von der NGO CEED aus den Philippinen.

Banking on Climate Chaos wurde von Rainforest Action Network, BankTrack, Indigenous Environmental Network, Oil Change International, Reclaim Finance, Sierra Club und urgewald verfasst und wird von über 500 Organisationen aus mehr als 50 Ländern weltweit unterstützt.

Katrin Ganswindt ist Finanzkampaignerin bei urgewald.

Der 14. Bericht „Banking on Climate Chaos“ steht über diesen Link zum Download als PDF bereit.