Empathie, Ekpathie und positive Indifferenz

Oliver Hoffmann: Die Kunst der psychologischen Selbstführung: Empathie, Ekpathie und positive Indifferenz, Vandenhoeck & Ruprecht, 2026, 174 Seiten, 25,00 Euro (Printausgabe).

Ein nicht gängiger Begriff erobert das Beratungstableau und macht neugierig: Ekpathie. Und dann noch der Begriff der positiven Indifferenz. Also, worum geht es?

Empathie ist zum Heilswort für die Welt geworden, seit ihn die humanistische Psychologie ins Spiel gebracht hat. So sieht es der Autor. Hoffmann spricht von der Empathie als einem Kompass, der vielen Menschen innewohnt. Und er fragt, ob dieser Kompass uns richtig führt oder ob er uns nicht Irrwege anzeigt.

Was ist, wenn wir in die emotionale Abhängigkeit geführt werden, wenn das „grenzenlose Mitfühlen nicht zur Stärkung führt, sondern zur schleichenden Selbstauflösung führt?“ (S.7)

Ekpathie beschreibt Hoffman als positive Selbstabgrenzung, die nicht mit Desinteresse oder Kälte zu verwechseln ist. Es geht um Selbstachtung. Die eigenen Grenzen kennen. Positive Indifferenz lässt sich nicht vereinnahmen, ist die Haltung der inneren Freiheit, nicht geführt von übermäßiger Einfühlung noch von distanzierter Gleichgültigkeit. Diese Haltung erst erlaubt mitfühlendes Handeln, weil die Grenze zwischen dem eigenen Selbst und seinem Raum nicht mit dem anderen verschwimmt (positive Indifferenz).

Emotionale Souveränität ist für Hoffmann ein Future Skill. Er will eine postmoderne Mündigkeit erzielen, bei der der einzelne ansprechbar und offen für den anderen ist, aber seine kognitive Deutungshoheit nicht verliert.

Begriffsdefinitionen und historische Entwicklung beziehungsweise Wurzeln der Begriffe Empathie und Ekpathie folgen. Dann werden die philosophischen Grundlagen der positiven Indifferenz (Stoizismus, Buddhismus) erläutert. Es werden Anwendungsfelder in Organisationen aufgezeigt und Übungsvorschläge angeboten, die die emotionale Freiheit als Kernkompetenz begreifen.

Erfrischende und aufrührende Gedanken beglücken den Berufsalltag durch dieses Buch. Die Wurzeln im Buddhismus sind bei den Achtsamkeitsratgebern ebenso vorhanden. Nur verhält es sich mit diesem Buch so, dass es eine andere, eigene Art des Herangehens an Probleme und deren Bearbeitung bietet. Es enthält viele hilfreiche und gut zu nutzenden Gedanken.

Dr. Heiderose Gärtner-Schultz

www.gaertner-schultz.de